{"id":4862,"date":"2020-12-30T18:29:53","date_gmt":"2020-12-30T15:29:53","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/proteste-2020-was-menschen-weltweit-erreicht-haben\/"},"modified":"2020-12-30T18:29:53","modified_gmt":"2020-12-30T15:29:53","slug":"proteste-2020-was-menschen-weltweit-erreicht-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/proteste-2020-was-menschen-weltweit-erreicht-haben\/","title":{"rendered":"Proteste 2020: Was Menschen weltweit erreicht haben"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/c051d35d-acde-4a20-9cf5-43e76990d7cc_w948_r1.77_fpx54_fpy60.jpg\" title=\"Einige soziale Bewegungen waren 2020 erfolgreich \u2013 wie die Demonstranten und Demonstrantinnen in Peru\" alt=\"Einige soziale Bewegungen waren 2020 erfolgreich \u2013 wie die Demonstranten und Demonstrantinnen in Peru\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Einige soziale Bewegungen waren 2020 erfolgreich \u2013 wie die Demonstranten und Demonstrantinnen in Peru<\/p>\n<p>  Foto:\u2002ERNESTO BENAVIDES \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Gerade einmal f\u00fcnf Tage lang hielt sich der Interimspr\u00e4sident Manuel Merino in Peru. Im ganzen Land waren die Menschen im November auf die Stra\u00dfe gest\u00fcrmt, nachdem Pr\u00e4sident Mart\u00edn Vizcarra wegen angeblicher \u00bbmoralischer Unf\u00e4higkeit\u00ab des Amtes enthoben worden war.<\/p>\n<p>\u00bbEs war emp\u00f6rend, wie der Kongress den Pr\u00e4sidenten abgesetzt hat, um seine eigenen Interessen durchzusetzen und sich vor Korruptionsermittlungen zu sch\u00fctzen\u00ab, sagt der 27-j\u00e4hrige Student Diego Nunez.<\/p>\n<p>Nunez fl\u00fcchtete bei den Protesten in der Hauptstadt Lima mit seinen Freunden vor Tr\u00e4nengasbomben, die Polizei schoss mit scharfer Munition \u2013 die beiden Studenten Inti Sotelo, 24, und Bryan Pintado, 22, wurden dabei von Kugeln regelrecht durchl\u00f6chert. Ihr Tod befeuerte die Wut, Merino blieb nichts anderes, als zur\u00fcckzutreten \u2013 und viele junge Peruaner, die vorher apolitisch waren, lernten, dass es sich lohnt zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Auf der ganzen Welt sind in den vergangenen Monaten neue Proteste aufgeflammt. Auch Massenbewegungen wie \u00bbFridays for Future\u00ab, Proteste f\u00fcr Frauenrechte oder gegen Regierungen hat die Coronakrise zwar kurzfristig einged\u00e4mmt, aber nicht erstickt \u2013 viele Initiativen haben ihren Aktivismus seitdem st\u00e4rker ins Internet verlagert und mobilisieren in sozialen Netzwerken.<\/p>\n<p>Die Pandemie wirkt dabei wie ein Brennglas: Sie hat soziale Ungleichheit und politische Konflikte noch sch\u00e4rfer hervortreten lassen und die Emp\u00f6rung \u00fcber Regierungen, fehlende Gleichberechtigung und Polizeigewalt vielerorts verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Ein paar Bewegungen haben dabei sogar kleine und gr\u00f6\u00dfere Triumphe erreicht und sind in ihrem Kampf f\u00fcr besseres Regierungshandeln, Frauenrechte oder gegen Rassismus einen Schritt weitergekommen. Der Druck der Stra\u00dfenproteste war oft entscheidend, wobei einigen Erfolgen wie der Abtreibungsreform in Argentinien oder dem Gesetz gegen digitale Gewalt in Mexiko auch jahrelanger Aktivismus und Lobbyarbeit vorausgegangen waren. Vielerorts spielte die junge Generation zudem eine Schl\u00fcsselrolle \u2013 und die Mobilisierung durch soziale Netzwerke und Handy-Videos.<\/p>\n<h3>Proteste gegen Regierungen<\/h3>\n<p>In Peru, Chile oder Thailand konnten Protestbewegungen politische und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen durchsetzen.<\/p>\n<p>Diego Nunez ist in <strong>Peru<\/strong> mit Regierungen aufgewachsen, bei denen ein Korruptionsskandal auf den n\u00e4chsten folgte. Als der seit 2018 amtierende Pr\u00e4sident Mart\u00edn Vizcarra im November entmachtet wurde, war die Wut der B\u00fcrger gro\u00df \u2013 denn sie hatten gehofft, dass sich mit ihm endlich etwas \u00e4ndern k\u00f6nnte. Vizcarra wollte gegen die Korruption vorgehen, er hatte etwa Reformen f\u00fcr eine Einschr\u00e4nkung der parlamentarischen Immunit\u00e4t unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Bei den Protesten im Netz erreichten Aktivisten und Influencer mit mehreren Millionen Followern auch bisher unpolitische Jugendliche und junge Erwachsene \u2013 und trieben viele zum ersten Mal in ihrem Leben auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Seit dem erzwungenen R\u00fccktritt von Merino f\u00fchrt Interimspr\u00e4sident Francisco Sagasti bis zu den Wahlen im April 2021 das Land: Sagasti hatte nach der Polizeigewalt bei den Protesten viele Sicherheitskr\u00e4fte entlassen, die Polizei soll zudem reformiert werden. Doch Peru kommt nicht zur Ruhe: Tagel\u00f6hner protestieren derzeit gegen ein Agrargesetz, das Arbeitern nur Hungerl\u00f6hne gew\u00e4hrt. Die B\u00fcrger streiten sich zudem, ob eine Verfassungsreform notwendig ist. \u00bbWir haben noch einen langen Weg vor uns, auch wenn wir jetzt aufgewacht sind\u00ab, glaubt Nunez.<\/p>\n<p>Perus Nachbarland <strong>Chile<\/strong> ist bereits auf dem Weg zu einer neuen Verfassung, die auch die Wirtschafts- und Sozialpolitik ver\u00e4ndern soll. Im Oktober hatten die B\u00fcrger \u00fcber eine Reform der Verfassung abgestimmt, die als Erbe der Pinochet-Diktatur gilt \u2013 mehr als zwei Drittel der W\u00e4hler waren daf\u00fcr. Sie wird von einer Versammlung entworfen, deren Mitglieder im kommenden Fr\u00fchjahr gew\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>Das Referendum war ein Zugest\u00e4ndnis an die Massenbewegung, die in Chile seit dem vergangenen Herbst eine gerechtere Gesellschaft fordert. In den Vorjahren hatten bereits Sch\u00fcler- und Studentenproteste auf die Missst\u00e4nde im Land aufmerksam gemacht \u2013 mittlerweile werden die Forderungen nach tief greifenden Reformen von gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt. Auch die Coronakrise offenbart, welche Folgen die Privatisierung \u00f6ffentlicher Dienstleistungen im Land hatte: Eine gute Gesundheitsversorgung k\u00f6nnen sich nur wohlhabende Patienten leisten.<\/p>\n<p>Seit Juli protestieren auch in <strong>Thailand<\/strong> Zehntausende, meist junge Menschen auf den Stra\u00dfen Bangkoks. Sie wollen, dass der Premierminister Prayuth Chan-ocha zur\u00fccktritt und dass die Macht des K\u00f6nigs Maha Vajiralongkorn begrenzt wird. Im September verlas die Studentin Panusaya \u00bbRung\u00ab Sithijirawattanakul zehn Forderungen \u2013 unter anderem, den Paragrafen der Majest\u00e4tsbeleidigung abzuschaffen und das Budget des Palastes zu k\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Die Proteste sind meist friedlich und voll popkultureller Referenzen: Die Demonstranten erheben drei Finger wie beim Gru\u00df aus \u00bbDie Tribute von Panem\u00ab, manche sprechen \u00fcber den K\u00f6nig nur im Voldemort-Chiffre \u2013 \u00bbEr, dessen Name nicht genannt werden darf\u00ab. F\u00fcr das Land sind die Demonstrationen dennoch ein Tabubruch. Wer den K\u00f6nig beleidigt, kann mit bis zu 15 Jahren Gef\u00e4ngnis bestraft werden, Anf\u00fchrer des Protests wurden bereits verh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Doch etwas hat sich ge\u00e4ndert. Thail\u00e4ndische Medien berichteten etwa \u00fcber die Proteste und deren Kritik an der Monarchie, und junge Thais diskutieren mittlerweile innerhalb ihrer Familien \u00fcber die Monarchie und Demokratie. Auf Twitter kursieren Bilder des K\u00f6nigs in knappen Hosen oder bauchfrei. Das alles mag klein wirken, k\u00f6nnte das Land aber langfristig ver\u00e4ndern. Zudem setzen Recherchen der Exil-Opposition den K\u00f6nig auch in Deutschland unter Druck: Sie wirft ihm vor, dass er von dort aus auch seinen Amtsgesch\u00e4ften nachgeht.<\/p>\n<h3>Feministische Erfolge<\/h3>\n<p>Frauenbewegungen in Argentinien und Mexiko haben dieses Jahr Reformen vorangebracht, f\u00fcr die sie bereits seit Jahren k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Das Abgeordnetenhaus in <strong>Argentinien<\/strong> hat Mitte Dezember einer historischen Abtreibungsreform den Weg geebnet: Sie sieht vor, dass Frauen k\u00fcnftig in den ersten 14 Wochen eine Schwangerschaft beenden d\u00fcrfen. Bisher ist ein Abbruch nur legal, wenn die Frau vergewaltigt wurde oder wenn ihr Leben in Gefahr ist. Sch\u00e4tzungen zufolge treiben in dem Land j\u00e4hrlich zwischen 300.000 und 500.000 Frauen illegal ab, Tausende sind schon dabei gestorben.<\/p>\n<p>Seit 15 Jahren k\u00e4mpft eine immer gr\u00f6\u00dfer werdende feministische Bewegung f\u00fcr die Reform. \u00bbDie Sichtbarkeit hat Druck auf die Politik aufgebaut\u00ab, glaubt die 25-j\u00e4hrige Aktivistin Nayla Procopio. Mittlerweile sei zudem bekannt geworden, wie viele Frauen schon abgetrieben h\u00e4tten, Betroffene w\u00fcrden eher \u00fcber ihre Erfahrungen sprechen.<\/p>\n<p>Stimmt auch der Senat zu, k\u00f6nnte die Neuerung noch dieses Jahr in Kraft treten. Vor zwei Jahren war die Reform knapp am konservativen Senat gescheitert. Jetzt ist die politische Unterst\u00fctzung aber gr\u00f6\u00dfer als damals \u2013 und auch Pr\u00e4sident Alberto Fern\u00e1ndez steht hinter dem Projekt.<\/p>\n<p><strong>Mexiko <\/strong>will Frauen zuk\u00fcnftig besser vor Cyberkriminalit\u00e4t sch\u00fctzen. Das \u00bbLey Olimpia\u00ab definiert digitale Gewalt als Delikt und bestraft T\u00e4ter, die intime Aufnahmen verbreiten, mit bis zu sechs Jahren Haft \u2013 Anfang November hat der mexikanische Senat zugestimmt, dass die Reform auch landesweit eingef\u00fchrt werden soll.<\/p>\n<p>Lange galten solche Taten in Mexiko als Kavaliersdelikt \u2013 doch die Aktivistin Olimpia Coral, die die Reform durchgesetzt hat, wei\u00df aus eigener Erfahrung, wie die Verbreitung intimer Aufnahmen ein Leben zerst\u00f6ren kann. Ihr Ex-Freund hatte ein Video von ihr in soziale Netzwerke hochgeladen, auf dem sie nackt zu sehen ist; in dem konservativen St\u00e4dtchen, in dem sie lebte, traute sie sich fortan nicht mehr auf die Stra\u00dfe, sie wurde ausgelacht oder beschimpft.<\/p>\n<p>Mit anderen Betroffenen, Anw\u00e4ltinnen und Frauen, die mit Gewaltopfern arbeiten, gr\u00fcndete Coral das feministische Kollektiv \u00bbFrente Nacional para la Sororidad\u00ab (Nationale Front f\u00fcr Sororit\u00e4t). Gemeinsam dr\u00e4ngten sie Politiker zu Gesetzesreformen. Mit Erfolg.<\/p>\n<h3>Kampf gegen rassistische Gewalt<\/h3>\n<p>Das Video von der Ermordung von George Floyd durch Polizisten in den <strong>USA<\/strong> im Mai 2020 schockierte Menschen weltweit \u2013 ein Polizeibeamter kniete fast neun Minuten lang auf Floyds Hals, w\u00e4hrend der mehr als 20 Mal um Luft zum Atmen schrie. In vielen St\u00e4dten weltweit, auch in <strong>Deutschland<\/strong>, zogen daraufhin Black-Lives-Matter-Bewegungen durch die Stra\u00dfen und protestierten gegen strukturellen Rassismus und Polizeigewalt.<\/p>\n<p>In <strong>Brasilien<\/strong> f\u00fchrte der Mord an Jo\u00e3o Beto dazu, dass Zehntausende im November demonstrieren gingen: Sicherheitskr\u00e4fte eines Supermarktes hatten den schwarzen Brasilianer, der einkaufen wollte, nach einem Streit totgepr\u00fcgelt \u2013 auch hier hatte ein Augenzeuge die exzessive Gewalt gefilmt.<\/p>\n<p>\u00bbDie Tat war \u00e4u\u00dferst brutal und hat uns deswegen besonders aufgew\u00fchlt, obwohl in Brasilien jeden Tag schwarze Menschen get\u00f6tet werden\u00ab, sagt der Menschenrechtsanwalt Marco Antonio Andr\u00e9. \u00bbDer Fall hat aber sicherlich auch so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil Menschen weltweit derzeit st\u00e4rker sensibilisiert sind, besser hinschauen, wenn Rassismus geschieht, und diesen anprangern.\u00ab<\/p>\n<p>Rassistische Gewaltt\u00e4ter werden dem Anwalt zufolge bisher zu selten und zu lax bestraft. Der brasilianische Senat hat kurz nach dem Mord an Jo\u00e3o Beto einer Reform zugestimmt, die Tatmotive wie Rassismus oder Homophobie strenger bestraft. Der \u00f6ffentliche Aufschrei beschleunigte diesmal auch die Ermittlungen: Sechs Personen werden wegen Mordes angeklagt \u2013 neben zwei Sicherheitskr\u00e4ften wurden drei Supermarktmitarbeiter und deren Vorgesetzte verhaftet.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Einige soziale Bewegungen waren 2020 erfolgreich \u2013 wie die Demonstranten und Demonstrantinnen in Peru Foto:\u2002ERNESTO BENAVIDES \/ AFP Gerade einmal f\u00fcnf Tage lang hielt sich der Interimspr\u00e4sident Manuel<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4863,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4862","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4862"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4862\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4863"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}