{"id":4887,"date":"2020-12-31T22:19:44","date_gmt":"2020-12-31T19:19:44","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/silvester-2020-gut-dass-es-ausfallt-dieses-fauchende-geknatter\/"},"modified":"2020-12-31T22:19:44","modified_gmt":"2020-12-31T19:19:44","slug":"silvester-2020-gut-dass-es-ausfallt-dieses-fauchende-geknatter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/silvester-2020-gut-dass-es-ausfallt-dieses-fauchende-geknatter\/","title":{"rendered":"Silvester 2020: Gut, dass es ausf\u00e4llt, dieses fauchende Geknatter"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/67a83c39-b58e-430f-95b4-175b0593bd6a_w948_r1.77_fpx51.32_fpy53.jpg\" title=\"Ein offensichtlicher Vorteil der Sache, die es nicht geben wird: Keine traumatisierten Hunde\" alt=\"Ein offensichtlicher Vorteil der Sache, die es nicht geben wird: Keine traumatisierten Hunde\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Ein offensichtlicher Vorteil der Sache, die es nicht geben wird: Keine traumatisierten Hunde<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Jena Ardell \/ Getty Images  <\/figcaption><\/figure>\n<p>In diesem Jahr also gar nichts. Weniger Lametta, das war ja ohnehin klar. Aber auch keine Party, kein Silvestervergn\u00fcgen. Kann man das eigentlich bedauern?<\/p>\n<p>Die offensichtlichen Vorteile der Sache, die es nicht geben wird, sind in Sekundenschnelle aufgez\u00e4hlt: Keine traumatisierten Hunde in der Stadt, deren H\u00fcterinnen und Halter in den kommenden Tagen die Netze eben nicht zum Gl\u00fchen bringen mit ihren Verdammungsw\u00fcnschen f\u00fcr die Proleten aller Bildungs- und Einkommensklassen, die ohne B\u00f6ller nicht leben wollen. Keine \u00e4ngstlichen Eltern, die bei den marodierenden Halbw\u00fcchsigen am Neujahrsnachmittag die Finger durchz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Kein M\u00fcllsaum an den B\u00fcrgersteigen, \u00fcber den man wochenlang hinwegstelzen muss. Keine Berechnungen, nirgends, wof\u00fcr man das sch\u00f6ne Geld, das in den Himmel geschossen wurde, h\u00e4tte verwenden k\u00f6nnen. (Und das sind nur die Erleichterungen des durchschnittlichen Personals. Feuerwehrm\u00e4nner, Not\u00e4rztinnen, Polizisten werden noch tiefer aufatmen.) <\/p>\n<p>Aber nun der Erleichterung zweiter Teil, das Soziale im h\u00f6heren Sinne: Niemand muss raus. Niemand muss sich am\u00fcsieren auf Festen, die ihre wesentliche Funktion in diesem Jahr ohnehin schon eingeb\u00fc\u00dft haben. Denn war es nicht Zweck der alkoholischen Jahresendveranstaltung, sich mit vielen, gern auch fremden Menschen in eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Distanz zum weihnachtlichen Familienfest zu bringen?<\/p>\n<h3>Alkoholisierte Aussprachen und wieder kein Schnee<\/h3>\n<p>Zu einem \u00dcberma\u00df an verwandtschaftlicher Intimit\u00e4t, deren entspannte Seite \u2013 verdrossen anspruchslose Toleranz f\u00fcr die Tics, die Redewendungen, die Jogginghosen der anderen \u2013 vor\u00fcbergehend aufgehoben wurde f\u00fcr ein wackliges Zeremoniell in unbequemer Kleidung? Zu viel Essen, zu viel N\u00e4he, alkoholisierte Aussprachen und wieder kein Schnee?<\/p>\n<p>Dringend musste in der letzten Nacht des Jahres besprochen, belacht und dann vergessen werden, was so schiefzugehen pflegt bei dem Versuch, eine Gewohnheitsgruppe in den festlichen Ausnahmezustand zu versetzen.<\/p>\n<p>In der Provinz, aus der ich komme, hei\u00dft das f\u00fcr die Jugend und die Kinderlosen: Ansturm auf alle Kneipen in der Umgebung, je niveauloser, umso besser. Kebab-Buden, Landdiscos, Steakhouses mit Resopaltischen: alles willkommen. Drogen jeder Art, von Wildfremden gekauft, mit Halbfremden geteilt: aber ja! Zwischenstopps an der Tanke, Autofahrten mit Leuten, denen man so wenig traut wie ihrem Fahrzeug. Sinn- und folgenlose Unterhaltungen.<\/p>\n<h3>Auch die Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung leiert aus<\/h3>\n<p>In der Stadt: dasselbe Elend auf engerem Raum; weniger Traffic, daf\u00fcr die betr\u00fcbliche Vermutung, dass in der Bar nebenan wirklich die Post abgeht. Dazwischen Leute, deren Erlebnishunger eine durchaus unheimliche Seite hat: Denn wer an nichts mehr glaubt, der ist doch immerhin der Magie der Zahl verfallen, dem unanschaulichsten, d\u00fcrrsten, trostlosesten Aberglauben der Moderne.<\/p>\n<p>Dieser Abend muss es richten, kurz vor dem bunten Lichterstrau\u00df im Himmel soll noch gefunden werden, was sich 364 Tage hartn\u00e4ckig entzog \u2013 die kleine oder gro\u00dfe Liebe, eine Verhei\u00dfung f\u00fcr die Zukunft. Denn nicht nur au\u00dfen soll es funkeln, ein Leuchten im Inneren braucht es auch. Oder wenigstens eine Vers\u00f6hnung, mit dem significant other oder, noch ehrgeiziger und aussichts\u00e4rmer: mit sich selbst.<\/p>\n<p>Stumme Gel\u00fcbde inmitten harten, fauchenden und stinkenden Geknatters, das war das letzte Bier, die letzte Zigarette, von nun an t\u00e4glich Yoga, Jogging, Meditation\u2026 von Jahr zu Jahr werden die Gebete l\u00e4nger, die Kr\u00e4fte des Glaubens aber schwinden; nicht nur die Muskeln, auch die Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung leiert aus.<\/p>\n<p>Und sind jene Minuten von Einkehr oder, wahlweise, wahllosen Umarmungen nicht ohnehin inzwischen zu Sekunden geschrumpft, weil vor und nach der \u00fcbersch\u00e4tzten Zeitenwende Textnachrichten, Videos und Sprachmeldungen die Zusammengekehrten wieder vereinzeln? Ja, dir auch alles Gute!<\/p>\n<p>Es wird eine gro\u00dfe Stille sein \u00fcber dem Land. Und es wird gut und sch\u00f6n gewesen sein.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Ein offensichtlicher Vorteil der Sache, die es nicht geben wird: Keine traumatisierten Hunde Foto:\u2002Jena Ardell \/ Getty Images In diesem Jahr also gar nichts. 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