{"id":4971,"date":"2021-01-04T16:27:29","date_gmt":"2021-01-04T13:27:29","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-streit-uber-schulstrategie-in-der-pandemie\/"},"modified":"2021-01-04T16:27:29","modified_gmt":"2021-01-04T13:27:29","slug":"corona-streit-uber-schulstrategie-in-der-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-streit-uber-schulstrategie-in-der-pandemie\/","title":{"rendered":"Corona: Streit \u00fcber Schulstrategie in der Pandemie"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/a90fc9a1-30a6-40d0-8c2a-01fe3dd585fc_w948_r1.77_fpx54_fpy35.jpg\" title=\"Unterricht in einer 5. Klasse in Hessen (Archivbild)\" alt=\"Unterricht in einer 5. Klasse in Hessen (Archivbild)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Unterricht in einer 5. Klasse in Hessen (Archivbild)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>Boris Roessler \/ dpa<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Seit 11 Uhr am Montagvormittag sitzen die Bildungs- und Kultusminister der L\u00e4nder in einer Videokonferenz zusammen. Eineinhalb Stunden lang wollen sie \u00fcber Schulstrategien nach dem aktuellen Shutdown reden \u2013 die Frage also, wie es weitergeht, wenn ab 11. Januar die Weihnachtsferien \u00fcberall offiziell vorbei sind.<\/p>\n<p>Fraglich ist, ob 90 Minuten daf\u00fcr ausreichen. Denn der Kultusministerkonferenz (KMK) fehlt eine einheitliche Strategie. Fl\u00e4chendeckender Pr\u00e4senzunterricht? Hybridunterricht mit einem Teil der Kinder und Jugendlichen in den Klassen, dem anderen Teil im Distanzunterricht zu Hause? Kompletter Fernunterricht f\u00fcr alle? Oder werden die Ferien m\u00f6glicherweise noch einmal verl\u00e4ngert, ohne jeglichen Unterricht f\u00fcr eine oder zwei weitere Wochen?<\/p>\n<p>Letztlich entscheiden werden das zwar die Kanzlerin und die Ministerpr\u00e4sidentinnen und -pr\u00e4sidenten bei ihrem Treffen am Dienstag. Da k\u00f6nnte eine gemeinsame KMK-Empfehlung hilfreich sein. Doch eine einheitliche Linie oder Strategie ist bei den Kultusministern bisher nicht zu erkennen \u2013 und angesichts der \u00c4u\u00dferungen im Vorfeld ist es auch fraglich, ob ein solches gemeinsames Vorgehen \u00fcberhaupt m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<h3>Was die Bildungsminister wollen<\/h3>\n<p>Zu den konsequentesten Vertreterinnen einer fl\u00e4chendeckenden Schul\u00f6ffnung geh\u00f6rt Susanne Eisenmann, CDU-Kultusministerin in <strong>Baden-W\u00fcrttemberg<\/strong>. Sie hatte schon im Dezember f\u00fcr eine schnelle R\u00fcckkehr zum Pr\u00e4senzunterricht unabh\u00e4ngig vom Infektionsgeschehen pl\u00e4diert \u2013 und daf\u00fcr viel Kritik geerntet. \u00bbEs gibt viele Kinder \u2013 vor allem aus sozial schw\u00e4cheren Verh\u00e4ltnissen \u2013, die beim Lernen leider keine Unterst\u00fctzung ihrer Eltern erhalten\u00ab, sagte Eisenmann am Montag der \u00bbStuttgarter Zeitung\u00ab.<\/p>\n<p>Insbesondere j\u00fcngere Kinder ben\u00f6tigten dringend die Struktur und Stabilit\u00e4t, die Schulalltag und Pr\u00e4senzunterricht ihnen vorgeben, sagte die Ministerin. Wichtig seien auch die sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen und Lehrkr\u00e4ften. Das w\u00fcrden auch Kinder\u00e4rzte und Schulpsychologen betonen.<\/p>\n<p>Zustimmung zu dieser Position gibt es aus <strong>Nordrhein-Westfalen<\/strong>. Schulministerin Yvonne Gebauer hatte zwar zuvor einen Stufenplan vorgestellt, bei dem je nach regionaler Infektionslage \u00e4ltere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ab der 8. Klasse im Distanzunterricht lernen sollen \u2013 allerdings erst ab einem Inzidenzwert von 200 Infektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Das Robert Koch-Institut hatte demgegen\u00fcber deutlich verkleinerte Lerngruppen bereits ab einem Inzidenzwert von 50 empfohlen.<\/p>\n<p>Eine ganz andere Strategie verfolgt Bildungsministerin Karin Prien (CDU) in <strong>Schleswig-Holstein<\/strong>: Sie will die Schulen in ihrem Bundesland zun\u00e4chst weiter geschlossen lassen. \u00bbAngesichts des Infektionsgeschehens und der unsicheren Datenlage bin ich Schul\u00f6ffnungen im Pr\u00e4senzunterricht zum 11. Januar gegen\u00fcber sehr skeptisch\u00ab, sagte sie der \u00bbBild\u00ab-Zeitung. \u00bbJetzt kommt es darauf an, die Fortschritte des digitalen Lernens auszusch\u00f6pfen.\u00ab<\/p>\n<p>Es sei richtig, dass auch Schulen einen Beitrag leisten m\u00fcssen, wenn der Lockdown verl\u00e4ngert werde. Dies er\u00f6ffne die M\u00f6glichkeit, \u00bbdass unsere Schulen bald wieder Pr\u00e4senzunterricht anbieten\u00ab. Schulsenator Ties Rabe (SPD) hatte f\u00fcr <strong>Hamburg <\/strong>ebenfalls angek\u00fcndigt, dass Eltern noch l\u00e4nger mit Distanzunterricht rechnen sollten. Dies sei bis Ende Januar m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Auch in <strong>Bayern <\/strong>hat sich Kultusminister Michael Piazolo (Freie W\u00e4hler) gegen eine Wiederer\u00f6ffnung der Schulen am kommenden Montag ausgesprochen. \u00bbWenn ich mir die aktuellen Infektionszahlen ansehe, gehe ich nicht von einem allgemeinen Pr\u00e4senzunterricht f\u00fcr alle aus\u00ab, sagte Piazolo der \u00bbAugsburger Allgemeinen\u00ab.<\/p>\n<p>Eine Kombination aus ver\u00e4nderten Ferienzeiten und Distanzunterricht strebt <strong>Th\u00fcringen<\/strong> an. Die Winterferien, die urspr\u00fcnglich in der zweiten Februarwoche liegen sollten, werden vorgezogen. Das k\u00fcndigte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Montag im Mitteldeutschen Rundfunk an. Die Ferienwoche soll demnach auf die letzte Januarwoche vorverlegt werden, bis dahin gebe es Unterricht zu Hause. Ausgenommen davon seien nur die Abschlussklassen, sofern sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler vorher einem Schnelltest unterziehen.<\/p>\n<h3>Was Bund und L\u00e4nder wollen<\/h3>\n<p>Neben den Fachministern haben sich im Vorfeld der Shutdown-Beratungen auch Landes- und Bundespolitiker zu Wort gemeldet. Bei ihnen \u00fcberwiegen, anders als bei der KMK, die Pl\u00e4doyers f\u00fcr eingeschr\u00e4nkten Schulunterricht.<\/p>\n<p>So kann sich Vizeministerpr\u00e4sident Bernd Althusmann in <strong>Niedersachsen <\/strong>einen sp\u00e4teren Schulstart vorstellen. \u00bbAm sichersten w\u00e4re wom\u00f6glich ein verz\u00f6gerter Gesamtbeginn um mindestens 14 Tage. Erst dann k\u00f6nnen wir die tats\u00e4chliche Infektionslage seri\u00f6s einsch\u00e4tzen\u00ab, sagte der CDU-Politiker und Wirtschaftsminister der \u00bbHannoverschen Allgemeinen Zeitung\u00ab.<\/p>\n<p>Bisher ist f\u00fcr die Grundsch\u00fcler in Niedersachsen Pr\u00e4senzunterricht vorgesehen, ab der f\u00fcnften Klasse ein Wechselmodell. Ministerpr\u00e4sident Stephan Weil (SPD) hatte am Wochenende mit Blick auf Schulen und die Kinderbetreuung gesagt, dass bei einer Verl\u00e4ngerung des Shutdowns \u00bbauch dort Einschr\u00e4nkungen zu erwarten\u00ab seien.<\/p>\n<p>Auch die Ministerpr\u00e4sidenten Michael Kretschmer (CDU, <strong>Sachsen<\/strong>) und Bodo Ramelow (Linke, <strong>Th\u00fcringen<\/strong>) sprechen sich f\u00fcr eine Verl\u00e4ngerung des harten Lockdowns bis Ende Januar aus \u2013 und damit f\u00fcr eingeschr\u00e4nkten Unterricht. Tobias Hans (CDU, <strong>Saarland<\/strong>) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, ein Regelbetrieb an Schulen und Kitas im Januar sei kaum denkbar.<\/p>\n<p><strong>Bundesbildungsministerin Anja Karliczek<\/strong> (CDU) bezeichnete die Infektionszahlen als \u00bbweiter besorgniserregend hoch\u00ab. In den Funke-Bl\u00e4ttern sprach sie sich deshalb gegen \u00bbeine vollst\u00e4ndige R\u00fcckkehr zum vollst\u00e4ndigen Pr\u00e4senzunterricht in allen Jahrg\u00e4ngen\u00ab aus. Die Lage an den Schulen werde in den n\u00e4chsten Wochen schwierig bleiben, ein normaler Unterricht sei \u00bbin diesen Tagen nicht vorstellbar\u00ab.<\/p>\n<h3>Was Lehrer, Eltern und Sch\u00fcler wollen<\/h3>\n<p>Die <strong>Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft<\/strong> (GEW) fordert, den Lockdown in den Schulen mindestens so lange zu verl\u00e4ngern, bis klar sei, wie sich Silvester auf die Corona-Infektionszahlen auswirke. Die Bundesl\u00e4nder sollten deshalb die Schulschlie\u00dfungen um \u00bbmindestens eine Woche\u00ab verl\u00e4ngern, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.<\/p>\n<p>Zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer \u00e4u\u00dferten sich auch in den sozialen Netzwerken und kritisierten die \u00d6ffnungspl\u00e4ne der Ministerien. Zur KMK-Sitzung versuchten sie am Montag, den Hashtag #LasstDieSchuleZu trenden zu lassen.<\/p>\n<p>Unterdessen pl\u00e4diert die <strong>Bundessch\u00fclerkonferenz <\/strong>f\u00fcr ein Wechselmodell nach den Weihnachtsferien \u2013 und wirft den zust\u00e4ndigen Ministerinnen und Ministern Unt\u00e4tigkeit vor. \u00bbDie Kultusministerkonferenz tagt 17 Tage nach Ferienbeginn\u00ab, sagt Dario Schramm, Generalsekret\u00e4r der Bundessch\u00fclerkonferenz, \u00bbich h\u00e4tte erwartet, dass sie die Ferien von Beginn an zum Ausarbeiten von Konzepten und Gespr\u00e4chen mit Verb\u00e4nden genutzt h\u00e4tten.\u00ab<\/p>\n<p>Die Schulen m\u00fcssten jetzt auf Wechselunterricht in kleineren Gruppen vorbereitet werden. \u00bbEinen Schulstart in voller Pr\u00e4senz ab dem 11. Januar halte ich f\u00fcr unverantwortlich\u00ab, sagt Schramm. Au\u00dferdem fordert er einen Nachteilsausgleich f\u00fcr die anstehenden Abschlusspr\u00fcfungen, es m\u00fcsse heute \u00bbklare Ansagen\u00ab der KMK geben: \u00bbDie Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler haben die gesamten Ferien im Ungewissen verbracht, es gilt endlich Klarheit zu schaffen.\u00ab<\/p>\n<p>Der <strong>Berliner Landeselternausschuss<\/strong> hat sich daf\u00fcr ausgesprochen, die Kinder in der n\u00e4chsten Woche wieder zur Schule gehen zu lassen. \u00bbWir h\u00e4tten die Schulen gern offen, und zwar im Teilungsmodell\u00ab, sagte der Vorsitzende Norman Heise am Montag im RBB. Grundsch\u00fcler sollten im Wechsel drei Stunden unterrichtet und zweieinhalb Stunden betreut werden, Obersch\u00fcler sich t\u00e4glich oder wochenweise in der Schule abwechseln.<\/p>\n<p>Heise erkl\u00e4rte, beim Lernen zu Hause seien die Lehrkr\u00e4fte angehalten, die Aufgaben so zu stellen, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sie selbst l\u00f6sen k\u00f6nnen \u2013 ohne elterliche Unterst\u00fctzung. Zweimal die Woche m\u00fcssten sich Lehrerinnen und Lehrer melden, um bei den einzelnen Sch\u00fclern nachzufragen, ob alles in Ordnung sei. \u00bbAus der Praxis wissen wir: Das funktioniert sehr unterschiedlich.\u00ab Vor allem bei j\u00fcngeren Kindern sei auch noch elterliche Hilfe notwendig.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Unterricht in einer 5. 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