{"id":462,"date":"2020-06-14T09:06:40","date_gmt":"2020-06-14T06:06:40","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/london-rechtsextreme-proteste-kampf-um-die-statuen\/"},"modified":"2020-06-14T09:06:40","modified_gmt":"2020-06-14T06:06:40","slug":"london-rechtsextreme-proteste-kampf-um-die-statuen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/london-rechtsextreme-proteste-kampf-um-die-statuen\/","title":{"rendered":"London: Rechtsextreme Proteste &#8211; Kampf um die Statuen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/8b1e13ad-6cad-458c-8d23-e5f6091378c1_w948_r1.77_fpx67_fpy61.jpg\" title=\"Kriegsdenkmal Kenotaph in London: Rechtsextremen Gruppen, Kriegsveteranen, Hooligans\" alt=\"Kriegsdenkmal Kenotaph in London: Rechtsextremen Gruppen, Kriegsveteranen, Hooligans\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Kriegsdenkmal Kenotaph in London: Rechtsextremen Gruppen, Kriegsveteranen, Hooligans<\/p>\n<p> Dan Kitwood\/ Getty Images <\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Parliament Square in London wirkt am Samstag wie ein Platz vor einem Fu\u00dfballstadium. Tausende M\u00e4nner haben sich hier ab dem sp\u00e4ten Vormittag versammelt. Viele haben Plastikt\u00fcten mit Bierdosen dabei und stehen mit freiem Oberk\u00f6rper auf der Wiese. Sie seien aus allen Ecken von London angereist, sagen sie, weil sie Denkm\u00e4ler auf dem Platz &quot;sch\u00fctzen&quot; wollen. Doch die Statue von Winston Churchill wurde schon Tage zuvor mit grauen Brettern abgedeckt, nachdem vor einer Woche jemand w\u00e4hrend einer Demonstration von &quot;Black Lives Matter&quot; auf den Sockel unter Churchills Namen &quot;War ein Rassist&quot; gespr\u00fcht hatte.<\/p>\n<p>Dass es vielen dieser rechtsextremen Demonstranten und Hooligans nicht darum geht, etwas zu sch\u00fctzen, wird schnell klar. Sie werfen Flaschen und Feuerwerksk\u00f6rper auf Polizisten, schreien &quot;England, England&quot; und gehen aggressiv Journalisten und Photographen an, die im Verdacht stehen, f\u00fcr &quot;linke&quot; Medien zu arbeiten. Am Abend melden die Beh\u00f6rden, dass 15 Menschen, darunter zwei Polizisten, wegen Verletzungen behandelt werden mussten.<\/p>\n<p>Die unterschiedlichen rechtsextremen Gruppen, Kriegsveteranen und auch Fans und Hooligans von rivalisierenden Fu\u00dfballvereinen wurden in den letzten Tagen mobilisiert, weil sie sich in ihrer britischen Identit\u00e4t angegriffen f\u00fchlten. Sean, ein Mann von 58 Jahren, der sich als ein Hooligan des Londoner Fu\u00dfballvereins FC Chelsea ausweist, gibt zu, bis vor Kurzem noch nie im Leben etwas vom Sklavenh\u00e4ndler Edward Colston geh\u00f6rt zu haben. Doch als die Statue von Colston in Bristol gest\u00fcrzt wurde, f\u00fcrchtete er, dass etwas \u00c4hnliches auch mit anderen Statuen in London passieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&quot;Und geht es nicht um die Sklaverei, wir wollen die Kriegsdenkm\u00e4ler sch\u00fctzen&quot;, sagt er. Churchill ist f\u00fcr ihn Teil der glorreichen britischen Geschichte. Und er sagt, er sorge sich insbesondere um das Kriegsdenkmal Kenotaph, nachdem er Bilder gesehen habe, wie eine Demonstrantin versucht h\u00e4tte, die britische Fahne auf dem Denkmal anzuz\u00fcnden.<\/p>\n<h3>&quot;Wir sind doch Arbeiterklasse&quot;, sagt Sean<\/h3>\n<p>Sean und seine Kumpels k\u00f6nnen wenig mit der Rassismus-Debatte anfangen. Dass sie als wei\u00dfe Briten privilegiert seien? &quot;Wir sind doch Arbeiterklasse und wuchsen in Sozialwohnungen auf&quot;. Sean will aber im Unterschied zu vielen anderen Hools an diesem Tag nicht pr\u00fcgeln, sondern ist bereit, mit Journalisten zu reden und sogar mit jemandem, der die andere Seite vertritt.<\/p>\n<p>Calvin, der mit ihm spricht, ist ein junger Mathematikstudent aus London. Er ist schwarz und war schon auf mehreren Protesten von &quot;Black Lives Matter&quot;. Am Samstag steht er mit seinem Rad an Rande der Demo. Er will sich mit niemandem pr\u00fcgeln und keine Parolen rufen, sondern beobachten, was hier passiert. Zu den Statuen hat er aber eine klare Meinung. &quot;Colston war ein Sklavenh\u00e4ndler, es war n\u00f6tig, die Statue zu st\u00fcrzen, auch um mehr Aufmerksamkeit f\u00fcr unsere Proteste zu bekommen&quot;, sagt er. &quot;Auch in London gibt es viele Statuen von Menschen, die Rassisten waren. Sie m\u00fcssen alle entfernt werden&quot;.<\/p>\n<p>Das historische Erbe des Empire soll seiner Meinung nach aufgearbeitet werden. Er redet auch mit dem Fu\u00dfballfan Sean und h\u00f6rt ihm mehr zu, statt zu versuchen, die eigene Position zu verteidigen. Auf einem Platz mit Tausenden alkoholisierten und gewaltbereiten M\u00e4nnern k\u00f6nnte das auch schnell gef\u00e4hrlich werden.<\/p>\n<p>Doch so ein Gespr\u00e4ch ist eher eine Ausnahme an diesem Samstag. Auf dem Trafalgar Square musste sich die Polizei einmischen, um Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen kleineren Gruppen von Rechtsextremen und Aktivisten von &quot;Black Lives Matter&quot; zu verhindern. Die gro\u00dfe Anti-Rassismus-Demonstration war auf Freitag vorverlegt worden, um sich vor rechten &quot;Denkmalsch\u00fctzern&quot; zu sch\u00fctzen. Die Protestler gingen demonstrativ ruhig an den Denkm\u00e4lern vorbei und betonten, es gehe ihnen um Wichtigeres &#8211; um die Gleichheit und den strukturellen Rassismus in Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<h3>&quot;Das ist mein Land&quot;, sagt Duha Rodney<\/h3>\n<p>Die Vorverlegung dieser Demo wird am Samstag von vielen Rechten als Sieg gefeiert. &quot;Wo sind alle diese Linken? Sie haben sich in die Hose gemacht, weil sie gesehen haben, dass Millwall kommt&quot;, ruft ein Hooligan, der sich Jonny nennt. Er ist reichlich t\u00e4towiert, hat eine Narbe auf der rechten Wange und h\u00e4lt den Schal seines S\u00fcdlondoner Vereins Millwall FC hoch, das seit Jahren f\u00fcr besonders gewaltbereite und rechtsgesinnte Fans bekannt ist. Heute ist Jonny bereit, sich sogar mit seinen Erzrivalen, den Fans von West Ham United, abzufinden, und gegen gemeinsame Feinde, &quot;die linken Liberalen&quot;, vorzugehen. Von der Sklaverei und der britischen Kolonialgeschichte will er nichts wissen. &quot;Geschichte muss Geschichte sein&quot;, sagt er dazu nur.<\/p>\n<p>Der Streit um die Denkm\u00e4ler hat nach Wochen der Verunsicherung um die Quarant\u00e4ne und den Wirtschaftsabschwung die Emotionen hoch kochen lassen. W\u00e4hrend die rechten Protestler versuchen, ihre &quot;Heiligt\u00fcmer&quot; zu sch\u00fctzen, ist es f\u00fcr schwarze Aktivisten ein klarer Beweis vom Rassismus in Gro\u00dfbritannien. &quot;Wenn sie diese Statuen verteidigen, verteidigen die das Recht zu sagen: Wir sind besser als ihr&quot;, sagt Duha Rodney, eine 28-j\u00e4hrige Aktivistin von &quot;Black Lives Matter&quot;, die am Samstag mutig genug ist, zum Parliament Square zu kommen.<\/p>\n<p>Teile ihrer Familie kamen nach Gro\u00dfbritannien aus Indien und Jamaika. &quot;Ich bin hier geboren, das ist mein Land, aber es ist auf einem rassistischen Fundament gebaut&quot;. Statuen wie die von Churchill erinnern sie daran, dass die immer noch im Land der Kolonialisten lebe. &quot;Ich bin bereit, mit allen dar\u00fcber zu reden, um eine L\u00f6sung zu finden&quot;, sagt sie. &quot;Doch daf\u00fcr m\u00fcssen sie n\u00fcchtern sein. Und sie m\u00fcssen ihren Stolz zur Seite legen.&quot; Dieser Samstag hat aber au\u00dfer verh\u00e4rteten Fronten keine neuen Ergebnisse gebracht.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Kriegsdenkmal Kenotaph in London: Rechtsextremen Gruppen, Kriegsveteranen, Hooligans Dan Kitwood\/ Getty Images Der Parliament Square in London wirkt am Samstag wie ein Platz vor einem Fu\u00dfballstadium. 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