{"id":531,"date":"2020-06-17T17:18:57","date_gmt":"2020-06-17T14:18:57","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/china-versus-indien-im-himalaja-prugelei-zwischen-atommachten\/"},"modified":"2020-06-17T17:18:57","modified_gmt":"2020-06-17T14:18:57","slug":"china-versus-indien-im-himalaja-prugelei-zwischen-atommachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/china-versus-indien-im-himalaja-prugelei-zwischen-atommachten\/","title":{"rendered":"China versus Indien im Himalaja: Pr\u00fcgelei zwischen Atomm\u00e4chten"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/55a27bed-8ff5-4dc7-8be8-27f8c29775b6_w948_r1.77_fpx49.31_fpy49.98.jpg\" title=\"Den Feind im Blick: Indische Grenzer im Himalaja\" alt=\"Den Feind im Blick: Indische Grenzer im Himalaja\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Den Feind im Blick: Indische Grenzer im Himalaja<\/p>\n<p> TAUSEEF MUSTAFA\/ AFP <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Soldaten verf\u00fcgten \u00fcber Gewehre und Panzer, aber sie r\u00fchrten ihre Waffen nicht an. Stattdessen sollen sie mit F\u00e4usten und Eisenstangen aufeinander losgegangen sein. Von mit N\u00e4geln best\u00fcckten Bambusst\u00f6cken ist die Rede. Davon, dass chinesische und indische Soldaten einander totgepr\u00fcgelt haben k\u00f6nnten, dass sie wom\u00f6glich einen Abhang abgest\u00fcrzt und bei Temperaturen unter null erfroren sind.<\/p>\n<p>Noch ist unklar, was genau sich tats\u00e4chlich in der Nacht zu Dienstag auf mehr als 4000 Meter H\u00f6he im Himalaja abgespielt hat. Nur so viel zeichnet sich ab: Es gibt seit Anfang dieser Woche einen Konflikt mehr, um den die Welt sich sorgen muss.<\/p>\n<p>Am Dienstag wurde bekannt, dass bei der Auseinandersetzung in den Bergen mindestens 20 indische Soldaten gestorben sind. Die Meldung sch\u00fcrt \u00c4ngste. Denn es ist das erste Mal seit 45 Jahren, dass der Konflikt zwischen China und Indien wieder Menschenleben gefordert hat. Ein uralter Streit zwischen den beiden bev\u00f6lkerungsreichsten L\u00e4ndern der Welt, zwei Nuklearm\u00e4chten noch dazu, droht damit wieder zu entflammen.<\/p>\n<p>China und Indien stehen sich in der Bergregion Ladakh milit\u00e4risch gegen\u00fcber. Die beiden Nachbarn streiten um den genauen Verlauf der Grenze zwischen ihren L\u00e4ndern. 1962 f\u00fchrte der Streit zu einem kurzen Krieg, den China gewann. Seitdem kommt es immer wieder Scharm\u00fctzeln: Patrouillen geraten im Grenzgebiet aneinander; und weil der Einsatz von Waffen verp\u00f6nt ist, pr\u00fcgeln sich die Soldaten oder werfen Steine aufeinander.<\/p>\n<p>Die jetzige Eskalation reicht bis in den April zur\u00fcck. Damals besetzte die chinesische Volksbefreiungsarmee eine Reihe von Grenzposten. Das indische Milit\u00e4r schickte Hunderte Soldaten in die Region. Die beiden Staaten werfen einander nun vor, in das Gebiet des jeweils anderen eingedrungen zu sein. Doch anders als bei fr\u00fcheren Konflikten dieser Art beschr\u00e4nkt sich die jetzige Auseinandersetzung nicht auf eine einzige Stelle.<\/p>\n<p>Laut Medienberichten soll es auf einer L\u00e4nge von mehreren hundert Kilometern hinweg mehrfach zu Grenz\u00fcberschreitungen gekommen sein. Zum ersten Mal erhebt China au\u00dferdem Anspruch auf ein Gebiet, dass in den Augen der Inder bislang nicht zur Diskussion stand. Es war in eben jenem Galwan-Tal, dass die indischen Soldaten starben. Neu-Delhi wirft Peking nun vor, &quot;den Status Quo entlang der Grenze&quot; \u00e4ndern zu wollen. Im Parteiblatt der chinesischen Volksbefreiungsarmee hei\u00dft es dagegen heute: &quot;Indische Truppen h\u00e4tten ihr Versprechen gebrochen&quot; und h\u00e4tten das chinesische Milit\u00e4r &quot;bewusst provoziert und angegriffen&quot;.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis der beiden asiatischen Gro\u00dfm\u00e4chte ist seit jeher von Spannungen gepr\u00e4gt. Aber bislang waren die Staatschefs beider L\u00e4nder darauf bedacht, dass aus Rivalit\u00e4t keine Feindschaft wird.<\/p>\n<p>Indiens Premier Narendra Modi und Chinas Pr\u00e4sident Xi Jinping haben sich seit 2014 ganze 18 mal getroffen. Zu ihrem gemeinsamen Markenzeichen geh\u00f6ren sogenannte &quot;informelle Gipfel&quot;: Dort konnte man Modi und Xi mal beim Schaukeln auf einer Bank beobachten, ein anderes Mal beim Schl\u00fcrfen von Kokosn\u00fcssen.<\/p>\n<h3>Das Ende des &quot;Wuhan Spirit&quot;<\/h3>\n<p>2018 trafen sich die beiden ausgerechnet in der chinesischen Stadt Wuhan, die als Ursprungsort f\u00fcr das neue Coronavirus gilt. Bis heute ist deswegen im Verh\u00e4ltnis der beiden zueinander vom sogenannten &quot;Wuhan Spirit&quot; die Rede. Der l\u00e4sst sich so beschreiben: Wir m\u00f6gen dem Aufstieg des jeweils anderen misstrauen; aber unsere L\u00e4nder sind zu gro\u00df, einander geografisch zu nah, als dass wir es uns leisten k\u00f6nnten, Feinde zu sein.<\/p>\n<p>Es gibt eine Reihe von Gr\u00fcnden, warum die chinesische Seite ihre Einsch\u00e4tzung gegen\u00fcber Indien gerade jetzt ge\u00e4ndert haben k\u00f6nnte:      <\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>China findet, dass Indien zu forsch auftritt. Neu-Delhi hat vergangenes Jahr eine Stra\u00dfe fertigstellt, die es dem Milit\u00e4r k\u00fcnftig erleichtert, Truppen ins Grenzgebiet zu verlegen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Indien, das stets m\u00fchevoll darauf bedacht war, sich auf keine Seite zu schlagen, r\u00fcckt zudem zunehmend n\u00e4her an die USA. Erst im Februar schlossen US-Pr\u00e4sident Donald Trump und Modi einen Verteidigungsdeal in H\u00f6he von umgerechnet 3,5 Milliarden Dollar ab. Die USA sind Chinas gro\u00dfer Konkurrent.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>&quot;Jede Krise ist auch eine Chance&quot; \u2013 in den Augen des indischen Geostrategen Brahma Chellaney hat sich Xi sich diese Lektion zu Herzen genommen. Die Coronakrise hat auch Indien schwer zugesetzt.<\/p>\n<p>Die Wirtschaft wird dieses Jahr vermutlich zum ersten Mal seit 40 Jahren schrumpfen. Delhi f\u00fcrchtet, dass die Krankenh\u00e4user der Stadt schon in wenigen Wochen \u00fcberlastet sein k\u00f6nnten. Chellaney glaubt, dass China Indiens Moment der Schw\u00e4che ausnutzen will: &quot;Xi will sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck indisches Terrain einverleiben.&quot;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich zeigt sich Chinas F\u00fchrung nach au\u00dfen zunehmend selbstbewusst \u2013 und aggressiv. Peking ist dabei, die Machtverh\u00e4ltnisse im S\u00fcdchinesischen Meer zu verschieben. Es hat sich daran gemacht, Hongkongs Unabh\u00e4ngigkeit de-facto zu beenden. Warum aufh\u00f6ren, wenn es gerade so gut l\u00e4uft? Chinas Armee ist fast viermal so gro\u00df wie die indische, sein Bruttoinlandsprodukt \u00fcbertrifft das indische um ein F\u00fcnffaches.<\/p>\n<h3>Kein schnelles Ende in Sicht<\/h3>\n<p>Wahr ist allerdings auch: Keines der beiden L\u00e4nder kann ein Interesse daran haben, dass der Konflikt eskaliert. Diplomaten auf beiden Seiten bem\u00fchen sich derzeit im Hintergrund darum, die Lage zu entsch\u00e4rfen. Doch ein Kompromiss k\u00f6nnte den beiden L\u00e4ndern schwer fallen. In einer ersten Reaktion sprach Modi davon, dass &quot;Indien Frieden will&quot;. Aber auch zur\u00fcckschlagen k\u00f6nne, wenn es provoziert wird.<\/p>\n<p>Beide L\u00e4nder werden von Nationalisten gef\u00fchrt, die nach au\u00dfen hin hart auftreten m\u00fcssen, um im Inneren stark zu wirken \u2013 jetzt in der Coronakrise mehr als je zuvor. Besonders Modi befindet sich in einer schwierigen Lage: Er hat die Wahl im letzten Jahr auch damit gewonnen, dass er als starker Mann aufgetreten ist, der den Erzfeind Pakistan in die Schranken gewiesen hat. Jetzt wirkt es, als h\u00e4tte er sich Modi von Xi an der Nase herumf\u00fchren lassen und traue sich nicht, dem Chinesen etwas entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>Es ist die vermeintliche St\u00e4rke der beiden Regierungschefs, die sich in der Krise als Schw\u00e4che herausstellen k\u00f6nnte: Beide m\u00fcssen als Gewinner aus diesem Kr\u00e4ftemessen hervorgehen. Das macht die jetzige Lage so heikel.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Den Feind im Blick: Indische Grenzer im Himalaja TAUSEEF MUSTAFA\/ AFP Die Soldaten verf\u00fcgten \u00fcber Gewehre und Panzer, aber sie r\u00fchrten ihre Waffen nicht an. 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