{"id":556,"date":"2020-06-18T20:41:51","date_gmt":"2020-06-18T17:41:51","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/john-bolton-hatte-gegen-donald-trump-aussagen-mussen-kommentar\/"},"modified":"2020-06-18T20:41:51","modified_gmt":"2020-06-18T17:41:51","slug":"john-bolton-hatte-gegen-donald-trump-aussagen-mussen-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/john-bolton-hatte-gegen-donald-trump-aussagen-mussen-kommentar\/","title":{"rendered":"John Bolton h\u00e4tte gegen Donald Trump aussagen m\u00fcssen &#8211; Kommentar"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/1a7d9684-7da6-4ee0-9162-8e3e01603d0a_w948_r1.77_fpx69.98_fpy44.97.jpg\" title=\"Noch-Sicherheitsberater Bolton be\u00e4ugt US-Pr\u00e4sident Trump bei einer Kabinettssitzung im Mai 2018\" alt=\"Noch-Sicherheitsberater Bolton be\u00e4ugt US-Pr\u00e4sident Trump bei einer Kabinettssitzung im Mai 2018\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Noch-Sicherheitsberater Bolton be\u00e4ugt US-Pr\u00e4sident Trump bei einer Kabinettssitzung im Mai 2018<\/p>\n<p> JONATHAN ERNST\/ REUTERS <\/figcaption><\/figure>\n<p>Was John Bolton in seinem Buch \u00fcber den Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu erz\u00e4hlen hat, ist nach normalen politischen Ma\u00dfst\u00e4ben ersch\u00fctternd, haarstr\u00e4ubend und skandal\u00f6s. Und zugleich wird keine der vielen Enth\u00fcllungen noch irgendjemanden wirklich erstaunen.<\/p>\n<p>Ja, Donald Trump vermischt seine pers\u00f6nlichen Interessen mit dem nationalen Interesse der USA und stellt sich selbst \u00fcber das Wohl seines Landes. Ja, er schmeichelt sich bei Diktatoren ein, bittet Chinas Pr\u00e4sidenten um Wahlkampfhilfe und tr\u00e4umt davon, Journalisten erschie\u00dfen zu lassen.<\/p>\n<p>Ja, so ist Donald Trump. Wenn davon jemand schockiert sein sollte, hat er die letzten Jahre allerdings nicht aufgepasst.<\/p>\n<p>Boltons Buch \u2013 mit dem Titel &quot;The Room Where It Happened&quot; &#8211; ist nur eines in einer langen Reihe von B\u00fcchern, die aus dem Innern dieses Wei\u00dfen Hauses entstanden sind. Sie alle zeichnen das gleiche verheerende Bild eines Pr\u00e4sidenten, der seinem Amt nicht gewachsen ist, autokratische und antidemokratische Z\u00fcge hat und der nur ein politisches Programm kennt: ich, ich, ich. Er schrumpft sein Land und sein Amt, um an der Macht zu bleiben.<\/p>\n<p>Das wird in Boltons Buch mit Episoden belegt, die unfassbar und zugleich absolut stimmig sind: Trump best\u00e4rkte Chinas Pr\u00e4sidenten Xi Jinping darin, Internierungslager f\u00fcr die muslimische Minderheit der Uiguren zu errichten. Er wollte Ex-Au\u00dfenminister John Kerry strafrechtlich verfolgen lassen, weil der mit iranischen Repr\u00e4sentanten gesprochen hatte. Er lie\u00df sich von Wladimir Putin davon \u00fcberzeugen, dass Venezuelas Parlamentspr\u00e4sident Juan Guaid\u00f3 &quot;wie Hillary Clinton&quot; sei. Er dachte, Finnland geh\u00f6re zu Russland.<\/p>\n<h3>Warum hat Bolton nicht ausgesagt?<\/h3>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem von Boltons Buch ist sein Autor. Zwar gibt es trotz Trumps w\u00fctender Dementis wenig Zweifel daran, dass Boltons Schilderungen zutreffen. Die gro\u00dfe Frage ist, warum Bolton sich all diese saftigen Geschichten f\u00fcr ein Buch aufgespart hat, mit dem er wohl Millionen verdienen wird. Und warum er sie nicht im Dezember und Januar im Impeachmentverfahren des Kongresses gegen den Pr\u00e4sidenten ge\u00e4u\u00dfert hat. F\u00fcr dieses Verfahren w\u00e4ren seine Informationen von h\u00f6chster Relevanz gewesen \u2013 sie h\u00e4tten es den Senatoren und Abgeordneten erlaubt, in dem daf\u00fcr vorgesehenen Rahmen ein vollst\u00e4ndigeres Bild des Pr\u00e4sidenten zu bekommen.<\/p>\n<p>Eine Aussage Boltons h\u00e4tte vermutlich nichts ge\u00e4ndert am Votum der republikanischen Senatoren. Sie sprachen Trump im Januar von den Anklagepunkten des Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen frei, dabei lagen die Beweise zu Trumps Verhalten in der Ukraineaff\u00e4re offen zutage. Und h\u00f6chstwahrscheinlich h\u00e4tten sie sich auch von Boltons Aussagen nicht dazu bewegen lassen, den Pr\u00e4sidenten des Amtes zu entheben. Dennoch h\u00e4tten Boltons Schilderungen vor dem Kongress mehr Gewicht gehabt als in einem Buch.<\/p>\n<p>Der Autor John Bolton ist ein au\u00dfenpolitischer Falke, der zuletzt weder links noch rechts besonders viele Freunde hatte. In seiner Karriere lie\u00df sich bisher nur ein festes Prinzip beobachten: der Wunsch, Amerikas Macht weltweit milit\u00e4risch durchzusetzen. Boltons Traum ist ein Krieg gegen Iran. Zu diesem Zweck ging er ein B\u00fcndnis mit Donald Trump ein und wurde Nationaler Sicherheitsberater. Im September 2019 war seine Amtszeit nach nur 17 Monaten vorbei. Eigentlich hatten die beiden M\u00e4nner nie wirklich zusammengepasst: Bolton ist ein Neocon, der Kriege liebt. Trump ein Nationalist, der zwar gro\u00dfe Worte mag, aber Kriege scheut.<\/p>\n<h3>Die Unbeliebtheit ausgebaut<\/h3>\n<p>Es w\u00e4re eine sp\u00e4te Ironie, wenn Bolton nun durch sein Buch ausgerechnet zum Helden jener Linken w\u00fcrde, die ihn immer als Kriegsgurgel schm\u00e4hten. Doch es sieht eher danach aus, dass Bolton seine Unbeliebtheit nun auf allen Seiten weiter ausgebaut hat: Indem er zugleich ein f\u00fcr Trump vernichtendes Buch schrieb und sich gleichzeitig weigerte, vor dem Kongress auszusagen.<\/p>\n<p>Man muss Bolton zugutehalten, dass er \u00fcberhaupt auspackt. Es ist schwer vorstellbar, was Trumps Kabinettsmitglieder Tag f\u00fcr Tag an Ungeheuerlichkeiten aushalten, nur um an der Macht zu bleiben. Bolton schildert in seinem Buch, wie Au\u00dfenminister Mike Pompeo &#8211; der den Pr\u00e4sidenten \u00f6ffentlich immer verteidigt &#8211; einmal einen Zettel zu Bolton r\u00fcbergeschoben haben soll, auf dem gekritzelt stand: &quot;He is so full of shit&quot;, zu Deutsch: Der redet nur Schei\u00dfe. Im Verborgenen die Augen verdrehen, vor den Kameras den Pr\u00e4sidenten verteidigen. So machen es die anderen. Auch Bolton h\u00e4tte darauf spekulieren k\u00f6nnen, nach seiner Entlassung in Trumps Umfeld zu bleiben &#8211; und wom\u00f6glich in einer zweiten Amtszeit wieder einen Posten zu erhalten. Das immerhin hat er nicht getan.<\/p>\n<p>Doch unabh\u00e4ngig von der Frage des Autors und seiner Motive w\u00e4re es eine \u00dcberraschung, wenn Boltons Enth\u00fcllungen tief greifende Auswirkungen haben sollten. Nat\u00fcrlich werden jetzt Rufe laut, neue Untersuchungen gegen Trump einzuleiten. Die Demokraten k\u00f6nnten versucht sein, ihre Ermittlungen im Kongress auszuweiten, manche werden wom\u00f6glich nach einem neuen Amtsenthebungsverfahren rufen. Aber Letzteres w\u00e4re aus Sicht der Demokraten unklug. Schon das erste Verfahren hat gezeigt, dass eine objektive Untersuchung dieses Pr\u00e4sidenten im vollkommen polarisierten Amerika keine Chance hat. Solange um die 90 Prozent der republikanischen Basis zum Pr\u00e4sidenten h\u00e4lt, wird kein Republikaner Trumps Zorn riskieren.<\/p>\n<h3>Gefahr f\u00fcr Trumps Anti-China-Kampagne<\/h3>\n<p>Das Deprimierende im Zeitalter von Trump ist, dass alle Enth\u00fcllungen und Skandale am Ende nur Teil eines gro\u00dfen Medienzirkus werden, der kaum reale Auswirkungen hat &#8211; weil fast alle ihre Meinung \u00fcber Trump l\u00e4ngst gemacht haben. Das Buch wird wohl bei kaum einem Amerikaner die grunds\u00e4tzliche Einstellung zu Trump \u00e4ndern. Die entscheidende Schlacht dar\u00fcber, ob die Amerikaner einen solchen Mann zum Pr\u00e4sidenten haben wollen oder ob sie von diesem Gebaren genug haben, die l\u00e4uft bereits: der Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf 2020.<\/p>\n<p>Trump wollte sich den W\u00e4hlern in den Monaten bis November vor allem als Gegner Chinas pr\u00e4sentieren und seinen Widersacher Joe Biden zugleich als Chinesenfreund diskreditieren. F\u00fcr diese Strategie ist Boltons Enth\u00fcllung, dass Trump Chinas Pr\u00e4sidenten Xi um Wahlkampfhilfe gebeten haben soll, nat\u00fcrlich ein Problem. Doch der Pr\u00e4sident und seine Unterst\u00fctzer haben schon ganz andere Widerspr\u00fcche ausgehalten.<\/p>\n<p>Das Buch \u00e4ndert an der Ausgangslage f\u00fcr November kaum etwas. In den Umfragen ist Trump gegen Biden weit zur\u00fcckgefallen. Die f\u00fcr die Wahl entscheidenden Themen sind die gleichen, die das Land seit Wochen bewegen: Trumps miserables Management der Coronakrise, der wirtschaftliche Absturz des Landes \u2013 und die enormen gesellschaftlichen Spannungen nach der T\u00f6tung von George Floyd in Minneapolis, die Trump immer nur weiter anheizt, statt das Land zu vers\u00f6hnen. Das sind die Themen, mit denen die Demokraten Trump im November schlagen k\u00f6nnen. Was ihr Pr\u00e4sident f\u00fcr ein Mensch ist und wie sie zu ihm stehen, das wissen die allermeisten Amerikaner hingegen l\u00e4ngst.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Noch-Sicherheitsberater Bolton be\u00e4ugt US-Pr\u00e4sident Trump bei einer Kabinettssitzung im Mai 2018 JONATHAN ERNST\/ REUTERS Was John Bolton in seinem Buch \u00fcber den Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten von Amerika<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=556"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/556\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}