{"id":5371,"date":"2021-01-23T00:12:12","date_gmt":"2021-01-22T21:12:12","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-die-krux-mit-der-zweiten-impfstoff-dosis\/"},"modified":"2021-01-23T00:12:12","modified_gmt":"2021-01-22T21:12:12","slug":"coronavirus-die-krux-mit-der-zweiten-impfstoff-dosis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-die-krux-mit-der-zweiten-impfstoff-dosis\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Die Krux mit der zweiten Impfstoff-Dosis"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5c2cfedf-8b6e-4586-b2ce-322b18d8e3ae_w948_r1.77_fpx38_fpy50.jpg\" title=\"Corona-Impfstoff-Ampullen in einem Seniorenstift: F\u00fcnf oder sechs Dosen?\" alt=\"Corona-Impfstoff-Ampullen in einem Seniorenstift: F\u00fcnf oder sechs Dosen?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Corona-Impfstoff-Ampullen in einem Seniorenstift: F\u00fcnf oder sechs Dosen?<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Laci Perenyi \/ imago images  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Seit Impfstart Ende Dezember in der Europ\u00e4ischen Union (EU) haben in Deutschland gut 1,3 Millionen Menschen die Corona-Impfung erhalten. Ebenfalls seit Start der Impfungen steht die Durchf\u00fchrung in der Kritik. Erst hie\u00df es, die Zahl der eingekauften Impfdosen reiche nicht aus, am 8. Januar 2021 hat die EU-Kommission dann 300 Millionen Dosen nachbestellt. Nun gibt es neue Schwierigkeiten.<\/p>\n<p>Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer haben Lieferverz\u00f6gerungen angek\u00fcndigt. Umbauma\u00dfnahmen, die langfristig eine umfassendere Produktion erlauben sollen, f\u00fchren demnach kurzfristig dazu, dass der Wirkstoff zwischenzeitlich nicht in den bisherigen Mengen hergestellt werden kann.<\/p>\n<p>\u00bbEs war zu erwarten, dass es zwischenzeitlich mal zu Lieferengp\u00e4ssen kommen w\u00fcrde, besonders solange man vor allem von einem Wirkstoff abh\u00e4ngig ist\u00ab, sagte Impfstoffforscher Leif Erik Sander von der Berliner Charit\u00e9 dem SPIEGEL. Experten hatten vor Impfstart etwa darauf hingewiesen, dass es beim Ausbau der Produktionskapazit\u00e4ten zu Schwierigkeiten kommen kann.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen der Produktionsumstellungen bei Pfizer sind jedoch \u00fcberschaubar. Biontech\/Pfizer liefert ab 25. Januar zwar weniger Fl\u00e4schchen mit der raren Vakzine. Trotzdem bekommen die Bundesl\u00e4nder nicht weniger Dosen als urspr\u00fcnglich geplant, weil ein Fl\u00e4schchen nun offiziell sechs statt f\u00fcnf Dosen enth\u00e4lt.<\/p>\n<h3>Mittelma\u00df mit Verbesserungspotenzial<\/h3>\n<p>In den Bundesl\u00e4ndern sorgen die Lieferverz\u00f6gerungen dennoch f\u00fcr Verunsicherung. In manchen Regionen, etwa Nordrhein-Westfalen, wurden Impfbem\u00fchungen zun\u00e4chst unterbrochen. Gleichzeitig liegen Hunderttausende Impfdosen ungenutzt herum, l\u00e4ngst nicht an allen Wochentagen wird in gleichem Umfang geimpft.<\/p>\n<p>Vor allem die Sonntage vereint ein unerfreuliches Muster: Die Impfstatistik des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt, dass die Zahl der Impfungen an dem Wochentag regelm\u00e4\u00dfig einbricht. Dar\u00fcber, warum das der Fall ist, l\u00e4sst sich allerdings nur spekulieren. Naheliegend erscheint Forscher Sander, dass es an Sonntagen schwieriger ist, Personal f\u00fcr die Impfungen zu mobilisieren.<\/p>\n<p>St\u00e4rkere monet\u00e4re Anreize k\u00f6nnten hier helfen, glaubt Sander. Denkbar sei aber auch, dass die Impfbereitschaft an Sonntagen geringer sei, weil die Menschen sie nicht als potenzielle Impftage wahrn\u00e4hmen.<\/p>\n<p>Bislang entfielen 34 Prozent der Impfungen auf Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner, knapp die H\u00e4lfte auf medizinisches Personal. Das Impfen in den Impfzentren, au\u00dferhalb von Kliniken und Heimen, l\u00e4uft gerade erst an.<\/p>\n<p>Viele Einrichtungen wollen laut einer SPIEGEL-Umfrage bei den Bundesl\u00e4ndern auch sonntags \u00f6ffnen. Allerdings gibt es aktuell noch ein ganz anderes Problem.<\/p>\n<h3>Schneller und besser werden<\/h3>\n<p>So berichtet ein Gro\u00dfteil der Bundesl\u00e4nder, dass die Impfdosen der limitierende Faktor seien. \u00bb\u00d6ffnungszeiten der Impfstellen stehen grunds\u00e4tzlich in Abh\u00e4ngigkeit zu der gelieferten Impfstoffmenge\u00ab, hei\u00dft es etwa aus Nordrhein-Westfalen. Andere Bundesl\u00e4nder, etwa Berlin, warten auf mehr Impfdosen, um \u00fcberhaupt alle Impfzentren er\u00f6ffnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im EU-Vergleich steht Deutschland dennoch gar nicht so schlecht da. Die Zahl der verimpften Dosen je Einwohner liegt ungef\u00e4hr im Durchschnitt der Europ\u00e4ischen Union. Fast 1,4 Millionen Menschen haben in Deutschland bislang die erste Impfdosis erhalten, das entspricht etwa 1,7 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Rund 115.000 Personen haben die Zweitimpfung bekommen. Dennoch gibt es Luft nach oben.<\/p>\n<p>\u00bbWir m\u00fcssen schneller und besser werden\u00ab, erkl\u00e4rte Sander mit Blick auf die immer noch hohen Todeszahlen. \u00bbDas steht, denke ich, au\u00dfer Frage.\u00ab Alle Strategien, die es erlauben w\u00fcrden, mehr Menschen in k\u00fcrzerer Zeit zu impfen, m\u00fcssten gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Das bezieht sich neben effizienterer Logistik insbesondere auch auf die Verf\u00fcgbarkeit von Impfdosen.<\/p>\n<h3>Etwa die H\u00e4lfte der Lieferungen liegt auf Halde<\/h3>\n<p>Bislang gilt, dass f\u00fcr jede verabreichte Impfdosis eine weitere f\u00fcr die einige Wochen danach vorgesehene zweite Impfung zur\u00fcckgehalten werden soll. Die Zweitimpfung ist notwendig, um einen nahezu vollst\u00e4ndigen Schutz vor Covid-19 zu erreichen, wie er in den Zulassungsstudien von Biontech\/Pfizer und Moderna nachgewiesen wurde.<\/p>\n<p>Wie viele Impfdosen aus diesem Grund derzeit in Lagerr\u00e4umen liegen, l\u00e4sst sich aus den t\u00e4glich ver\u00f6ffentlichten Impfdaten des Robert Koch-Instituts nicht exakt berechnen, aber zumindest absch\u00e4tzen. Das Problem: Biontech rechnet bei seinen Angaben zu den Impfstofflieferungen teils bereits damit, dass aus jeder gelieferten Ampulle Impfstoff sechs Dosen gewonnen werden. Seit wann und in welchem Umfang dies von den Bundesl\u00e4ndern umgesetzt wird, ist allerdings ungewiss.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Arzneimittelbeh\u00f6rde (Ema) hat das Prozedere am 8. Januar genehmigt. Geht man davon aus, dass bis 8. Januar zun\u00e4chst noch f\u00fcnf Dosen aus jeder Flasche gewonnen wurden und ab dem 9. Januar sechs, haben Biontech\/Pfizer und Moderna bis zum 21. Januar laut SPIEGEL-Berechnungen mehr als drei Millionen Impfdosen nach Deutschland geliefert. Etwa 47 Prozent davon wurden verimpft, der Rest liegt der Rechnung zufolge in den Depots und wird f\u00fcr die Zweitimpfung und weitere Erstimpfungen an den Folgetagen aufgehoben.<\/p>\n<p>Beim Zur\u00fcckhalten der Dosen f\u00fcr die Zweitimpfung gehen die Bundesl\u00e4nder unterschiedlich vor. Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz legen weniger Dosen zur\u00fcck als die \u00fcbrigen Bundesl\u00e4nder. Sollten die w\u00f6chentlichen Biontech-Lieferungen pl\u00f6tzlich komplett ausfallen, h\u00e4tten sie laut den SPIEGEL-Berechnungen nicht genug Dosen, um alle einmal geimpften Personen ein zweites Mal zu impfen.<\/p>\n<h3>Flexibler werden<\/h3>\n<p>\u00bbDie Lieferengp\u00e4sse bei Biontech\/Pfizer sind ung\u00fcnstig, umso wichtiger ist es, dass wir flexibler mit dem Impfstoffangebot umgehen\u00ab, sagte Sander. Er verweist auf noch laufende Modellierungsstudien von Kolleginnen und Kollegen, die verschiedene Impfszenarien durchspielen.<\/p>\n<p>Dabei zeige sich, dass bei der derzeit gew\u00e4hlten Strategie immer mit h\u00f6heren Fallzahlen und gr\u00f6\u00dferer Mortalit\u00e4t zu rechnen sei als bei flexibleren Ans\u00e4tzen. \u00bbMan k\u00f6nnte etwa abh\u00e4ngig von den zu erwartenden Impflieferungen entscheiden, wie viele Dosen zur\u00fcckgehalten werden m\u00fcssen\u00ab, so Sander. \u00bbStatt f\u00fcr jede verimpfte Dosis eine weitere zur\u00fcckzuhalten, w\u00e4re denn etwa eine Notfallreserve f\u00fcr die Zweitimpfungen von 10 oder 20 Prozent denkbar.\u00ab<\/p>\n<h3>Die Wichtigkeit der Zweitimpfung<\/h3>\n<p>Sander verweist zudem darauf, dass es beim Zeitfenster f\u00fcr die Zweitimpfung Spielr\u00e4ume gibt, falls sich doch einmal Engp\u00e4sse auftun. So empfiehlt die St\u00e4ndige Impfkommission (Stiko) des RKI, die Impfdosen in einem Mindestabstand von 21 beziehungsweise 28 Tagen und nicht sp\u00e4ter als 42 Tage nach der ersten Impfstoffdosis zu verabreichen.<\/p>\n<p>Selbst wenn es noch mal sp\u00e4ter werde, sei das aber kein Drama, so Sander. Zwischen den Jahren wurde etwa diskutiert, ob in Anbetracht der knappen Impfstoffmengen der Abstand zwischen den Impfdosen verl\u00e4ngert werden solle. Dann, so die Idee, k\u00f6nnten zun\u00e4chst mehr Menschen die Erstimpfung erhalten und h\u00e4tten zumindest schon einmal irgendeinen Schutz vor Covid-19.<\/p>\n<p>Die Stiko riet davon bislang allerdings ab. Es sei unsicher, ob eine Verschiebung der zweiten Impfdosis \u00bbmehr schwere Erkrankungen und Todesf\u00e4lle verhindert als eine zeitnahe zweite Impfung der Hochrisikogruppen, welche dann zu einem nahezu vollst\u00e4ndigen Schutz vor Erkrankung f\u00fchrt.\u00ab Das Problem: Noch ist unklar, wie gro\u00df die Schutzwirkung nach der ersten Impfung ist.<\/p>\n<p>\u00bbIch halte es in der aktuellen Situation dennoch f\u00fcr zentral, \u00fcber einen Wechsel zu einer flexibleren Strategie zu diskutieren\u00ab, erkl\u00e4rte Sander. Sobald klar sei, wie gut der Impfschutz nach der ersten Dosis sei, sollten Fachleute erneut dar\u00fcber beraten, ob der Abstand zwischen erster und zweiter Impfung erweitert werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Corona-Impfstoff-Ampullen in einem Seniorenstift: F\u00fcnf oder sechs Dosen? Foto:\u2002Laci Perenyi \/ imago images Seit Impfstart Ende Dezember in der Europ\u00e4ischen Union (EU) haben in Deutschland gut 1,3 Millionen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5372,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5371","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5371","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5371"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5371\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5371"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5371"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5371"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}