{"id":5250,"date":"2021-01-17T04:07:41","date_gmt":"2021-01-17T01:07:41","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/cdu-kandidaten-laschet-merz-rottgen-drei-prinzen-beim-schaulaufen\/"},"modified":"2021-01-17T04:07:41","modified_gmt":"2021-01-17T01:07:41","slug":"cdu-kandidaten-laschet-merz-rottgen-drei-prinzen-beim-schaulaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/cdu-kandidaten-laschet-merz-rottgen-drei-prinzen-beim-schaulaufen\/","title":{"rendered":"CDU-Kandidaten Laschet, Merz, R\u00f6ttgen: Drei Prinzen beim Schaulaufen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/7153801b-0321-4e95-b432-ffde2bbebaf6_w948_r1.77_fpx44.67_fpy45.jpg\" title=\"Warten auf den Auftritt \u2013 die Masken sind noch nicht gefallen: CDU-Kandidaten R\u00f6ttgen, Merz, Laschet (v. l.)\" alt=\"Warten auf den Auftritt \u2013 die Masken sind noch nicht gefallen: CDU-Kandidaten R\u00f6ttgen, Merz, Laschet (v. l.)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Warten auf den Auftritt \u2013 die Masken sind noch nicht gefallen: CDU-Kandidaten R\u00f6ttgen, Merz, Laschet (v. l.)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Michael Kappeler \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr geschichtsbewusste Theaterfreundinnen und -freunde sind die Berliner Messehallen, in denen die CDU am Samstagvormittag ihre Kandidaten f\u00fcr den Vorsitz der Partei antreten l\u00e4sst, ein legendenumwobener, fast heiliger Ort. Sie erinnern sich sofort an den jungen, nahezu nackten Bruno Ganz und an einen legend\u00e4ren M\u00e4nnerwettstreit im Februar 1974. Dort, wo jetzt Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert R\u00f6ttgen nacheinander mit blaugrauer, rosafarbener und lila Krawatte ans Rednerpult treten und die F\u00fchrung von Deutschlands Christdemokratie beanspruchen, wetteiferten damals in einer theaterhistorischen Auff\u00fchrung der thebanische K\u00f6nig Pentheus (Bruno Ganz) und der Griechengott Dionysos (Michael K\u00f6nig) lehmverschmiert und mit notd\u00fcrftig bedeckten Genitalien um die Macht. <\/p>\n<p>\u00bbDie Bakchen\u00ab hie\u00df die Auff\u00fchrung der Berliner Schaub\u00fchne, die vor knapp 47 Jahren in einer Halle des Messegel\u00e4ndes pr\u00e4sentiert wurde. Und wie damals geht es auch heute bei der CDU darum, einen Sieger \u00bbmit Efeu zu bekr\u00e4nzen\u00ab, wie es im St\u00fcck des Euripides hei\u00dft.<\/p>\n<h3>Triumph des Traumbilds \u00fcber den Geist?<\/h3>\n<p>Damals wie heute spielt das St\u00fcck in einem Quarant\u00e4ne-Saal. F\u00fcr die Inszenierung des ersten fast vollst\u00e4ndig virtuellen Parteitags einer deutschen Partei hat der CDU-Generalsekret\u00e4r Paul Ziemiak eine blaugraue Arena bauen lassen, in der alle Anwesenden, wie er stolz versichert, \u00bbunter amts\u00e4rztlicher Kontrolle\u00ab stehen. Klaus Michael Gr\u00fcbers Inszenierung der \u00bbBakchen\u00ab spielte seinerzeit gleich in einem Krankenhaus mit wei\u00df get\u00fcnchten W\u00e4nden. \u00bbB\u00fchne frei!\u00ab ruft Ziemiak beim Auftritt von jedem der drei Konkurrenten um den CDU-Chefposten am Samstagvormittag. Aber besitzt das, was dann geschieht, wirklich die Wucht einer griechischen Trag\u00f6die? Hat Armin Laschets Sieg \u00fcber Friedrich Merz in der Stichwahl an diesem Januartag des Jahres 2021 einen \u00e4hnlichen dramatischen Wumm wie das Gr\u00fcbersche \u00bbBakchen\u00ab-Spektakel in den Siebzigern? Die \u00bbFrankfurter Allgemeine\u00ab lobte den Schaub\u00fchnenhit von damals immerhin erst vor ein paar Wochen wieder als \u00bbTriumph des verschwommenen Traumbilds \u00fcber den klaren Geist\u00ab. So \u00e4hnlich k\u00f6nnten die Fans von Friedrich Merz dereinst \u00fcber die heutige Niederlage ihres Idols urteilen.<\/p>\n<p>Trotzdem f\u00e4llt der B\u00fchnenauftritt des Kandidaten-Triumvirats Laschet, Merz und R\u00f6ttgen eher ins komische als ins tragische Fach. Jeder der drei Herren im CDU-Theater spricht zwar von den Grausamkeiten der Welt, mit der sie selbst und ihre \u00bbFreundinnen und Freunde\u00ab, wie man hier in sch\u00f6ner Einigkeit die Zuh\u00f6rerschaft nennt, konfrontiert sind. Laschet redet von Krankheitsgei\u00dfel (Corona), giftigen L\u00fcgen (Trump) und Gewalt (der Rechtsterroristen) und berichtet: \u00bbIch denke auch an den Kohleausstieg.\u00ab Merz fragt: \u00bbWie kommen wir heraus aus dieser Zeit?\u00ab R\u00f6ttgen klagt: \u00bbDie Demokratie ist weltweit unter Druck.\u00ab Das ist alles harter Stoff. Aber keineswegs der Sound, in dem sich Trag\u00f6diendichter ausdr\u00fccken. <\/p>\n<h3>Ein Clownsl\u00e4cheln im Gesicht des Kandidaten Merz<\/h3>\n<p>Vor allem aber wird es von jedem der drei Akteure mit einem K\u00f6rper- und Mienenspiel dargeboten, das weniger Besorgtheit als Heiterkeit signalisiert. Norbert R\u00f6ttgen strahlt am Mikrofon, als k\u00f6nne er es selbst nicht glauben, dass er es bis aufs Podest geschafft hat. Armin Laschet tritt am Ende seiner Wahlrede neben das Rednerpult und zeigt mit schiefem Grinsen die Bergmann-Erkennungsmarke seines Vaters. Und selbst der sonst allezeit konsequent sorgenvoll dreinblickende Friedrich Merz zaubert, als er irgendwas von \u00bbMut und Zuversicht\u00ab in den leeren Saal spricht, ein Clownsl\u00e4cheln in sein Gesicht.<\/p>\n<p>Jeder deklamiert im CDU-Theater f\u00fcr sich, allein dem Publikum zugewandt, selbst als die drei M\u00e4nner, von denen einer hier zum F\u00fcrsten erw\u00e4hlt werden soll, an einem gemeinsamen Pult stehen. Was die Regiekunst angeht, kann man die Vorf\u00fchrung eindeutig dem Frontaltheater des 21. Jahrhunderts zuordnen, das weit weg ist vom kollektivseligen Beschw\u00f6rungs- und Verschw\u00f6rungsspiel der goldenen Schaub\u00fchnenjahre. Und was die Vorbilder aus der Theaterliteratur betrifft, so k\u00f6nnte jeder der drei Kandidaten einen der Prinzen abgeben, die in Shakespeares \u00bbDer Kaufmann von Venedig\u00ab um die sch\u00f6ne Portia werben. <\/p>\n<h3>R\u00f6ttgen als frohgemuter, aber chancenloser Prinz<\/h3>\n<p>Friedrich Merz besetzt ideal die Rolle jenes Kerls, der Portias wegen in die Stadt gereist ist und von ihr wegen seines zur Schau gestellten Stolzes so beschrieben wird: \u00bbEr tut nichts als Stirnrunzeln, als wollt er sagen: Wenn ihr mich nicht haben wollt, so lasst es.\u00ab <\/p>\n<p>Norbert R\u00f6ttgen darf den stets frohgemuten, aber chancenlosen Prinzen spielen, von dem Portia sagt: \u00bbWenn eine Drossel singt, so macht er sogleich Luftspr\u00fcnge.\u00ab <\/p>\n<p>Und Armin Laschet verk\u00f6rpert perfekt den venezianischen Prinzen Bassanio, dem bei Shakespeare schlie\u00dflich die Gunst Portias zuf\u00e4llt. Bassanio zweifelt in seinem Jubel, als er endlich die Wahl gewonnen hat, \u00bbob kein Trug mein Auge blendet, bis ihr best\u00e4tigt, zeichnet, anerkennt\u00ab und gesteht: \u00bbVerwirrung ist in meinen Lebensgeistern.\u00ab<\/p>\n<p>Ein wenig benommen wirkte auch Laschet nach seinem Sieg am Samstag in der CDU-Arena von Berlin. Er trug kein Efeu im Haar, als er die Delegierten und seine unterlegenen Mitbewerber beschwor, jetzt allen innerparteilichen Zwist ruhen zu lassen. Blickte er nicht sogar ein bisschen verzagt? Vielleicht sollte sich Armin Laschet an das halten, was Bruno Ganz damals im M\u00e4nnerwettkampf der \u00bbBakchen\u00ab in der Rolle des Pentheus in die Messehalle br\u00fcllte: \u00bbWer gl\u00fccklich ist, darf keine Furcht haben!\u00ab <\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Warten auf den Auftritt \u2013 die Masken sind noch nicht gefallen: CDU-Kandidaten R\u00f6ttgen, Merz, Laschet (v. l.) 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