{"id":4752,"date":"2020-12-25T14:31:16","date_gmt":"2020-12-25T11:31:16","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/brexit-deal-fur-die-briten-ist-es-erst-der-anfang\/"},"modified":"2020-12-25T14:31:16","modified_gmt":"2020-12-25T11:31:16","slug":"brexit-deal-fur-die-briten-ist-es-erst-der-anfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/brexit-deal-fur-die-briten-ist-es-erst-der-anfang\/","title":{"rendered":"Brexit-Deal: F\u00fcr die Briten ist es erst der Anfang"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/fe375662-00d8-4998-a657-5dda00bc6f7b_w948_r1.77_fpx47_fpy53.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>  Foto:\u2002Dan Kitwood \/ Getty Images  <\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"caps\">Nein, das Drama zwischen Gro\u00dfbritannien und dem europ\u00e4ischen Kontinent ist nicht zu Ende. Der Brexit war nur ein weiterer Akt, der nun in letzter Minute mit der Einigung auf einen Handelsvertrag zu Ende gegangen ist.<\/p>\n<p>Es ist ein Sieg der Vernunft. Seit dem britischen Referendum von 2016 hat man eines immer wieder geh\u00f6rt: Der Brexit sei irre, ein unn\u00f6tiger Akt der Selbstverst\u00fcmmelung, der sowohl das Vereinigte K\u00f6nigreich als auch die EU weltpolitisch und wirtschaftlich schw\u00e4chen wird. Das aber w\u00e4re nur dann ohne Abstriche richtig, wenn es sich bei diesem K\u00f6nigreich um ein Land handelte, das sich nicht nur Europa, sondern der Europ\u00e4ischen Union zugeh\u00f6rig f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Das aber war nie wirklich der Fall. Die Briten haben die EU schon immer eher als Freihandelszone betrachtet. Das Ziel der politischen Einigung war nie das ihre. Schon Winston Churchill war zwar ein entschiedener Bef\u00fcrworter der europ\u00e4ischen Integration, sah sein eigenes Land aber nur als Partner und nicht als Teil eines solchen Europas. Daran hat sich bis heute wenig ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Als die Briten dennoch 1973 der Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft beitraten, taten sie das vor allem, um von deren grenzenlosen Handel zu profitieren. Ein weiteres Ziel war freilich, den entstehenden politischen Machtblock notfalls bremsen zu k\u00f6nnen \u2013 was sich von innen am besten bewerkstelligen lassen w\u00fcrde. Ironischerweise war dies auch eines der Hauptargumente der sogenannten Proeurop\u00e4er in London: Viele von ihnen wollten ihr Land nicht in der EU halten, weil sie so gro\u00dfe Freunde der EU gewesen w\u00e4ren, sondern weil sie zu Recht um den britischen Einfluss f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>Dass Gro\u00dfbritannien diesen Einfluss preisgegeben hat, ist einer der wenigen irrationalen Aspekte des Brexits, zumindest aus britischer Sicht. F\u00fcr die Preisgabe der wirtschaftlichen Vorteile der EU-Mitgliedschaft gilt das schon nur noch eingeschr\u00e4nkt. Denn die Teilnahme am freien Handel in der EU war immer auch an die Freiheit jedes EU-B\u00fcrgers gebunden, \u00fcberall in der EU leben und arbeiten zu d\u00fcrfen. Br\u00fcssel hat das in den Verhandlungen vehement verteidigt, gerade weil die EU mehr ist als nur eine Freihandelszone. Die Londoner Unterh\u00e4ndler haben das nie verstanden, was B\u00e4nde spricht \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der meisten britischen Politiker zur EU.<\/p>\n<p>F\u00fcr sie war der Brexit am Ende deshalb auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Auf der einen Seite standen die wirtschaftlichen Vorteile der EU-Mitgliedschaft, auf der anderen die in einem zunehmend xenophobischem Gro\u00dfbritannien steigenden politischen Kosten der Einwanderung aus der EU.<\/p>\n<p>F\u00fcr gro\u00dfe Teile des britischen Volks d\u00fcrfte der Brexit dagegen vor allem eine emotionale Entscheidung gewesen sein, es war die Wahl zwischen einer gef\u00fchlten Unabh\u00e4ngigkeit und einer gef\u00fchlten babylonischen Gefangenschaft in der EU \u2013 verbunden mit der \u00dcberzeugung, dass eine R\u00fcckkehr zur Unabh\u00e4ngigkeit die R\u00fcckkehr zu fr\u00fcherem nationalen Glanz bedeutete. Ein Politik-Darsteller wie Boris Johnson wusste das, und er hat es genutzt, um sich seinen Lebenstraum zu erf\u00fcllen, britischer Premierminister zu werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Politiker und B\u00fcrger Gro\u00dfbritanniens aber ist das Gef\u00fchl, keine Europ\u00e4er unter vielen anderen Europ\u00e4ern zu sein, Teil ihres Selbstbilds. Und auch Gro\u00dfbritannien halten sie f\u00fcr nicht f\u00fcr ein weiteres europ\u00e4isches Land unter vielen, sondern f\u00fcr ein besonderes oder gar auserw\u00e4hltes.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich denken nicht alle Briten so. Aber leider sind sie nicht diejenigen, die im Gro\u00dfbritannien der Gegenwart den Ton angeben. Deshalb ist der Austritt ihres Landes aus der EU nicht unvern\u00fcnftig.<\/p>\n<p>Die EU ist dadurch freier, die Schritte zu gehen, die sie gehen muss, um sich in einer globalisierten Welt zwischen den USA und China behaupten zu k\u00f6nnen \u2013 denn daf\u00fcr ist es schon jetzt reichlich sp\u00e4t. Gro\u00dfbritannien wiederum braucht den Brexit vielleicht, um zu sp\u00fcren, wie klein die Nebenrolle wirklich ist, die es auf dieser Weltb\u00fchne spielen wird.<\/p>\n<p>Spanien, Frankreich, die Niederlande, Portugal oder Deutschland haben bereits erkannt, dass der fr\u00fchere belgische Au\u00dfenminister Paul-Henri Spaak Recht hatte: Es gibt in Europa kleine L\u00e4nder und solche, die noch nicht erkannt haben, dass sie klein sind.<\/p>\n<p>Eines Tages werden auch die Briten erkennen, dass ihr Land etwas Besonderes sein mag, aber nicht besonders gro\u00df ist. Und vielleicht werden sie dann sogar zur\u00fcckkehren. F\u00fcr die EU w\u00e4re es ein guter Tag.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Foto:\u2002Dan Kitwood \/ Getty Images Nein, das Drama zwischen Gro\u00dfbritannien und dem europ\u00e4ischen Kontinent ist nicht zu Ende. 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