{"id":4951,"date":"2021-01-03T19:05:57","date_gmt":"2021-01-03T16:05:57","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-impfungen-europas-fataler-geiz-kommentar\/"},"modified":"2021-01-03T19:05:57","modified_gmt":"2021-01-03T16:05:57","slug":"corona-impfungen-europas-fataler-geiz-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-impfungen-europas-fataler-geiz-kommentar\/","title":{"rendered":"Corona-Impfungen: Europas fataler Geiz &#8211; Kommentar"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/69d41155-370d-4ec2-8ece-d2b7f89b2361_w948_r1.77_fpx59.35_fpy50.jpg\" title=\"Impfstoff von Biontech und Pfizer: Zu teuer f\u00fcr die EU?\" alt=\"Impfstoff von Biontech und Pfizer: Zu teuer f\u00fcr die EU?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Impfstoff von Biontech und Pfizer: Zu teuer f\u00fcr die EU?<\/p>\n<p>  Foto:\u2002JACK GUEZ \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Manchmal kann es in der Politik hilfreich sein zu pokern \u2013 das wei\u00df man gerade in Br\u00fcssel. Allein im Dezember hat man dort zuerst die abtr\u00fcnnigen Mitgliedstaaten Polen und Ungarn in den Haushaltsverhandlungen ausgeblufft und anschlie\u00dfend Gro\u00dfbritanniens Premier Boris Johnson beim Ringen um eine Post-Brexit-Vereinbarung abblitzen lassen. Wichtigstes Mittel in solchen Verhandlungen ist das spannungstreibende Z\u00f6gern bis zur letzten Minute. Am Ende geht dann trotzdem alles irgendwie gut aus. Normalerweise.<\/p>\n<p>Beim Thema Corona-Impfstoff h\u00e4tte die EU das Pokern besser sein lassen. Im Sommer, als die Infektionszahlen vergleichsweise niedrig waren und es darum ging, gen\u00fcgend Covid-19-Impfstoff zu bestellen f\u00fcr die Zeit, in der die Pandemie wieder schlimmer w\u00fcrde, haben die 27 Mitgliedstaaten zwar die weise Entscheidung getroffen, gemeinsam f\u00fcr alle zu ordern, statt jedes Land in den Einzelkampf zu schicken. Was danach passierte, war allerdings fatal: In den Verhandlungen mit den Impfstoffherstellern hat sich die EU verzockt. Ein Fehler, der jetzt im Winter, auf dem H\u00f6hepunkt der Pandemie, nicht nur viele Menschenleben kosten wird, sondern auch sehr viel Geld. Und dass, obwohl die EU mit ihrem Gepoker eigentlich Geld sparen wollte \u2013 so zumindest muss man deuten, was man bisher wei\u00df.<\/p>\n<h3>Waren Biontech und Moderna der EU zu teuer?<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst die Fakten: Knapp zwei Milliarden Dosen Impfstoff hat die EU seit dem Sommer bei sechs Herstellern bestellt. Das w\u00fcrde theoretisch locker reichen \u2013 auch wenn jeder EU-B\u00fcrger zwei Impfstoffdosen verabreicht bek\u00e4me, wie es bei den meisten Impfstoffen vorgesehen ist. Doch zum einen sind l\u00e4ngst nicht alle Impfstoffe zulassungsreif. Die Vakzine des franz\u00f6sischen Pharmariesen Sanofi etwa, von dem die EU 300 Millionen Dosen geordert hat, wird wegen diverser R\u00fcckschl\u00e4ge fr\u00fchestens Ende 2021 fertig. Viel zu sp\u00e4t, um in der aktuell dramatischen Situation mit europaweit Tausenden Covid-Toten pro Tag zu helfen.<\/p>\n<p>Zum anderen war die EU ausgerechnet bei jenen beiden Impfstoffen besonders z\u00f6gerlich, die nun angewendet werden k\u00f6nnen: Das eine Mittel, f\u00fcr das sich das deutsche Unternehmen Biontech und der US-Pharmariese Pfizer zusammengetan haben, ist bereits seit 21. Dezember zugelassen. Das zweite der US-Firma Moderna soll in den n\u00e4chsten Tagen die Genehmigung der europ\u00e4ischen Arzneimittelbeh\u00f6rde erhalten.<\/p>\n<p>Beide Impfstoffe hat die EU aber sehr sp\u00e4t bestellt \u2013 erst im November, als die anderen Gro\u00dfauftr\u00e4ge an die Pharmakonzerne Sanofi, Johnson &amp; Johnson sowie AstraZeneca l\u00e4ngst raus waren, wurden die Vertr\u00e4ge mit Biontech\/Pfizer und Moderna unterschrieben. Und zwar \u00fcber eher kleine Mengen: insgesamt 300 Millionen Dosen bei Biontech und 160 Millionen Dosen bei Moderna. F\u00fcr die gesamte EU. Zum Vergleich: Die USA mit ihren nur rund 330 Millionen Einwohnern hatten sich bereits im Juli 600 Millionen Dosen von Biontech und 500 Millionen von Moderna gesichert. Beide Firmen hatten schlie\u00dflich auch schon fr\u00fch vielversprechende Studienergebnisse vorgelegt.<\/p>\n<h3>Die Pandemie untersch\u00e4tzt<\/h3>\n<p>Wie kann es sein, dass die EU trotzdem so wenig und so sp\u00e4t bestellt hat? Biontech-Gr\u00fcnder U\u011fur \u015eahin zeigte sich j\u00fcngst im SPIEGEL-Gespr\u00e4ch verwundert \u00fcber die z\u00f6gerliche Haltung der Europ\u00e4er. \u00bbOffenbar herrschte der Eindruck: Wir kriegen genug, es wird alles nicht so schlimm, und wir haben das unter Kontrolle\u00ab, vermutet \u015eahin.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich scheint es, als h\u00e4tten die beteiligten europ\u00e4ischen Politiker im Sommer untersch\u00e4tzt, mit welcher Wucht die Pandemie im Herbst und Winter zur\u00fcckkommen \u2013 und wie dringend man dann einen wirksamen Impfstoff brauchen w\u00fcrde. Also knauserten sie offenbar beim Geldausgeben und bestellten gerade von den teuren Impfstoffen lieber nicht so viel.<\/p>\n<p>Denn beim Preis unterscheiden sich die Vakzinen gewaltig. Offizielle Zahlen gibt es zwar nicht, doch eine belgische Staatssekret\u00e4rin gab k\u00fcrzlich auf Twitter kurzzeitig Einblick: Demnach kostet eine Dosis Impfstoff von Moderna umgerechnet rund 15 Euro, die von Biontech\/Pfizer 12 Euro, und die von AstraZeneca nur 1,78 Euro. Folglich kaufte die EU von AstraZeneca schon im Sommer 400 Millionen Dosen. Ein Schn\u00e4ppchen. Doch der Billigimpfstoff ist in der EU noch nicht zugelassen \u2013 und nach letzten Studien wohl auch deutlich weniger wirksam als die teureren Mittel von Biontech und Moderna.<\/p>\n<p>Die EU hat also nicht nur zu lange gez\u00f6gert, sondern auch am falschen Ende gespart. Wom\u00f6glich aus Angst, viele Millionen Dosen \u00fcberfl\u00fcssigen Impfstoff bestellt zu haben, orderte man lieber etwas weniger. \u00bbWir waren uns in der EU einig, dass wir nicht alles auf eine Karte setzen d\u00fcrfen\u00ab, verteidigt sich die zust\u00e4ndige EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides nun. Doch richtig w\u00e4re es gewesen, alles auf alle Karten zu setzen. Oder zumindest auf viele.<\/p>\n<p>Die Kosten daf\u00fcr w\u00e4ren geradezu l\u00e4cherlich gewesen im Vergleich zu den volkswirtschaftlichen Sch\u00e4den, die die Coronakrise verursacht. Mal sehr gro\u00dfz\u00fcgig angenommen, die EU h\u00e4tte 900 Millionen Dosen Biontech, Moderna und AstraZeneca bestellt \u2013 also genug, um jeden B\u00fcrger der Union mit jedem Impfstoff zweimal zu impfen: Nach den Preisen der belgischen Staatssekret\u00e4rin h\u00e4tte das insgesamt rund 26 Milliarden Euro gekostet \u2013 f\u00fcr die gesamte EU. Zum Vergleich: Allein an November- und Dezemberhilfen f\u00fcr zwangsweise geschlossene Betriebe in Deutschland zahlt der Bund mehr als 30 Milliarden Euro. Und laut einer Sch\u00e4tzung des Instituts f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verliert allein die deutsche Volkswirtschaft mit jeder Woche Shutdown rund 3,5 Milliarden Euro. Da lohnt sich die ganz gro\u00dfe All-inclusive-Sammelbestellung selbst dann noch deutlich, wenn man auch bei den anderen drei Herstellern jeweils 900 Millionen Dosen f\u00fcr weitere gut 22 Milliarden Euro in Auftrag gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nun wenden Verteidiger der EU-Impfstoffpolitik ein, es mache ja keinen Unterschied, wie viel man bestellt habe: Die Hersteller k\u00f6nnten nun mal nicht mehr produzieren als sie es derzeit tun. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Nat\u00fcrlich gibt es Produktionsengp\u00e4sse. Doch mit Millionen zus\u00e4tzlicher Auftr\u00e4ge in der Tasche h\u00e4tten die Pharmafirmen seit Sommer anders planen k\u00f6nnen \u2013 und einen Anreiz gehabt, ihre Kapazit\u00e4ten noch st\u00e4rker auszuweiten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kommt es auch auf die Reihenfolge der Bestellungen an. Wer zuerst bestellt, wird schneller beliefert. Das zeigt sich momentan nicht nur am Beispiel der USA, sondern auch an Israel: Das Land mit gerade mal neun Millionen Einwohnern soll bis Ende Januar vier bis f\u00fcnf Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffs erhalten. Medienberichten zufolge soll die israelische Regierung auch einen h\u00f6heren Preis pro Dosis zahlen.<\/p>\n<p>Deutschland und der EU bleibt derweil nicht viel anderes \u00fcbrig, als zu hoffen: Darauf, dass Biontech und Pfizer ihre Produktionskapazit\u00e4ten doch noch st\u00e4rker ausweiten k\u00f6nnen als geplant und dann doch noch etwas mehr Impfstoff fr\u00fcher ankommt. Vor allem aber auch darauf, dass der g\u00fcnstige Impfstoff von AstraZeneca bald zugelassen wird und wom\u00f6glich doch ausreichend gut wirkt, um die Pandemie stoppen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die drittst\u00e4rkste Wirtschaftsmacht der Welt ist das ein bisschen wenig.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Impfstoff von Biontech und Pfizer: Zu teuer f\u00fcr die EU? 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