{"id":4989,"date":"2021-01-05T13:38:05","date_gmt":"2021-01-05T10:38:05","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-macht-senatswahlkampf-in-georgia-doch-hauptsachlich-fur-sich\/"},"modified":"2021-01-05T13:38:05","modified_gmt":"2021-01-05T10:38:05","slug":"donald-trump-macht-senatswahlkampf-in-georgia-doch-hauptsachlich-fur-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-macht-senatswahlkampf-in-georgia-doch-hauptsachlich-fur-sich\/","title":{"rendered":"Donald Trump macht Senatswahlkampf in Georgia, doch haupts\u00e4chlich f\u00fcr sich"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/9a1f28eb-2347-4db0-9f27-69f5a4e1b272_w948_r1.77_fpx54_fpy43.jpg\" title=\"Letzter Wahlkampfauftritt Donald Trumps mit Kindern Donald Jr. und Ivanka: Georgia on My Mind\" alt=\"Letzter Wahlkampfauftritt Donald Trumps mit Kindern Donald Jr. und Ivanka: Georgia on My Mind\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Letzter Wahlkampfauftritt Donald Trumps mit Kindern Donald Jr. und Ivanka: Georgia on My Mind<\/p>\n<p>  Foto:\u2002MANDEL NGAN \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>In Georgia ist die Zeit stehen geblieben. Zumindest auf dem Flugfeld von Dalton, einer Kleinstadt im Norden des US-S\u00fcdstaats: Da tritt Donald Trump am sp\u00e4ten Montagabend vor Tausende jubelnde Anh\u00e4nger \u2013 und beharrt auf seiner Wiederwahl. Als sei es 2020.<\/p>\n<p>\u00bbIch hatte zwei Wahlen, beide habe ich gewonnen\u00ab, ruft er. \u00bbBei der zweiten habe ich sogar viel besser abgeschnitten als bei der ersten.\u00ab<\/p>\n<p>Neun Wochen nach seiner Niederlage tut Trump weiter, als habe er gewonnen. Sein erster Auftritt im neuen Jahr \u2013 und sein wohl letzter als Pr\u00e4sident, zumindest in dieser Form \u2013 l\u00e4uft genauso ab wie Dutzende im vorigen Wahlkampfjahr: minutenlanger Jubel. Uralte Village-People-Hits. \u00bbUSA! USA! USA!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDas war eine gef\u00e4lschte Wahl\u00ab, l\u00fcgt Trump \u00fcber die Pr\u00e4sidentschaftswahl vom November. \u00bbViele korrupte Sachen sind da passiert.\u00ab Vor allem in acht Bundesstaaten wie Georgia, deren Verlust er unbeirrt bestreitet: \u00bbIch werde sie alle noch gewinnen!\u00ab<\/p>\n<p>Eigentlich ist Trump in Georgia, um f\u00fcr zwei Republikaner zu trommeln, die dort an diesem Dienstag bei Stichwahlen um die Mehrheit ihrer Partei im Senat k\u00e4mpfen. Doch nur widerwillig wirbt er f\u00fcr Kelly Loeffler und David Perdue, die beiden Senatskandidaten. Den Gro\u00dfteil seiner fast eineinhalbst\u00fcndigen, wirren Rede verwendet er lieber darauf, mit wilden Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcber angeblichen Wahlbetrug der Demokraten eine alternative Realit\u00e4t heraufzubeschw\u00f6ren.<\/p>\n<p>Eine, in der er wiedergew\u00e4hlt worden ist.<\/p>\n<p>Trumps Rede wirkt wie eine \u00f6ffentliche Fortsetzung seines beispiellosen Wochenend-Telefonats mit Brad Raffensperger, dem republikanischen Innenminister und obersten Wahlaufseher von Georgia: Den hatte Trump am Samstag bedroht und bedr\u00e4ngt, das dortige Ergebnis der Pr\u00e4sidentschaftswahl nachtr\u00e4glich zu manipulieren, um aus seiner Niederlage doch noch einen Sieg zu machen: \u00bbIch will 11.780 Stimmen finden.\u00ab Sprich: eine Stimme mehr als Bidens Vorsprung in dem Staat.<\/p>\n<p>Die \u00bbWashington Post\u00ab ver\u00f6ffentlichte den Mitschnitt des Anrufs zuerst, gefolgt von weiteren US-Medien. Seither \u00fcberschatten die immer schamloseren Versuche Trumps, seinen unvermeidbaren Abtritt irgendwie noch abzuwenden, in Georgia selbst die wichtigen Stichwahlen.<\/p>\n<p>Das Telefonat und die Rede offenbaren Einblick in Trumps Geisteszustand, knapp zwei Wochen vor der Amts\u00fcbergabe an Joe Biden: Der Noch-Pr\u00e4sident schwankt zwischen Wut, Wahn und wachsender Panik.<\/p>\n<p>Die Highlights des Telefonats, die er in Dalton weitgehend wiederholt:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Als Indiz f\u00fcr seinen \u00bbSieg\u00ab nennt Trump die Zahl der Besucher seiner Wahlkampfauftritte: \u00bbWir haben in Georgia sehr betr\u00e4chtlich gewonnen\u00ab, sagt er in dem Telefonat. \u00bbWir hatten 25.000 bis 30.000 Menschen pro Auftritt, und die Konkurrenz hatte weniger als hundert.\u00ab<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>\u00bbJeder wei\u00df, ich habe mit Hunderttausenden Stimmen Vorsprung gewonnen\u00ab, fabuliert Trump. \u00bbEs ist einfach nicht m\u00f6glich, dass ich Georgia verloren habe.\u00ab<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Trump bestreitet vor allem die Wahlergebnisse im Bezirk Fulton, in dem Georgias Hauptstadt Atlanta liegt. Wie andere US-Metropolen, denen er Wahlbetrug unterstellt (Detroit, Philadelphia), hat Atlanta einen gro\u00dfen Anteil afroamerikanischer W\u00e4hler: \u00bbTotal korrupt\u00ab, schimpft Trump.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p>Trump rasselt eine Reihe absurder Behauptungen herunter: dass dubiose Gestalten mit \u00bbKoffern\u00ab voller Wahlzettel anger\u00fcckt seien; dass Biden-Stimmen dreimal gez\u00e4hlt worden seien; dass rund 5000 Tote gew\u00e4hlt h\u00e4tten; dass die \u00bbInnenteile\u00ab von Wahlmaschinen ausgetauscht worden seien. Er st\u00f6rt sich nicht daran, dass Raffensperger und sein Anwalt Ryan Germany dem jedes Mal klar widersprechen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Er droht Raffensperger und Germany, dass es ein \u00bbVerbrechen\u00ab sei, wenn sie seinen W\u00fcnschen nicht Folge leisteten und die Georgia-Zahlen \u00bbneu kalkulieren\u00ab: \u00bbDas ist ein gro\u00dfes Risiko f\u00fcr Sie und Ryan.\u00ab<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Als Raffensperger ihm r\u00e4t, nicht alles zu glauben, was er in den sozialen Medien lese, pr\u00e4zisiert Trump seine Quellen: \u00bbDas sind keine sozialen Medien. Das sind Trump-Medien.\u00ab<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gabriel Sterling, ein leitender Mitarbeiter Raffenspergers, tritt am Montag in Atlanta emp\u00f6rt vor die Reporter und widerlegt alle diese abstrusen Behauptungen akribisch: \u00bbL\u00e4cherlich.\u00ab Raffensperger selbst sagt kurz darauf zum TV-Sender MSNBC: \u00bbDie kalte, harte Wahrheit ist, dass Trump den Staat Georgia nicht gewonnen hat.\u00ab <\/p>\n<p>Trump widerspricht omin\u00f6s: \u00bbMal sehen, was am Mittwoch passiert.\u00ab Das ist der Tag, an dem der Kongress die Ergebnisse der US-Pr\u00e4sidentschaftswahlen offiziell best\u00e4tigen soll. Gegen dieses vorbestimmte Ritual wollen nicht nur Tausende Trump-Anh\u00e4nger in Washington protestieren, sondern auch Dutzende republikanische Senatoren und Abgeordnete im Plenum. Ein reines Show-Spektakel, f\u00fcr das Trump offenbar zus\u00e4tzliche Munition liefern will.<\/p>\n<p>Die Kongresssitzung wird von Vizepr\u00e4sident Mike Pence geleitet, in ausschlie\u00dflich zeremonieller Funktion. \u00bbIch hoffe, Mike Pence k\u00e4mpft f\u00fcr uns\u00ab, ruft Trump in Dalton aber, als k\u00f6nnte der die formelle Verk\u00fcndung der Zahlen noch aufhalten.<\/p>\n<h3>Schritt \u00bbin Richtung Autoritarismus\u00ab<\/h3>\n<p>Alle Bundesstaaten haben die Wahlergebnisse beglaubigt, einige sogar nach mehrfachem Nachz\u00e4hlen. Auch 61 entsprechende Gerichtsklagen Trumps sind gescheitert. Das Telefonat macht jedoch klar, dass er vor nichts zur\u00fcckschreckt, um die Realit\u00e4t doch noch zu seinen Gunsten zu beugen \u2013 selbst wenn das an die Grenzen der Legalit\u00e4t st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Beobachter reagieren entsetzt. Trump versuche, \u00bbeinen Staatsstreich zu inszenieren\u00ab, sagte Carl Bernstein \u2013 einer der Reporter, die einst den Watergate-Skandal aufgedeckt hatten \u2013 im Sender CNN. Michael Bromwich, der fr\u00fchere Generalinspekteur des US-Justizministeriums, verglich Trump mit einem \u00bbMafiaboss\u00ab. Der Historiker Timothy Snyder nannte das Telefonat einen weiteren Schritt Trumps \u00bbin Richtung Autoritarismus und weg von der Demokratie\u00ab.<\/p>\n<p>Seit November soll Trump insgesamt 18-mal versucht haben, Raffensperger direkt zu erreichen. Und Georgia ist bestimmt nicht der einzige Bundesstaat, bei dem Trump das probiert hat. Weitere Enth\u00fcllungen k\u00f6nnten folgen.<\/p>\n<p>\u00bbDieses Telefonat ist schlecht\u00ab, klagt der konservative Kommentator Erick Erickson, der in Atlanta lebt: Die Republikaner f\u00fcrchteten zu Recht, dass Trump ihre Senatshoffnungen in Georgia sabotiere und \u00bballes niederbrennt\u00ab wie zuletzt der Nordstaatengeneral William Sherman im amerikanischen B\u00fcrgerkrieg.<\/p>\n<p>Trumps Selbsterhaltungsversuche k\u00f6nnten in der Tat jetzt ironischerweise dazu f\u00fchren, dass in Georgia viele Republikaner lieber zu Hause bleiben, statt w\u00e4hlen zu gehen \u2013 was schlimme Folgen f\u00fcr die Partei in Washington h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Denn Georgia entscheidet nicht nur u\u0308ber die Macht im Senat, sondern auch u\u0308ber das politische Schicksal Bidens. Die Republikaner, die zurzeit 50 der 100 Senatoren stellen, mu\u0308ssen nur einen der zwei Georgia-Sitze halten, um die meisten Vorhaben Bidens blockieren zu k\u00f6nnen, darunter Gesetze und Richterposten. Gewinnen in Georgia dagegen die demokratischen Kandidaten, wu\u0308rde das im Senat zu einem Patt fu\u0308hren; die ausschlaggebende Stimme l\u00e4ge dann bei der neuen Vizepr\u00e4sidentin Kamala Harris.<\/p>\n<p>Kein Wunder also, dass dies zum teuersten Senatsrennen der US-Geschichte geworden ist \u2013 eine Schlammschlacht mit einem Spendenaufkommen von mehr als einer halben Milliarde Dollar. Trotzdem meisterte keiner der Kandidaten im November die n\u00f6tige 50-Prozent-H\u00fcrde \u2013 weder Loeffler und Perdue noch ihre demokratischen Rivalen, der schwarze Baptistenpastor Raphael Warnock und der Dokumentarfilmer Jon Ossoff.<\/p>\n<p>Letztere haben jedoch gro\u00dfe Hoffnungen. Beim \u00bbearly voting\u00ab gaben in den letzten Wochen bereits mehr als drei Millionen Menschen vorzeitig ihre Stimme ab \u2013 was in der Regel die Demokraten beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p>Deshalb ist es f\u00fcr die Republikaner jetzt auch so wichtig, dass m\u00f6glichst viele Parteig\u00e4nger an der Stichwahl teilnehmen. Gabriel Sterling, der Mitarbeiter von Raffensperger, sch\u00e4tzte schon vor dem Telefonat, dass bis zu 10.000 Republikaner den Urnengang boykottieren k\u00f6nnten \u2013 wegen Trumps Wahlbetrugsl\u00fcgen.<\/p>\n<p>\u00bbWir werden uns nicht verbiegen\u00ab, ruft Trump zum Abschluss seiner Rede in Dalton. \u00bbWir werden nie aufgeben. Wir werden niemals, niemals kapitulieren.\u00ab Dann verschwindet er in der Nacht.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Letzter Wahlkampfauftritt Donald Trumps mit Kindern Donald Jr. und Ivanka: Georgia on My Mind Foto:\u2002MANDEL NGAN \/ AFP In Georgia ist die Zeit stehen geblieben. 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