{"id":5278,"date":"2021-01-18T12:11:32","date_gmt":"2021-01-18T09:11:32","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-deutschlands-topokonomen-warnen-vor-wirtschafts-lockdown\/"},"modified":"2021-01-18T12:11:32","modified_gmt":"2021-01-18T09:11:32","slug":"corona-deutschlands-topokonomen-warnen-vor-wirtschafts-lockdown","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-deutschlands-topokonomen-warnen-vor-wirtschafts-lockdown\/","title":{"rendered":"Corona: Deutschlands Top\u00f6konomen warnen vor Wirtschafts-Lockdown"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/22a3b491-3bca-414e-9dc2-eb01b2522f9b_w948_r1.77_fpx47_fpy34.jpg\" title=\"Arbeiter des VW-Werks Kassel in Baunatal: \u00bbDie Industrieproduktion darf nicht kippen\u00ab\" alt=\"Arbeiter des VW-Werks Kassel in Baunatal: \u00bbDie Industrieproduktion darf nicht kippen\u00ab\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Arbeiter des VW-Werks Kassel in Baunatal: \u00bbDie Industrieproduktion darf nicht kippen\u00ab<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Uwe Zucchi \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Deutschlands Top\u00f6konomen warnen vor einer gro\u00dffl\u00e4chigen Schlie\u00dfung von Fabriken im Kampf gegen die Pandemie. Sechs von sieben vom SPIEGEL befragten Wirtschaftsforscher sprechen sich dagegen aus, weite Teile der Industrie lahmzulegen. Hierf\u00fcr macht sich unter anderem Th\u00fcringens Ministerpr\u00e4sident Bodo Ramelow (Linke) stark. Auch Welt\u00e4rztepr\u00e4sident Ulrich Montgomery h\u00e4lt \u00e4hnliche Ma\u00dfnahmen teils f\u00fcr gerechtfertigt, wenn dies notwendig sei, um die Pandemie einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>\u00bbEine Zwangsschlie\u00dfung von Unternehmen w\u00fcrde nicht nur die unmittelbar betroffenen Unternehmen hart treffen, sondern k\u00f6nnte die Lieferketten unterbrechen und damit erhebliche Kosten f\u00fcr die gesamte Wirtschaft verursachen\u00ab, sagte der Chef des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, dem SPIEGEL. Gabriel Felbermayr, Pr\u00e4sident des Kieler Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft (IfW), schrieb: \u00bbW\u00fcrde man in einem gro\u00dfen Stil die Produktion lahmlegen, h\u00e4tte das gravierende Folgen f\u00fcr die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr.\u00ab<\/p>\n<p>Linkenpolitiker Ramelow fordert, Unternehmen vor\u00fcbergehend stillzulegen, die nicht lebensnotwendig sind oder systemisch nicht abgestellt werden k\u00f6nnen. Daf\u00fcr sind neben Abgeordneten seiner eigenen Partei auch Vertreter der Th\u00fcringer Gr\u00fcnen, die in Erfurt mit der Linken regieren. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach droht Industriebetrieben indirekt mit Produktionsstopps, sollte der Shutdown nicht erfolgreich zu Ende gebracht werden. Im Fr\u00fchjahr hatten Spaniens und Italiens Regierungen ihre Wirtschaft mehrere Wochen lang lahmgelegt.<\/p>\n<p>Laut Sebastian Dullien, dem Wissenschaftlichen Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung (IMK), h\u00e4tte eine weitgehende Schlie\u00dfung angesichts der labilen Verfassung vieler Betriebe schwerwiegende Folgen: \u00bbDie Gefahr von Pleiten und Entlassungswellen w\u00e4re dann deutlich gr\u00f6\u00dfer als im Fr\u00fchjahr.\u00ab Nach Berechnungen des IMK gingen zwei Drittel des Wirtschaftseinbruchs im ersten Halbjahr 2020 direkt auf Produktionsr\u00fcckg\u00e4nge im verarbeitenden Gewerbe zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u00bbDie Industrieproduktion darf nicht kippen\u00ab, mahnte auch Ifo-Pr\u00e4sident Clemens Fuest. \u00bbDie Wertsch\u00f6pfung hier ist besonders hoch.\u00ab Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer und Torsten Schmidt, Konjunkturchef des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI, halten einen Industrie-Shutdown ebenfalls f\u00fcr falsch.<\/p>\n<h3>Bei Schutzma\u00dfnahmen ist noch viel Luft nach oben<\/h3>\n<p>Dalia Marin, Professorin f\u00fcr Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen, sprach sich hingegen f\u00fcr eine Schlie\u00dfung von Fabriken und grenz\u00fcberschreitendem G\u00fcterverkehr aus: \u00bbEin vollst\u00e4ndiger Lockdown jetzt h\u00e4tte den Vorteil, die Infektionszahlen exponentiell zu senken, bevor noch das mutierte Virus die Gelegenheit hat, sich zu verbreiten. Auch China konnte nur mit einem drakonischen Lockdown die Situation stabilisieren.\u00ab<\/p>\n<p>Die M\u00fcnchener Wirtschaftsweise Schnitzer h\u00e4lt derart drakonische Ma\u00dfnahmen f\u00fcr \u00fcberzogen. \u00bbBisher k\u00f6nnen bei der eigentlichen Fertigung die notwendigen Sicherheitsma\u00dfnahmen durchaus eingehalten werden\u00ab, argumentiert sie. Problematischer seien Begegnungen in den Pausen, in der Kantine oder der Weg zur Arbeit. Deswegen m\u00fcsse man aber nicht gleich ganze Fabriken schlie\u00dfen. Bei Schutzma\u00dfnahmen wie dem Einbau von Filteranlagen, Fiebermessungen und vor allem der Einhaltung der Abstandsregeln sei noch \u00bbviel Luft nach oben\u00ab.<\/p>\n<p>Alle befragten \u00d6konomen sind daf\u00fcr, dass Unternehmen ihren Besch\u00e4ftigten das Arbeiten von zu Hause aus erm\u00f6glichen sollen \u2013 sofern es denn in der Praxis geht. Eine pauschale Homeoffice-Pflicht wollen sie nicht: allein schon wegen teils fehlender Technik.<\/p>\n<p>\u00bbWenn man zum Beispiel alle Verwaltungsangestellten der Gesundheits\u00e4mter ins Homeoffice schicken will, muss man sie auch entsprechend ausstatten\u00ab, sagt Schnitzer. \u00bbSonst k\u00f6nnen sie ihre Aufgaben nicht erf\u00fcllen. Dann haben wir nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern ein gesundheitliches.\u00ab<\/p>\n<h3>Grenzen m\u00fcssen offen bleiben<\/h3>\n<p>Besonders strikt lehnen fast alle Forscher innereurop\u00e4ische Grenzschlie\u00dfungen f\u00fcr Warentransporte wie zu Beginn der ersten Corona-Welle im M\u00e4rz 2020 ab. Angesichts der engen internationalen Verflechtung der Produktionsprozesse \u00bbw\u00fcrde eine Einschr\u00e4nkung des G\u00fcterverkehrs f\u00fcr viele Unternehmen einer Betriebsstilllegung gleichkommen\u00ab, sagt RWI-Konjunkturexperte Schmidt. Vom G\u00fcterverkehr gehe weniger Infektionsgefahr aus als vom Personenverkehr. <\/p>\n<p>\u00bbDie Aufrechterhaltung der Lieferketten ist wichtig\u00ab, argumentiert DIW-Chef Fratzscher, \u00bbdamit auch die Grundbed\u00fcrfnisse bei der Gesundheit, bei der Grundversorgung mit Lebensmitteln und anderen Dingen des t\u00e4glichen Lebens nach wie vor gew\u00e4hrleistet sind.\u00ab IfW-Chef Felbermayr warnt davor, \u00bbdiesen Fehler aus dem Fr\u00fchjahr\u00ab zu wiederholen: \u00bbEs kann allerdings sinnvoll sein, die Ausreise aus Hochinzidenzgebieten zu limitieren und scharf zu kontrollieren.\u00ab<\/p>\n<p>Auch die Idee, den \u00f6ffentlichen Personennahverkehr zu reduzieren oder ganz einzustellen, halten viele \u00d6konomen f\u00fcr kontraproduktiv. \u00bbPfleger, \u00c4rzte ebenso wie Besch\u00e4ftigte im Supermarkt oder in der Lebensmittelproduktion und in anderen Versorgungsberufen kommen oft mit dem \u00f6ffentlichen Personenverkehr zur Arbeit und k\u00f6nnten ohne diese Option ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen\u00ab, sagt IMK-Direktor Dullien.<\/p>\n<p>Zudem w\u00fcrden Besch\u00e4ftigte ohne eigenes Auto benachteiligt \u2013 vor allem dann, wenn sie kein sicheres Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis haben, erg\u00e4nzt Schmidt vom RWI. \u00bbEine Reduzierung des \u00f6ffentlichen Personenverkehrs jenseits des Berufsverkehrs h\u00e4tte dagegen deutlich geringere Folgen.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Die vollst\u00e4ndigen Statements der befragten Experten nachfolgend zum Nachlesen.<\/strong><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Arbeiter des VW-Werks Kassel in Baunatal: \u00bbDie Industrieproduktion darf nicht kippen\u00ab Foto:\u2002Uwe Zucchi \/ dpa Deutschlands Top\u00f6konomen warnen vor einer gro\u00dffl\u00e4chigen Schlie\u00dfung von Fabriken im Kampf gegen die<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5279,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5278","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5278","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5278"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5278\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5278"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5278"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5278"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}