{"id":5652,"date":"2021-02-04T05:48:08","date_gmt":"2021-02-04T02:48:08","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-portugal-jetzt-stehen-wir-selbst-an-vorderster-front\/"},"modified":"2021-02-04T05:48:08","modified_gmt":"2021-02-04T02:48:08","slug":"corona-in-portugal-jetzt-stehen-wir-selbst-an-vorderster-front","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-portugal-jetzt-stehen-wir-selbst-an-vorderster-front\/","title":{"rendered":"Corona in Portugal: \u00bbJetzt stehen wir selbst an vorderster Front\u00ab"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/cf2245df-5d91-44e5-a5fc-28216a02c6b6_w948_r1.77_fpx40.66_fpy53.jpg\" title=\"Die Pandemie hat Portugal fest im Griff\" alt=\"Die Pandemie hat Portugal fest im Griff\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Die Pandemie hat Portugal fest im Griff<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Jorge Mantilla \/ NurPhoto \/ picture alliance  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf einem der zentralen Pl\u00e4tze Lissabons steht steinern, einen L\u00f6wen zur Seite, der Marquis de Pombal, der Retter der Stadt, als alles in Tr\u00fcmmern lag, nach dem Erdbeben am 1. November 1755. Nicht nur seismologisch war es eine Weltersch\u00fctterung, diese gr\u00f6\u00dfte Naturkatastrophe seit damaligem Menschengedenken.<\/p>\n<p>\u00bbBegrabt die Toten, versorgt die \u00dcberlebenden!\u00ab, das war die Losung des sp\u00e4teren Marquis, damals noch ein Erster Minister des K\u00f6nigs. Es wurde das Programm des Pragmatismus: Kein Jammern und erst recht kein Beten, sondern tun, was zu tun ist. Der Marquis de Pombal wurde zum Inbegriff von stiff-upperlip und postapokalyptischer Politik und hat sich sein Standbild wohl verdient.<\/p>\n<p>Ein Viertel der Einwohner kam ums Leben. Die meisten starben nicht durch das Erdbeben, sondern durch eine zweite und dritte Welle der Verw\u00fcstung, durch Br\u00e4nde und Epidemien. Das Wasser des Tejo hatte sich komplett zur\u00fcckgezogen, viele \u00dcberlebende fl\u00fcchteten aus den Tr\u00fcmmern an den Uferkai oder auf die dort auf Grund liegenden Schiffe. Doch dann kam die Welle, f\u00fcnfzehn Meter hoch und rasend schnell, fast lie\u00dfe sich sagen: exponentiell schnell.<\/p>\n<h3>Portugal hat derzeit mit 816 F\u00e4llen die h\u00f6chste Sieben-Tage-Inzidenz in Europa<\/h3>\n<p>Vielleicht wird auch den Nachfahren des Marquis einmal von dankbaren B\u00fcrgern ein Denkmal errichtet werden. Es sieht allerdings nicht danach aus. Nirgendwo in der EU sind die Inzidenzzahlen h\u00f6her, die Krankenh\u00e4user so am Limit wie derzeit in Portugal.<\/p>\n<p>\u00bbIm Unterschied zum Marquis de Pombal leben wir in einer Demokratie\u00ab, sagt Au\u00dfenminister Augusto Santo Silva dem SPIEGEL. \u00bbEs ist schwer vorstellbar, den Menschen in Portugal zu verbieten, ihre Familien \u00fcber die Feiertage zu besuchen.\u00ab<\/p>\n<p>Pombal konnte autorit\u00e4r durchregieren, h\u00e4tte vermutlich Schulen und Caf\u00e9s geschlossen, Reiseverbote erlassen, die Flugh\u00e4fen scharf kontrolliert, also all das, vor dem das linke Regierungsb\u00fcndnis des Ant\u00f3nio Costa zur\u00fcckschreckte: Nur kein zweites strenges Lockdown, das war die Haltung der Regierung vor Weihnachten und vermutlich auch der meisten der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Sie wird schon nicht kommen, die Welle. Der Tejo wird trocken bleiben.<\/p>\n<p>Doch dann kam nicht nur die zweite, sondern gleich eine dritte, noch st\u00e4rkere Welle. Portugal hat derzeit mit 816 F\u00e4llen die h\u00f6chste Sieben-Tage-Inzidenz in Europa. Es gibt l\u00e4ndliche Gegenden mit Inzidenzen weit \u00fcber tausend.<\/p>\n<p>\u00bbIm vergangenen M\u00e4rz hatten wir Zeit uns vorzubereiten\u00ab, sagt Santo Silva. \u00bbEs gab die Lehren aus Italien und Spanien. Doch jetzt stehen wir selbst an vorderster Front und haben es mit der britischen Varante zu tun.\u00ab In Lissabon w\u00fcrden bereits 50 Prozent der Neuinfektionen dem Mutanten aus England zugeschrieben.<\/p>\n<h3>\u00bbUnser Gesundheitssystem ist unter gro\u00dfem Stress\u00ab<\/h3>\n<p>Bis zu zwanzig Stunden mussten im Krankenhaus Garcia de Orfa in Almada, am anderen Tejo-Ufer, Intensivpatienten in den Ambulanz-Fahrzeugen warten.<\/p>\n<p>Besonders ernst ist die Lage im Norden des Landes. In einem Krankenhaus in Leira, so der staatliche Sender RTP, seien aktuell \u00fcber hundert \u00c4rzte und Pfleger selbst infiziert oder in Quarant\u00e4ne.<\/p>\n<p>\u00bbUnser Gesundheitssystem ist unter gro\u00dfem Stress\u00ab, sagt Minister Santo Silva. \u00bbAber es ist nicht kollabiert. Wir verf\u00fcgen \u00fcber etwa tausend Intensivbetten in Portugal, die jetzt neu verteilt werden m\u00fcssen.\u00ab<\/p>\n<p>Das ganze Land hat sich in Selbstquarant\u00e4ne begeben, die Grenzen nach Spanien weitgehend geschlossen und den Flugverkehr heruntergefahren.<\/p>\n<p>Eine Maschine jedoch wird heute auf dem \u00bbAeroporto Humberto Delgado\u00ab landen, ein Hilfsteam der Bundeswehr, mit acht \u00c4rztinnen, achtzehn Pflegern und Hygienefachpersonal. Dazu 50 Beatmungsger\u00e4te, 150 Krankenbetten, Infusionsger\u00e4teund weitere medizinische Ausr\u00fcstung.<\/p>\n<h3>\u00bbDringende personelle und materielle Unterst\u00fctzung\u00ab<\/h3>\n<p>Der SPIEGEL hatte bereits am Freitag \u00fcber das Hilfeersuchen und den Einsatz des Teams berichtet. Premierminister Costa brauchte bis Montagabend, es auch \u00f6ffentlich zuzugeben.<\/p>\n<p>\u00bbWir wollten eben erst sicher wissen, was wir brauchen w\u00fcrden\u00ab, sagt Au\u00dfenminster Santos Silva. Au\u00dferdem habe Portugal keineswegs um Hilfe gebeten: \u00bbWir haben nur Hilfsangebote unserer europ\u00e4ischen Nachbarn angenommen, wie es in solchen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Lagen \u00fcblich ist. Das ist ein Unterschied.\u00ab<\/p>\n<p>Es gibt ein Schreiben der portugiesischen Gesundheitsministerin Marta Temido vom 25. Januar an Annegret Kramp-Karrenbauer, in dem sie \u00bbum dringende personelle und materielle Unterst\u00fctzung\u00ab ersucht hat, so das Bundesverteidigungsministerium.<\/p>\n<h3>\u00bbBegrabt die Toten, impft die Lebenden\u00ab<\/h3>\n<p>Das Team der Bundeswehr wird zun\u00e4chst drei Wochen in Lissabon beiben, dann eventuell von Teams aus anderen EU-L\u00e4ndern abgel\u00f6st werden. \u00d6sterreich hat bereits Intensivpatienten aufgenommen, Spanien und Luxemburg haben sich ebenfalls zur Hilfe bereit erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>In Portugal mangelt es besonders an medizinischem Personal. Zu viele ausgebildete Kr\u00e4fte sind seit der Finanzkrise 2008 nach Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Spanien abgewandert.<\/p>\n<p>Am Montag hat das Land die zweite Impfphase gestartet, f\u00fcr Hochbetagte und \u00fcber 50j\u00e4hrige mit speziellen Vorerkrankungen. F\u00fcr die gut zehn Millionen Einwohner sind bisher rund 400.000 Impfdosen geliefert worden, 270.000 Menschen haben die erste Impfung erhalten, 70.000 auch bereits die zweite.<\/p>\n<p>So wie es wohl auch der Marquis de Pombal empfohlen h\u00e4tte: \u00bbBegrabt die Toten, impft die Lebenden\u00ab, und nehmt Hilfe an ohne lang zu z\u00f6gern.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Die Pandemie hat Portugal fest im Griff Foto:\u2002Jorge Mantilla \/ NurPhoto \/ picture alliance Auf einem der zentralen Pl\u00e4tze Lissabons steht steinern, einen L\u00f6wen zur Seite, der Marquis<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5653,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5652","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5652"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5652\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5653"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}