{"id":523,"date":"2020-06-17T08:16:28","date_gmt":"2020-06-17T05:16:28","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-abstandsregeln-wie-viel-distanz-ist-genug\/"},"modified":"2020-06-17T08:16:28","modified_gmt":"2020-06-17T05:16:28","slug":"coronavirus-abstandsregeln-wie-viel-distanz-ist-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-abstandsregeln-wie-viel-distanz-ist-genug\/","title":{"rendered":"Coronavirus-Abstandsregeln: Wie viel Distanz ist genug?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/c0c69d5c-668b-40d0-8f2e-3daa2448c1f9_w948_r1.77_fpx29.99_fpy50.97.jpg\" title=\"Abstandsregeln am Strand: Sind drei Meter am sichersten?\" alt=\"Abstandsregeln am Strand: Sind drei Meter am sichersten?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Abstandsregeln am Strand: Sind drei Meter am sichersten?<\/p>\n<p> Christopher Neundorf\/ Kirchner-Media\/ imago images <\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Meter, anderthalb Meter oder doch besser zwei Meter? F\u00fcr die Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie gelten in jedem Land unterschiedliche Abstandsregeln. Besonders streng ist Gro\u00dfbritannien. Dort sollen sich Menschen, wann immer es geht, mindestens zwei Meter voneinander fernhalten.<\/p>\n<p>Kritiker halten die Vorgabe jedoch f\u00fcr zu straff. Gerade Gastronomen h\u00e4tten Schwierigkeiten, sie umzusetzen. Das zeigt sich beispielsweise bei Pubs: Selbst wenn diese demn\u00e4chst wieder aufmachen d\u00fcrften, k\u00f6nnten nur etwa 20 bis 30 Prozent der Bars die Abstandsregeln einhalten, warnt die British Beer and Pub Association. M\u00fcssen Besucher dagegen nur einen Meter Abstand halten, k\u00f6nnten 70 Prozent der Pubs wieder \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter der Lockerung berufen sich unter anderem auf eine Studie, die k\u00fcrzlich im Fachblatt &quot;Lancet&quot; erschienen ist und laut der das Infektionsrisiko nur minimal steigt, wenn die Menschen statt zwei Metern nur einen Meter Abstand halten.<\/p>\n<p>Die Argumentation hat jedoch mehrere Haken. Noch kann niemand genau sagen, wie viel Abstand ausreicht, um eine Infektion mit dem Coronavirus wirksam zu verhindern. Daf\u00fcr m\u00fcsste beispielsweise gekl\u00e4rt sein, welche Rolle Viren-belastete Schwebeteilchen in der Luft, sogenannte Aerosole, bei der Ausbreitung spielen, die m\u00f6glicherweise sogar \u00fcber Stunden infekti\u00f6s bleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die &quot;Lancet&quot;-Studie ist eine der bisher umfangreichsten Analysen \u00fcber die Wirksamkeit von Abstandsregeln. Das Forschungsteam hat im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 200 Untersuchungen zusammengetragen, die sich mit dem Infektionsrisiko besch\u00e4ftigen. Solche Metaanalysen gelten als besonders zuverl\u00e4ssig, weil sie Ergebnisse mehrerer Studien zusammenfassen und dadurch auf h\u00f6heren Fallzahlen beruhen und gleichzeitig Widerspr\u00fcche in den Studienergebnissen aufdecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Argument f\u00fcr Lockerung beruht auf einer Tabelle<\/h3>\n<p>Allerdings besch\u00e4ftigten sich nicht alle der ber\u00fccksichtigten Studien mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2, sondern auch mit den eng verwandten Erregern Sars und Mers. Forscher gehen davon aus, dass sie sich \u00e4hnlich verbreiten wie das neuartige Coronavirus. Zudem handelte es sich in vielen F\u00e4llen nicht um gro\u00df angelegte Studien, entsprechend vorsichtig m\u00fcssen die Ergebnisse interpretiert werden.<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter lockerer Abstandsregeln berufen sich trotzdem vor allem auf eine Abbildung der &quot;Lancet&quot;-Studie, genauer Abbildung 3B. Demnach liegt das Risiko, sich anzustecken, bei einem Abstand von mindestens zwei Metern bei 1,3 Prozent, bei einem Abstand von mindestens einem Meter bei 2,6 Prozent. Zum Vergleich: Gelten keine Abstandsregeln, betr\u00e4gt das Infektionsrisiko etwa 13 Prozent.<\/p>\n<p>Doch genau an dieser Auswertung regt sich nun Kritik. So seien die Forscher in ihrer Studie pauschal davon ausgegangen, dass sich das Infektionsrisiko mit jedem zus\u00e4tzlichen Meter Abstand halbiert, kritisiert der renommierte Statistikprofessor David Spiegelhalter von der Cambridge University im &quot;Guardian&quot;. Es sei zwar davon auszugehen, dass ein Abstand von mindestens zwei Metern sicherer ist, aber wie viel sicherer, l\u00e4sst sich anhand der Daten nicht sagen. &quot;Ich hoffe, niemand nimmt die Ergebnisse in Abbildung 3B zu ernst&quot;, schreibt Spiegelhalter bei Twitter.<\/p>\n<p>Zudem entscheidet nicht nur der Abstand, ob sich jemand ansteckt oder nicht, sondern wahrscheinlich auch, mit wie vielen Viren jemand in Kontakt kommt und wie viel Zeit er mit einem Infizierten verbringt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hatten auch die Autoren der &quot;Lancet&quot;-Studie nie behauptet, dass eine Ein-Meter-Regel ausreichend ist. Sie waren lediglich zu dem Schluss gekommen, dass das Infektionsrisiko ab diesem Abstand statistisch signifikant sinkt &#8211; am sichersten sind wahrscheinlich sogar drei Meter. M\u00fcssten die Abstandsregeln also sogar versch\u00e4rft werden?<\/p>\n<p>Es ist Aufgabe der L\u00e4nder, zwischen Infektionsschutz und sozialer sowie wirtschaftlicher Vertr\u00e4glichkeit abzuw\u00e4gen. So gilt in Deutschland beispielsweise meist die 1,5-Meter-Regel, in Frankreich sind die Menschen angehalten, mindestens einen Meter Abstand zu halten.<\/p>\n<p>Doch auch wenn sich noch nicht wissenschaftlich genau beziffern l\u00e4sst, wie viel Abstandhalten den gr\u00f6\u00dften Vorteil bringt, sind sich Forscher weitgehend einig: Solange es keine Impfung gibt, ist k\u00f6rperliche Distanz der zuverl\u00e4ssigste Infektionsschutz, noch vor Masken.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Abstandsregeln am Strand: Sind drei Meter am sichersten? Christopher Neundorf\/ Kirchner-Media\/ imago images Ein Meter, anderthalb Meter oder doch besser zwei Meter? 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