{"id":549,"date":"2020-06-18T12:56:46","date_gmt":"2020-06-18T09:56:46","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/berlin-mord-im-kleinen-tiergarten-ermittler-gehen-von-russischem-auftragskiller-aus\/"},"modified":"2020-06-18T12:56:46","modified_gmt":"2020-06-18T09:56:46","slug":"berlin-mord-im-kleinen-tiergarten-ermittler-gehen-von-russischem-auftragskiller-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/berlin-mord-im-kleinen-tiergarten-ermittler-gehen-von-russischem-auftragskiller-aus\/","title":{"rendered":"Berlin &#8211; Mord im Kleinen Tiergarten: Ermittler gehen von russischem Auftragskiller aus"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/7e7e155e-0001-0004-0000-000001497819_w948_r1.77_fpx30_fpy45.jpg\" title=\"Tatort Kleiner Tiergarten in Berlin, im August 2019\" alt=\"Tatort Kleiner Tiergarten in Berlin, im August 2019\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Tatort Kleiner Tiergarten in Berlin, im August 2019<\/p>\n<p> Paul Zinken\/DPA <\/figcaption><\/figure>\n<p>Generalbundesanwalt Peter Frank wirft der russischen Regierung vor, den Mord an einem Exil-Tschetschenen im Sommer des vergangenen Jahres in Auftrag gegeben zu haben. &quot;Stellen der Zentralregierung der Russischen F\u00f6deration&quot; h\u00e4tten den T\u00e4ter &quot;beauftragt, das Opfer zu liquidieren&quot;, hei\u00dft es nach SPIEGEL-Informationen in Karlsruhe unter Berufung auf die Anklageschrift gegen den mutma\u00dflichen M\u00f6rder.<\/p>\n<p>Im August vergangenen Jahres war der Exil-Tschetschene Zelimkhan Kangoshvili am helllichten Tag im Berliner Kleinen Tiergarten erschossen worden. Augenzeugen berichteten bereits kurz darauf von Vorg\u00e4ngen &quot;wie bei einer Hinrichtung&quot;. Der T\u00e4ter hatte sich Kangoshvili auf einem Fahrrad gen\u00e4hert und ihn mit zwei Sch\u00fcssen get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Die Bundesanwaltschaft hat am heutigen Donnerstag Anklage gegen den mutma\u00dflichen M\u00f6rder erhoben, einen russischen Staatsb\u00fcrger namens Vadim Krasikov. Er war bereits kurz nach dem Mord an Kangoshvili festgenommen worden, nachdem Jugendliche ihn dabei beobachtet hatten, wie er kurz nach der Tat in einem Geb\u00fcsch verschwand und danach sein Fahrrad und einen Beutel in der Spree versenkte.<\/p>\n<p>Bei seiner Festnahme wies Krasikov sich noch als &quot;Vadim Sokolov&quot; aus. Doch Recherchen des SPIEGEL und seiner Kooperationspartner Bellingcat, &quot;The Insider&quot; und The Dossier Centre zeigten bereits unmittelbar danach, dass diese Identit\u00e4t gef\u00e4lscht sein d\u00fcrfte. Zahlreiche Indizien sprachen f\u00fcr eine Beteiligung staatlicher russischer Stellen an der Schaffung der Identit\u00e4t &quot;Sokolov&quot;.<\/p>\n<p>Dass es sich bei dem M\u00f6rder in Wahrheit um den Mann namens Krasikov handelte, konnten die Ermittler anhand einer sp\u00e4ter zur\u00fcckgenommenen Fahndung aus Russland nachvollziehen. Moskau hatte Krasikov nach einem ebenfalls von einem Fahrrad herab ausgef\u00fchrten Mord 2013 international gesucht. Sp\u00e4ter hatten russische Beh\u00f6rden die Fahndung zur\u00fcckgenommen \u2013 obwohl Krasikov nie vor Gericht kam. Ein Bildvergleich der Fahndungsfotos f\u00fcr Krasikov mit den Bildern in Sokolovs Pass hatte sehr hohe \u00dcbereinstimmungen ergeben.<\/p>\n<p>Der SPIEGEL und die Investigativplattformen Bellingcat und &quot;The Insider&quot; konnten in der Folgezeit belegen, dass Krasikov im Vorfeld des Mords eng im Austausch mit Mitgliedern der Wympel-Organisation stand, einem Verein ehemaliger Angeh\u00f6riger einer Eliteeinheit des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Mehrfach hielt er sich vor der Tat in unterschiedlichen Trainingszentren der Einheit auf.<\/p>\n<p>Das Opfer Kangoshvili war ein Tschetschene aus Georgien. Er hatte bereits im zweiten Tschetschenien-Krieg gegen russische Kr\u00e4fte gek\u00e4mpft. Sp\u00e4ter hatte er f\u00fcr georgische Sicherheitsbeh\u00f6rden und in der Ukraine gegen russische Kr\u00e4fte gearbeitet. Er hatte vor seinem Tod bereits einen Mordanschlag \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Russland hatte ihn zuvor als Terrorverd\u00e4chtigen in Deutschland angeschw\u00e4rzt. Er sei Mitglied des &quot;kaukasischen Emirats&quot;, behauptete Moskau damals. In den vergangenen Jahren wurden mehrere im Exil lebende Ex-Tschetschenienk\u00e4mpfer ermordet.<\/p>\n<p>Ein Sprecher von Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin hat in der Vergangenheit eine Beteiligung des russischen Staates an dem Mord zur\u00fcckgewiesen. Allerdings hatte Putin pers\u00f6nlich Kangoshvili nach dessen Tod als &quot;Banditen&quot; bezeichnet.<\/p>\n<p>&quot;In Berlin wurde ein Krieger get\u00f6tet, der in Russland gesucht wurde, ein blutr\u00fcnstiger und brutaler Mensch&quot;, hatte Putin gesagt. Er wisse nicht, was mit Kangoshvili passiert sei. Dieser habe sich in einem verbrecherischen Umfeld bewegt. Da k\u00f6nne &quot;alles M\u00f6gliche passieren&quot;, sagte Putin.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hatte sich auch in den deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden lange der Verdacht gehalten, der Mord an Kangoshvili k\u00f6nnte auch mit organisierter Kriminalit\u00e4t zu tun haben.<\/p>\n<p>Mit der \u00dcbernahme durch den Generalbundesanwalt wurden diese Thesen jedoch hinf\u00e4llig. Schon als der Generalbundesanwalt die Ermittlungen in dem Fall \u00fcbernommen hatte, verwies die Bundesregierung als Strafma\u00dfnahme zwei russische Diplomaten des Landes. Als Begr\u00fcndung nannte sie damals die ungen\u00fcgende Kooperation Moskaus bei den Mordermittlungen.<\/p>\n<p>Im Mai dann versch\u00e4rfte Berlin erneut den Ton. So will die Bundesregierung russische Hacker mit Verbindung zu den Geheimdiensten wegen der Beteiligung an einem Cyberangriff auf den Bundestag auf eine entsprechende EU-Sanktionsliste setzen lassen. Schon damals hie\u00df es in Berlin, man behalte sich im Zusammenhang mit dem Tiergarten Mord weitere diplomatische Schritte ausdr\u00fccklich vor.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Tatort Kleiner Tiergarten in Berlin, im August 2019 Paul Zinken\/DPA Generalbundesanwalt Peter Frank wirft der russischen Regierung vor, den Mord an einem Exil-Tschetschenen im Sommer des vergangenen Jahres<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-549","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/549","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=549"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/549\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=549"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=549"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=549"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}