{"id":490,"date":"2020-06-15T18:35:14","date_gmt":"2020-06-15T15:35:14","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/neuer-coronavirus-ausbruch-in-china-ist-der-lachs-schuld\/"},"modified":"2020-06-15T18:35:14","modified_gmt":"2020-06-15T15:35:14","slug":"neuer-coronavirus-ausbruch-in-china-ist-der-lachs-schuld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/neuer-coronavirus-ausbruch-in-china-ist-der-lachs-schuld\/","title":{"rendered":"Neuer Coronavirus-Ausbruch in China: Ist der Lachs schuld?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/807dc7ff-b3e6-4ced-a7c6-963854999715_w948_r1.77_fpx44_fpy50.jpg\" title=\"Tiefgek\u00fchlte Lachse in Kanada (Symbolbild)\" alt=\"Tiefgek\u00fchlte Lachse in Kanada (Symbolbild)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Tiefgek\u00fchlte Lachse in Kanada (Symbolbild)<\/p>\n<p> Brechin Maclean\/ imago images <\/figcaption><\/figure>\n<p>Der neue Corona-Ausbruch in Peking beunruhigt nicht nur China: Die ganze Welt blickt besorgt auf die Millionenmetropole, wo es \u00fcber viele Wochen kaum noch Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 gegeben hat und wo nun offenbar eine zweite Welle droht.<\/p>\n<p>Wie beim ersten Corona-Ausbruch in Wuhan gehen auch die aktuellen Infektionen von mindestens einem Gro\u00dfmarkt aus, wo Fisch, Fleisch, Gem\u00fcse und Obst verkauft werden. Doch dieses Mal war es offenbar kein exotisches Wildtier, das das Virus auf den Menschen \u00fcbertragen hat. Der Verd\u00e4chtige steht auch hierzulande auf dem Speiseplan: Ermittler wollen das Virus bis auf ein Hackbrett zur\u00fcckverfolgt haben, auf dem importierter Lachs verarbeitet wurde. Der Fisch soll demnach wiederum von einem anderen Markt f\u00fcr Meeresfr\u00fcchte stammen. China importiert Lachs aus mehreren L\u00e4ndern wie Norwegen, Chile, Australien, Kanada und von den F\u00e4r\u00f6ern.<\/p>\n<p>36 der neuen F\u00e4lle in Peking konnten bisher mit dem Ausbruch auf dem Xinfadi-Gro\u00dfmarkt in Verbindung gebracht werden. Die Beh\u00f6rden zogen sofort Konsequenzen und riegelten elf Wohnviertel, Kinderg\u00e4rten und Schulen im Umkreis des Marktes ab. Auch alle Veranstaltungsorte und Sportst\u00e4tten wurden wieder geschlossen. Mehrere St\u00e4dte warnten ihre Bewohner bereits vor Reisen in die Hauptstadt. Das Markt-Gel\u00e4nde soll vollst\u00e4ndig desinfiziert werden.<\/p>\n<h3>Zu Unrecht verd\u00e4chtigt?<\/h3>\n<p>Und sogar Lachsz\u00fcchter in Norwegen bekamen den neuesten Ausbruch zu sp\u00fcren: Da gro\u00dfe Superm\u00e4rkte in Peking \u00fcber Nacht Lachs aus den Regalen r\u00e4umten, wie staatliche Zeitungen am Montag berichteten, rutschten die Aktien norwegischer Lachsz\u00fcchter ab. Doch m\u00fcssen wir wirklich bef\u00fcrchten, dass sich Lachse mit dem Virus anstecken und es auf diese Weise auf den Menschen \u00fcbertragen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Zur \u00dcbertragbarkeit des Virus vom Tier auf den Menschen wurden bereits einige Studien durchgef\u00fchrt. Denn beim ersten Ausbruch in Wuhan Ende vergangenen Jahres wurde das Virus vermutlich durch einen tierischen Zwischenwirt auf den Menschen \u00fcbertragen. Aktuell gilt der Pangolin, auch Schuppentier genannt, als sehr wahrscheinlicher \u00dcbertr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Unter Laborbedingungen zeigte sich schon eine Reihe von Tieren anf\u00e4llig f\u00fcr eine Infektion mit Sars-CoV-2, darunter Katzen, Frettchen, Kamele, Pferde, Schafe und Kaninchen. Viele Tiere scheinen sich dagegen nicht mit dem Virus anzustecken, darunter H\u00fchner, Enten, Meerschweinchen, Schweine, M\u00e4use und Ratten.<\/p>\n<p>Sars-CoV-2 dringt in K\u00f6rperzellen ein, indem das Virus an ein Enzym namens ACE2 andockt. Ob Tiere anf\u00e4llig f\u00fcr eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sind, h\u00e4ngt deshalb davon ab, wie das ACE2 bei ihnen aufgebaut ist, also ob das Virus ihr ACE2 als Eintrittspforte nutzen kann oder nicht.<\/p>\n<p>Forscherinnen und Forscher haben deshalb dreidimensionale Modelle von ACE2 f\u00fcr diverse Tierarten erstellt, um abzusch\u00e4tzen, ob Sars-CoV-2 die jeweilige Spezies infizieren k\u00f6nnte. Am gr\u00f6\u00dften ist das Risiko demnach f\u00fcr verschiedene S\u00e4ugetiere. Bei Reptilien, Amphibien, Fischen und V\u00f6geln ist das Ansteckungsrisiko demnach generell gering &#8211; zu dem Schluss kommen mehrere aktuelle Studien, die als Preprint verf\u00fcgbar sind (etwa hier und hier). Vor diesem Hintergrund w\u00e4re es sehr \u00fcberraschend, wenn sich Lachse anstecken und das Virus an Menschen weitergeben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Vielmehr scheint das Tier nur ein S\u00fcndenbock. Die Informationspolitik Chinas macht den Eindruck, als wollten die Beh\u00f6rden dem In- und Ausland signalisieren, alles unter Kontrolle zu haben. Der Ausbruchsherd scheint gefunden, die vermeintlichen Verantwortlichen wurden geschasst: Der Generaldirektor des Gro\u00dfmarktes sowie zwei Lokalpolitiker mussten am Montag ihre Posten r\u00e4umen. Die chinesische Regierung forderte die Hauptstadt zeitgleich auf, in den &quot;Kriegszustand&quot; zu gehen, um die zweite Welle einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Die Kontrolle von Fracht und Reisenden bei der Einreise soll zudem versch\u00e4rft werden, um eine weitere Einschleppung des Virus zu verhindern. China vergibt seit M\u00e4rz ohnehin keine normalen Visa mehr an Ausl\u00e4nder und beschr\u00e4nkt die Einreise heimkehrender Chinesen. Internationale Fl\u00fcge sind sehr begrenzt. Auch werden Corona-Tests sowie eine 14-t\u00e4gige Quarant\u00e4ne verlangt.<\/p>\n<h3>Infektionsherd weiter unbekannt<\/h3>\n<p>Auch umfangreiche Tests sollen helfen, der Lage so schnell wie m\u00f6glich Herr zu werden: Allein am Sonntag wurden nach Agenturangaben mehr als 76.000 Menschen auf das Coronavirus getestet. Auch gingen demnach in vielen Teilen der Stadt Mitglieder der Nachbarschaftskomitees von T\u00fcr zu T\u00fcr, um Anwohner zu befragen, ob sie in den vergangenen Tagen auf dem Gro\u00dfmarkt waren. Teilweise wurden Kontrollen wie etwa Fiebermessen vor dem Betreten von Restaurants und Gesch\u00e4ften wieder versch\u00e4rft. Und wie bereits erw\u00e4hnt: Tiefgek\u00fchlter Lachs wurde aus zahlreichen Superm\u00e4rkten entfernt.<\/p>\n<p>Dabei scheint es aktuell eher wahrscheinlich, dass die Virenfunde auf dem Hackbrett darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, dass der Fischh\u00e4ndler oder einer der Verk\u00e4ufer mit dem Virus infiziert war und die Hygieneregeln nicht beachtet hat. Wenn etwa derjenige, der den Lachs auf dem Brett zubereitet hat, mit Sars-CoV-2 infiziert war, k\u00f6nnten Viren auf das Schneidebrett und auf den Fisch gelangt sein. So wiederum k\u00f6nnten sich die Betroffenen infiziert haben.<\/p>\n<p>Aus Studien mit Oberfl\u00e4chen wei\u00df man zudem inzwischen, dass Sars-CoV-2 auf einigen Oberfl\u00e4chen mehrere Tage \u00fcberdauern kann. Je nachdem aus welchem Material das Hackbrett bestand und wie oft es zwischendurch gereinigt wurde, k\u00f6nnte davon also \u00fcber mehrere Stunden eine Infektionsgefahr ausgegangen sein &#8211; das Gleiche gilt allerdings auch f\u00fcr kontaminierten Fisch. Auch muss der neue Ausbruch nicht unbedingt von besagtem Hackbrett ausgegangen sein, nur weil dort Coronaviren gefunden wurden. Die Thesen zum Infektionsherd auf dem Pekinger Markt scheinen derzeit sehr spekulativ. So sah sich denn in Deutschland bisher auch niemand veranlasst, bestimmte Produkte wegen des Coronavirus aus dem Regal zu nehmen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Tiefgek\u00fchlte Lachse in Kanada (Symbolbild) Brechin Maclean\/ imago images Der neue Corona-Ausbruch in Peking beunruhigt nicht nur China: Die ganze Welt blickt besorgt auf die Millionenmetropole, wo es<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-490","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/490","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=490"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/490\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}