{"id":466,"date":"2020-06-14T14:39:46","date_gmt":"2020-06-14T11:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-zuruckgezogene-covid-19-studien-das-steckt-hinter-der-datenbank-von-surgisphere\/"},"modified":"2020-06-14T14:39:46","modified_gmt":"2020-06-14T11:39:46","slug":"corona-zuruckgezogene-covid-19-studien-das-steckt-hinter-der-datenbank-von-surgisphere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-zuruckgezogene-covid-19-studien-das-steckt-hinter-der-datenbank-von-surgisphere\/","title":{"rendered":"Corona: Zur\u00fcckgezogene Covid-19-Studien &#8211; das steckt hinter der Datenbank von Surgisphere"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/9882b930-81d8-4d4a-8808-cc298c27cf1e_w948_r1.77_fpx53_fpy26.jpg\" title=\"Wegen des Skandals um Surgisphere mussten entscheidende Corona-Studien zur\u00fcckgezogen werden\" alt=\"Wegen des Skandals um Surgisphere mussten entscheidende Corona-Studien zur\u00fcckgezogen werden\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Wegen des Skandals um Surgisphere mussten entscheidende Corona-Studien zur\u00fcckgezogen werden<\/p>\n<p> Laurence Dutton\/ Getty Images <\/figcaption><\/figure>\n<p>Dies ist eine Geschichte, deren Rahmenhandlung menschlicher kaum sein k\u00f6nnte. Familienbande spielen eine Rolle und Menschen, die von dem Versprechen, an etwas Gro\u00dfem teilzunehmen, in den Bann gezogen werden. Sie handelt von der Sogwirkung, die eine vermeintlich gute Sache entwickeln kann &#8211; und welch verh\u00e4ngnisvolle Wirkung das Handeln in gutem Glauben haben kann.<\/p>\n<p>Der bislang wohl gr\u00f6\u00dfte Wissenschaftsskandal in der Coronakrise nahm \u00f6ffentlich am 22. Mai seinen Anfang. An diesem Freitag publizierte das renommierte Fachblatt &quot;Lancet&quot; eine Studie, deren Ergebnisse beachtlich waren. Hydroxychloroquin, ein Wirkstoff, der in Dutzenden Studien weltweit als Therapie von Covid-19 getestet wird, bewirkte scheinbar genau das Gegenteil als erhofft. Statt zu helfen, k\u00f6nnte das eigentlich zur Behandlung von Malaria zugelassene Mittel die Patienten sogar umbringen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und mehrere L\u00e4nder, darunter auch Deutschland, pausierten daraufhin laufende klinische Untersuchungen.<\/p>\n<p>Angeblich basierte die &quot;Lancet&quot;-Studie auf den Behandlungsdaten von 96.000 Covid-19-Patienten, die 671 Krankenh\u00e4user weltweit an die US-Firma Surgisphere gemeldet hatten. Die Angaben waren au\u00dfergew\u00f6hnlich detailliert, gerade in der Coronakrise w\u00e4re eine solche Datenbank ein echter Schatz.<\/p>\n<p>Inzwischen deutet aber immer mehr darauf hin, dass die Daten zu gut waren, um wahr zu sein. Dass es einen solchen Schatz gar nicht gibt.<\/p>\n<h3>&quot;F\u00fcr Afrika existieren solche gro\u00dfen Datenbanken einfach nicht&quot;<\/h3>\n<p>Die Zweifel an ihrer Echtheit sind erheblich. In der Statistik f\u00fcr Australien tauchen mehr Tote auf, die im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind, als offiziell \u00fcberhaupt gemeldet wurden. Surgisphere versuchte das sp\u00e4ter damit zu erkl\u00e4ren, dass in die Auswertung f\u00fcr Australien versehentlich Daten aus einem Krankenhaus in Asien eingeflossen seien. Seitdem schweigt Surgisphere zu den Vorw\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Doch auch die angegebenen Zahlen f\u00fcr Afrika sind so hoch, dass fast ein Viertel der bekannten Covid-19-F\u00e4lle des Kontinents und mehr als jeder dritte Tote in einem der Krankenh\u00e4user behandelt worden sein m\u00fcsste, auf deren Angaben sich die Studie st\u00fctzt. Zudem waren die Daten erstaunlich detailliert.<\/p>\n<p>&quot;F\u00fcr Afrika existieren solche gro\u00dfen Datenbanken, wie Surgisphere behauptet zu haben, einfach nicht&quot;, teilte der Infektiologe Joe Jarvis vom National Institute for Health Research dem SPIEGEL auf Anfrage mit. In Botswana, wo Jarvis derzeit forscht, gebe es keine elektronischen Daten dar\u00fcber, welche Medikamente im Krankenhaus verschrieben werden. Allenfalls Ergebnisse von Labortests und die Anzahl der Verstorbenen w\u00fcrden digital erfasst und selbst das in unterschiedlichen Registern.<\/p>\n<p>&quot;Au\u00dfer einigen Privatkrankenh\u00e4usern in S\u00fcdafrika und in wenigen Gro\u00dfst\u00e4dten verwendet fast kein afrikanisches Krankenhaus \u00fcberhaupt elektronische Patientenakten&quot;, so Jarvis. Und selbst wenn, sei die Datenqualit\u00e4t nur in den allerwenigsten F\u00e4lle so detailliert, wie Surgisphere behauptet.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die au\u00dfergew\u00f6hnlich gute Datenqualit\u00e4t l\u00e4sst aufhorchen. Auch die Quelle.<\/p>\n<p>Vor Ver\u00f6ffentlichung der Studie war die kleine Firma im US-Bundesstaat Illinois in der Wissenschaftswelt so gut wie unbekannt. Erstaunlich, dass ausgerechnet sie pl\u00f6tzlich \u00fcber diese gewaltige Datenbank mit Informationen von Zehntausenden Covid-19-Patienten aufwarten konnte.<\/p>\n<p>Wie hatte es ein Unternehmen mit nur einer Handvoll Mitarbeiter geschafft, Krankenh\u00e4user auf der ganzen Welt zu \u00fcberzeugen, sensible Patienteninformationen zu teilen und eine Datenbank zu unterhalten, f\u00fcr die andere Unternehmen Hunderte Mitarbeiter besch\u00e4ftigen? Vermutlich gar nicht, legen Indizien nahe, die unter anderem der &quot;Guardian&quot; zusammengetragen hat.<\/p>\n<h3>Unabh\u00e4ngige Pr\u00fcfung der Studie platzte<\/h3>\n<p>Je weiter die britischen Kollegen recherchierten, desto schneller begann das Fundament hinter der ganzen Geschichte zu br\u00f6ckeln. Denn bisher hat keine Klinik best\u00e4tigt, mit Surgisphere zusammenzuarbeiten. Im Gegenteil, alle bisher von Medien kontaktierten Krankenh\u00e4user gaben an, nicht an der Datenbank beteiligt zu sein. Mehrere Kliniken h\u00e4tten noch nicht einmal von dem Unternehmen geh\u00f6rt. Dabei wurden in den angeschriebenen Krankenh\u00e4usern besonders viele Covid-19-Patienten behandelt. Ohne die Daten aus diesen Kliniken auf so hohe Fallzahlen zu kommen, ist unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Die Studie ist mittlerweile zur\u00fcckgezogen. Zun\u00e4chst hatte der Chef von Surgisphere, Sapan Desai, der auch als Co-Autor der Studie genannt wird, eine unabh\u00e4ngige Untersuchung zugesagt. Das Versprechen entpuppte sich als wom\u00f6glich letzter Versuch, die Story vom erfolgreichen Kleinunternehmen aufrechtzuerhalten. Dabei hatte Surgisphere offenbar nie vor, Einsicht in die Daten zu gew\u00e4hren, weil das den Vertraulichkeitsvereinbarungen mit den Krankenh\u00e4usern widerspreche. Die unabh\u00e4ngige \u00dcberpr\u00fcfung platzte.<\/p>\n<p>Die Daten von Surgisphere waren auch die Grundlage f\u00fcr eine weitere Corona-Studie im ebenfalls renommierten Fachblatt &quot;New England Journal of Medicine&quot;, die Anfang Mai erschien. Auch sie wurde zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<h3>&quot;In der Tat ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Mann&quot;<\/h3>\n<p>Eine Datenbank mit Zigtausenden Patientendaten zu erfinden, mit ihnen Wissenschaftler zu versorgen, die dann in renommierten Magazinen Studien ver\u00f6ffentlichen, deren Grundlage Fantasie ist, w\u00e4re ein gewaltiger Skandal. Best\u00e4tigt sich der Verdacht, st\u00fcnde Sapan Desai als einer der hauptverd\u00e4chtigen Drahtzieher im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Der 41-j\u00e4hrige Gef\u00e4\u00dfchirurg ist in seiner beruflichen Laufbahn schon viel herumgekommen. Laut seinem Profil auf einer Jobplattform arbeitete er zun\u00e4chst an der Duke University, sp\u00e4ter an der University of Texas, an der Southern Illinois University und zwei Privatkrankenh\u00e4usern in Illinois.<\/p>\n<p>Seine Karriere startete vielversprechend. Als Student bekam er Stipendien, doch schon fr\u00fch begleitete ihn der Verdacht, den eigenen Lebenslauf aufzumotzen. So weckte 2010 ein Wikipedia-Eintrag \u00fcber Desai Zweifel. &quot;Wenn die H\u00e4lfte der Behauptungen in diesem Artikel wahr ist, ist er in der Tat ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Mann&quot;, schrieb einer der vielen Websiteredakteure, die die Onlineenzyklop\u00e4die &#8211; oft ehrenamtlich &#8211; nach nicht belegten Fakten durchsuchen. Der Eintrag \u00fcber den damals 31-j\u00e4hrigen Desai wurde zum L\u00f6schen markiert.<\/p>\n<p>Unter der Schirmherrschaft von Surgisphere gr\u00fcndete Desai im Jahr 2010 das Fachblatt &quot;Journal of Surgical Radiology&quot;. Nur drei Jahre sp\u00e4ter wurde das Blatt eingestellt. Er habe keine Zeit mehr, begr\u00fcndete Desai die Entscheidung.<\/p>\n<p>In der Wissenschaftswelt fanden die Artikel nur wenig Beachtung. Laut Scimago, einer Art Bewertungsdienst f\u00fcr Zeitschriften, wurden die Beitr\u00e4ge nur 29 Mal in anderen Fachaufs\u00e4tzen zitiert. Dabei war auf einer Firmenwebsite von Surgisphere die Rede von 50.000 Abonnenten und einer Million Seitenaufrufen im Monat. Beeindruckende Zahlen, die jedoch mittlerweile nicht mehr online aufrufbar sind.<\/p>\n<p>Das Fachblatt blieb l\u00e4ngst nicht Desais einziges Projekt. Er warb f\u00fcr ein Produkt, das die Hirnfunktion und die Kreativit\u00e4t ankurbeln sollte, aber es nie zur Marktreife brachte. In einem Science-Fiction-Blog fabulierte er \u00fcber den sparsamsten Weg, eine sinnvolle Pr\u00e4senz der Menschheit im Weltraum aufzubauen. Seine Datenbank k\u00f6nnte gar klinische Studien \u00fcberfl\u00fcssig machen, schw\u00e4rmte er.<\/p>\n<p>Nur wenige Wegbegleiter wollen sich zu dem vermeintlichen \u00dcberflieger noch \u00e4u\u00dfern. Die sp\u00e4rlichen Angaben zeichnen zwei Versionen des Gef\u00e4\u00dfchirurgen: Er sei ein begabter junger Mediziner, sagen die einen. Doch ein Forscher, der vor einigen Jahren mit Desai zusammengearbeitet hatte, aber namentlich nicht genannt werden will, sagte dem Fachblatt &quot;Science&quot;: Jeder, der Desai kenne, w\u00fcrde sagen, man habe kein gutes Gef\u00fchl bei ihm. Die meisten h\u00e4tten sich lieber von ihm ferngehalten.<\/p>\n<h3>&quot;Einfach darauf hereingefallen&quot;<\/h3>\n<p>Im Nachhinein l\u00e4sst sich das leicht sagen. Jedenfalls muss es Desai geschafft haben, in die richtigen Kreise zu kommen, um in einer so renommierten Fachzeitschrift wie &quot;Lancet&quot; publizieren zu k\u00f6nnen. Den Weg dorthin bahnte offenbar ein weiterer Mitautor der Studie und angeheirateter Verwandter von Desai, Amit Patel.<\/p>\n<p>Er soll Desai dem renommierten Mediziner Mandeep Mehra vorgestellt haben. Mehra arbeitet am Brigham and Women&#039;s Hospital in Boston, das zur Harvard Medical School geh\u00f6rt. Er scheint der Wissenschaftler mit den entscheidenden Kontakten gewesen zu sein &#8211; einer, der die Publikation in einem Fachblatt beschleunigen kann, gerade wenn es um Corona geht. Er wird auch als Hauptautor der Studie genannt. Patel und Mehra kannten sich aus Forschungskreisen, teilte das Brigham and Women&#039;s Hospital mit.<\/p>\n<p>&quot;Ich denke, er ist einfach darauf hereingefallen &#8211; vielleicht etwas naiv&quot;, sagt ein ehemaliger Kollege von Mehra, Daniel Goldstein vom Albert Einstein College of Medicine in New York ,dem Fachblatt &quot;Science&quot;. Angesichts der Datenmenge sei es auch nur schwer zu glauben, dass jemand so etwas fabrizieren kann.<\/p>\n<p>Desai hatte die Vorw\u00fcrfe gegen Surgisphere mehrfach zur\u00fcckgewiesen, \u00e4u\u00dferte sich in den vergangenen Tagen jedoch nicht mehr. Die \u00fcbrigen Autoren der &quot;Lancet&quot;-Studie haben offenbar mit Desai gebrochen. Unter der gemeinsamen Erkl\u00e4rung zum R\u00fcckzug der Studie fehlt seine Unterschrift. Selbst sein Verwandter Patel distanzierte sich \u00f6ffentlich von ihm und teilte \u00fcber Twitter mit, nichts dar\u00fcber zu wissen, was bei Surgisphere vor sich ging.<\/p>\n<p>Mehra hat die Zusammenarbeit mit Surgisphere \u00f6ffentlich bedauert. Er sei davon ausgegangen, dass die Firma im Besitz der Daten sei. Doch auch er k\u00f6nne nicht garantieren, dass die Prim\u00e4rdaten stimmen. &quot;Ich habe kein Vertrauen mehr in die Herkunft und die Richtigkeit der Daten oder in die Ergebnisse, zu denen sie gef\u00fchrt haben&quot;, sagte Mehra.<\/p>\n<p>Auch die anderen Autoren der &quot;Lancet&quot;-Studie verlie\u00dfen sich auf die Echtheit der Datenbank. Schlie\u00dflich hatte schon ein anderes Fachblatt eine Studie auf Grundlage der Daten ver\u00f6ffentlicht. Einer der Co-Autoren, Frank Ruschitzka, hatte \u00fcberhaupt keinen Kontakt zu Surgisphere, teilte dessen Arbeitgeber, das Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich, auf Anfrage des SPIEGEL mit. &quot;Es gab f\u00fcr ihn keinen Grund, an der Erhebung der Daten zu zweifeln, da f\u00fcr die Studie dieselbe Datenquelle verwendet wurde, wie f\u00fcr eine andere Studie, die am 1. Mai 2020 im &#039;New England Journal of Medicine&#039; publiziert worden ist&quot;, hei\u00dft es darin.<\/p>\n<h3>&quot;Man sollte bei Gott die Daten kennen&quot;<\/h3>\n<p>Die Enth\u00fcllungen gehen weit \u00fcber die zwei zur\u00fcckgezogenen Studien hinaus &#8211; sie stellen infrage, wie zuverl\u00e4ssig Studien in renommierten Fachbl\u00e4ttern \u00fcberhaupt sind und sein k\u00f6nnen, die eigentlich vor Ver\u00f6ffentlichung gepr\u00fcft werden sollen.<\/p>\n<p>Jerome Kassirer, einst langj\u00e4hriger Chefredakteur beim &quot;New England Journal of Medicine&quot;, nannte die Zusammensetzung des Forschungsteams gegen\u00fcber dem Fachblatt &quot;Science&quot; &quot;v\u00f6llig bizarr&quot;. Die Forscher hatten zuvor nie gemeinsam publiziert oder an denselben Instituten gearbeitet. F\u00fcr die Fachzeitschriften h\u00e4tte das eigentlich ein Alarmzeichen sein sollen. Auch das blinde Vertrauen der anderen Studienautoren sieht er kritisch. &quot;Wenn man ein Wissenschaftler ist und sich an einem Projekt beteiligt, sollte man bei Gott die Daten kennen.&quot;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich h\u00e4tten schon fr\u00fcher Zweifel an der Echtheit der Datenbank aufkommen k\u00f6nnen. So hatte Surgisphere auf Grundlage der Daten ein Tool entwickelt, das den wahrscheinlichen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung voraussagen sollte, um gerade in Entwicklungsl\u00e4ndern Ressourcen zu sparen. Die Idee: Je besser \u00c4rzte wissen, welcher Patient dringend Sauerstoff braucht und welcher auch ohne gute \u00dcberlebenschancen hat, umso mehr Menschen k\u00f6nnen gerettet werden.<\/p>\n<p>Laut Recherchen des Magazins &quot;The Scientist&quot; hatte ein Forscherteam, das eine \u00dcberblicksstudie \u00fcber genau solche Prognose-Tools ver\u00f6ffentlicht hat, die Anwendung von Surgisphere bewusst ausgelassen, weil sie Zweifel an der Echtheit der Daten hatten.<\/p>\n<h3>&quot;F\u00fcr unsere Patienten kann es kein gutes Ende geben&quot;<\/h3>\n<p>Der Skandal trifft die Nichtregierungsorganisation African Federation for Emergency Medicine (AFEM) besonders hart. Sie hatte die Entwicklung des Prognose-Tools von Surgisphere unterst\u00fctzt, um es Krankenh\u00e4usern in Afrika zur Verf\u00fcgung zu stellen. Nun mussten sie die Anwendung zur\u00fcckziehen. Es werde Monate dauern, ein \u00e4hnliches Tool zu entwickeln. &quot;Egal was bei der Untersuchung gegen Surgisphere rauskommt&quot;, sagte Lee Wallis von AFEM dem Magazin &quot;The Scientist&quot;, &quot;f\u00fcr unsere Patienten kann es in diesem Kontext kein gutes Ergebnis geben.&quot;<\/p>\n<p>Der Surgisphere-Skandal zeigt, unter welchem Druck die Forschung in der Coronakrise steht. In Zeiten der Pandemie sind alle Wissenschaftler bestrebt, Ergebnisse schnell zu teilen. Fatal, wenn daraus \u00fcbereilte Entscheidungen getroffen werden.<\/p>\n<p>So hatten weitere Studienergebnisse auf Basis der fragw\u00fcrdigen Surgisphere-Datenbank dazu beigetragen, dass der Wirkstoff Ivermectin, der eigentlich zur Behandlung von Wurmbefall zugelassen ist, in S\u00fcdamerika auch Covid-19-Patienten verabreicht wurde. Dabei war eine erste Version der Studie nicht einmal bei einem renommierten Fachblatt erschienen, sondern auf einem sogenannten Preprint-Server, auf dem quasi jeder Studienergebnisse hochladen kann.<\/p>\n<p>Die Autoren der &quot;Lancet&quot;-Studie haben \u00f6ffentlich um Entschuldigung gebeten. &quot;Wir alle haben uns im guten Glauben dieser Zusammenarbeit angeschlossen&quot;, schreiben sie in einer gemeinsamen Stellungnahme, &quot;um in einer Zeit gro\u00dfer Not w\u00e4hrend der Covid-19-Pandemie einen Beitrag zu leisten.&quot; Surgisphere-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Desai hat nicht unterschrieben.<\/p>\n<p><em>Mitarbeit: Hilmar Schmundt<\/em><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Wegen des Skandals um Surgisphere mussten entscheidende Corona-Studien zur\u00fcckgezogen werden Laurence Dutton\/ Getty Images Dies ist eine Geschichte, deren Rahmenhandlung menschlicher kaum sein k\u00f6nnte. 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