{"id":5441,"date":"2021-01-26T05:37:34","date_gmt":"2021-01-26T02:37:34","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-abschiebungen-von-fluchtlingen-nach-afrika-kurz-vor-amtsubergabe\/"},"modified":"2021-01-26T05:37:34","modified_gmt":"2021-01-26T02:37:34","slug":"donald-trump-abschiebungen-von-fluchtlingen-nach-afrika-kurz-vor-amtsubergabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-abschiebungen-von-fluchtlingen-nach-afrika-kurz-vor-amtsubergabe\/","title":{"rendered":"Donald Trump: Abschiebungen von Fl\u00fcchtlingen nach Afrika kurz vor Amts\u00fcbergabe"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/054568e5-2319-4fbb-9998-e33e160c2330_w948_r1.77_fpx29.97_fpy52.98.jpg\" title=\"Die ber\u00fcchtigte US-Migrationsbeh\u00f6rde ICE hat in den letzten Monaten der Trump-Regierung zahlreiche Abschiebungen durchgef\u00fchrt\" alt=\"Die ber\u00fcchtigte US-Migrationsbeh\u00f6rde ICE hat in den letzten Monaten der Trump-Regierung zahlreiche Abschiebungen durchgef\u00fchrt\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Die ber\u00fcchtigte US-Migrationsbeh\u00f6rde ICE hat in den letzten Monaten der Trump-Regierung zahlreiche Abschiebungen durchgef\u00fchrt<\/p>\n<p>  Foto:\u2002David Ryder \/ Getty Images  <\/figcaption><\/figure>\n<p>W\u00e4hrend Donald Trump im Wei\u00dfen Haus gerade seinen letzten Arbeitstag beginnt, rollt am Flughafen Mesa in Arizona ein luxuri\u00f6ses Gesch\u00e4ftsflugzeug vor. Doch in den schicken Gulfstream-4-Jet steigen keine reichen Manager, sondern sechs schwarze Menschen in Ketten.<\/p>\n<p>Ihr unfreiwilliges Ziel: Mauretanien. Ein Staat, in dem viele Einwohner mit ihrer Hautfarbe noch immer als Sklaven gehalten werden. Es ist einer der letzten Abschiebefl\u00fcge der Trump-Administration.<\/p>\n<p>An Bord dieses Fluges ist auch Abdoul*, gefesselt an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. \u00bbIch habe den US-Beamten noch gesagt: Ich kann nicht zur\u00fcck, sie werden mich dort einsperren\u00ab, erz\u00e4hlt er via WhatsApp. Immer wieder muss Abdoul die Unterhaltung unterbrechen, denn sein Telefon darf nicht entdeckt werden. Er werde seit Tagen festgehalten in einem vergitterten Raum am Flughafen, erz\u00e4hlt er. Direkt nach der Ankunft habe man ihn dorthin gebracht, seine Bef\u00fcrchtung ist wohl wahr geworden.<\/p>\n<h3>Es droht Sklaverei, abgeschoben wird trotzdem <\/h3>\n<p>\u00bbSchwarze sind in Mauretanien B\u00fcrger zweiter Klasse\u00ab, sagt Houleye Thiam vom Mauretanischen Netzwerk f\u00fcr Menschenrechte. Seine Organisation hat Abdoul in den vergangenen Monaten in US-Abschiebehaft betreut. \u00bbWir erhalten viele Berichte von Fl\u00fcchtlingen, die in Mauretanien im Gef\u00e4ngnis landen.\u00ab<\/p>\n<p>Offiziell hat die mauretanische Regierung im Jahr 2007 die Sklaverei verboten. Doch in einigen Regionen des Landes wird sie bis heute praktiziert \u2013 Opfer sind schwarze Einwohner, die meist von arabischst\u00e4mmigen Berbern unterdr\u00fcckt werden. Freigelassene Sklaven leben in extremer Armut, werden systematisch diskriminiert. Oppositionelle, die das anprangern, werden weggesperrt.<\/p>\n<p>Die Trump-Regierung wei\u00df das genau, vor zwei Jahren hat sie sogar den Handel mit Mauretanien eingeschr\u00e4nkt \u2013 als Strafe f\u00fcr mangelnde Fortschritte im Kampf gegen die Sklaverei. Mit Abschiebungen schwarzer Fl\u00fcchtlinge in das Land hatte Trump gleichzeitig kein Problem: Mehr als 100 Mauretanier wurden unter seiner Pr\u00e4sidentschaft \u00bbr\u00fcckgef\u00fchrt\u00ab, wie es das US-Heimatschutzministerium nennt.<\/p>\n<p>\u00bbIch habe Angst, dass die mauretanische Regierung mich umbringen wird\u00ab, erz\u00e4hlt Abdoul aus dem Arrest. \u00bbMein Leben ist zu Ende.\u00ab Er leide an Tuberkulose, sagt er. Seine fr\u00fcheren Betreuer in den USA best\u00e4tigen das. \u00bbIch habe seit f\u00fcnf Tagen keine Medikamente bekommen, habe Schmerzen\u00ab, berichtet Abdoul. Er sei in einem dreckigen Zimmer eingesperrt. \u00bbF\u00fcr die mauretanischen Beamten bin ich nichts wert, sie behandeln mich wie einen Sklaven. Weil ich schwarz bin.\u00ab<\/p>\n<p>Abdoul ist nicht das einzige Last-minute-Opfer der Trump-Regierung. \u00bbDie Abschiebefl\u00fcge wurden in den letzten Monaten im Amt noch einmal verst\u00e4rkt, auch nach Afrika\u00ab, sagt Lauren Seibert, Migrationsexpertin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. \u00bbEinige Fl\u00fcge gingen in L\u00e4nder, in denen bewaffnete Konflikte herrschen und Oppositionelle mit Gewalt unterdr\u00fcckt werden. Das kann die Abgeschobenen ernsthaft gef\u00e4hrden.\u00ab Offizielle Zahlen zu den Abschiebungen werden in den USA nicht ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Joe Biden als designierter Nachfolger bereits ein Abschiebe-Moratorium angek\u00fcndigt hatte, gab die Trump-Regierung noch einmal Gas. Am 14. Januar, sechs Tage vor der Amts\u00fcbergabe in den USA, hob im Schutze der Nacht ein Flieger aus Louisiana in Richtung Kenia ab, an Bord nach Aussagen mehrerer Beobachter Gefl\u00fcchtete aus \u00c4thiopien, dem Sudan und Somalia \u2013 L\u00e4nder, die derzeit von gewaltsamen Konflikten und Menschenrechtsverletzungen gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n<h3>\u00bbIch m\u00f6chte nur zu meiner Tochter zur\u00fcck\u00ab<\/h3>\n<p>Auch Mory Keita hatte auf den neuen US-Pr\u00e4sidenten Joe Biden und seinen Abschiebestopp gehofft. Doch die ber\u00fcchtigte US-Migrationsbeh\u00f6rde ICE war schneller. Mitte Dezember wurde Keita in einen Flieger Richtung Guinea gezwungen, gefesselt an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. In ein Land, das ihm v\u00f6llig fremd ist. Seine Mutter brachte ihn mit drei Jahren in die USA, seitdem hat Mory Keita den afrikanischen Kontinent nicht betreten.<\/p>\n<p>\u00bbIch bin hier nicht einmal registriert. Ich habe keinen Ausweis, keine Geburtsurkunde, nichts. Ich existiere gar nicht in Guinea\u00ab, erz\u00e4hlt der 34-J\u00e4hrige in einem Telefoninterview aus der Hauptstadt Conakry. Dort sei er bei Freunden untergekommen, eine Chance auf ein geregeltes Leben habe er ohne Dokumente nicht. Er spreche nicht einmal Franz\u00f6sisch, die Amtssprache Guineas. \u00bbIch m\u00f6chte nur zu meiner Tochter in die USA zur\u00fcck, sie weint jeden Tag.\u00ab<\/p>\n<p>Keitas Geschichte offenbart die volle H\u00e4rte der US-Migrationspolitik w\u00e4hrend Trumps letzten Wochen im Amt. Vor einiger Zeit sa\u00df der geb\u00fcrtige Guineer in den USA eine Haftstrafe ab, wegen illegalen Waffenbesitzes. \u00bbDas war ein schwerer Fehler\u00ab, r\u00e4umt Keita ein, \u00bbaber ich habe daf\u00fcr geb\u00fc\u00dft.\u00ab Doch nach der Haft kamen die ICE-Beamten und sperrten ihn wieder ein \u2013 diesmal in ein Abschiebegef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>\u00bbDort habe ich erlebt, wie die Beamten afrikanische Fl\u00fcchtlinge erniedrigt und misshandelt haben\u00ab, erz\u00e4hlt Keita. Tats\u00e4chlich wurde er noch w\u00e4hrend seiner Zeit im Gef\u00e4ngnis zum Kronzeugen in mehreren Verfahren gegen die US-Migrationsbeh\u00f6rde. Bis er pl\u00f6tzlich in ein Flugzeug Richtung Guinea verfrachtet wurde. \u00bbSie wollten mich schnell loswerden\u00ab, vermutet Keita.<\/p>\n<p>Seine Anw\u00e4ltin erwirkte vor einem Bundesgericht sogar noch einen Abschiebestopp, schlie\u00dflich war ihr Mandant ein wichtiger Zeuge in laufenden Ermittlungen. Doch als die Richter ein Aussetzen der Abschiebung anordneten, war Mory Keitas Flugzeug l\u00e4ngst in der Luft. Es blieb auf Kurs.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in den USA in den vergangenen Jahren viel \u00fcber Abschiebungen nach Mittel- und S\u00fcdamerika diskutiert wurde, galten afrikanische Fl\u00fcchtlinge eher als Randph\u00e4nomen. Doch in manchen Abschiebegef\u00e4ngnissen stellen sie inzwischen die Mehrheit. Viele stammen aus dem westafrikanischen Kamerun, geh\u00f6ren meist zur englischsprachigen Bev\u00f6lkerungsminderheit. Immer wieder kommt es in ihrer Heimatregion zu gewaltsamen Konflikten. Doch eine Chance auf Asyl hatten sie unter der Trump-Regierung kaum.<\/p>\n<p>Einer dieser Asylsuchenden ist Jerome*. Mit dem Flugzeug floh er 2018 aus Kamerun nach Ecuador, dann \u00fcber den ber\u00fcchtigten Dschungeltreck via Kolumbien in die USA. Dort sa\u00df er nach eigenen Angaben mehr als zwei Jahre lang in Abschiebehaft, bis er im Oktober schlie\u00dflich in einen Flieger zur\u00fcck nach Kamerun gesetzt wurde. Dabei war vor Gericht noch ein Berufungsverfahren gegen seine drohende Abschiebung anh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>\u00bbIch schlafe hier in einem verlassenen Haus, mit einer Matratze auf dem Boden.\u00ab Aber es gehe ihm noch vergleichsweise gut: Mehrere seiner Landsleute, die mit ihm abgeschoben wurden, seien immer noch in Haft.<\/p>\n<p>Lauren Seibert von Human Rights Watch best\u00e4tigt das. \u00bbWir haben in den letzten Monaten mehrere F\u00e4lle dokumentiert, in denen zur\u00fcckgef\u00fchrte Fl\u00fcchtlinge in Kamerun eingesperrt, misshandelt und bedroht wurden\u00ab, sagt sie. \u00bbMehrfach wurden auch ihre Familien zur Zielscheibe.\u00ab<\/p>\n<p>Glaubt man Jeromes Schilderungen, hat die US-Migrationsbeh\u00f6rde ICE sogar dazu beigetragen. Denn in seinem Asylverfahren in den USA hatte er ein brisantes Dokument eingereicht: Eine Art Mitgliedsausweis der verbotenen Rebellenbewegung SCNC. \u00bbDie US-Beamten haben dieses Dokument den kamerunischen Beh\u00f6rden \u00fcbergeben\u00ab, erz\u00e4hlt Jerome. \u00bbDaraufhin wurde ich stundenlang verh\u00f6rt, musste mehrere Tage im Gef\u00e4ngnis verbringen.\u00ab<\/p>\n<p>Auf einen Fragenkatalog des SPIEGEL zu den Abschiebungen nach Afrika hat das zust\u00e4ndige US-Heimatschutzministerium inhaltlich bislang nicht geantwortet.<\/p>\n<p>Jerome, Mory Keita und Abdoul wollen m\u00f6glichst schnell wieder weg aus ihren Heimatl\u00e4ndern. Sie hoffen auf Joe Biden und einen Neuanfang in der Migrationspolitik. Doch dass die neue US-Regierung sie nach Amerika zur\u00fcckholt, ist \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich. Sie werden wohl Trumps letzte Opfer bleiben.<\/p>\n<p><em> *Um die Protagonisten vor Repressalien zu sch\u00fctzen, haben wir ihre Namen ge\u00e4ndert; ihre echten Namen sind der Redaktion bekannt.<\/em><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Die ber\u00fcchtigte US-Migrationsbeh\u00f6rde ICE hat in den letzten Monaten der Trump-Regierung zahlreiche Abschiebungen durchgef\u00fchrt Foto:\u2002David Ryder \/ Getty Images W\u00e4hrend Donald Trump im Wei\u00dfen Haus gerade seinen letzten<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5442,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5441","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5441"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5441\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5442"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}