{"id":4601,"date":"2020-12-18T19:39:09","date_gmt":"2020-12-18T16:39:09","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-apotheker-erhalten-sechs-euro-pro-gratis-ffp2-maske\/"},"modified":"2020-12-18T19:39:09","modified_gmt":"2020-12-18T16:39:09","slug":"corona-apotheker-erhalten-sechs-euro-pro-gratis-ffp2-maske","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-apotheker-erhalten-sechs-euro-pro-gratis-ffp2-maske\/","title":{"rendered":"Corona: Apotheker erhalten sechs Euro pro Gratis-FFP2-Maske"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/fc949393-fa65-428d-8d22-bb185e8b6ba1_w948_r1.77_fpx33.34_fpy50.jpg\" title=\"Apotheker in Bielefeld: Sechs Euro f\u00fcr 60-Cent-Masken?\" alt=\"Apotheker in Bielefeld: Sechs Euro f\u00fcr 60-Cent-Masken?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Apotheker in Bielefeld: Sechs Euro f\u00fcr 60-Cent-Masken?<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Friso Gentsch \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer in diesen beschwerlichen Zeiten mal ein schallendes Lachen h\u00f6ren m\u00f6chte, kann sich in Oberottmarshausen nach Masken erkundigen. In der kleinen bayerischen Gemeinde hat das Familienunternehmen Siegmund seinen Sitz. Seit vergangenem Fr\u00fchjahr l\u00e4sst Firmenchef Daniel Siegmund Hunderte Millionen Masken an Krankenh\u00e4user, Pflegeheime und Privatpersonen ausliefern, vom Seidenschutz zur vorgew\u00f6lbten FFP2-Maske ist alles dabei. Derzeit aber geht in Oberottmarshausen so gut wie gar nichts mehr. \u00bbDie Apotheken haben uns v\u00f6llig leer ger\u00e4umt\u00ab, sagt Siegmund.<\/p>\n<p>Auf der Website seines Unternehmens prangt eine Warnung an potenzielle K\u00e4ufer: Aufgrund der kostenlosen Aktion des Gesundheitsministeriums ergebe sich eine Lieferzeit von \u00bb10 bis 20 Tagen\u00ab. Eine Mitarbeiterin prustet los, wenn man sie am Telefon nach dem aktuellen Lagerbestand fragt. Und in den Auftragsb\u00fcchern des Chefs stehen schon jetzt zehn Millionen Masken, die er vor Januar nicht ausliefern kann. \u00bbDer Spahn h\u00e4tte zumindest mal nachfragen k\u00f6nnen, bevor er so eine Aktion startet\u00ab, sagt Siegmund.<\/p>\n<h3>6 Euro Entsch\u00e4digung f\u00fcr 60-Cent-Masken?<\/h3>\n<p>Seit Dienstag erhalten rund 27 Millionen Deutsche aus Corona-Risikogruppen kostenlose FFP2-Masken in ihrer Apotheke. So hatte es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Ende November angek\u00fcndigt. \u00dcber 60-J\u00e4hrige und Menschen mit chronischen Erkrankungen k\u00f6nnen sich bis zum 6. Januar drei Exemplare gratis abholen. In der Theorie sollte f\u00fcr die insgesamt 81 Millionen Masken genug Angebot zur Verf\u00fcgung stehen \u2013 in der Praxis kommen Lieferanten wie Siegmund mit der Einfuhr oft kaum hinterher.<\/p>\n<p>Das liegt auch daran, dass der Schwabe seine Masken vergleichbar g\u00fcnstig abgibt. Zwischen 60 und 80 Cent bezahlen Apotheken pro Mund-Nasen-Schutz, je nach Menge und Lieferzeit mal mehr, mal weniger. Entsprechend gro\u00df ist die Nachfrage, zumal die Pharmazeuten auf diesen Kosten nicht sitzen bleiben. Der Bund bezahlt pauschal 491,4 Millionen Euro R\u00fcckerstattung an den Notdienst-Fonds des Apothekerverbands, der das Geld anschlie\u00dfend den Apothekern zukommen l\u00e4sst. Geteilt durch 81 Millionen Masken ergibt das einen St\u00fcckpreis von sechs Euro.<\/p>\n<p>F\u00fcr Lieferanten wie Siegmund ist das unverst\u00e4ndlich, derart hohe Margen seien auf dem freien Markt unerreichbar. Er sieht die Apotheker, seine Kunden, im aktuellen Lieferchaos deshalb auch als klare Gewinner: Wer f\u00fcr eine 60-Cent-Maske das Zehnfache zur\u00fcckbekomme, \u00bbmacht das gro\u00dfe Geld\u00ab, sagt Siegmund. Nur: Stimmt das auch?<\/p>\n<h3>Die Wut der Apotheker<\/h3>\n<p>Die Wahrheit ist komplizierter. Der Erstattungspreis je Maske betr\u00e4gt tats\u00e4chlich sechs Euro, allerdings muss er deutlich mehr abdecken als nur Material und Beschaffungskosten. Neben der Umsatzsteuer enthalte der Betrag auch anteilige Kosten f\u00fcr \u00bbBeratung und Kontrolle der Anspruchsberechtigung\u00ab, erkl\u00e4rt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Um den Andrang zu bew\u00e4ltigen, mussten Apotheker teils Studierende einstellen oder \u00e4ltere Kollegen aus der Rente zur\u00fcckholen. Und weil die Masken in der Regel nicht in Dreierb\u00fcndeln geliefert werden, werden sie oft vor Ort neu verpackt, auch das frisst Zeit und Arbeitskraft. Au\u00dferdem tragen die Apotheken ein unternehmerisches Risiko: \u00bbMasken, die nicht abgegeben werden, k\u00f6nnen auch nicht abgerechnet werden\u00ab, hei\u00dft es aus dem Ministerium. Die Preise d\u00fcrften wegen der hohen Nachfrage in den n\u00e4chsten Wochen ebenfalls steigen \u2013 die Erstattung aber bleibt gleich.<\/p>\n<p>Entsprechend w\u00fctend ist man in der Apothekerzunft \u00fcber den Vorwurf, man w\u00fcrde den Bund abzocken. \u00bbKlugschei\u00dfer, die das behaupten, gibt es immer\u00ab, sagt Friedemann Schmidt, Pr\u00e4sident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverb\u00e4nde, die Frage nach dem Geld k\u00f6nne er nicht mehr h\u00f6ren. \u00bbBei fast allen unseren Kollegen steigen derzeit die Personalkosten. Und wir sehen schon jetzt, dass Lieferanten teilweise h\u00f6here Preise verlangen.\u00ab Daf\u00fcr fehle jedes Verst\u00e4ndnis. \u00dcberhaupt hat Schmidt das Gef\u00fchl, dass er mit seinen Botschaften in der \u00d6ffentlichkeit im Moment nicht mehr durchdringt.<\/p>\n<p>Vor wenigen Tagen hatte er die Menschen im ganzen Land dazu aufgerufen, doch bitte nicht wegen der Gratismasken die Apotheken zu st\u00fcrmen \u2013 \u00bbvergeblich\u00ab, wie er sagt. Er hat beobachtet, wie die Kunden immer ungeduldiger wurden, und unversch\u00e4mter. K\u00f6nnte er sich etwas w\u00fcnschen, dann dass Spahn die Leute einmal \u00f6ffentlich zur Vernunft riefe. Stattdessen ist der Einzige, der redet, er selbst: \u00bbWir verschicken Durchhalteparolen ins ganze Land\u00ab, sagt Schmidt.<\/p>\n<h3>Eine schwierige Kalkulation<\/h3>\n<p>Menschen wie Markus S. k\u00f6nnen diese Unterst\u00fctzung gut gebrauchen. Wie viele seiner Kollegen und Kolleginnen wartet der Hamburger Apotheker derzeit dringend auf die n\u00e4chste Mundschutzlieferung. Obwohl er die knapp 3000 Masken, die er in den kommenden Tagen bekommen soll, von vier verschiedenen Firmen bezieht, ist sein Lager fast leer. Schuld sind nicht die Hersteller, sondern die Paketdienste, die mitten im Weihnachtsstress offenbar Schwierigkeiten bei der Zustellung haben.<\/p>\n<p>Zwischen 1,20 und 2,68 Euro bezahlt S. pro gelieferter Maske, sagt er, damit k\u00f6nnte er bei einer R\u00fcckerstattung in H\u00f6he von sechs Euro immer noch einen ordentlichen Gewinn machen. Tats\u00e4chlich rechnet er aber nur mit weniger als der H\u00e4lfte \u2013 und daf\u00fcr gibt es einen einfachen Grund. Die 491,4 Millionen Euro, die der Bund f\u00fcr die Erstattung auszahlt, werden anteilig verg\u00fctet. Und zwar danach, wie viele rezeptpflichtige Arzneipackungen eine Apotheke im 3. Quartal abgegeben hat. Je mehr Rezepte, desto mehr Geld gibt es. Das bedeutet: Jeder Pharmazeut kann nur eine begrenzte Anzahl von Gratismasken verteilen, bevor er jeden zus\u00e4tzlichen Mundschutz aus eigener Tasche bezahlt. Wer lediglich seinen Auftrag erf\u00fclle, sei rechtlich in Ordnung, sagt Verbandspr\u00e4sident Schmidt, \u00bbwir h\u00f6ren aber von einigen Kollegen, dass sie dar\u00fcber hinausgehen\u00ab. Unter ihnen ist auch Markus S.<\/p>\n<p>\u00bbWir versorgen deutlich mehr Patienten, als uns der Staat auftr\u00e4gt\u00ab, sagt der Hamburger Apotheker, er will bis auf Weiteres niemanden abweisen, der noch keine Masken bekommen hat. Vor Kurzem hat S. seine Kalkulation abgeschlossen, er kam auf einen Betrag von nur noch 2,90 Euro, den er je abgegebenem Mundschutz zur\u00fcckerstattet bekommt. Als es die Gratismasken noch nicht gab, die Liefernot und den Patientenansturm, verkaufte er die FFP2-Exemplare f\u00fcr etwa 2,50 Euro das St\u00fcck, sagt er. Der Preis f\u00fcr all die zus\u00e4tzlichen M\u00fchen liegt demnach f\u00fcr ihn bei schmalen 40 Cent.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Apotheker in Bielefeld: Sechs Euro f\u00fcr 60-Cent-Masken? Foto:\u2002Friso Gentsch \/ dpa Wer in diesen beschwerlichen Zeiten mal ein schallendes Lachen h\u00f6ren m\u00f6chte, kann sich in Oberottmarshausen nach Masken<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4602,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4601","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4601"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4601\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4602"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4601"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}