{"id":5069,"date":"2021-01-09T00:58:23","date_gmt":"2021-01-08T21:58:23","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/parler-8kun-und-thedonald-sturm-auf-kapitol-wurde-online-sichtbar-geplant\/"},"modified":"2021-01-09T00:58:23","modified_gmt":"2021-01-08T21:58:23","slug":"parler-8kun-und-thedonald-sturm-auf-kapitol-wurde-online-sichtbar-geplant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/parler-8kun-und-thedonald-sturm-auf-kapitol-wurde-online-sichtbar-geplant\/","title":{"rendered":"Parler, 8kun und \u00bbTheDonald\u00ab: Sturm auf Kapitol wurde online sichtbar geplant"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/11b5e4b2-e3e9-4ac2-90ed-00f45a3fe669_w948_r1.77_fpx43.87_fpy50.jpg\" title=\"Beim Sturm auf das Kapitol schwenken Trump-Unterst\u00fctzer die Flagge von \u00bbKekistan\u00ab \u2013 ein Symbol aus einer rechtsextremen Foren-Subkultur\" alt=\"Beim Sturm auf das Kapitol schwenken Trump-Unterst\u00fctzer die Flagge von \u00bbKekistan\u00ab \u2013 ein Symbol aus einer rechtsextremen Foren-Subkultur\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Beim Sturm auf das Kapitol schwenken Trump-Unterst\u00fctzer die Flagge von \u00bbKekistan\u00ab \u2013 ein Symbol aus einer rechtsextremen Foren-Subkultur<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Evelyn Hockstein \/ The Washington Post via Getty Images  <\/figcaption><\/figure>\n<p> \u00bbWir lieben euch, ihr seid gro\u00dfartig\u00ab, rief Donald Trump seinen Anh\u00e4ngern in einem getwitterten Video zu, nachdem diese am Mittwochnachmittag das Kapitol gest\u00fcrmt hatten. Doch obwohl Twitter das Video kurz darauf l\u00f6scht, k\u00f6nnen Trumps Anh\u00e4nger die Botschaft woanders ungehindert weiterverbreiten: in alternativen sozialen Netzwerken, deren gro\u00dfe Stunde gerade schl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Plattformen wie Parler, Gab, TheDonald oder 8kun sind f\u00fcr rechte und rechtsextreme Trump-Anh\u00e4nger l\u00e4ngst zu einer wichtigen Ausweichplattform geworden. Was die gro\u00dfen Tech-Konzerne sperren, wird hier besonders gerne weitergereicht. Die Betreiber scheinen nahezu alle Inhalte zu erlauben, w\u00e4hrend Strafverfolgungsbeh\u00f6rden die Seiten offenbar nicht auf dem Schirm haben.<\/p>\n<p>Schon Tage bevor am 6. Januar das Kapitol gest\u00fcrmt wurde, sprachen Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook und Twitter, erst recht aber auf den alternativen Plattformen ganz offen dar\u00fcber, dass sie genau das vorhaben. Manche diskutierten sogar, ob und wenn ja, welche Waffen sie mitbringen sollten. Zusammen mit anderen rechtsextremen Gruppen und Milizen machten sie wenig sp\u00e4ter ernst \u2013 und zogen aus einem wenig beachteten Internet-Paralleluniversum auf die gro\u00dfe Weltb\u00fchne.<\/p>\n<p>Dass die Polizei von Washington nun behauptet, man habe \u00bbkeine Informationen \u00fcber einen Angriff auf das Kapitol gehabt\u00ab, scheint absurd, wenn ein Blick in die Netzwerke gen\u00fcgt h\u00e4tte, um davon zu erfahren. Es wirkt, als untersch\u00e4tzten Sicherheitsbeh\u00f6rden die Bedeutung der radikalen, aber reichweitenstarken Szene rechter Online-Netzwerke noch immer.<\/p>\n<p>Diese Plattformen funktionieren \u00e4hnlich wie Facebook oder Twitter, doch die Sprache ist enthemmter, oft rechtsextrem, frauenfeindlich und antisemitisch. Zwar sind die Nutzerzahlen deutlich niedriger als bei den gro\u00dfen Tech-Konzernen, doch auch hier gehen die Aufrufzahlen inzwischen in die Millionen.<\/p>\n<p>Trotzdem sind es f\u00fcr die meisten Menschen Nebenschaupl\u00e4tze des Internets, in den irre Verschw\u00f6rungstheorien kursieren und die im Gro\u00dfen und Ganzen kaum ernst zu nehmen sind. So erkl\u00e4rt sich vielleicht, dass der Sturm aufs Kapitol \u00f6ffentlich im Internet angek\u00fcndigt und organisiert und trotzdem nicht verhindert wurde.<\/p>\n<h3>Erkennungszeichen f\u00fcr Eingeweihte<\/h3>\n<p>Seit Donald Trump 2016 die US-Wahl gewonnen hat, wurde viel diskutiert \u00fcber den Einfluss von Facebook, YouTube und Twitter auf die Demokratie: Befeuern die gro\u00dfen sozialen Netzwerke die Radikalisierung einzelner Gruppe und B\u00fcrger? Sorgen sie f\u00fcr eine besonders gro\u00dfe Verbreitung extremistischer Positionen und bringen sie in die Mitte der Gesellschaft?<\/p>\n<p>Vier Jahre sp\u00e4ter stehen die gro\u00dfen Seiten zwar weiterhin f\u00fcr ein lasches Eingreifen gegen Hetze und Gewaltaufrufe in der Kritik, doch die Lage hat sich ver\u00e4ndert: Populisten und Extremisten brauchen die gro\u00dfen Tech-Konzerne nicht mehr unbedingt, um mit Gewaltaufrufen, Falschinformationen und gef\u00e4hrlichen Verschw\u00f6rungsmythen im Netz ein Millionenpublikum zu erreichen. Es bildet sich eine Szene, die offenbar w\u00e4chst, und die den Hass aus dem Netz mehr und mehr auf die Stra\u00dfe tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Dort gibt sie sich auch zu erkennen. Viele zeigen, wo sie herkommen: Beim Sturm aufs Kapitol waren verschiedene Symbole dieser Netzszene immer wieder prominent zu sehen. Manche der Angreifer tragen T-Shirts oder schwenken Flaggen, wie die von Kekistan \u2013 ein Symbol aus einer rechtsextremen Foren-Subkultur, angelehnt an die Hakenkreuzflagge der Nazis. Die \u00bbAnons\u00ab, die in ihren Foren anonym kommunizieren, zeigten in Washington ihr Gesicht und trugen ihre \u00bbMemes\u00ab aus dem Netz ins Heiligste der amerikanischen Demokratie. So war der Sturm auf das Kapitol auch ein Sturm der Online-Trolle. <\/p>\n<p>Noch sind es meist Erkennungszeichen f\u00fcr Eingeweihte; nach wie vor d\u00fcrfte die breite \u00d6ffentlichkeit mit diesen Symbolen wenig verbinden. Seit aber die m\u00e4chtigen Bilder aus Washington um die Welt gehen, werden auch die Symbole sichtbarer. Und die Trolle aus den Internetnischen k\u00f6nnen sich inszenieren und feiern als das, was sie schon immer sein wollten: eine Macht, mit der man rechnen muss.<\/p>\n<p>Doch aus wem besteht diese Macht? Was passiert in den Netzwerken und Foren, in denen online der Boden f\u00fcr einen Angriff auf die Demokratie bereitet wurde? Wie reagiert man in der Netznische auf die Ereignisse vom 6. Januar \u2013 und wo befindet sich diese Nische \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Ein \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten alternativen Plattformen der rechten Netzszene in den USA:<\/p>\n<h3><strong>The Donald: Der Trump-Fanclub<\/strong><\/h3>\n<p>Bereits seit 2015 gibt es \u00bbTheDonald\u00ab als\u202fUnterforum der Social Media-Plattform\u202fReddit. Das Forum begann als eine Art Netzsammlungsbewegung besonders militanter Trump-Anh\u00e4nger, mit dem Ziel den Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf von Trump mit Slogans und\u202fMemes\u202fzu unterst\u00fctzen. Trumps inzwischen geschasster Wahlkampfmanager Brad\u202fParscale\u202fsagte einmal, er schaue sich den\u202fSubreddit\u202fregelm\u00e4\u00dfig an. Und Donald Trump selbst griff immer wieder Bilder und Aussagen auf, die zuerst in dem Forum kursierten und die seine Gegner ver\u00e4chtlich machten. <\/p>\n<p>Im Jahr 2016, dem Jahr des US-Wahlkampfs, gewann die Seite mehr als 100.000 Anh\u00e4nger. Unter den sehr aktiven Nutzerinnen und Nutzern des Forums waren schon fr\u00fch Hassrede, rassistische frauen- und islamfeindliche\u202fParolen \u00fcblich. Auch gef\u00e4hrliche Verschw\u00f6rungstheorien wie \u00bbPizzagate\u00ab wurden unter den\u202fDonaldisten geteilt und weitergesponnen.<\/p>\n<p>Laut dem \u00bbPizzagate\u00ab-Mythos, der jeder faktischen Grundlage entbehrt, sollen demokratische Politiker angeblich einen P\u00e4dophilenring in einer Pizzeria in Washington decken oder sogar aktiv betreiben. Ein Anh\u00e4nger der Verschw\u00f6rung griff die Pizzaria Anfang Dezember 2016, wenigen Wochen nach der US-Wahl, mit einer Waffe an.  <\/p>\n<p>Reddit\u202fverh\u00e4ngte in den vergangenen Jahren zun\u00e4chst einige Sanktionen, dann verbannte es den\u202fSubreddit im Juni 2020\u202fganz \u2013 allerdings hatten die Moderatoren da l\u00e4ngst eine eigene Website gestartet. Sie hatten sich auf das sogenannte \u00bbDeplatforming\u00ab durch Reddit, also den Schritt der Betreiber den extremistischen Nutzern ihre gro\u00dfe Plattform zu entziehen, vorgesorgt. Das Deplatforming scheint der Seite nur bedingt geschadet zu haben, sie ist wohl schon zu zentral verankert in der rechten Online-Subkultur. Allein im Dezember 2020 verzeichnete die Seite laut Analysediensten \u00fcber zehn Millionen Zugriffe. <\/p>\n<p>Auf der eigenen Website halten die Anh\u00e4nger von TheDonald dem Pr\u00e4sidenten die Treue \u2013 bis heute. Seine Niederlage erkennen sie\u202febensowenig\u202fan wie er selbst.\u202f\u00bbKommt und seid wild\u00ab, hie\u00df es dort schon seit Wochen in dem Aufruf f\u00fcr die \u00bbStop\u202fthe\u202fsteal\u00ab-Proteste in Washington.<\/p>\n<p>Wer sich\u202fin den ersten Januartagen\u202fauf der Seite umtat, konnte\u202fbei den\u202fVorbereitungen f\u00fcr den Dreik\u00f6nigstag zuschauen, vieles davon fand offen statt, f\u00fcr jeden einsehbar.\u202fSchon Tage vor dem Termin gab es dort konkrete Marschbefehle mit Phantasien\u202fdar\u00fcber,\u202fdas\u202fKapitol zu st\u00fcrmen. <\/p>\n<p>Am Tag nach dem Angriff auf das Kapitol zeigt sich auf TheDonald kein einheitliches Bild. Offenbar war dem\u202fWebhoster\u202fder Seite die Rolle der Plattform zu gef\u00e4hrlich \u2013 er r\u00e4umte den Machern eine Frist von 21 Stunden ein, alle Gewaltaufrufe zu l\u00f6schen.\u202f Die Moderatoren teilten das den Nutzern mit und wurden prompt beschimpft, sie seien \u00bbkompromittiert\u00ab. Wom\u00f6glich muss TheDonald also bald wieder weiterziehen, in eine andere Nische des Netzes.<\/p>\n<p>Ohnehin scheint der erste Triumph \u00fcber den vermeintlichen Coup der St\u00fcrmung zu verfliegen. Aufgrund der negativen R\u00fcckwirkungen spekulieren einige \u2013 nat\u00fcrlich v\u00f6llig\u202fbeleglos\u202f\u2013 dar\u00fcber, es k\u00f6nne sich um das Werk von\u202fAgents\u202fprovocateurs\u202fetwa aus der Antifa gehandelt haben. Andere\u202funterstellen\u202f\u2013\u202fwie in diesen Kreisen bei\u202f fast jedem Thema \u00fcblich \u2013 George Soros habe seine Hand im Spiel gehabt. Klein beigeben wollen viele aber noch immer nicht, im Gegenteil. Sie sehen die erschossene \u00bbPatriotin\u00ab als eine von ihnen und als M\u00e4rtyrerin und rufen weiter zur Schlacht:\u202f \u00bbDer erste Schuss in der neuen Revolution wurde von einem Regierungsmitarbeiter abgegeben\u00ab, schreibt einer unter dem Pseudonym \u00bbJoe Trump\u00ab, \u00bbLebt frei oder sterbt !!!!!&#8230;es f\u00e4ngt jetzt an!!!!\u00ab.<\/p>\n<h3><strong>8kun: Die QAnon-Zentrale<\/strong><\/h3>\n<p>Wenn TheDonald das Online-Forum der militanten und langj\u00e4hrigen Trump-Unterst\u00fctzer ist, dann ist QAnon dessen junger Bruder, der noch wirrer und noch extremistischer hetzt. Wer an den Verschw\u00f6rungsmythos QAnon glaubt, ist \u00fcberzeugt, dass eine geheime Elite, die Welt regiert. Politiker und demokratische Institutionen sind in diesem Weltbild mindestens korrupt, im schlimmsten Falle p\u00e4dophile Kindsm\u00f6rder. Einzig Trump gilt den Anh\u00e4ngern als Heilsbringer. (Lesen Sie hier mehr \u00fcber die Bewegung und ihre deutschen Anh\u00e4nger.)<\/p>\n<p>Stichwortgeber f\u00fcr QAnon ist ein seit 2017 anonym postender Nutzer, der sich Q nennt. Doch l\u00e4ngst haben sich die Botschaften von Q verselbstst\u00e4ndigt und funktionieren wie eine Mitmach-Verschw\u00f6rungstheorie. Die zentrale Website, auf der sich einige der treuesten Anh\u00e4nger von QAnon versammeln und anonym austauschen hei\u00dft, 8kun.<\/p>\n<p>Die Bilder vom Sturm auf das Kapitol werden auf 8kun begeistert kommentiert: \u00bbQ wollte, dass wir das Kapitol st\u00fcrmen und wir haben es getan. Wenn Trump nicht im Amt bleibt, dann werden weitere Menschen sterben m\u00fcssen.\u00ab Seit Wochen hatten Anh\u00e4nger von QAnon den 6. Januar zu einem Tag der Hoffnung auserkoren, an dem Trump die Amts\u00fcbernahme von Joe Biden verhindern und seine Macht sichern w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Beobachter warnen schon l\u00e4nger, das QAnon eine Gefahr f\u00fcr die nationale Sicherheit ist. Wie real diese Gefahr ist, zeigt sich auch an der Unterst\u00fctzung von Q-Anh\u00e4ngern beim Sturm auf das Kapitol. <\/p>\n<p>Denn dort waren einige Verschw\u00f6rungstheoretiker an vorderster Front dabei. Auf Videos ist zu sehen, wie ein Mann mit dem f\u00fcr die Bewegung typischen Slogan \u00bbTrust the Plan\u00ab, einen schwarzen Polizisten bedr\u00e4ngt und dabei eine Gruppe Eindringlinge immer tiefer in das Geb\u00e4ude f\u00fchrt. Auch die Frau, die ihren Schussverletzungen erlag, hing wohl dem Irrglauben der Bewegung an \u2013 deren Thesen auch Leute aus dem direkten Umfeld des Pr\u00e4sidenten befeuern, etwa zwei seiner Anw\u00e4lte.<\/p>\n<p>Ein anderer QAnon-Unterst\u00fctzer, Jake Angeli, posiert hinter dem Rednerpult des US-Senats in der Pose eines Body-Builders. Mit halbnacktem Oberk\u00f6rper steht der 32-J\u00e4hrige, der als \u00bbQAnon-Schamane\u00ab bekannt ist, hinter dem Pult, zeigt seine Armmuskeln, ruft \u00bbWo ist Mike Pence, komm raus.\u00ab Nachdem klar wurde, dass Vizepr\u00e4sident Mike Pence sich gegen Trump stellte, war er auf 8kun und f\u00fcr QAnon-Anh\u00e4nger vom Hoffnungstr\u00e4ger zum Verr\u00e4ter geworden. <\/p>\n<p>Betrieben wird 8kun von Jim Watkins von den Philippinen aus. Laut Analysediensten wird die Seite mehr als zwei Millionen Mal pro Monat aufgerufen. Die Attent\u00e4ter von Christchurch und Poway und El Paso nutzten die Vorg\u00e4ngerseite von 8kun, um dar\u00fcber ihre Pamphlete zu verbreiten. Auch f\u00fcr Stephan B., den Angreifer von Halle, spielte die rechtsextreme Online-Subkultur rund um Seiten wie 8chan und 8kun offenkundig eine wichtige Rolle. <\/p>\n<p>Am Tag nach dem Sturm auf das Kapitol sind auf 8kun \u2013 neben den \u00fcblichen Hetzbotschaften \u2013 allerdings auch andere T\u00f6ne zu vernehmen. So mehren sich die Beitr\u00e4ge von QAnon-Anh\u00e4ngern, die sich desillusioniert vom Glauben an Q abwenden, weil Trump es eben doch nicht geschafft habe, im Amt zu bleiben.<\/p>\n<h3>Parler: Das Anti-Facebook<\/h3>\n<p>Als die gro\u00dfen Plattformen w\u00e4hrend des Kapitol-Sturms hektisch versuchten, Accounts zu sperren, l\u00f6scht oder sperrt auf Parler scheinbar niemand etwas. Parler ist eine Art alternatives Twitter, ein selbsternanntes \u00bbFree Speech Social Network\u00ab. Hier sollen all jene eine Heimat finden, deren Reichweite von den gro\u00dfen Tech-Plattformen eingeschr\u00e4nkt wird. Auf Parler schreiben offizielle Accounts der rechten \u00bbProud Boys\u00ab, auf Facebook seit Monaten gesperrt, neben konservativen Politikern wie Ted Cruz und rechten Kommentatoren wie Tucker Carlson.  <\/p>\n<p>Parler wurde 2018 von John Matze gegr\u00fcndet. Zu den ersten Investoren geh\u00f6rte Trump-Unterst\u00fctzerin Rebekah Mercer, Tochter des Hedgefond-Investors Robert Mercer. Der Zulauf zu der Plattform kam im Jahr 2020 in Wellen: Als Twitter seine Nutzerrichtlinien vor der US-Wahl versch\u00e4rfte, hie\u00df es immer \u00f6fter: Dann gehen wir halt zu Parler.<\/p>\n<p>Nach der US-Wahl, am 10. November, schrieb Unternehmenschef John Matze in einem inzwischen gel\u00f6schten Blogpost, dass innerhalb der letzten 5 Tage mehr als 4.5 Millionen neue Nutzer dazukommen seien. Es ist schwer, diese Zahl zu verifizieren, aber: Am Tag der Ver\u00f6ffentlichung des Posts war Parler zwischenzeitlich die am h\u00e4ufigsten gedownloadete kostenlose App im Google Play Store. <\/p>\n<p>Gepostet werden darf auf Parler wohl fast alles. Inhalte w\u00fcrden nicht proaktiv gepr\u00fcft oder moderiert, erkl\u00e4rte Unternehmenschef Matze am Donnerstag in einem Interview mit der \u00bbNew York Times\u00ab. Lediglich einige freiwillige Juroren w\u00fcrden entscheiden, ob einmal gemeldete Inhalte illegal seien. <\/p>\n<p>Wer sich vor dem 6. Januar auf dem Netzwerk umschaute, konnte sehen, dass der Sturm aufs Kapitol unter anderem hier vorbereitet wurde. Auf der Plattform riefen Nutzer dazu auf, die Waffen vorzubereiten und die Gegner zu schnappen. \u00bbFindet die Verr\u00e4ter und bringt einen Strick mit\u00ab, schrieb einer. <\/p>\n<p>Andere User fragten nach Generatoren f\u00fcr Strom oder organisierten Kautionfonds f\u00fcr m\u00f6gliche Festnahmen. Sie schrieben \u00fcber St\u00e4nde, an denen sie Wasser und Essen f\u00fcr andere Beteiligte verteilen wollten und gaben Verhaltenstipps f\u00fcr den Aufstand. Sowohl die Hashtags #FightBack als auch #StoptheSteal trendeten auf der Seite. <\/p>\n<p>Sobald am Mittwoch die ersten Barrikaden durchbrochen werden, ist man auf Parler live dabei, scheinbar unmoderiert: Rechte Streamer wie der Account MurdertheMedia posten Videos mit unklaren Quellen, die Zehntausende Nutzer sehen, und teilen Links zu Livestreams mit \u00bbKorrespondenten\u00ab in DC. In Echtzeit verbreiten sich hier Videos, die klar gegen die Richtlinien anderer, gr\u00f6\u00dferer Plattformen versto\u00dfen: zum Beispiel davon, wie die 35-j\u00e4hrige Ashli Babbitt von Sicherheitskr\u00e4ften erschossen wird.  Die Links zu diesem Video kursieren auch auf Twitter. W\u00e4hrend die Moderatoren dort noch versuchen, die Filme zu l\u00f6schen, sind die Links zu Parler l\u00e4ngst bekannt und in der Welt.<\/p>\n<p>Lin Wood, ein Pro-Trump Anwalt, dem am 5. Januar noch 1,15 Millionen Menschen auf Twitter folgten, bevor sein Account in der Nacht gesperrt wurde, schreibt einfach auf Parler weiter. 836.000 Menschen folgen ihm hier \u2013 er ist weich gefallen. Gegen Mitternacht postet er: \u00bbMacht die Waffen bereit. Pence ist als erster dran.\u00ab <\/p>\n<p>\u00dcber die Nacht und den n\u00e4chsten Tag wird immer wieder gemeldet, auch Trump sei jetzt auf Parler und k\u00f6nne dort endlich wieder zu seinen Anh\u00e4ngern sprechen. Sowohl Facebook als auch Twitter hatten seine Accounts in der Nacht zum Donnerstag tempor\u00e4r gesperrt.  <\/p>\n<h3>Gab.com: Die Twitter-Alternative<\/h3>\n<p>Auch Gab.com wartet auf Donald Trump. Dort steht ein Account bereit, mit schon fast 450.000 Followern. Der kopiert bisher allerdings lediglich die Tweets des offiziellen Twitter Accounts von Trump, \u00bbunzensiert\u00ab. In einem Blogpost mit dem Titel \u00bbPr\u00e4sident Trump auf Gab\u00ab schreibt Andrew Torba, der Gr\u00fcnder der Plattform, er sei dabei \u00bbsich mit Pr\u00e4sident Trump\u2019s Team in Verbindung zu setzen\u00ab, um ihm den Wechsel zu erleichtern. Schwer zu sagen, ob das stimmt oder nur ein plumper PR-Versuch f\u00fcr ein alternatives Netzwerk ist, das bislang nur ein Nischendasein fristet.<\/p>\n<p>Gab.com nennt sich \u00bbThe Free Speech Social Network\u00ab und sieht aus wie eine Twitter-Kopie in Gr\u00fcn. Ebenso wie Parler machte Gab sich schnell einen Namen als sicherer Hafen f\u00fcr Rechte, Verschw\u00f6rungstheoretiker und Antisemiten. Der Attent\u00e4ter von Pittsburgh etwa postete, bevor er 2018 vor einer Synagoge elf Menschen ermordete, vorher auf Gab wochenlang ungest\u00f6rt antisemitische Hassnachrichten. Danach stellte PayPal die Zusammenarbeit mit der Plattform ein.<\/p>\n<p>Apple und Google hatten bereits im Jahr davor die App aus ihren App Stores verbannt. Vielleicht ist Gab noch tiefer im Sumpf der rechten Parallelwelten zu verorten als Parler. CEO Torba bezeichnete den 6. Januar vor seinen 721.000 Followern als \u00bbglorreichen Tag.\u00ab <\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend auf Parler noch Politiker Ted Cruz mit fast f\u00fcnf Millionen Followern spricht, bezeichnet Gab sich als durch und durch \u00bbAnti-Establishment\u00ab. Am Freitag teilte CEO Torba einen Beitrag: \u00bbWenn sie die Parler-App entfernen (und das werden sie), wird der Massenzustrom zu Gab der Wahnsinn sein.\u00ab<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Beim Sturm auf das Kapitol schwenken Trump-Unterst\u00fctzer die Flagge von \u00bbKekistan\u00ab \u2013 ein Symbol aus einer rechtsextremen Foren-Subkultur Foto:\u2002Evelyn Hockstein \/ The Washington Post via Getty Images \u00bbWir<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5070,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5069","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5069","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5069"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5069\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5070"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5069"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5069"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5069"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}