{"id":4695,"date":"2020-12-23T01:47:12","date_gmt":"2020-12-22T22:47:12","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-tests-verzogerungen-erschweren-beurteilung-der-lockdown-folgen\/"},"modified":"2020-12-23T01:47:12","modified_gmt":"2020-12-22T22:47:12","slug":"corona-tests-verzogerungen-erschweren-beurteilung-der-lockdown-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-tests-verzogerungen-erschweren-beurteilung-der-lockdown-folgen\/","title":{"rendered":"Corona-Tests: Verz\u00f6gerungen erschweren Beurteilung der Lockdown-Folgen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/c75d36f9-08bb-43f0-a424-562dfcc01142_w948_r1.77_fpx51_fpy19.jpg\" title=\"Frau vor einem Testzentrum in Berlin\" alt=\"Frau vor einem Testzentrum in Berlin\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Frau vor einem Testzentrum in Berlin<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Markus Schreiber \/ AP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wann immer Menschen gro\u00dfe Disziplin aufbringen m\u00fcssen, hilft es ihnen, wenn die M\u00fchen mit einem Ziel verkn\u00fcpft sind. Ganz Deutschland hat sich jetzt ein solches Ziel gesetzt: Bis zum 10. Januar soll das Land den Corona-Lockdown durchhalten. Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sollen zu Hause bleiben, auf ein gro\u00dfes Weihnachtsfest verzichten und auch Silvester im kleinen Kreis verbringen. Wenn alle genug Disziplin aufbringen und sich an die vereinbarten Regeln halten, ist im Anschluss wieder mehr Normalit\u00e4t m\u00f6glich \u2013 so hie\u00df es jedenfalls.<\/p>\n<p>Zuletzt haben sich jedoch Hinweise darauf geh\u00e4uft, dass die Zeit nicht reichen wird, um das Lockdown-Ziel zu erreichen: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen drastisch zu reduzieren und den Inzidenzwert unter 50 pro 100.000 Einwohner zu senken, damit die Beh\u00f6rden bei der Nachverfolgung der F\u00e4lle wieder hinterherkommen. Schon beim Shutdown im November hatten die Ministerpr\u00e4sidenten Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) oder Markus S\u00f6der (Bayern) das Versprechen nicht halten k\u00f6nnen, die Ma\u00dfnahmen w\u00fcrden nur bis in Ende November gelten.<\/p>\n<p>Simulationen von Forschern zeigen schon jetzt, dass allenfalls theoretisch die M\u00f6glichkeit besteht, bis zum 10. Januar bei den angestrebten Inzidenzwerten zu liegen.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die Feiertage stehen die Experten wohl noch vor einem weiteren Problem. Sie k\u00f6nnten Anfang Januar m\u00f6glicherweise gar nicht in der Lage sein, die Wirksamkeit der aktuellen Lockdown-Ma\u00dfnahmen richtig zu beurteilen. Denn sehr wahrscheinlich wird es bei den Testketten zu Unterbrechungen kommen. Nach den Wochenend- und Feiertagen f\u00fchrt das ab dem 4. Januar zu Verzerrungen. Etwa in dieser Woche werden sich die deutschen L\u00e4nderchefs zusammensetzen m\u00fcssen und mit der Kanzlerin \u00fcber eine Lockerung der Ma\u00dfnahmen beraten.<\/p>\n<p>Doch ist das realistisch? Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne schrieb k\u00fcrzlich einen Brief an Eltern von Schulkindern. Darin hei\u00dft es, dass man sich nach \u00bbEinsch\u00e4tzung des Landesgesundheitsamtes im Januar aller Voraussicht nach mit einer Situation konfrontiert sehen wird, die keine gesicherte Aussage \u00fcber den tats\u00e4chlichen Inzidenzwert zul\u00e4sst\u00ab. Diese Unsicherheit liege darin begr\u00fcndet, dass durch die Schlie\u00dfung von Arztpraxen und Labors weniger getestet wird.<\/p>\n<p>\u00bbIm Verlauf der Pandemie hat sich gezeigt, dass gerade die Fallzahlen nach Wochenenden und Feiertagen eher eine Untersch\u00e4tzung darstellen und mit Vorsicht interpretiert werden m\u00fcssen. Dies gilt auch f\u00fcr den Jahresbeginn\u00ab, teilte das Landesgesundheitsamt dem SPIEGEL mit.<\/p>\n<p>Die Labors scheinen allerdings weniger das Problem zu sein. Rund 200 solcher Einrichtungen werten f\u00fcr das Robert Koch-Institut derzeit PCR-Tests aus. In den letzten f\u00fcnf Wochen waren es 1,3 und 1,4 Millionen Tests pro Woche. Die Rate der positiven Tests ist dabei stetig gestiegen und liegt derzeit bei rund 11,5 Prozent.<\/p>\n<p>Laut dem Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) werde auch an den Feiertagen gearbeitet. \u00bbWie in jedem Jahr werden wir selbstverst\u00e4ndlich auch an Weihnachten, Silvester und den Tagen dazwischen unsere Infrastruktur f\u00fcr alle medizinisch relevanten Fragestellungen aufrechthalten\u00ab, so Nina Beikert vom ALM. Das gelte sowohl f\u00fcr die SARS-CoV-2-Diagnostik als auch f\u00fcr alle anderen wichtigen Bereiche. Allerdings werden in dieser Zeit die Labors geringer besetzt sein, r\u00e4umt der ALM ein. Die Testung von symptomatischen Personen, von Kontaktpersonen und vulnerablen Gruppen sei aber sichergestellt. R\u00fcckstau entstehe derzeit zuallererst, weil die Labors mit Lieferengp\u00e4ssen bei Testreagenzien und sonstigem Material zu k\u00e4mpfen haben.<\/p>\n<p>Einige Bundesl\u00e4nder \u00e4u\u00dferten sich \u00e4hnlich. Laut dem Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen seien die Personalkapazit\u00e4ten auch f\u00fcr die Feiertage entsprechend eingeplant. Bei Engp\u00e4ssen werde man die Tests nach Priorit\u00e4ten abarbeiten und symptomatische Patienten, Proben aus Krankenh\u00e4usern oder Proben im Zusammenhang mit einem Ausbruchsgeschehen zuerst behandeln. Auch in Sachsen w\u00fcrden Labors im Wochenendmodus \u00fcber die Feiertage arbeiten, hie\u00df es auf Anfrage.<\/p>\n<h3>Fragezeichen bei \u00c4rzten und Gesundheits\u00e4mtern<\/h3>\n<p>Die Labors sind aber nur ein Teil der Kette. Es m\u00fcssen auch gen\u00fcgend \u00c4rzte und medizinisches Personal im Einsatz sein, um Abstriche zu nehmen. \u00bbWir k\u00f6nnen allerdings nicht valide einsch\u00e4tzen, inwiefern Haus\u00e4rzte durch Urlaub und Praxisschlie\u00dfung weniger testen\u00ab, teilte das Sozialministerium Sachsen mit. Laut der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung werde es aber an den Feiertagen eine deutlich h\u00f6here Besetzung in den Arztpraxen Sachsens als in den Jahren zuvor geben. Dem bayrischen Gesundheitsamt liegen keine Angaben \u00fcber die Besetzung von Gesundheits\u00e4mtern, kommunalen Testzentren und Arztpraxen vor.<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise vergeht zwischen Infektion, Test und Meldung der Testergebnisse an das RKI rund eine Woche. Im Verlauf der Pandemie kam es immer wieder zu Schwankungen vor allem nach Wochenenden. In Bayern wurde Ostern beispielsweise weniger getestet als zuvor. In der Regel werden an Samstagen und Sonntagen weniger Covid-19-F\u00e4lle an das RKI \u00fcbermittelt als an anderen Tagen. Deshalb f\u00fchrt das Institut an Montagen deutlich geringere Fallzahlen auf als an anderen Wochentagen.<\/p>\n<p>Der Wissenschaftler Thorsten Lehr glaubt, dass es schwierig sein wird, die Wirksamkeit der Ma\u00dfnahmen aus den Statistiken zu erfassen. \u00bbAnfang Januar k\u00f6nnen wir wahrscheinlich erst mal nicht viel erkennen\u00ab, sagt der Professor f\u00fcr Klinische Pharmazie an der Universit\u00e4t des Saarlandes. Er geht von stark schwankenden Zahlen aus und warnt davor, geringere Inzidenzwerte an einem einzigen Tag als Erfolg der Ma\u00dfnahmen zu werten. Um diese wirklich erkennen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssten sich langfristigere Trends abzeichnen.<\/p>\n<p>Auch bei der Menge der Krankenhauspatienten mit Corona k\u00f6nne man Anfang Januar noch nicht viel erkennen, da sich auch hier l\u00e4ngere Verz\u00f6gerung ergeben. Und ob das Verhalten der Menschen an Silvester, aus dem m\u00f6glicherweise viele Neuinfektionen resultieren k\u00f6nnten, bereits in der Woche ab dem 4. Januar vollst\u00e4ndig abgebildet werden kann, ist zweifelhaft. Dazu kommen Reiser\u00fcckkehrer, die teils erst sp\u00e4ter im Januar einreisen werden.<\/p>\n<p>Es sei auch immer noch nicht ganz klar, welchen statistischen Einfluss die Anfang November ge\u00e4nderte Teststrategie des RKI habe (mehr dazu lesen Sie hier). Seitdem werden bevorzugt Menschen mit eindeutigen Covid-19-Symptomen getestet und nicht mehr solche, mit milderen und unspezifischen Symptomen. Insgesamt werden seitdem rund zehn Prozent weniger Menschen auf das Virus untersucht, um Labors zu entlasten. Dadurch stieg der Anteil an Positivtests. Zudem k\u00f6nnte eine weitere Folge der ge\u00e4nderten Teststrategie sein, dass die Dunkelziffer steigt.<\/p>\n<h3>Kl\u00e4ranlagen als Virenmesser<\/h3>\n<p>Ein Mittel, um das Infektionsgeschehen besser und aktueller zu verfolgen, k\u00f6nnten systematische Virenanalysen in den Kl\u00e4ranlagen sein. \u00dcber das Abwasser gelangen Ausscheidungen von Infizierten durch die Kanalisation in den Zulauf der Anlagen, wo \u00fcber die Menge der Viren und die Zahl der angeschlossenen Haushalte R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Verbreitung des Virus gezogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Deutschland wird an mehreren Stellen in diesem Bereich geforscht, um Tests zu entwickeln. Dass diese Strategie erfolgreich sein k\u00f6nnte, zeigt sich beispielsweise in Luxemburg. \u00bbDie Menge der Viren im Abwasser dort korrelieren sehr gut mit den Fallzahlen\u00ab, so Lehr. Deshalb lie\u00dfen sich \u00fcber solche Systeme auch Dunkelziffern leichter erkennen.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die Tests erscheint es erneut fraglich, ob der Lockdown Mitte des n\u00e4chsten Monats beendet werden kann. Immerhin glaubt auch Kanzlerin Angela Merkel, dass es mit einer Prognose schwierig wird: Wie es Anfang Januar weitergeht, k\u00f6nnen wir heute noch nicht sagen, erkl\u00e4rte sie k\u00fcrzlich.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Frau vor einem Testzentrum in Berlin Foto:\u2002Markus Schreiber \/ AP Wann immer Menschen gro\u00dfe Disziplin aufbringen m\u00fcssen, hilft es ihnen, wenn die M\u00fchen mit einem Ziel verkn\u00fcpft sind.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4696,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4695","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4695","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4695"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4695\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4696"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4695"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4695"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4695"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}