{"id":473,"date":"2020-06-14T22:52:25","date_gmt":"2020-06-14T19:52:25","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/moskau-spionageprozess-gegen-paul-whelan-gefahrlicher-besuch\/"},"modified":"2020-06-14T22:52:25","modified_gmt":"2020-06-14T19:52:25","slug":"moskau-spionageprozess-gegen-paul-whelan-gefahrlicher-besuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/moskau-spionageprozess-gegen-paul-whelan-gefahrlicher-besuch\/","title":{"rendered":"Moskau &#8211; Spionageprozess gegen Paul Whelan: Gef\u00e4hrlicher Besuch"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/9a22db32-769f-4b53-aefc-5ab14e1af340_w948_r1.77_fpx57_fpy45.jpg\" title=\"Paul Whelan im Gerichtssaal in Moskau\" alt=\"Paul Whelan im Gerichtssaal in Moskau\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Paul Whelan im Gerichtssaal in Moskau<\/p>\n<p>Kirill Kudryavtsev\/ AFP<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Rund 7500 Kilometer trennen die Whelan-Br\u00fcder. Der eine, David, wird am Montag am Computer im kanadischen Toronto die Nachrichten verfolgen, um zu erfahren, was mit dem anderen, Paul, in Moskau passiert. Dort, im Saal eines Stadtgerichts im Nordosten der russischen Hauptstadt, wird Paul Whelan erfahren, welche Strafe die russische Justiz f\u00fcr ihn vorsieht.<\/p>\n<p>Er wird der Spionage beschuldigt. 18 Jahre Straflager hat die Staatsanwaltschaft f\u00fcr ihn gefordert &#8211; das H\u00f6chststrafma\u00df liegt bei 20 Jahren. Er sei unschuldig, beteuert Paul Whelan. Die Vorw\u00fcrfe nennt der ehemalige US-Marine einen &quot;Witz&quot;, weist sie kategorisch zur\u00fcck, spricht von &quot;der Situation einer Geiselnahme&quot;.<\/p>\n<p>Sein Zwillingsbruder David geht von einem Schuldspruch aus. Als Leiter einer Rechtsbibliothek hat er viel Zeit verbracht, um sich mit der russischen Justiz zu besch\u00e4ftigen, in der Richter meistens dem Pl\u00e4doyer der Staatsanw\u00e4lte folgen.<\/p>\n<h3><strong>Als &quot;Staatsgeheimnis&quot; eingestuft<\/strong><\/h3>\n<p>&quot;100 Prozent der nach Artikel 276 angeklagten Ausl\u00e4nder werden f\u00fcr schuldig befunden&quot;, sagt David Whelan. Es ist der Spionage-Paragraf des russischen Strafgesetzbuches. David Whelan hofft f\u00fcr seinen Bruder auf einen m\u00f6glichen sp\u00e4teren Gefangenenaustausch, wie es ihn schon \u00f6fter zwischen Russland und den USA gegeben hat.<\/p>\n<p>Der Fall von Paul Whelan ist undurchsichtig, es gibt kaum Informationen, weil er wie alle Spionageverfahren in Russland als &quot;Staatsgeheimnis&quot; eingestuft wurde. Zuletzt lief der Prozess g\u00e4nzlich unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit ab, auch Diplomaten konnten nicht mehr in den Gerichtssaal. Whelan ist nicht nur US-B\u00fcrger, seit seiner Kindheit lebt er in dem Land. Der 50-J\u00e4hrige besitzt drei weitere P\u00e4sse: den seines Geburtslandes Kanada, den britischen &#8211; seine Eltern stammen aus Gro\u00dfbritannien &#8211; und den irischen, seine Gro\u00dfeltern sind Iren.<\/p>\n<h3>In die Falle gelockt?<\/h3>\n<p>Seit Ende Dezember 2018 ist er eingesperrt. Damals nahmen ihn Beamte des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB im Zimmer eines Hotels in der Moskauer Innenstadt fest. Whelan bereitete sich gerade auf den Besuch einer Hochzeit vor. Bei ihm stellten die FSB-Leute einen USB-Stick sicher, darauf angeblich sensible, geheime Daten. Laut einem Medienbericht soll es sich dabei um Namenslisten von Kadetten einer Milit\u00e4rschule handeln. Der Datentr\u00e4ger sei ihm untergeschoben worden, sagt Whelan.<\/p>\n<p>Kurz vor der Festnahme hatte er unangek\u00fcndigt Besuch auf dem Zimmer bekommen: von einem Russen, von dem er dachte, er sei sein Freund. Auf Instagram postete Whelan gemeinsame Fotos, besuchte den Russen in einem Moskauer Vorort. Heute sagt Whelan, der Mann habe ihn in die Falle gelockt, so hat er es seiner Familie geschildert, best\u00e4tigt sein Bruder David.<\/p>\n<p>Bei dem Besucher im Hotelzimmer handelt sich um einen FSB-Mitarbeiter, berichteten mehrere Medien &#8211; Whelans Bruder hat dies best\u00e4tigt. Laut der Zeitung &quot;Kommersant&quot; soll der Mann Paul Whelan rund 1300 Euro geschuldet haben, wollte zudem bef\u00f6rdert werden. \u00dcberpr\u00fcfen l\u00e4sst sich das nicht, auch Whelans Anwalt Wladimir Scherebenkow musste eine Geheimhaltungsklausel unterschreiben. Fragen zu dem Besucher im Hotelzimmer weicht er aus.<\/p>\n<p>Der Anwalt sagt nur, Whelan sei davon ausgegangen, auf dem USB-Stick bef\u00e4nden sich harmlose, private Fotos. War der US-Amerikaner zu gutgl\u00e4ubig, zu naiv? Whelan habe sich gefreut, seinen Freund zu sehen, auf die Hochzeit zu gehen, sagt der Verteidiger. Sein Mandant sei ein begeisterter Russlandreisender gewesen. \u00dcber soziale Medien habe Whelan Kontakt zu russischen Bekannten gehalten.<\/p>\n<h3><strong>Trump schweigt<\/strong><\/h3>\n<p>Warum h\u00e4tte gerade Paul Whelan spionieren sollen? In wessen Auftrag? Mit welchem Ziel? Das bleibt unklar. In den USA, wo die Familie um politische Unterst\u00fctzung in Washington ersuchte, schien der Fall Whelan vielen zu diffus. Vielleicht mag dabei auch eine Rolle gespielt haben, dass Whelan die US-Armee trotz zweier Auszeichnungen und Irak-Eins\u00e4tzen verlassen musste. Er hatte \u00fcber die Sozialversicherungsnummer eines Kameraden Scheckbetrug begangen. Zuletzt arbeitete er als Sicherheitschef bei einem Autozulieferer in Michigan.<\/p>\n<p>Whelan hatte Pr\u00e4sident Donald Trump im Gericht aufgerufen, ihn per Twitter zu unterst\u00fctzen. Doch der schweigt bis heute. Allerdings \u00e4u\u00dfert sich US-Au\u00dfenminister Mike Pompeo, er fordert Paul Whelans Freilassung.<\/p>\n<p>Der musste zuletzt an der Leiste notoperiert werden, nachdem er monatelang nicht behandelt worden war. Wie es ihm in der Haft gehe? &quot;Das ist die gro\u00dfe Frage&quot;, sagt sein Bruder David. Er verweist darauf, dass Paul kaum Russisch spreche, ein Gef\u00e4ngnismitarbeiter habe ihn geschlagen.<\/p>\n<p>Hunderte Briefe haben sich Paul und seine Eltern und Geschwister \u00fcber die Monate der Untersuchungshaft geschickt. Doch l\u00e4ngst nicht alle sind angekommen, sagt sein Bruder David. &quot;Wir haben sie nummeriert, deshalb wissen wir, dass viele fehlen.&quot; Miteinander gesprochen haben die beiden Whelan-Br\u00fcder seit mehr als 17 Monaten nicht mehr. Die Eltern konnten Ende Mai das erste Mal mit ihrem Sohn telefonieren. 15 Minuten lang.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Paul Whelan im Gerichtssaal in Moskau Kirill Kudryavtsev\/ AFP Rund 7500 Kilometer trennen die Whelan-Br\u00fcder. 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