{"id":5477,"date":"2021-01-27T19:28:47","date_gmt":"2021-01-27T16:28:47","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/alexej-nawalny-mutmasliche-attentater-in-weitere-anschlage-verwickelt\/"},"modified":"2021-01-27T19:28:47","modified_gmt":"2021-01-27T16:28:47","slug":"alexej-nawalny-mutmasliche-attentater-in-weitere-anschlage-verwickelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/alexej-nawalny-mutmasliche-attentater-in-weitere-anschlage-verwickelt\/","title":{"rendered":"Alexej Nawalny: Mutma\u00dfliche Attent\u00e4ter in weitere Anschl\u00e4ge verwickelt"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/2497a291-1a78-44fc-939d-b5126e156653_w948_r1.77_fpx59_fpy53.jpg\" title=\"Moskau im Winter: Sitzen hier die Hinterm\u00e4nner?\" alt=\"Moskau im Winter: Sitzen hier die Hinterm\u00e4nner?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Moskau im Winter: Sitzen hier die Hinterm\u00e4nner?<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>DIMITAR DILKOFF\/ AFP<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die mutma\u00dflichen Attent\u00e4ter des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny waren wom\u00f6glich an der T\u00f6tung weiterer Aktivisten in Russland beteiligt. Recherchen des SPIEGEL, der Investigativplattformen Bellingcat und The Insider sowie des US-Fernsehsenders CNN hatten im Dezember ein Team von mindestens acht Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB identifiziert, die an der Vergiftung Nawalnys mit dem Nervengift Nowitschok im August vergangenen Jahres beteiligt waren.<\/p>\n<p>Nach der urspr\u00fcnglichen Ver\u00f6ffentlichung der Recherchen zum Mordversuch an Nawalny ver\u00f6ffentlichten die Recherchepartner \u00fcber Monate zusammengetragene Reisebewegungen der mutma\u00dflichen Mitglieder des Killerteams. Aus \u00fcber 500 Hinweisen zu weiteren Morden an Aktivisten konnten DER SPIEGEL, Bellingcat und The Insider nun drei weitere Todesf\u00e4lle mit der Anwesenheit jener FSB-M\u00e4nner in Verbindung bringen.<\/p>\n<h3>Die Opfer: Ein Journalist, ein Menschenrechtsaktivist, ein Politiker<\/h3>\n<p>Bei den Opfern handelt sich um einen Journalisten, einen Menschenrechtsaktivisten und einen Politiker, der sich zun\u00e4chst wohl mit Billigung des Kremls als Oppositioneller gab, sp\u00e4ter aber in Ungnade gefallen zu sein scheint.<\/p>\n<p>Der damals 26-j\u00e4hrige Journalist Timur Kuaschew verlie\u00df am 31. Juli 2014 gegen 18.30 Uhr zum letzten Mal seine Wohnung in Naltschik, einer Stadt in der russischen Kaukasus-Republik Kabardino-Balkarien. Am n\u00e4chsten Morgen wurde er tot aufgefunden, laut Obduktionsbericht ohne Anzeichen \u00e4u\u00dferer Gewaltanwendung. Als Todesursache wurde Herzversagen in Folge einer Virusinfektion festgestellt.<\/p>\n<p>Kuaschew hatte f\u00fcr mehrere Websites kritisch \u00fcber den Geheimdienst FSB und die lokale Polizei berichtet, unter anderem \u00fcber Folter an Verd\u00e4chtigen. Er war Mitglied in der Oppositionspartei Yabloko und hatte Demonstrationen gegen Polizeigewalt organisiert. In den Monaten vor seinem Tod war er mehrfach durch den FSB befragt und einmal festgenommen worden. Freunden hatte er von Drohungen berichtet.<\/p>\n<h3>Kratzer und H\u00e4matome im Gesicht, Einstichloch unter einer Achselh\u00f6hle<\/h3>\n<p>Ein Bellingcat \u00fcbermitteltes Foto seines Gesichts nach dem Tod widersprach der Schilderung der Obduktion, wonach keine Anzeichen \u00e4u\u00dferer Gewaltanwendung zu sehen gewesen seien: Es zeigte Kratzer und H\u00e4matome im Gesicht.<\/p>\n<p>Auf Dr\u00e4ngen seines Vaters, eines pensionierten Ermittlers, wurden trotz des vorl\u00e4ufigen Obduktionsergebnisses Mordermittlungen eingeleitet. Weitere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass keine giftigen Substanzen in seinem K\u00f6rper gefunden worden seien \u2013 obwohl unter einer Achselh\u00f6hle ein Einstichloch wie von einer Injektionsnadel gefunden wurde.<\/p>\n<p>Einer dieser Berichte wurde am Moskauer Institut f\u00fcr Kriminalistik des FSB durchgef\u00fchrt \u2013 just jener Einheit, deren Mitglieder auch am Mordanschlag auf Nawalny beteiligt waren. Unterzeichnet wurde einer dieser Berichte ausgerechnet durch einen FSB-Mann, der 2020 nach Recherchen des SPIEGEL und seiner Partner an der Vertuschung des Gifteinsatzes gegen Nawalny beteiligt war.<\/p>\n<p>Ein Abgleich der Reisedaten der mutma\u00dflichen Nawalny-Attent\u00e4ter und deren Helfer ergab, dass sich im Vorfeld der Tat mindestens drei von ihnen in die Region Naltschik begaben:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Dazu geh\u00f6rte Konstantin Kudrjawzew, der seine Beteiligung an der Vertuschung des Anschlags auf Nawalny einger\u00e4umt hat. Er reiste am 13. Juli 2014 nach Naltschik.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p>Alexej Alexandrow und Iwan Osipow, die h\u00f6chstwahrscheinlich beide direkt an der Ausf\u00fchrung des Anschlags auf Nawalny beteiligt waren, flogen am 29. Und 22. Juli in die Region. Beide hatten ihre R\u00fcckfl\u00fcge nach Moskau urspr\u00fcnglich f\u00fcr den 31. Juli reserviert. Sie buchten allerdings um \u2013 und flogen schlie\u00dflich zur\u00fcck, kurz nachdem Kuaschew tot aufgefunden wurde.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Knapp neun Monate sp\u00e4ter, am 24. M\u00e4rz 2015, starb Ruslan Magomedragimow in Kaspiysk, einem Vorort der Hauptstadt der Kaukasus-Republik Dagestan. Sein K\u00f6rper wurde leblos aufgefunden. Magomedragimow setzte sich f\u00fcr die Rechte der Lesgier ein, eines im S\u00fcden Dagestans und im Norden Aserbaidschans lebenden Volkes.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde als offizielle Ursache auch in Magomedragimows Fall Herzversagen festgestellt. Ein mit dem Fall sp\u00e4ter betrauter Mediziner widersprach jedoch und nannte \u00bbErstickung\u00ab als Todesursache. Weitere von der Familie des Opfers beauftragte Analysen fanden zwei Einstichstellen wie von Injektionsnadeln im Nacken des Opfers.<\/p>\n<p>Auch im Vorfeld des Todes von Magomedragimow waren Kudrjawzew und Osipow in der Gegend.<\/p>\n<p>Sie flogen mehrfach Monate vor dem Tod in die Region. Vier Tage vor Magomedragimow kam Osipow nach Dagestan und reiste zwei Tage nach dessen pl\u00f6tzlichem Ableben wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in diesen F\u00e4llen die Motive des FSB relativ leicht erkl\u00e4rlich scheinen, birgt der Tod des Politikers Nikita Isaew zus\u00e4tzliche R\u00e4tsel.<\/p>\n<h3>Eine Zugfahrt mit t\u00f6dlichem Ende<\/h3>\n<p>\u00c4hnlich wie Nawalny hatte er sich dem Kampf gegen Korruption verschrieben. Allerdings hatte es w\u00e4hrend seiner zwei Jahre in der Politik stets vermieden, in Konflikt mit Moskau zu kommen, und hatte haupts\u00e4chlich auf regionale Missst\u00e4nde hingewiesen. In russischen Oppositionskreisen war er daher verd\u00e4chtigt worden, ein vom Kreml tolerierter Oppositioneller zu sein.<\/p>\n<p>Am Abend des 16. November 2019 verlie\u00df er per Zug die Stadt Tombow, rund 500 Kilometer im S\u00fcdosten von Moskau. W\u00e4hrend der neunst\u00fcndigen Fahrt wurde ihm nach Angaben einer Vertrauten gegen 1 Uhr nachts \u00fcbel, er ging zur Toilette. Bei seiner R\u00fcckkehr soll er gesagt haben, er f\u00fcrchte, er sei vergiftet worden. Als der Zug an seiner n\u00e4chsten Haltestelle ankam, war Isaew bereits tot.<\/p>\n<p>Auch bei ihm wurde als offizielle Todesursache Herzversagen ermittelt. Anders als bei den vorherigen Todesf\u00e4llen konnte keine Anwesenheit von Mitgliedern des FSB-Todeskommandos festgestellt werden.<\/p>\n<p>Allerdings zeigen die Reisedaten \u00dcberschneidungen zwischen Isaews Fl\u00fcgen und Reisen, die der FSB-Mann Alexandrow unternahm. Weitere \u00dcberschneidungen ergeben sich mit weiteren FSB-M\u00e4nnern, die sich im Umfeld Alexandrows bewegten, aber nicht Teil der Gruppe von acht FSB-Agenten waren, die an dem Anschlag auf Nawalny beteiligt waren.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Moskau im Winter: Sitzen hier die Hinterm\u00e4nner? 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