{"id":5437,"date":"2021-01-26T01:18:21","date_gmt":"2021-01-25T22:18:21","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-dritte-welle-in-spanien-noch-schlimmer-als-im-herbst\/"},"modified":"2021-01-26T01:18:21","modified_gmt":"2021-01-25T22:18:21","slug":"coronavirus-dritte-welle-in-spanien-noch-schlimmer-als-im-herbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-dritte-welle-in-spanien-noch-schlimmer-als-im-herbst\/","title":{"rendered":"Coronavirus &#8211; Dritte Welle in Spanien: Noch schlimmer als im Herbst"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f826f08d-99c8-4f50-a25a-8e54329ccb72_w948_r1.77_fpx23_fpy51.jpg\" title=\"In Caceres wird ein Corona-Patient ins Krankenhaus eingeliefert\" alt=\"In Caceres wird ein Corona-Patient ins Krankenhaus eingeliefert\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">In Caceres wird ein Corona-Patient ins Krankenhaus eingeliefert<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Javier Caldera \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Jorge Garcia Criado kann nicht mehr. Der Intensivmediziner arbeitet im Universit\u00e4tskrankenhaus von Salamanca, einer kleinen Stadt im Westen Spaniens. Bis zu 24 Stunden am St\u00fcck beatmet er derzeit Patienten, verabreicht ihnen Kortison, er hat da inzwischen eine gewisse Erfahrung. F\u00fcr Garcia Criado ist es die dritte Corona-Welle.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz und April sah Carcia Criado in die erschrockenen Augen der Patienten, die Covid-19 f\u00fcr ein Todesurteil hielten. Im Oktober beatmete er die Menschen, die sich im Sp\u00e4tsommer angesteckt hatten, kurz nach dem Ende des strikten Lockdowns. Und nun muss Garcia Criado jene versorgen, die sich \u00fcber Weihachten bei Familie und Freunden infiziert haben. Viele Patienten seien auffallend jung.<\/p>\n<p>Die dritte Corona-Welle hat Spanien mit enormer Wucht erfasst. Die 14-Tage-Inzidenz liegt \u00fcber 800 Infektionen pro 100.000 Einwohner. W\u00e4hrend Italien, Frankreich und Deutschland die Infektionskurve mit harten Ma\u00dfnahmen nach unten dr\u00fcckten, schoss sie in Spanien zuletzt so steil nach oben, wie es in Gro\u00dfbritannien vor ein paar Wochen noch der Fall war.<\/p>\n<p>Die dritte Welle trifft das Land schon jetzt wesentlich h\u00e4rter als die zweite. Und noch ist nicht sicher, ob sie weniger schrecklich wird als die erste. In einigen Regionen sind die Krankenh\u00e4user schon jetzt voller als im Fr\u00fchjahr. Wieder werden Feldlazarette errichtet, wieder bitten \u00c4rztinnen und Krankenpfleger mit einem Hashtag um die Mithilfe der Bev\u00f6lkerung: #solosnopodemos \u2013 auf Deutsch: \u00bbAllein schaffen wir es nicht.\u00ab<\/p>\n<p>Der Anstieg der Infektionszahlen begann schon, als die zweite Welle noch gar nicht ganz vorbei war. Ganz langsam kletterten die Zahlen wieder nach oben, anfangs machte sich kaum jemand Sorgen. Dann kam ein Br\u00fcckentag, wenig sp\u00e4ter Weihnachten, Silvester, schlie\u00dflich Heilige Drei K\u00f6nige. Die Feiertage, an denen keine strikten Regeln galten, halfen dem Virus: Es sprang von Familie zu Familie, von Freundeskreis zu Freundeskreis.<\/p>\n<p>Im Herbst ist es den spanischen Regionen gelungen, die Infektionswelle mit vergleichsweise milden Ma\u00dfnahmen zu bremsen. Mancherorts mussten Restaurants schlie\u00dfen, einige St\u00e4dte durfte man nur mit gutem Grund verlassen, Freunde nur in kleinen Gruppen treffen. \u00bbChirurgisch\u00ab nennt Spaniens oberster Virologe und Pandemie-Erkl\u00e4rer Fernando Sim\u00f3n diese Ma\u00dfnahmen. Im ganzen Land war man froh, die Wirtschaft nicht wieder durch einen harten Lockdown belasten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Aber reichen die chirurgischen Ma\u00dfnahmen auch diesmal aus? L\u00e4sst sich der Anstieg stoppen, bevor das Gesundheitssystem zusammenbricht oder die neue britische Virusmutation sich ausbreitet?<\/p>\n<p>50 Corona-Patienten werden in Salamanca derzeit Tag f\u00fcr Tag ins Krankenhaus eingewiesen. In ein oder zwei Wochen habe man das Niveau der ersten Welle erreicht, sagt Garcia Criado. Die Patienten behandelt er auf notd\u00fcrftig umfunktionierten Stationen. Die eigentlichen Intensivstationen sind l\u00e4ngst voll. Die Stimmung im Krankenhaus sei gespenstisch, sagt Garcia Criado am Telefon. Auf den Korridoren herrsche Stille, die meisten Operationen und regul\u00e4ren Behandlungen wurden verschoben.<\/p>\n<p>Das schlimmste, sagt Garcia Criado, sei die Verzweiflung seiner Kolleginnen und Kollegen: die M\u00fcdigkeit der Krankenschwester, die in ihrer Pause kraftlos im erstbesten Sessel versinkt; das Trauma der \u00c4rztin, die mitten im Gespr\u00e4ch mit den Tr\u00e4nen k\u00e4mpft. Garcia Criado, 44 Jahre alt, ist seit Jahren Intensivmediziner, er ist Stress gewohnt. Jetzt hat er dem Chef vorgeschlagen, die 24-Stunden-Bereitschaftsdienste zu verk\u00fcrzen, weil er unter diesen Bedingungen nicht lange genug durchh\u00e4lt.<\/p>\n<h3>Die Regierung will keine allgemeine Ausgangssperre<\/h3>\n<p>Viele spanische Regionen dr\u00e4ngen Gesundheitsminister Salvador Illa, h\u00e4rtere Ma\u00dfnahmen ergreifen zu d\u00fcrfen. Der Zentralstaat hat ihnen die Kompetenz \u00fcbertragen, dabei aber im Notstandsgesetz enge Grenzen gesetzt. Eine Ausgangssperre ist etwa fr\u00fchestens ab 22 Uhr m\u00f6glich. Viele Regionen w\u00fcrden sie gern vorziehen oder gleich in einen harten Lockdown \u00fcbergehen. Nur so, glauben sie, kann man noch verhindern, dass das Gesundheitssystem zusammenbricht.<\/p>\n<p>Gesundheitsminister Illa lehnt das ab. Es brauche keine Gesetzes\u00e4nderung, um die Infektionszahlen zu senken, argumentiert er. Die Regionen h\u00e4tten noch genug Spielraum, sie k\u00f6nnten zum Beispiel Restaurants schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die spanische Zentralregierung gibt sich betont optimistisch. Es gebe erste Anzeichen daf\u00fcr, dass die Kurve nicht mehr ganz so schnell steige, versichern die Verantwortlichen. Einige Regionen h\u00e4tten erst Mitte Januar strikte Ma\u00dfnahmen ergriffen. Die beg\u00e4nnen nun zu wirken. Vielleicht sei der Gipfel schon Ende dieser Woche erreicht.<\/p>\n<p>Mittlerweile bemerke man zwei Drittel der Infektionen, hei\u00dft es. Im Ministerium sch\u00e4tzt man, dass das mehr seien als in so manchem anderen Land in Europa.<\/p>\n<p>Viele politische Beobachter vermuten, dass das z\u00f6gerliche Vorgehen politisch motiviert sein k\u00f6nnte. <strong>\u00bb<\/strong>Die regierenden Sozialisten haben kein Interesse daran, dass Gesundheitsminister Illa im Streit mit den Regionen nachgeben muss\u00ab, glaubt Polit\u00f6konom Miguel Otero vom Thinktank Instituto Elcano. Illa tritt bei der in gut zwei Wochen anstehenden Regionalwahl in Katalonien als Kandidat an, sein Amt als Gesundheitsminister in Madrid wird er deswegen niederlegen.<\/p>\n<p>Seit Beginn der Pandemie war Illa fast jeden Tag im Fernsehen, die Sozialisten k\u00e4mpfen dank des \u00bbefecto Illa\u00ab in Katalonien pl\u00f6tzlich um den Sieg mit. Eigentlich sollte Illa als Gewinner antreten, als derjenige, der Spanien durch die schlimmsten Phasen der Pandemie f\u00fchrte und erst abtrat, als der Impfstoff da war. <strong>\u00bb<\/strong>Das wollen die Sozialisten sich nun nicht kaputt machen lassen\u00ab, glaubt Experte Otero. Ein weiterer Lockdown mit Ausgangssperre w\u00fcrde Illas Chancen weiter d\u00e4mpfen.<\/p>\n<h3>Britische Virusmutation k\u00f6nnte schon im M\u00e4rz dominant sein<\/h3>\n<p>Die Strategie der Regierung ist riskant. Denn ohne Lockdown werden die Infektionszahlen langsamer sinken als im Fr\u00fchjahr. Gefahr droht vor allem durch die britische Virusmutation B.1.1.7. Sie ist offenbar ansteckender und wom\u00f6glich auch t\u00f6dlicher als die bisher g\u00e4ngigen Varianten.<\/p>\n<p>Noch glaubt man im Gesundheitsministerium, dass die Variante in Spanien bisher kaum verbreitet sei. B.1.1.7 mache derzeit nur zwischen einem und vier, maximal f\u00fcnf Prozent der F\u00e4lle aus, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Allein: Schon im M\u00e4rz, da sind sich die Fachleute einig, k\u00f6nnte die britische Mutation zur dominanten Corona-Variante in Spanien werden. Die Regierung hofft, dass bis dahin viele \u00e4ltere Spanierinnen und Spanier schon geimpft sind. Doch niemand wei\u00df, ob sich das Virus dann noch mit chirurgischen Ma\u00dfnahmen stoppen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Jorge Garcia Criado jedenfalls kann den Optimismus der Regierung nicht mehr nachvollziehen. <strong>\u00bb<\/strong>Vor Weihnachten haben Regionalpolitiker und Zentralregierung fast gar nichts gemacht\u00ab, sagt er. <strong>\u00bb<\/strong>Und jetzt machen sie das individuelle Verhalten der B\u00fcrger f\u00fcr den Anstieg der Zahlen verantwortlich.\u00ab Seine Kritik teilen zahlreiche Experten: Die Ma\u00dfnahmen in Spanien w\u00fcrden stets zu sp\u00e4t ergriffen, die Verantwortlichen reagierten nur, statt einen Anstieg zu antizipieren.<\/p>\n<p>Nachts schl\u00e4ft Garcia Criado schlecht, je n\u00e4her die n\u00e4chste Schicht r\u00fcckt, desto schlimmer wird es, sagt er. Gerade hat sich der Mediziner zeigen lassen, wie man die Lungen von Corona-Kranken r\u00f6ntgt. F\u00fcr den Fall, so sagt er, dass die Not im Krankenhaus noch gr\u00f6\u00dfer wird.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern In Caceres wird ein Corona-Patient ins Krankenhaus eingeliefert Foto:\u2002Javier Caldera \/ dpa Jorge Garcia Criado kann nicht mehr. 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