{"id":5303,"date":"2021-01-19T15:48:08","date_gmt":"2021-01-19T12:48:08","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-politik-der-landerchefs-und-der-kanzlerin-sprecht-mit-einer-stimme\/"},"modified":"2021-01-19T15:48:08","modified_gmt":"2021-01-19T12:48:08","slug":"corona-politik-der-landerchefs-und-der-kanzlerin-sprecht-mit-einer-stimme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-politik-der-landerchefs-und-der-kanzlerin-sprecht-mit-einer-stimme\/","title":{"rendered":"Corona-Politik der L\u00e4nderchefs und der Kanzlerin: Sprecht mit einer Stimme!"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/89362832-11a8-4f0f-8abd-4da54a8ecd3a_w948_r1.77_fpx63_fpy42.jpg\" title=\"Berlins Regierender B\u00fcrgermeister Michael M\u00fcller, Kanzlerin Angela Merkel, der bayerische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der im Oktober im Kanzleramt\" alt=\"Berlins Regierender B\u00fcrgermeister Michael M\u00fcller, Kanzlerin Angela Merkel, der bayerische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der im Oktober im Kanzleramt\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Berlins Regierender B\u00fcrgermeister Michael M\u00fcller, Kanzlerin Angela Merkel, der bayerische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der im Oktober im Kanzleramt<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Fabrizio Bensch \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Vom Pr\u00e4ventionsparadox war in dieser Pandemie oft die Rede. Christian Drosten sprach davon, in einem Interview mit dem britischen \u00bbGuardian\u00ab im April. Die Lage damals: Nach dem ersten Corona-Shutdown war in Deutschland die Zahl an Neuinfektionen gesunken, auch der R-Wert, der anzeigt, wie viele Menschen im Durchschnitt von einem Infekti\u00f6sen mit dem Virus ansteckt werden. Die Welle war gebrochen, die Intensivstationen waren weniger ausgelastet als gedacht. Die ganze Welt blickte mit Bewunderung auf Deutschland, w\u00e4hrend in Italien Milit\u00e4rlaster S\u00e4rge abtransportierten.<\/p>\n<p>Und doch fragten viele: War das alles n\u00f6tig? Die Kontaktsperren, die Schlie\u00dfung von Gesch\u00e4ften und Restaurants, die Grenzkontrollen, das Herunterfahren eines Landes? War das nicht \u00fcbertrieben, angesichts der niedrigen Zahlen?<\/p>\n<p>Es ist die Tragik vorausschauender Politik: Weil sie sehr fr\u00fch verhindert, was als Schlimmstes bef\u00fcrchtet wurde, wird ihr die Legitimation abgesprochen, da am Ende gar nichts Schlimmes geschehen ist. Es ist das Paradoxon, von dem Drosten spricht.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist im Nachhinein kaum zu kl\u00e4ren, ob auch weniger harte Ma\u00dfnahmen ausgereicht h\u00e4tten, ob jeder Schritt tats\u00e4chlich n\u00f6tig gewesen ist, doch diese Fragen sind m\u00fc\u00dfig, denn am Ende z\u00e4hlt das Ergebnis: weniger Kranke, weniger Tote.<\/p>\n<p>Es hilft, sich die Situation aus dem Fr\u00fchjahr vor Augen zu f\u00fchren, wenn die Ministerpr\u00e4sidentinnen und Ministerpr\u00e4sidenten heute Abend mit der Kanzlerin konferieren.<\/p>\n<p>Die Lage ist \u00e4hnlich: Es gilt, etwas zu verhindern, was noch abstrakt ist. Die rapide Ausbreitung einer Mutante des Virus, die ansteckender ist als die urspr\u00fcngliche Form. Waren die S\u00e4rge aus Bergamo das Angstszenario im Fr\u00fchjahr, so sind es jetzt die \u00fcberf\u00fcllten Kliniken in Gro\u00dfbritannien, wo die Mutante B.1.1.7 bereits w\u00fctet. Es ist das Negativszenario: So wollen wir nicht enden.<\/p>\n<p>Die Lehren aus Gro\u00dfbritannien sind schlicht und klar: Die britische Regierung hat zu lange mit einem harten Lockdown gewartet, die Mutante breitete sich aus wie ein Fl\u00e4chenbrand, nun reichen die Hydranten nicht mehr aus zum L\u00f6schen.<\/p>\n<p>Will man diesen Fl\u00e4chenbrand in Deutschland verhindern, muss man fr\u00fch mit dem L\u00f6schen beginnen und braucht viel Wasser. Aus pr\u00e4ventiver Sicht gibt es keine Alternative zu einer Verl\u00e4ngerung des Shutdowns und zu einer Versch\u00e4rfung der Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<h3>Die Bereitschaft der Deutschen nimmt ab<\/h3>\n<p>Aber es gibt noch eine zweite Lehre aus Gro\u00dfbritannien: Der Shutdown kam nicht nur sp\u00e4t, er wirkte auch nicht, weil ihn viele nicht mitmachten. Sie haben das Vertrauen in ihre Regierung verloren, vielleicht waren sie auch nur Corona-m\u00fcde.<\/p>\n<p>Auch die Deutschen sind m\u00fcde, auch bei ihnen sinkt die Bereitschaft, den Empfehlungen der Kanzlerin blind zu folgen. Das war im Fr\u00fchjahr anders. Das Virus war neu, das breite Wissen dar\u00fcber noch nicht vorhanden. Nun gibt es viel Wissen, fundiertes und weniger fundiertes, die Menschen f\u00fchlen sich informiert und m\u00fcndig, es gibt pl\u00f6tzlich sehr viele Experten.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr sorgte das Nichtwissen f\u00fcr gro\u00dfes Vertrauen in die Politik und die sie beratende Wissenschaft, nun f\u00fchrt das vermeintlich gr\u00f6\u00dfere Wissen bei einigen zu Skepsis und Zur\u00fcckhaltung. \u00bbDie aktuellen Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen kompensieren, was im ersten Lockdown an zus\u00e4tzlichen freiwilligen Ma\u00dfnahmen ergriffen wurde und jetzt zur effektiven Eind\u00e4mmung fehlt\u00ab, schreibt Cornelia Betsch, Professorin f\u00fcr Gesundheitskommunikation, die gestern die L\u00e4nderchefs in einer Expertenanh\u00f6rung beriet.<\/p>\n<p>Gegen die M\u00fcdigkeit hilft erstens Transparenz. Es reicht nicht mehr, wenn die Kanzlerin am Abend den gemeinsamen Beschluss verliest und drei Fragen von Journalisten beantwortet. Die Politik muss erkl\u00e4ren, auf welchen Grundlagen ihre Beschl\u00fcsse fu\u00dfen. Welche Erkenntnisse gesichert, welche nur Annahmen sind. Sie muss die Szenarien, die sie sieht und f\u00fcrchtet, beschreiben. Und die Ma\u00dfnahmen begr\u00fcnden, die sie beschlie\u00dft. Dabei muss sie auch eigene Zweifel einr\u00e4umen, etwa in der Frage, was genau f\u00fcr die hohen Infektionszahlen in Irland verantwortlich war, die Mutante oder zu fr\u00fche Lockerungen? Sie muss wieder ins Bewusstsein r\u00fccken, warum Deutschland im Fr\u00fchjahr so erfolgreich war. Sie muss das Pr\u00e4ventionsparadox aufl\u00f6sen \u2013 und die fr\u00fche Vorsorge als Erfolgsmittel zelebrieren.<\/p>\n<h3>Es braucht Hoffnungskonstrukte<\/h3>\n<p>Zweitens muss die Politik solide Szenarien aufbauen und Zumutbarkeiten \u00fcberpr\u00fcfen. Kann trotz Shutdown der Pr\u00e4senzunterricht in den Schulen beginnen, wenn etwa deutlich mehr Menschen ins Homeoffice geschickt werden? Und wenn das nicht geht: Wie sind die Perspektiven der von Pandemie so hart getroffenen Sch\u00fcler? Es braucht Hoffnungskonstrukte, wenn die B\u00fcrger in den n\u00e4chsten Monaten weiter mitmachen sollen.  <\/p>\n<p>Drittens hilft die Einm\u00fctigkeit der Politik. Je unterschiedlicher die L\u00e4nder agieren, desto unglaubw\u00fcrdiger wirken ihre Ma\u00dfnahmen: Warum soll ich die Regel in meinem Bundesland befolgen, wenn sie ein anderes nicht f\u00fcr geboten h\u00e4lt? Sie kann ja dann so dringlich nicht sein. Im gro\u00dfen Regelchaos blicken viele nicht mehr durch, auch das erh\u00f6ht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Regeln gar nicht mehr befolgt werden.<\/p>\n<p>Sind sich die Regierungschefs einig, dass sie auch jetzt wieder fr\u00fch und pr\u00e4ventiv handeln m\u00fcssen, dann sollten sie auch einer Meinung dar\u00fcber sein, wie sie handeln wollen. Haben Sie sich geeinigt, d\u00fcrfen sie nicht z\u00f6gern und m\u00fcssen mit den Ma\u00dfnahmen sofort starten.<\/p>\n<p>Zuletzt im Oktober und November hatten die L\u00e4nder zu lange gez\u00f6gert. Sie konnten sich nicht auf die Vorschl\u00e4ge des Kanzleramts einlassen, auch aus machtpolitischen Gr\u00fcnden. Die hohen Zahlen der vergangenen Wochen waren auch die Folge dieses Z\u00f6gerns.<\/p>\n<p>Damals erlebte der F\u00f6deralismus einen Tiefpunkt. Es sollte sein einziger in dieser Pandemie bleiben.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Berlins Regierender B\u00fcrgermeister Michael M\u00fcller, Kanzlerin Angela Merkel, der bayerische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der im Oktober im Kanzleramt Foto:\u2002Fabrizio Bensch \/ dpa Vom Pr\u00e4ventionsparadox war in dieser Pandemie oft<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5304,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5303","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5303"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5303\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}