{"id":481,"date":"2020-06-15T07:57:47","date_gmt":"2020-06-15T04:57:47","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-was-wir-nach-einem-halben-jahr-corona-wissen\/"},"modified":"2020-06-15T07:57:47","modified_gmt":"2020-06-15T04:57:47","slug":"coronavirus-was-wir-nach-einem-halben-jahr-corona-wissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-was-wir-nach-einem-halben-jahr-corona-wissen\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Was wir nach einem halben Jahr Corona wissen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/aa9503dc-0dd4-4426-90fd-0443f35fa799_w948_r1.77_fpx60_fpy35.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption> NurPhoto\/ Getty Images <\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"caps\">Ende Januar gab ein &#8211; damals der breiten \u00d6ffentlichkeit noch weitgehend unbekannter &#8211; Berliner Virologe dem SPIEGEL ein Interview. Es ging um das neuartige Coronavirus, das in der chinesischen Metropole Wuhan aufgetaucht war und sich dort rasant verbreitete. Es sehe danach aus, als k\u00e4me die Welt glimpflicher davon als bei der Sars-Pandemie, sagte Christian Drosten, der damals noch unkompliziert zu erreichen war und auf kurze Anfragen pers\u00f6nlich per Email antwortete. &quot;Aber das m\u00fcssen wir in den kommenden Wochen beobachten.&quot;<\/p>\n<p>Inzwischen wei\u00df fast jeder, wer Drosten ist &#8211; und dass er mit seiner Einsch\u00e4tzung im Januar daneben lag: Rund 8000 Menschen erkrankten 2002\/03 weltweit an Sars-1. Nur, muss man sagen. Denn mit Sars-CoV-2 haben sich mittlerweile mehr als sieben Millionen Menschen infiziert, in fast allen L\u00e4ndern wurde das \u00f6ffentliche Leben ma\u00dfgeblich eingeschr\u00e4nkt. Unz\u00e4hlige Mitarbeiter vieler Firmen arbeiten im Homeoffice, wir tragen Mundschutz beim Einkaufen und haben Begriffe wie Aerosole, Reproduktionszahl und Abstandsregeln l\u00e4ngst in unseren Alltagswortschatz aufgenommen.<\/p>\n<p>Virologen blieb Anfang des Jahres nichts anderes \u00fcbrig, als \u00fcber das neue Virus zu spekulieren. Und auch ein knappes halbes Jahr nach Bekanntwerden der ersten F\u00e4lle in Wuhan gibt es vieles, was wir noch nicht wissen: Ob und wann es einen Impfstoff geben wird etwa oder welche Medikamente gegen Covid-19 helfen. Doch in einigen Bereichen haben wir zunehmend verl\u00e4ssliche Informationen \u00fcber die Lungenkrankheit gesammelt. Ein \u00dcberblick.<\/p>\n<h3>Aerosole scheinen ein wichtiger \u00dcbertragungsweg f\u00fcr Sars-CoV-2 zu sein<\/h3>\n<p>Der Haupt\u00fcbertragungsweg von Sars-CoV-2 ist laut Robert Koch-Institut (RKI) die Tr\u00f6pfcheninfektion: beim Sprechen, Husten oder Niesen werden Tr\u00f6pfchen ausgeschieden, die wiederum vom Gegen\u00fcber eingeatmet werden k\u00f6nnen oder auf dessen Schleimh\u00e4ute gelangen.<\/p>\n<p>Immer mehr Daten sprechen nun daf\u00fcr, dass die Viren auch \u00fcber Aerosole \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Dabei handelt es sich um winzige Schwebeteilchen, die unter anderem beim Sprechen ausgeschieden werden und im Gegensatz zu Tr\u00f6pfchen nicht so schnell zu Boden sinken. Um sich vor ihnen zu sch\u00fctzen, reicht ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht aus. Besonders hoch ist das Risiko in geschlossenen R\u00e4umen.<\/p>\n<p>Wer singt, laut spricht oder angestrengt atmet, scheidet au\u00dferdem mehr Aerosole aus als jemand, der entspannt vor sich hinatmet. Das k\u00f6nnte erkl\u00e4ren, warum Gottesdienste und Restaurants pr\u00e4destinierte Orte f\u00fcr einen Ausbruch sind.<\/p>\n<p>Besonders ansteckend sind Infizierte zudem kurz vor Symptombeginn: Wie Wissenschaftler von der Universit\u00e4t Hongkong berichten, lassen sich vor allem dann viele Viren im Nasen-Rachen-Raum finden, wenn sich gerade erste Anzeichen der Erkrankung bemerkbar machen &#8211; knapp die H\u00e4lfte der Ansteckungen fand sogar bereits vor Beginn der Symptome statt.<\/p>\n<h3>Corona wird h\u00e4ufig durch Superspreader verbreitet<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst ging man davon aus, dass jeder Infizierte hochansteckend sei und das Virus an bis zu drei Personen weitergeben k\u00f6nne. Die Untersuchung verschiedener Ausbruchs-Cluster &#8211; also Orte, an denen sich eine hohe Zahl an Infizierten h\u00e4uft &#8211; legen jedoch nahe, dass die Ansteckungen offenbar auf eine oder einige wenige hochinfekti\u00f6se Personen zur\u00fcckgehen: sogenannte Superspreader.<\/p>\n<p>Wer Superspreader wird und warum einige Personen ansteckender als andere sind, l\u00e4sst sich schwer beantworten. Unter anderem spielen dabei \u00e4u\u00dfere und individuelle Faktoren eine Rolle (mehr dazu lesen Sie hier). Mit diesen Erkenntnissen kann die Pandemie nun gezielter einged\u00e4mmt werden, indem Superspreader-Events ausfindig gemacht und kontrolliert werden &#8211; etwa durch das fortbestehende Verbot von Gro\u00dfveranstaltungen oder die sofortige Isolation aller Kontaktpersonen eines Clusters.<\/p>\n<h3>Kinder scheinen keine besondere Rolle bei der Verbreitung des Virus zu spielen<\/h3>\n<p>Bereits zu Beginn der Pandemie war auff\u00e4llig, dass sich Kinder eher selten mit dem Virus anstecken und falls doch, ein Gro\u00dfteil von ihnen keine oder nur milde Symptome zeigt. Bislang ist noch nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, wie h\u00e4ufig Kinder sich mit dem Coronavirus infizieren und wie oft sie andere anstecken. Studien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Virusmenge bei Kindern der von Erwachsenen \u00e4hnlich ist und sie damit eigentlich auch genauso infekti\u00f6s sein m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Quantitative Datenauswertungen von Infizierten zeigen jedoch, dass Unter-Zw\u00f6lfj\u00e4hrige sich deutlich seltener anstecken und das Virus auch seltener weitergeben als Erwachsene. Sie scheinen bei der Verbreitung von Sars-CoV-2 also keine besondere Rolle zu spielen.<\/p>\n<h3>Mund-Nasen-Schutz bringt mehr als zun\u00e4chst gedacht<\/h3>\n<p>Maskenpflicht &#8211; ja oder nein? Lange sahen Experten keine Notwendigkeit, in der \u00d6ffentlichkeit Masken zu tragen, oder rieten davon ab. Im April entschieden die Bundesl\u00e4nder dann doch, eine landesweite Maskenpflicht in L\u00e4den und \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln einzuf\u00fchren. Und auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, die zun\u00e4chst gegen Masken war, hat inzwischen ihre Empfehlungen ge\u00e4ndert und r\u00e4t nun zum Maskentragen in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Der Sinneswandel k\u00f6nnte auf verschiedene Studien zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, die eine Schutzwirkung beim richtigen Einsatz von Masken belegen. Eine vorver\u00f6ffentlichte Studie aus Jena etwa, wo als erstes in Deutschland die Maskenpflicht eingef\u00fchrt wurde, legt nahe, dass die Alltagsmasken dort tats\u00e4chlich eine Schutzwirkung gegen die Ausbreitung des Coronavirus hatten. Britische Forscher haben in einer aktuellen Studie berechnet, dass ein konsequenter Einsatz von Mund-Nasen-Schutz in der Allgemeinbev\u00f6lkerung zusammen mit den anderen Ma\u00dfnahmen eine zweite Welle m\u00f6glicherweise verhindern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>So oder so: Die Masken sch\u00fctzen nur vor einer \u00dcbertragung, wenn sie richtig angewandt werden. Das hei\u00dft, Mund und Nase m\u00fcssen bedeckt sein, die Maske muss entweder abends entsorgt oder bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, und sie sollte nicht st\u00e4ndig unters Kinn gezogen und dann wieder aufgesetzt werden.<\/p>\n<h3>Covid-19 hat viele Symptome<\/h3>\n<p>Bei rund 80 Prozent der Infizierten verl\u00e4uft Covid-19 milde, bei einigen sogar ganz ohne Symptome. Bei den verbleibenden 20 Prozent kann die Krankheit jedoch zu schweren Organsch\u00e4den f\u00fchren, vermutlich sogar mit Langzeitfolgen. Kopf, Nase, Rachen, Lunge, Herz, Nieren, Magen, Darm und sogar die Zehen kann das Virus befallen. Zu den h\u00e4ufigsten Symptomen z\u00e4hlen der Geruchs- und Geschmacksverlust, Fieber, Husten, Halsschmerzen und andere Atemwegsbeschweren.<\/p>\n<p>Covid-19 l\u00f6st bei schweren Verl\u00e4ufen eine Lungenentz\u00fcndung aus, teils m\u00fcssen die Patienten beatmet werden. Bei einigen Patienten treten auch schwere neurologische Erkrankungen auf, Covid-19 erh\u00f6ht zudem das Risiko f\u00fcr Thrombosen. Durch die Entz\u00fcndung wird auch das Herz-Kreislaufsystem schwer belastet, das Risiko f\u00fcr einen Herzinfarkt steigt. Bei schweren Verl\u00e4ufen k\u00f6nnen auch die Nieren versagen.<\/p>\n<p>Nach einem schweren Verlauf brauchen die Patienten oft mehrere Wochen, um vollst\u00e4ndig wieder zu genesen. \u00dcber Sp\u00e4t- und Langzeitfolgen ist noch wenig bekannt. Jedoch haben etwa Sportmediziner bereits herausgefunden, dass die Lunge nach einer Covid-19-Infektion noch f\u00fcr mehrere Wochen eingeschr\u00e4nkt belastbar ist und die Sportler daher eine lange Pause machen sollten, bevor sie wieder mit dem Training beginnen.<\/p>\n<h3>Die Pandemie wirkt sich auf die Psyche aus<\/h3>\n<p>Soziale Isolation, &quot;neue Normalit\u00e4t&quot;, Existenz\u00e4ngste: Der Corona-Lockdown hat Ver\u00e4nderungen mit sich gebracht, die f\u00fcr viele eine mentale Herausforderung darstellen. Bereits zu Beginn der Pandemie warnten Experten vor einem Anstieg an Depressionen, Angstzust\u00e4nden, Substanzmissbrauch und h\u00e4uslicher Gewalt. Inzwischen zeigt sich, dass sie recht behalten haben und der Lockdown teils extreme Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Bev\u00f6lkerung hatte.<\/p>\n<p>Dabei sind nicht nur Risikogruppen oder Menschen mit psychischen Erkrankungen betroffen, sondern die gesamte Bev\u00f6lkerung. Studien belegen, dass vor allem junge Menschen unter den Ver\u00e4nderungen, die der Lockdown mit sich gebracht hat, leiden. Eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr hat der Soziologe Martin Schr\u00f6der von der Universit\u00e4t Marburg: &quot;Die Auswirkungen haben die Jungen sicherlich mehr eingeschr\u00e4nkt als die Alten, von denen viele vielleicht ohnehin viel Zeit zu Hause verbringen, kein so aktives Sozialleben mehr haben und in ihrer Freizeit auch normalerweise lieber spazieren gehen als in Bars.&quot; Es seien also vor allem die Ma\u00dfnahmen gegen die Pandemie und weniger die Gefahr durch Covid-19 selbst, die Einfluss auf die psychische Gesundheit h\u00e4tten.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern NurPhoto\/ Getty Images Ende Januar gab ein &#8211; damals der breiten \u00d6ffentlichkeit noch weitgehend unbekannter &#8211; Berliner Virologe dem SPIEGEL ein Interview. 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