{"id":4560,"date":"2020-12-16T22:37:28","date_gmt":"2020-12-16T19:37:28","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-konnen-antigen-selbsttests-weihnachten-retten\/"},"modified":"2020-12-16T22:37:28","modified_gmt":"2020-12-16T19:37:28","slug":"coronavirus-konnen-antigen-selbsttests-weihnachten-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-konnen-antigen-selbsttests-weihnachten-retten\/","title":{"rendered":"Coronavirus: K\u00f6nnen Antigen-Selbsttests Weihnachten retten?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5917a131-1c54-438a-a3c9-8263ef766d4e_w948_r1.77_fpx31.27_fpy44.99.jpg\" title=\"Covid-19-Antigentest: Schnell noch testen vor Weihnachten?\" alt=\"Covid-19-Antigentest: Schnell noch testen vor Weihnachten?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Covid-19-Antigentest: Schnell noch testen vor Weihnachten?<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Georg Hochmuth \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Kurz vor dem Fest schnell noch ein St\u00e4bchen in den Rachen, und wer ein negatives Ergebnis hat, darf am Weihnachtstisch Platz nehmen: Die verlockende Idee, einen Corona-Schnelltest zu machen, um die Eltern oder Gro\u00dfeltern an Weihnachten nicht anzustecken, treibt derzeit viele um.<\/p>\n<p>Doch sind die Antigen-Schnelltests auch sicher? Oder lindern sie nur das schlechte Gewissen derer, die an Heiligabend trotz steigender Infektions- und Todeszahlen zur Familie fahren wollen? Diese Fragen sind nicht so einfach zu beantworten.<\/p>\n<h3>Keine Abgabe an Privatpersonen<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst einmal d\u00fcrfte der Gro\u00dfteil der Bundesb\u00fcrger bereits bei der Beschaffung eines solchen Tests scheitern: Antigen-Schnelltests sind in Deutschland nicht f\u00fcr Privatpersonen erh\u00e4ltlich. Laut aktueller Testverordnung stehen sie nur \u00c4rztinnen und Kliniken sowie Einrichtungen und Unternehmen zur Verf\u00fcgung, die dem Gesundheitsamt ein Testkonzept vorlegen, etwa Alten- oder Pflegeheime.<\/p>\n<p>Doch nat\u00fcrlich gibt es zahlreiche Anbieter, die ihre Tests auch im Netz verkaufen. Und in europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern wie etwa \u00d6sterreich k\u00f6nnen Antigentests in Apotheken gekauft werden.<\/p>\n<h3>Zweifelhafte Zuverl\u00e4ssigkeit von Onlinetests<\/h3>\n<p>Das Hauptproblem der Onlinetests d\u00fcrfte sein, dass zahlreiche Produkte nicht den durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Robert Koch-Institut (RKI) festgelegten Mindestkriterien entsprechen. Demnach m\u00fcssen Antigentests mindestens eine Sensitivit\u00e4t von mehr als 80 Prozent und eine Spezifit\u00e4t von mehr als 97 Prozent aufweisen, um in Deutschland zum Einsatz zu kommen. Das Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) f\u00fchrt eine gepr\u00fcfte Liste mit allen Herstellern, deren Test diesen Kriterien entspricht.<\/p>\n<p>Aus den Zahlen geht bereits hervor, dass die Zuverl\u00e4ssigkeit von Antigentests im Vergleich zu PCR-Tests um einiges geringer ist. Antigen-Schnelltests weisen nicht den Covid-19-Erreger selbst nach, sondern mit diesem verbundene Proteine. Ein Test mit einer Sensitivit\u00e4t von rund 80 Prozent erkennt 20 von 100 Corona-Positiven nicht. Auf der Liste des BfArM gibt es jedoch auch Tests mit einer Sensitivit\u00e4t von rund 98 Prozent \u2013 das hei\u00dft, bei etwa zwei von 100 Infizierten f\u00e4llt der Test falsch-negativ aus. Wenn ausgerechnet diese zwei an Heiligabend mit der Gro\u00dfmutter am Tisch sitzen, w\u00e4re das fatal.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte man also im Umkehrschluss nicht argumentieren, dass die 98, bei denen ein richtig-positives Ergebnis angezeigt wird, dann eben keine Gefahr mehr f\u00fcr andere sind? K\u00f6nnte man.<\/p>\n<h3>Selbstentnahme durch Laien kaum m\u00f6glich<\/h3>\n<p>Doch es gibt ein weiteres Problem solcher Antigen-Schnelltests f\u00fcr zu Hause: Die daf\u00fcr notwendige Probe wird per Nasen-Rachenabstrich entnommen. Ein Abstrichtupfer muss also sehr tief in den Rachen eingef\u00fchrt werden, um ausreichend Virusmenge zu erhalten \u2013 den Test bei sich selbst oder bei einem Familienmitglied durchzuf\u00fchren, ist also f\u00fcr Laien kaum m\u00f6glich.<\/p>\n<p>\u00bbDie Selbstabnahme durch nicht medizinisch geschultes Personal des Rachenhinterwandabstrichs kann aufgrund der eingeschr\u00e4nkten Abstrichqualit\u00e4t zu falsch-negativen Ergebnissen f\u00fchren\u00ab, sagt Jan Kramer, Internist und Laborarzt sowie stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM). Die dann falsche gef\u00fchlte Sicherheit k\u00f6nne zur Nicht-Beachtung der AHA+L-Regeln f\u00fchren und damit gerade die Infektion anderer ausl\u00f6sen. \u00bbWenn nicht medizinisch geschulte Menschen bei anderen einen Test abnehmen, besteht zudem die Gefahr, sich selbst oder andere im Rahmen der dabei auftretenden Aerosolbildung zu infizieren\u00ab, sagt Kramer.<\/p>\n<p>Auch niedergelassene \u00c4rztinnen und \u00c4rzte haben mehrfach vor Antigen-Selbsttests gewarnt. Durch Selbsttests erh\u00f6he sich die Rate an falsch-negativen Tests und die Gefahr von Superspreadern, hie\u00df es Anfang Dezember in einer Pressemitteilung des Virchowbunds. Die Abstriche k\u00f6nnten nur durch medizinisch geschultes Personal durchgef\u00fchrt werden. \u00bbEs w\u00e4re fatal, wenn Menschen nach einem fehlerhaften Selbstabstrich ein falsch-negatives Ergebnis erhalten und sich dadurch in tr\u00fcgerischer Sicherheit wiegen.\u00ab<\/p>\n<p>Wenn Expertinnen und Experten also dagegen sind, dass Laien einen Selbsttest durchf\u00fchren \u2013 warum bietet die Bundesregierung in den bereits in vielen St\u00e4dten eingerichteten Testzentren nicht Antigen-Schnelltests an? Dann k\u00f6nnten alle, die eine weitere Sicherheit f\u00fcr das Weihnachtsfest haben wollen, sich professionell testen lassen und damit zumindest die Unsicherheit der falschen Probenentnahme ausschlie\u00dfen. L\u00e4nder wie die Slowakei oder \u00d6sterreich haben solche landesweiten Antigen-Massentests bereits durchgef\u00fchrt. Auch Schottland setzt auf eine \u00e4hnliche Strategie vor Weihnachten.<\/p>\n<h3>Massentests in Deutschland derzeit ausgeschlossen<\/h3>\n<p>In Deutschland werden solche Massentestungen bisher abgelehnt und deren Nutzen infrage gestellt. Das Bundesgesundheitsministerium begr\u00fcndet das mit einem zielgerichteten Vorgehen beim Testen. \u00bbTesten ohne Anlass f\u00fchrt zu einem falschen Sicherheitsgef\u00fchl\u00ab, hei\u00dft es auf eine Anfrage. \u00bbDenn auch ein negativer Corona-Test ist nur eine Momentaufnahme und entbindet nicht von Hygiene- und Schutzma\u00dfnahmen.\u00ab<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund, warum im bev\u00f6lkerungsreichen Deutschland nicht einfach alle getestet werden k\u00f6nnen: Es gibt gar nicht genug Tests. Anfang Dezember war sich Gesundheitsminister Jens Spahn noch unsicher, ob es \u00fcberhaupt genug Tests f\u00fcr alle Alten- und Pflegeheime zu Weihnachten geben wird. Mehr als 80 Millionen Antigentests auf einmal bereitzustellen, ist derzeit wohl noch nicht m\u00f6glich. Immerhin: Am Mittwoch k\u00fcndigte die Bundesregierung an, ab sofort die Produktion von Corona-Schnelltests in Deutschland zu f\u00f6rdern. 200 Millionen Euro sollen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<h3>Richtiger Zeitpunkt entscheidend<\/h3>\n<p>Angenommen, man kommt an einen zertifizierten Antigentest und angenommen, die Frau des Bruders ist beim Roten Kreuz t\u00e4tig und kann die Abstrichprobe ad\u00e4quat durchf\u00fchren \u2013 dann gibt es immer noch eine Unsicherheit: der Zeitpunkt der Probenentnahme. \u00bbDer beste Zeitpunkt, um einen Antigentest zu benutzen, das sind die ersten f\u00fcnf Tage nach Symptombeginn\u00ab, sagte der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast Ende November. Seiner Meinung nach seien die Antigentests vor allem dann sinnvoll, wenn jemand Symptome habe und man wissen wolle, ob er an Covid-19 leide oder an einer anderen Erkrankung.<\/p>\n<p>Antigentests ben\u00f6tigen eine hohe Virusmenge, um eine getestete Person als positiv zu erkennen. Inzwischen wei\u00df man, dass dies rund zwei Tage vor bis zwei Tage nach Symptombeginn der Fall ist \u2013 dann ist die Person auch am infekti\u00f6sesten f\u00fcr andere. Doch nicht alle Menschen haben Symptome. \u00bbDas Problem bei Asymptomatischen ist halt immer, man wei\u00df nicht, ob man in der Fr\u00fchphase der Infektion testet\u00ab, sagte Drosten in dem Podcast. \u00bbAlso ob man den Test zur richtigen Zeit anwendet.\u00ab<\/p>\n<p>So w\u00fcrde man zwar bei einem Test an Heiligabend vermutlich diejenigen herausfiltern, die zu diesem Zeitpunkt sehr infekti\u00f6s sind. Doch bereits einen Tag sp\u00e4ter w\u00e4re dieses Testergebnis nicht mehr aktuell. \u00bbDas hei\u00dft, wenn man solche Antigentests f\u00fcr Familienbesuche benutzen will, dann muss man im Prinzip sich jeden Morgen damit testen\u00ab, sagte Drosten.<\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit gibt es laut Drosten dann doch, um eine m\u00f6glichst hohe Sicherheit herzustellen: die Vorquarant\u00e4ne. Wer seine Familie an Weihnachten besuchen wolle, k\u00f6nne freiwillig eine zehnt\u00e4gige Vorquarant\u00e4ne machen und sich an deren Ende per Antigentest \u00bbfreitesten\u00ab.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Covid-19-Antigentest: Schnell noch testen vor Weihnachten? 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