{"id":5423,"date":"2021-01-25T10:26:50","date_gmt":"2021-01-25T07:26:50","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/alexej-nawalny-die-welle-der-wut-erfasst-regionen-in-ganz-russland\/"},"modified":"2021-01-25T10:26:50","modified_gmt":"2021-01-25T07:26:50","slug":"alexej-nawalny-die-welle-der-wut-erfasst-regionen-in-ganz-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/alexej-nawalny-die-welle-der-wut-erfasst-regionen-in-ganz-russland\/","title":{"rendered":"Alexej Nawalny: Die Welle der Wut erfasst Regionen in ganz Russland"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/3feadd32-b3ae-4439-9738-fd18d1841889_w948_r1.77_fpx33.35_fpy50.jpg\" title=\"Demonstrantin in Tomsk mit einer goldenen Toilettenb\u00fcrste \u2013 eine Anspielung auf Putins Luxus-Anwesen\" alt=\"Demonstrantin in Tomsk mit einer goldenen Toilettenb\u00fcrste \u2013 eine Anspielung auf Putins Luxus-Anwesen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Demonstrantin in Tomsk mit einer goldenen Toilettenb\u00fcrste \u2013 eine Anspielung auf Putins Luxus-Anwesen<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Taisiya Vorontsova \/ imago images\/ITAR-TASS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>In Russland wird nach den Protesten am Wochenende nun flei\u00dfig gez\u00e4hlt: Wie viele Menschen haben sich wo versammelt. Die Angaben dar\u00fcber variieren wie immer stark. Traditionell geben die Beh\u00f6rden sowieso sehr viel geringere Teilnehmerzahlen bei Demonstrationen an \u2013 insbesondere wenn es sich um nicht genehmigte Aktionen handelt. So meldeten sie f\u00fcr Moskau gerade einmal 4000 Menschen, was weit unter dem liegt, was Journalisten beobachteten. Die sprachen von mehr als 20.000 Menschen.<\/p>\n<p>Viel gewichtiger aber ist, dass die Proteste eben nicht nur in den liberalen Protesthochburgen Moskau und Sankt Petersburg stattfanden, sondern in 125 St\u00e4dten des Landes.<\/p>\n<p>Der Blick auf diese Protest-Landkarte Russlands muss dem Kreml Sorgen bereiten \u2013 die vielen markierten Orte, an denen am Samstag demonstriert wurde, von Wladiwostok im Osten des Landes bis Kaliningrad im Westen. Jede Markierung ein Punkt des Aufstands, mal von einigen Hunderten, mal von Tausenden, die ihre Wut und Kritik am Regime von Pr\u00e4sident Wladimir Putin auf die Stra\u00dfen trugen.<\/p>\n<h3><strong>Aktionen auch in den kleineren St\u00e4dten <\/strong><\/h3>\n<p>F\u00fcr Alexej Nawalny ist das ein Erfolg. Ihm gelang aus dem Untersuchungsgef\u00e4ngnis heraus, was viele nicht erwartet hatten: Er mobilisierte die Unzufriedenen \u2013 und zwar nicht nur in St\u00e4dten, in denen schon in der Vergangenheit wegen umstrittener Kirchenbauten (Jekaterinburg am Ural), M\u00fclldeponien (Syktywkar im Nordwesten des Landes) und der Erh\u00f6hung der kommunalen Abgaben (Nowosibirsk in Sibirien) demonstriert worden war. Sondern auch in kleineren St\u00e4dten, wie zum Beispiel dem 350.000-Einwohnerort Tschita in S\u00fcdostsibirien oder Magadan, einer Hafenstadt mit 95.000 Bewohnern im Fernen Osten am Ochotskischen Meer. Sogar auf der von Russland annektierten Schwarzmeerinsel Krim trauten sich Menschen zu demonstrieren, dabei gehen die Sicherheitsbeh\u00f6rden dort massiv gegen Kritiker vor.<\/p>\n<p>So ein Ausma\u00df der Demonstrationen hat Russland seit Jahren nicht erlebt, Nawalny hat damit Protestgeschichte geschrieben.<\/p>\n<p>Dabei gingen die Beh\u00f6rden als allererstes gegen die Mitarbeiter seiner 40 Regionalb\u00fcros vor. Viele wurden weit vor Beginn der Demonstrationen zu mehrt\u00e4gigen Arreststrafen verurteilt. Es war nicht der einzige Versuch der Abschreckung: Beh\u00f6rden warnten die Menschen fast t\u00e4glich vor den m\u00f6glichen Folgen einer Teilnahme an den Protesten, wie etwa dem Verlust des Studienplatzes oder Gef\u00e4ngnisstrafen.<\/p>\n<h3><strong>Viele Neu-Demonstranten in Moskau<\/strong><\/h3>\n<p>Doch diese Art der Abschreckung funktioniert immer weniger, wie sich auch in der Hauptstadt zeigte.<\/p>\n<p>Eine Gruppe von Soziologen, die bei jeder gr\u00f6\u00dferen Kundgebung in Moskau die Menschen vor Ort befragt, ermittelte, dass 42 Prozent der Teilnehmer das erste Mal \u00fcberhaupt bei einer solchen Aktion dabei waren \u2013 so viele wie nie vorher. Durchschnittsalter: 31 Jahre.<\/p>\n<p>Die Bereicherung der Eliten war nur ein Grund des \u00c4rgers vieler Demonstranten. Einige schwenkten Toilettenb\u00fcrsten \u2013 eine Anspielung auf die vergoldeten Toilettenb\u00fcrsten, die Nawalny in seinem bereits 80 Millionen Mal angeklickten Enth\u00fcllungsvideo \u00fcber ein Luxusanwesen am Schwarzen Meer zeigt, das er Putin zuordnet. Preis: Etwa rund 700 Euro pro St\u00fcck &#8211; so viel verdienen viele Menschen in den Regionen im Monat nicht.<\/p>\n<p>In erster Linie aber ging es der Mehrheit der Protestierenden darum, ihren Unmut \u00fcber das Unrecht zu zeigen, das Nawalny vom russischen Staat angetan wurde: der Versuch, ihn mit einem milit\u00e4rischen Nervenkampfstoff zu beseitigen, die sofortige Inhaftierung nach seiner Genesung und R\u00fcckkehr nach Russland. Gegen die mutma\u00dflichen Attent\u00e4ter des Geheimdienstes FSB wird dagegen bis heute nicht ermittelt.<\/p>\n<p>Diese Gesetzlosigkeit und staatliche Willk\u00fcr machen die Menschen w\u00fctend, weil sie jeden treffen k\u00f6nnen. Die Menschen w\u00fcrden Nawalny \u00bbals einen von ihnen\u00ab wahrnehmen, schreibt Politanalystin Tatiana Stanowaja. Sie spricht von einer \u00bbHeroisierung\u00ab des Oppositionellen.<\/p>\n<h3><strong>Bauchtritt und Schlagstock-Einsatz <\/strong><\/h3>\n<p>Auch wenn sich eine Mehrheit der Menschen in ihren St\u00e4dten versammeln konnte, f\u00fcr Aufregung sorgen in den sozialen Medien Bilder der Gewalt von Sicherheitskr\u00e4ften, die mit Schlagst\u00f6cken auf Demonstranten einschlugen. Vor allem wurde zun\u00e4chst der Clip eines Polizisten geteilt, der in Sankt Petersburg einer Frau mit voller Wucht in den Bauch trat. Sie hatte den Beamten und seine Kollegen zuvor gefragt, warum sie einen Mann abf\u00fchrten. Die Emp\u00f6rung war so gro\u00df, dass sich der Polizist bei der Frau im Krankenhaus entschuldigen musste, was in Russland \u00e4u\u00dferst selten vorkommt.<\/p>\n<p>Die Frage ist nun, wie hart die F\u00fchrung auf die Proteste antworten wird. Die Beh\u00f6rden leiteten bereits mehrere Strafverfahren ein, nicht nur wegen Angriffe auf Polizisten, die es auch gab.<\/p>\n<p>F\u00fcr den kommenden Samstag haben Nawalnys Mitstreiter neue Proteste angek\u00fcndigt, vorrangiges Ziel sei es, den Oppositionellen aus dem Gef\u00e4ngnis zu holen, sagte sein Vertrauter Leonid Wolkow im Interview mit dem SPIEGEL. Wie realistisch das ist, bleibt fraglich. Um Druck aufzubauen, m\u00fcssten Tausende Woche f\u00fcr Woche auf die Stra\u00dfe gehen und sich solidarisieren. Das k\u00e4me der Geburt einer neuen Protestbewegung im Jahr der Parlamentswahl gleich. Ob sich aber weitere Unzufriedene auf die Stra\u00dfe trauen, wird auch davon abh\u00e4ngen, wie viele der \u00fcberwiegend friedlichen Demonstranten von Samstag nun seitens der Beh\u00f6rden drangsaliert werden.<\/p>\n<p>Der Kreml reagierte auf seine Weise, Sprecher Dmitrij Peskow versuchte die Bedeutung der Proteste herunterzuspielen: Nun hei\u00dfe es wieder, dass viele zu den Aktionen gegangen seien. \u00bbNein, es sind wenige Menschen hingegangen. Viele Menschen stimmen f\u00fcr Putin\u00ab, sagte er.<\/p>\n<p>Was er nicht erw\u00e4hnte: Wirkliche Oppositionspolitiker \u2013 wie auch Nawalny \u2013 wurden unter Putin nicht zu Pr\u00e4sidentschaftswahlen zugelassen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Demonstrantin in Tomsk mit einer goldenen Toilettenb\u00fcrste \u2013 eine Anspielung auf Putins Luxus-Anwesen Foto:\u2002Taisiya Vorontsova \/ imago images\/ITAR-TASS In Russland wird nach den Protesten am Wochenende nun flei\u00dfig<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5424,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5423","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5423","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5423"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5423\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5424"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}