{"id":4728,"date":"2020-12-24T13:08:57","date_gmt":"2020-12-24T10:08:57","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/china-der-lange-marsch-zu-einem-corona-impfstoff\/"},"modified":"2020-12-24T13:08:57","modified_gmt":"2020-12-24T10:08:57","slug":"china-der-lange-marsch-zu-einem-corona-impfstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/china-der-lange-marsch-zu-einem-corona-impfstoff\/","title":{"rendered":"China: Der lange Marsch zu einem Corona-Impfstoff"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/4cca2cd3-4165-4945-a288-33b6427959ca_w948_r1.77_fpx55_fpy42.jpg\" title=\"Labortechnikerin bei Sinovac in Peking\" alt=\"Labortechnikerin bei Sinovac in Peking\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Labortechnikerin bei Sinovac in Peking<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>WANG ZHAO \/ AFP<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Weihnachtsgeschenk blieb aus, dabei hatten viele es so herbeigesehnt. Einen Tag vor Heiligabend sollten die Testergebnisse f\u00fcr eine neue chinesische Covid-19-Vakzine verk\u00fcndet werden. Wissenschaftler hatten gehofft, dass der Impfstoff \u00bbCoronavac\u00ab \u00e4hnlich gute Werte aufweisen w\u00fcrde wie die Vakzinen von Moderna und Biontech\/Pfizer. Doch nun vertagte der chinesische Hersteller Sinovac die Pr\u00e4sentation um 15 Tage.<\/p>\n<p>\u00bbEs war sehr frustrierend\u00ab, sagte der Covid-19-Forscher Luiz Carlos Dias von der brasilianischen Campinas-Universit\u00e4t dem \u00bbWall Street Journal\u00ab. \u00bbIch mache mir Sorgen, ob die Wirksamkeit am Ende vielleicht doch nicht so hoch ist.\u00ab<\/p>\n<p>Auf Antworten muss die Welt nun weiter warten. Es l\u00e4uft bei der Suche nach einer chinesischen Vakzine wohl doch nicht alles so rund, wie Pekings Propaganda es suggeriert. Zu gern h\u00e4tte die Volksrepublik, wo das Virus vor einem Jahr zuerst ausbrach, auch als erstes Land einen Impfstoff pr\u00e4sentiert. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ordnete bereits im Mai an, dass chinesische Vakzinen ein \u00bbglobales Gemeingut\u00ab werden sollen. In der Pandemie sollte der chinesischen Impfstoffbranche der Durchbruch auf dem Weltmarkt gelingen. Doch auf dem Weg dorthin gibt es noch etliche Hindernisse. <\/p>\n<p>\u00bbF\u00fcr China ist es Segen und Fluch zugleich, als eines der ersten L\u00e4nder das Virus einged\u00e4mmt zu haben\u00ab, sagt Yanzhong Huang, Senior Fellow f\u00fcr globale Gesundheit am US-Thinktank \u00bbCouncil on Foreign Relations\u00ab. \u00bbEs gibt in China nur noch wenige F\u00e4lle, aber klinische Studien der Phase III muss man an Orten mit vielen Infektionen durchf\u00fchren.\u00ab<\/p>\n<p>Chinas Impfstoffentwickler sind f\u00fcr ihre Tests daher in mehr als ein Dutzend andere L\u00e4nder ausgewichen \u2013 doch zu den Staaten mit der gr\u00f6\u00dften Infektionslast wie den USA oder Indien hatten sie wegen der angespannten politischen Beziehungen keinen Zugang. \u00bbSie hatten Probleme, ausreichend Probanden zu rekrutieren, um statistisch signifikante Ergebnisse zu erhalten\u00ab, sagt Huang. Die Daten f\u00fcr \u00bbCoronavac\u00ab etwa sollte das Butantan-Institut aus Brasilien vorstellen, wo Sinovac einen seiner Phase-III-Tests durchf\u00fchrt. Dass die Chinesen diese Pr\u00e4sentation nun verschoben, begr\u00fcndeten sie damit, dass sie noch auf Testergebnisse aus Indonesien und der T\u00fcrkei warten wollten.<\/p>\n<p>Ins Hintertreffen geraten Chinas Hersteller nicht nur wegen der zeitlichen Verz\u00f6gerung, sondern auch wegen mangelnder Transparenz. \u00bbBisher haben sie nicht einmal Zwischenergebnisse vorgelegt, die unabh\u00e4ngig verifiziert werden k\u00f6nnen\u00ab, sagt Huang. \u00bbDas hat uns verbl\u00fcfft. Wer seine Produkte exportieren und den internationalen Marktanteil ausbauen will, muss global anerkannten Protokollen und Prozessen folgen.\u00ab<\/p>\n<p>Ein Schl\u00fcssel f\u00fcr die internationale Vermarktung ist die Liste sogenannter pr\u00e4qualifizierter Impfstoffe, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt. Nur wenn sie anhand der von den Herstellern vorgelegten Daten nachvollziehen kann, dass ein Impfstoff ihre Standards erreicht, wird er dort aufgef\u00fchrt. Eine in China produzierte Vakzine hat die WHO erstmals 2013 derart zertifiziert, seither sind nur wenige weitere gefolgt. Zum Vergleich: Die Pharmaindustrie des Rivalen Indien stellt 107 pr\u00e4qualifizierte Vakzinen her.<\/p>\n<p>An einer Pr\u00e4qualifikation durch die WHO orientiert sich unter anderem die internationale Impfinitiative \u00bbCovax\u00ab, die Corona-Impfstoffe f\u00fcr \u00e4rmere L\u00e4nder bereitstellen will. Darunter die Kandidaten von Moderna, Biontech\/Pfizer und der britisch-schwedischen AstraZeneca. Die Kandidaten von Sinovac, dem staatlichen Hersteller Sinopharm oder Chinas drittem gro\u00dfen Impfstoffproduzenten CanSino zieht \u00bbCovax\u00ab bisher nicht in Betracht.<\/p>\n<p>Huang zufolge haben zudem multilaterale Geber wie die Weltbank klargemacht, dass sie nur pr\u00e4qualifizierte Impfstoffe finanzieren werden. Potenzielle Abnehmer chinesischer Vakzinen m\u00fcssten demzufolge auf andere Finanzierungswege zur\u00fcckgreifen, etwa auf chinesische Kredite oder das eigene Budget.<\/p>\n<p>Trotzdem verzeichnet Chinas Impfstoffdiplomatie schon einige Erfolge. Bereits vor einigen Wochen haben die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain eine Sinopharm-Vakzine zugelassen, obwohl noch keine Endergebnisse vorliegen. \u00c4gypten erhielt seine erste Sinopharm-Lieferung am Sonntag. Der Sinovac-Testpartner T\u00fcrkei schickt sich an, noch im Dezember eine Impfkampagne zu starten, die ersten drei Millionen von 50 Millionen bestellten \u00bbCoronavax\u00ab-Dosen sollen in den n\u00e4chsten Tagen eintreffen. Gerade in Nahost ist die Impfmacht China also gut positioniert \u2013 eine Region, wo lange die USA dominierten.<\/p>\n<p>Schon deuten sich erste Erfolge dieser Kooperation an. China werde der T\u00fcrkei die \u00bbben\u00f6tigte Hilfe zukommen lassen\u00ab, sagte der chinesische Au\u00dfenminister Wang Yi am Montag nach einem Telefonat mit seinem t\u00fcrkischen Amtskollegen. Mevl\u00fct \u00c7avu\u015fo\u011flu habe \u00fcberdies im selben Gespr\u00e4ch zugesagt, dass die T\u00fcrkei mit Blick auf die \u00bbIslamische Bewegung Ostturkestans\u00ab (ETIM) auf Linie bleiben werde \u2013 eine Gruppierung uigurischer, also turksprachiger Separatisten, die f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit des westchinesischen Xinjiang k\u00e4mpft. Die T\u00fcrkei hat ETIM erst 2017 auf seine Terrorliste gesetzt.<\/p>\n<p>Ein Durchmarsch bleibt China aber wom\u00f6glich verwehrt. Vergangene Woche gab ausgerechnet der kambodschanische Premier Hun Sen bekannt, seine Regierung habe eine erste Million Dosen bei der Impfinitiative \u00bbCovax\u00ab bestellt \u2013 und nicht in China. Dabei hatte Peking angeboten, den sonst so treuen s\u00fcdostasiatischen Vasallen zu versorgen.<\/p>\n<p>In reichlich undiplomatischen Worten stellte Hun Sen jedoch klar, sein Land werde keine Vakzine ohne WHO-Siegel akzeptieren: \u00bbKambodscha ist kein M\u00fclleimer \u00ad\u2013 und kein Versuchsfeld f\u00fcr Impfstoffe.\u00ab<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Labortechnikerin bei Sinovac in Peking Foto:\u2002 WANG ZHAO \/ AFP Das Weihnachtsgeschenk blieb aus, dabei hatten viele es so herbeigesehnt. 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