{"id":515,"date":"2020-06-16T23:36:31","date_gmt":"2020-06-16T20:36:31","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/kaufpramie-fur-elektroautos-autohandler-sieht-forderung-kritisch\/"},"modified":"2020-06-16T23:36:31","modified_gmt":"2020-06-16T20:36:31","slug":"kaufpramie-fur-elektroautos-autohandler-sieht-forderung-kritisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/kaufpramie-fur-elektroautos-autohandler-sieht-forderung-kritisch\/","title":{"rendered":"Kaufpr\u00e4mie f\u00fcr Elektroautos: Autoh\u00e4ndler sieht F\u00f6rderung kritisch"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/80e08877-a914-4b46-91a5-400622011edc_w948_r1.77_fpx51.99_fpy50.jpg\" title=\"Stillstand auf der A9 zwischen M\u00fcnchen und Berlin: &quot;Wir m\u00fcssen flexibler werden&quot;\" alt=\"Stillstand auf der A9 zwischen M\u00fcnchen und Berlin: &quot;Wir m\u00fcssen flexibler werden&quot;\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Stillstand auf der A9 zwischen M\u00fcnchen und Berlin: &quot;Wir m\u00fcssen flexibler werden&quot;<\/p>\n<p> K.M.Krause\/ snapshot\/ imago images <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Herr Warncke, Elektroautos werden durch das Konjunkturpaket deutlich h\u00f6her vom Staat bezuschusst, die von der Autoindustrie gew\u00fcnschte Verbrennerpr\u00e4mie wurde verworfen. M\u00fcssen Sie Ihre Kunden nun zwangsbegl\u00fccken mit Autos, die ihnen nichts bringen?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> Auf gar keinen Fall. Die Reichweite der E-Autos ist sp\u00e4testens seit 2017 alltagstauglich, als sie von 190 auf 300 Kilometer gestiegen ist mit dem Sprung vom alten zum neuen E-Golf. Etliche meiner Kunden nutzen den Wagen als Erstauto und kommen problemlos mit dieser Reichweite aus. Gleichzeitig wird die Ladeinfrastruktur immer besser. Nat\u00fcrlich ist das schwierig f\u00fcr Vertreter, die 40.000 Kilometer im Jahr fahren. Aber zwei Drittel aller Autofahrten sind k\u00fcrzer als zehn Kilometer, da lacht selbst das E-Auto. Die Menschen haben nur diese diffuse Angst, dass pl\u00f6tzlich ein Anruf kommt und man nach Hannover fahren muss. Aber dieser Anruf kommt nie &#8211; und selbst wenn, dann nutzt man die alle zwei Stunden empfohlene Pause, um das Auto zu laden.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wenn Sie die Kaufpr\u00e4mie bestimmen d\u00fcrften, wie s\u00e4he sie aus?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> Auch dann g\u00e4be es keine Verbrennerpr\u00e4mie. Die braucht man nicht, die F\u00f6rderung \u00fcber die Mehrwertsteuer reicht v\u00f6llig aus. Auch der h\u00f6here Bonus f\u00fcr Hybride w\u00e4re nicht n\u00f6tig gewesen, das ist wohl ein Zugest\u00e4ndnis an die Autoindustrie. Und auch die Elektropr\u00e4mie h\u00e4tte nicht so stark erh\u00f6ht werden m\u00fcssen. Maximal 2000 Euro mehr h\u00e4tten vollkommen gereicht. Aber ich wei\u00df noch nicht, wie viel der ID.3 kosten wird, eventuell brauchen wir da am Ende jeden Tausender, damit er preislich attraktiv ist. Aber nach jetzigem Daf\u00fcrhalten h\u00e4tte ich das Geld lieber in andere Dinge investiert, zum Beispiel in Lades\u00e4ulen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wieso h\u00e4tte eine niedrigere Pr\u00e4mie f\u00fcr die E-Autos gereicht?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> Uns fehlen im Moment einfach die Autos. Da geht es nicht nur mir als VW-H\u00e4ndler so, andere Hersteller haben dieses Problem auch. Die Nachfrage war schon vor dem Konjunkturpaket sehr hoch und die Lieferzeiten lang. Diesen Engpass kann man nicht kurzfristig \u00fcberwinden, auch wenn wir alle hoffen, dass noch irgendwo die Schatulle mit den Elektroautos aufgeht. Der e-Golf ist nur noch bis Jahresende erh\u00e4ltlich, aber ausverkauft. Den e-Up bekommt man bei einer Bestellung heute erst Anfang 2021. Dann verpasst man aber die niedrigere Mehrwertsteuer, die viele Kunden gern mitnehmen wollen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Worin \u2013 au\u00dfer Lades\u00e4ulen &#8211; h\u00e4tten Sie das f\u00fcr die hohe Kaufpr\u00e4mie vorgesehene Geld als Staat lieber investiert?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> Ich h\u00e4tte es wichtig gefunden, die Bahncard, E-Cargobikes oder das Carsharing zu f\u00f6rdern. Die Mobilit\u00e4t ist in Deutschland durch die starke Pr\u00e4senz der Autoindustrie zu sehr auf das Auto ausgerichtet. Das Auto allein kann es aber auch mit alternativen Antrieben nicht richten. Mit nur 500 Euro erreicht man bei Lastenr\u00e4dern oder Carsharing schon recht viel. Die Mobilit\u00e4t in Deutschland muss flexibler werden, und da w\u00e4re ein starkes Signal an die Bev\u00f6lkerung m\u00f6glich gewesen. Die Mobilit\u00e4tswende hat drei S\u00e4ulen: E-Autos, einen leistungsf\u00e4higen \u00f6ffentlichen Verkehr und St\u00e4dte, die kurze Wege erm\u00f6glichen. Wir alle, auch die Autoh\u00e4ndler, m\u00fcssen das gro\u00dfe Ganze sehen und \u00fcber Konjunkturanreize hinaus die Vernetzung der verschiedenen Angebote f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Gef\u00f6rderte Bahncards und Lastenr\u00e4der, mehr Carsharing. W\u00e4re das nicht das Ende Ihres Gesch\u00e4ftsmodells als Autoh\u00e4ndler?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> Ich will vom Autoh\u00e4ndler zum Aboh\u00e4ndler, oder besser gesagt zum Mobilit\u00e4tsanbieter werden. In Zukunft werden wir als Autoh\u00e4ndler auch Mobilit\u00e4tskarten verkaufen. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, eine Mobilit\u00e4tskarte f\u00fcr einen privaten VW und ein Ticket f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Verkehr anzubieten. VW und \u00d6V \u2013 das k\u00f6nnte ein griffiger Name f\u00fcr so etwas sein. Man zahlt beim H\u00e4ndler dann nicht mehr nur eine monatliche Rate f\u00fcrs Auto, sondern auch f\u00fcr Bus und Bahn und kann dort einfach einsteigen. Der Verk\u00e4ufer konfiguriert k\u00fcnftig also nicht nur das Auto, sondern fragt auch, ob der Kunde mit der Bahn in den Urlaub f\u00e4hrt oder den Nahverkehr nutzt und stellt ein Mobilit\u00e4tspaket zusammen. \u00c4hnliche Angebote gibt es bereits f\u00fcr Autos, man kann zum Beispiel im Sommer einen VW California f\u00fcr den Urlaub bekommen. Aber wir m\u00fcssen das ausweiten, flexibler werden und Angebote verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Gewerkschaften warnen, dass Zehntausende Industriearbeitspl\u00e4tze wegfallen, wenn wir uns schnell von Autos mit Verbrennungsmotoren verabschieden.<\/p>\n<p><strong>Warncke: <\/strong>Kurzfristig k\u00f6nnten tats\u00e4chlich Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet sein. Langfristig werden wir aber alle von dem Wandel profitieren. Es ist wichtig, die Arbeitspl\u00e4tze mit Zukunft zu st\u00e4rken. Schon jetzt haben Unternehmen erkannt, dass etwa Batteriezellen hierzulande gefertigt werden sollten und nicht in Asien.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Auch viele Autoh\u00e4ndler tun sich mit Ver\u00e4nderungen schwer und verkaufen beispielsweise E-Autos halbherzig. Motto: Sie wollen einen E-Golf? Hier habe ich den passenden Verbrenner f\u00fcr Sie. Warum ist das so?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> Die Verk\u00e4ufer fahren oft zu selten E-Autos im Alltag. Wenn \u00fcberhaupt fahren sie die Fahrzeuge einmal um den Pudding. Der Kunde m\u00f6chte aber wissen, wie praktikabel ein E-Auto im Alltag ist. Wir wollen erm\u00f6glichen, dass unsere Verk\u00e4ufer E-Autos im Alltag erleben. Man kann nur empfehlen, was man kennt. Ansonsten geht man zu schnell auf das gewohnte Gleis und empfiehlt einen Benziner oder Diesel, das ist einfach nur menschlich.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Verk\u00e4ufer m\u00fcssen mehr E-Auto fahren &#8211; so einfach w\u00e4re das?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> Au\u00dferdem w\u00e4ren Anreize im Margensystem f\u00fcr die H\u00e4ndler wichtig. Wer E-Autos oder Autos mit wenig CO2-Emissionen verkauft, wird belohnt. Da sind die Hersteller gefordert.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Warum ticken Sie beim Thema Auto anders als weite Teile der Branche?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> F\u00fcr mich war ein eigenes Auto schon als Student nicht erstrebenswert. Bei Bedarf gab es bei uns in der Familie immer ein Auto. Und in Hamburg habe ich das Auto als Student nicht brauchen k\u00f6nnen, da musste man morgens nur gucken, ob es noch da ist oder ob es anspringt. Ich bin meist mit Freunden mitgefahren oder habe die Bahn genommen. Zudem haben mich alternative Antriebe und Umweltschutz schon immer fasziniert. Als in den Neunzigerjahren der E-Golf nur an Energieversorger und nicht in den freien Verkauf ging, war ich unglaublich entt\u00e4uscht. Mein Interesse an der Mobilit\u00e4tswende ist nicht pl\u00f6tzlich entstanden. Heute ist diese Einstellung f\u00fcr mich vermutlich ein Vorteil, ich kann mich besser in Menschen hineinversetzen, die nur ab und zu ein Auto brauchen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ihr Autohaus liegt auf dem Land in Tarmstedt, zwischen Bremen und Hamburg. Ist eine Mobilit\u00e4tswende in so einer Gegend wirklich machbar?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> Gerade hier gibt es riesige Potenziale. Sehr viele Leute haben Zweit- und Drittwagen, die fast nie genutzt werden, wegen der schlechten \u00d6PNV-Anbindung aber manchmal unverzichtbar sind. Viele k\u00f6nnen durch kleine, umweltfreundliche Sharingfahrzeuge ersetzt werden. Carsharing hat auf dem Land mehr Potenzial als in der Stadt. Heutzutage kann man die Autos ja auch bequem per App vom Sofa buchen, in die Ortsmitte gehen, einsteigen und losfahren. Die Zukunft ist schon da, sie muss nur bei den Leuten ankommen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Aber nutzen die Menschen auf dem Land solche Angebote?<\/p>\n<p><strong>Warncke:<\/strong> Absolut. Im Nachbarort Wilstedt gibt es zwei E-Autos, die als Sharingfahrzeuge in der Ortsmitte stehen. K\u00fcrzlich ist da ein Ehepaar aus S\u00fcddeutschland hingezogen \u2013 auch, weil es dort ein E-Carsharing gibt. Das Umdenken findet bereits statt, wir m\u00fcssen nur endlich anfangen, Dinge zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Stillstand auf der A9 zwischen M\u00fcnchen und Berlin: &quot;Wir m\u00fcssen flexibler werden&quot; K.M.Krause\/ snapshot\/ imago images SPIEGEL: Herr Warncke, Elektroautos werden durch das Konjunkturpaket deutlich h\u00f6her vom Staat<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-515","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/515","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=515"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/515\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}