{"id":5290,"date":"2021-01-19T00:47:49","date_gmt":"2021-01-18T21:47:49","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-gipfel-experten-schworen-landerchefs-auf-harten-lockdown-ein\/"},"modified":"2021-01-19T00:47:49","modified_gmt":"2021-01-18T21:47:49","slug":"corona-gipfel-experten-schworen-landerchefs-auf-harten-lockdown-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-gipfel-experten-schworen-landerchefs-auf-harten-lockdown-ein\/","title":{"rendered":"Corona-Gipfel: Experten schw\u00f6ren L\u00e4nderchefs auf harten Lockdown ein"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/4d2600ae-2fbb-4dc8-836a-521cd0fa08f4_w948_r1.77_fpx50_fpy61.jpg\" title=\"Innenstadt von Hannover am fr\u00fchen Montagmorgen: Kommt die bundesweite Ausgangssperre?\" alt=\"Innenstadt von Hannover am fr\u00fchen Montagmorgen: Kommt die bundesweite Ausgangssperre?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Innenstadt von Hannover am fr\u00fchen Montagmorgen: Kommt die bundesweite Ausgangssperre?<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>Julian Stratenschulte \/ dpa<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gro\u00dfbritannien soll Deutschland eine Mahnung sein. Das machen die Fachleute am Montagabend in der Besprechung mit dem Kanzleramt und den Regierungschefs der L\u00e4nder deutlich. Eingeladen sind Expertinnen und Experten, die gr\u00f6\u00dftenteils f\u00fcr einen harten Lockdown pl\u00e4dieren (einen Kommentar zur Auswahl der Fachleute lesen Sie hier). Etwa Rolf Apweiler, Molekularbiologe und Direktor des European Bioinformatics Institute in England. Er hat bereits dem franz\u00f6sischen Staatspr\u00e4sidenten Emmanuel Macron empfohlen, einen scharfen Abwehrkurs gegen die britische Virusmutation einzuschlagen.<\/p>\n<p>Apweiler habe nun in der Schalte nach SPIEGEL-Informationen erkl\u00e4rt, in Gro\u00dfbritannien habe die neue Virusmutation B.1.1.7. w\u00e4hrend des nationalen Lockdowns im November um 200 bis 400 Prozent zugenommen, und das unbemerkt. Andere Varianten h\u00e4tte im selben Zeitraum um circa 50 Prozent abgenommen. Das Problem: B.1.1.7. ist wohl deutlich ansteckender als die bis dato gel\u00e4ufigen Mutationen. Die neue Variante schaffe ein sechs- bis achtmal h\u00f6heres Wachstum der Fallzahlen pro Monat wie andere, sagte Apweiler laut einem Teilnehmer.<\/p>\n<p>Seine Empfehlung an die Verantwortlichen ist klar: Um die Infektionszahlen rasch zu dr\u00fccken, muss ein scharfer Lockdown her. Dieser solle Schulschlie\u00dfungen und eine Homeoffice-Pflicht beinhalten. Zudem solle so schnell und so viel wie m\u00f6glich gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Kapazit\u00e4ten zur Sequenzierung, also der gezielten Erkennung von Virusmutationen, m\u00fcssten schnell ausgebaut werden.<\/p>\n<p>Neben Apweiler ist die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz Zentrum f\u00fcr Infektionsforschung in der Runde, die seine Forderungen bekr\u00e4ftigte, wie der SPIEGEL aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Brinkmann ist Unterst\u00fctzerin der #ZeroCovid-Kampagne, einer radikalen Corona-Strategie mit besonders einschneidenden Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p><strong><em>(Behalten Sie den \u00dcberblick: Jeden Werktag gegen 17 Uhr beantworten SPIEGEL-Autoren die wichtigsten Fragen des Tages im Newsletter \u00bbDie Lage am Abend\u00ab \u2013 hintergr\u00fcndig, kompakt, kostenlos. <\/em><\/strong><strong><em>Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail<\/em><\/strong><strong><em>.<\/em><\/strong>)<\/p>\n<h3>\u00bbEs ist so, als ob das Virus noch einmal einen Raketenanzug angezogen hat\u00ab<\/h3>\n<p>Apweiler habe mit seiner Pr\u00e4sentation gezeigt, wie schnell man die Kontrolle \u00fcber die Ausbreitung verliere, sagte Brinkmann den Regierenden laut einem Teilnehmer. Es sei nun der kritischste Moment in der Pandemie. Dass sich die neue Variante des Virus gegen die anderen durchsetze, sei ein Naturgesetz \u2013 und in Deutschland angekommen ist sie bereits. Es bestehe die Gefahr, dass 2021 schlimmer werde als 2020, wenn man nicht jetzt handle. \u00bbEs ist so, als ob das Virus noch einmal einen Raketenanzug angezogen hat\u00ab, erkl\u00e4rte Brinkmann laut einem Teilnehmer. Man wisse aber, was zu tun sei \u2013 \u00bbn\u00e4mlich das, was wir im Fr\u00fchjahr 2020 gemacht haben\u00ab, wird sie zitiert.<\/p>\n<p>Eine Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen \u2013 das gesetzte Ziel von Bund und L\u00e4ndern, von dem der bundesweite Schnitt weit entfernt ist \u2013 sei illusorisch, sagte Brinkmann einem Teilnehmer zufolge. Die Bev\u00f6lkerung m\u00fcsse \u00fcberzeugt werden, \u00bbdass wir auf Null m\u00fcssen\u00ab. Denn eine 50er-Inzidenz sei ein Mittelweg, der auf Dauer schmerzhafter sein werde als ein radikaler Lockdown.<\/p>\n<p>Auch andere Fachleute warnten in der Runde vor einer blo\u00dfen Verl\u00e4ngerung des geltenden Shutdowns. Falls sich die Bev\u00f6lkerung weiter so einschr\u00e4nke wie Anfang Januar, sei nach einer Modellrechnung mit weiter zur\u00fcckgehenden Infektionszahlen zu rechnen, hei\u00dft es in einem Papier, an dem der Physiker und Mobilit\u00e4tsexperte Kai Nagel mitgewirkt hat. Doch die Erfahrung aus dem Fr\u00fchjahr 2020 zeige, dass die Bev\u00f6lkerung eher zu normalen Mobilit\u00e4tsmustern zur\u00fcckkehren werde. Dies m\u00fcsse unbedingt vermieden werden, eventuell auch mittels neuer Einschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p>Der Bericht f\u00fcr das Bundesbildungsministerium vom 15. Januar kam auch in der Runde am Montagabend zur Sprache. Darin werden eine FFP2-Maskenpflicht am Arbeitsplatz, Einzelzimmer oder Homeoffice empfohlen. Eine abendliche und n\u00e4chtliche Ausgangssperre sei zudem \u00bbeine schnell umsetzbare und gut wirksame Ma\u00dfnahme\u00ab. Schul\u00f6ffnungen wiederum sollten nur in Verbindung mit FFP2-Masken w\u00e4hrend des Unterrichts in Betracht gezogen werden.<\/p>\n<p>Die Psychologieprofessorin Cornelia Betsch von der Universit\u00e4t Erfurt mahnte in der Schalte nach Teilnehmerangaben, die aktuellen Ma\u00dfnahmen m\u00fcssten kompensieren, was im ersten Lockdown an zus\u00e4tzlichen freiwilligen Ma\u00dfnahmen ergriffen worden sei. Denn trotz guter Akzeptanz der geltenden Ma\u00dfnahmen f\u00fchrten psychologische Faktoren dazu, dass die Menschen Ausnahmen machen, erkl\u00e4rte Betsch. Au\u00dferdem warnte sie vor \u00bbPandemiem\u00fcdigkeit\u00ab und einem Vertrauensverlust der Menschen in die Regierungskommunikation. Die Expertin schlug daher ein neues Framing vor, also eine neue Kommunikationsstrategie: Bei der Pandemiebek\u00e4mpfung m\u00fcsse den Menschen ihr Eigeninteresse an einer gemeinschaftlichen, gesamtgesellschaftlichen L\u00f6sung verdeutlicht werden, wurde Betsch zitiert.<\/p>\n<p>Die Ratschl\u00e4ge der Fachleute d\u00fcrften bei den L\u00e4nderchefs auf gemischte Gef\u00fchle sto\u00dfen. Im Vorfeld der entscheidenden Besprechungen hatten vor allem SPD-gef\u00fchrte L\u00e4nder Zweifel an weiteren Versch\u00e4rfungen ge\u00e4u\u00dfert, ein radikaler Lockdown fand in den \u00f6ffentlichen Statements der Ministerpr\u00e4sidentinnen und -pr\u00e4sidenten keine Erw\u00e4hnung.<\/p>\n<p>Auch Bayerns Regierungschef Markus S\u00f6der, der im deutschlandweiten Vergleich bereits besonders scharfe Regeln erlassen hat, sprach sich gegen neue Regeln aus. Stattdessen sollten die anderen L\u00e4nder sich an Bayern ein Beispiel nehmen, sagte S\u00f6der \u2013 was vielerorts faktische Versch\u00e4rfungen bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Diskutiert wurden zuletzt unter anderem eine bundesweite FFP2-Maskenpflicht in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln und Gesch\u00e4ften, Ausgangssperren sowie eine weitgehende Homeoffice-Pflicht. Auf welche Ma\u00dfnahmen sich Bund und L\u00e4nder einigen k\u00f6nnen oder ob es bei einer blo\u00dfen Verl\u00e4ngerung des gegenw\u00e4rtigen Shutdowns bleibt, wird aber erst nach der Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz am Dienstagnachmittag feststehen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Innenstadt von Hannover am fr\u00fchen Montagmorgen: Kommt die bundesweite Ausgangssperre? Foto:\u2002 Julian Stratenschulte \/ dpa Gro\u00dfbritannien soll Deutschland eine Mahnung sein. 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