{"id":448,"date":"2020-06-13T13:05:19","date_gmt":"2020-06-13T10:05:19","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/treibstoff-fur-e-autos-am-oberrhein-gibt-es-streit-uber-die-lithium-forderung\/"},"modified":"2020-06-13T13:05:19","modified_gmt":"2020-06-13T10:05:19","slug":"treibstoff-fur-e-autos-am-oberrhein-gibt-es-streit-uber-die-lithium-forderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/treibstoff-fur-e-autos-am-oberrhein-gibt-es-streit-uber-die-lithium-forderung\/","title":{"rendered":"Treibstoff f\u00fcr E-Autos: Am Oberrhein gibt es Streit \u00fcber die Lithium-F\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/9db9ac3e-ffd6-4915-a0ae-88152d43150d_w948_r1.77_fpx45_fpy67.jpg\" title=\"Geothermie-Kraftwerk im rheinland-pf\u00e4lzischen Insheim: Liefert bis zu f\u00fcnf Megawatt Strom - und bald auch Lithium?\" alt=\"Geothermie-Kraftwerk im rheinland-pf\u00e4lzischen Insheim: Liefert bis zu f\u00fcnf Megawatt Strom - und bald auch Lithium?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Geothermie-Kraftwerk im rheinland-pf\u00e4lzischen Insheim: Liefert bis zu f\u00fcnf Megawatt Strom &#8211; und bald auch Lithium?<\/p>\n<p>Uwe Anspach\/ picture alliance \/ dpa<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist der Rohstoff f\u00fcr die elektrische Revolution: Lithium &#8211; fr\u00fcher blo\u00df aus Legierungen oder Psychopharmaka bekannt &#8211; ist heute essenzieller Bestandteil von Akkus, ob im Handy oder im E-Auto. Gerade wegen der Verwendung in der Elektromobilit\u00e4t ist das Alkalimetall inzwischen gefragt wie nie. Um die Abbaurechte ist ein weltweiter Wettstreit entbrannt, in dem sich deutsche Firmen behaupten wollen.<\/p>\n<p>Statt in Bolivien oder Chile k\u00f6nnten sie auch in Baden-W\u00fcrttemberg investieren, dem Kernland der deutschen Autoindustrie, das derzeit wegen der Coronakrise wirtschaftlich schwere Zeiten erlebt. Im Oberrheingraben steckt jede Menge Lithium, gel\u00f6st im Thermalwasser in Tausenden Metern Tiefe. Und gef\u00f6rdert wird das Wasser zwischen Frankfurt und Basel bereits vielerorts zur Strom- und W\u00e4rmeerzeugung. Geothermie nennt sich das Verfahren.<\/p>\n<p>Diesem Wasser will Horst Kreuter mit seiner Firma Vulcan Energy Resources k\u00fcnftig in gro\u00dfem Stil Lithium entziehen, ehe es wieder in den Untergrund zur\u00fcckflie\u00dft. Der Lithiumgehalt der salzhaltigen Br\u00fche, die mit Dutzenden Litern pro Sekunde an die Erdoberfl\u00e4che gelangt, sei daf\u00fcr hoch genug, versichert er.<\/p>\n<p>&quot;Der CO2-Abdruck dieser Produktion ist sogar negativ&quot;, wirbt der 63-j\u00e4hrige Ingenieur f\u00fcr seine Idee einer gro\u00df angelegten Lithiumgewinnung: Da durch das Thermalwasser mehr Energie als f\u00fcr die Gewinnung n\u00f6tig an die Oberfl\u00e4che gepumpt wird, k\u00f6nne ein Teil des Geothermie-Stroms f\u00fcr die Produktion eingesetzt werden und der restliche Teil ins Netz eingespeist werden. In S\u00fcdamerika oder Asien wird Lithium dagegen im Tagebau gef\u00f6rdert und mit Kohlestrom ausgekocht, den Transport nach Europa noch gar nicht eingerechnet. &quot;Das alles kann wegfallen&quot;, frohlockt Kreuter.<\/p>\n<h3>Potenzial f\u00fcr viele Tausend E-Autos<\/h3>\n<p>Der Oberrheingraben ist die geothermisch hei\u00dfeste Region Deutschlands. Die Vorkommen dort haben durchaus Potenzial &#8211; theoretisch auch f\u00fcr viele Tausende E-Autos deutscher Hersteller, wie Michael Schmidt von der Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) best\u00e4tigt. Ob dieses Potenzial genutzt werden kann, h\u00e4ngt jedoch auch davon ab, ob Projektfirmen es international konkurrenzf\u00e4hig f\u00f6rdern und anbieten k\u00f6nnen. Der Preis f\u00fcr Lithium, der jahrelang nur steil nach oben schoss, ist aktuell durch \u00dcberproduktion und wegen der krisenbedingt schwachen Nachfrage wieder etwas gesunken. Da stellt sich die Frage, ob sich die F\u00f6rderung aktuell \u00fcberhaupt lohnt.<\/p>\n<p>Insgesamt seien die Rahmenbedingungen grunds\u00e4tzlich gut, sagt Geologe Schmidt: Zum einen, weil es sich bei der Gewinnung erst mal nur &quot;um einen positiven Nebeneffekt der Geothermie&quot; handle. Zum anderen, weil die Nachfrage mit der zunehmenden Elektrisierung der Autoantriebe massiv steigen und mit der Klimadebatte auch die Frage des CO2-Abdrucks bei der Gewinnung und Produktion immer wichtiger werde. &quot;Da kann das naheliegende Angebot f\u00fcr europ\u00e4ische Autobauer durchaus attraktiv sein.&quot;<\/p>\n<p>Von der F\u00f6rderung f\u00fcr die Autoindustrie ist man bei Vulcan Energy noch ein gro\u00dfes St\u00fcck entfernt &#8211; und es gibt starke Konkurrenz. Wenige gro\u00dfe Abbaufirmen beherrschen den weltweiten Markt, in Deutschland gibt es zudem noch kleinere Mitbewerber: Ein Unternehmen in Sachsen will etwa im Erzgebirgsort Altenberg ein Bergwerk \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Dennoch spricht Kreuter bereits &quot;von den VWs dieser Welt&quot;, die an seiner Rohstoffquelle Interesse haben k\u00f6nnten. Am Geothermiekraftwerk Insheim in der Pfalz soll eine erste Pilotanlage zur Gewinnung von Lithiumhydroxid in Testbetrieb genommen werden. Hierzu gibt es eine Vereinbarung \u00fcber eine Kooperation mit einer Tochterfirma der Pfalzwerke. Kreuter will mit den Tests bereits bis Ende des Jahres beginnen.<\/p>\n<p>Das Europ\u00e4ische Institut f\u00fcr Innovation und Technologie (EIT) beteiligt sich \u00fcber seine Innovationsgemeinschaft Inno Energy mit einer sechsstelligen Summe an Kreuters Pl\u00e4nen. Der Chef der Inno Energy, Diego Pavia, sprach von &quot;einem wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Lithiumversorgung f\u00fcr die schnell wachsende europ\u00e4ische Batterieindustrie&quot;. Das Projekt diene dem europ\u00e4ischen &quot;Green Deal&quot;, also jener Idee, mit der Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen die EU bis 2050 klimaneutral machen will.<\/p>\n<p>Der Deutschland-Chef von EIT Inno Energy, Christian M\u00fcller, teilte mit: &quot;Durch dieses sowie die drei weiteren existierenden europ\u00e4ischen Projekte zum Lithiumabbau k\u00f6nnte Europa bis 2025 rund 80 Prozent seines Bedarfs aus eigenen Quellen abdecken.&quot;<\/p>\n<p>Die F\u00f6rderung der Batterietechnologie ist laut EIT Inno Energy auch im j\u00fcngst angek\u00fcndigten EU-Wiederaufbauplan in der Coronakrise wichtig. Das Institut geht davon aus, dass mittelfristig bis Ende 2022 EU-weit bis zu eine Million hochqualifizierte und sichere Jobs entstehen und das Marktvolumen auf rund 210 Milliarden Euro steigen k\u00f6nne. Das Bundeswirtschaftsministerium indes hat laut einer Sprecherin noch nicht entschieden, ob es auch deutsche Lithiumpl\u00e4ne f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Dutzende Kilometer s\u00fcdlich der Pfalz, in der Ortenau, treibt Vulcan Energy seine Pl\u00e4ne ebenfalls voran. Hier liegt eines von bislang zwei Gebieten, f\u00fcr das die Firma von den Beh\u00f6rden Bergrecht zur Erkundung des Bodenschatzes in der Region verliehen bekommen hat. Wenn alles glattgeht, will das Unternehmen, so Kreuter, in dem 300 Quadratkilometer gro\u00dfen Areal ab 2025 &quot;Tausende Tonnen des Ausgangsstoffs f\u00fcr Kathoden aus mehreren Geothermieprojekten&quot; f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>F\u00fcr die beiden in der Ortenau geplanten Kraftwerke wird Vulcan nach Einsch\u00e4tzung von Analysten bis in drei Jahren mehr als 300 Millionen Euro Kapital sammeln m\u00fcssen, hinzu kommt zus\u00e4tzlich eine \u00e4hnlich hohe Summe f\u00fcr die Lithiumgewinnung an sich. Ingenieur Kreuter sucht noch nach Investoren.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df der Bedarf an dem Rohstoff wom\u00f6glich schon bald wird, legte zuletzt eine Prognose des Karlsruher Fraunhofer-Instituts f\u00fcr System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag der BGR nahe: In der Studie gingen die Forscher bis zum Jahr 2035 im extremsten Fall vom dreieinhalbfachen Bedarf der heutigen Produktion aus, vor allem wegen steigender E-Mobilit\u00e4t. Die nun h\u00f6here Pr\u00e4mie f\u00fcr diese Fahrzeuge im Corona-Konjunkturpaket f\u00fchrt bereits jetzt zu einer steigenden Nachfrage.<\/p>\n<h3>&quot;Werden alles tun, um das zu verhindern&quot;<\/h3>\n<p>Aller Goldgr\u00e4berstimmung zum Trotz: Die Erkundung von Lagerst\u00e4tten und die Geothermie bergen Risiken. Was, wenn eine Bohrung nichts findet &#8211; oder gar schiefgeht? Beispiel: Staufen im Breisgau. Hier lie\u00df eine havarierte Geothermiebohrung von 2007 den Gips im Untergrund derart aufquellen, dass Hunderte H\u00e4user des pittoresken Rentnerst\u00e4dtchens angehoben wurden und Risse bekamen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit diesem Vorfall gibt es in der Region teils heftigen Widerstand gegen Geothermie &#8211; unter anderem von Richard Sch\u00fcler. Der CDU-Gemeinderat aus der Grenzstadt Kehl am Rhein ist deshalb auch auf die aktuellen Lithium-Pl\u00e4ne nicht gut zu sprechen: &quot;Sollten hier Antr\u00e4ge kommen, werden wir alles tun, um das zu verhindern.&quot; Er verweist auf ein Erdbeben 2019 nahe Stra\u00dfburg, das auf Geothermiebohrungen zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. Die Beteuerungen wie denen von Pfalzwerke geofuture, dass es sich um eine verantwortungsvolle und sichere Energiequelle handle, glaubt er nicht.<\/p>\n<p>Lithium-Sucher Kreuter h\u00e4lt die Risiken dagegen f\u00fcr beherrschbar &#8211; und will Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten. In Staufen sei eine oberfl\u00e4chennahe Bohrung missgl\u00fcckt, bei der f\u00fcr die Lithiumf\u00f6rderung geplante Tiefengeothermie l\u00e4gen 2000 bis 3000 Meter Gestein \u00fcber der Lagerst\u00e4tte. &quot;Da quillt im Fall des Falls auch nichts mehr.&quot; Der Ingenieur spricht von einem geschlossenen System. Es werde mit dem nach der Nutzung in einem Kraftwerk auf etwa 65 Grad abgek\u00fchlten Wasser Lithium zun\u00e4chst angereichert und anschlie\u00dfend zu Lithiumhydroxid weiterverarbeitet. Er hofft sogar, dass es sich um eine st\u00e4ndig selbst erneuernde Quelle handeln k\u00f6nnte, in der das zur\u00fcckgeleitete Thermalwasser wieder Lithium aus dem Gestein herausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Da ist auch BGR-Geologe Schmidt vorsichtiger. &quot;Theoretisch ist so etwas m\u00f6glich. Aber eine fundierte Beantwortung dieser Frage erfordert weitergehende wissenschaftliche Untersuchungen.&quot; Und auch Schmidt wei\u00df: &quot;Wir haben in Deutschland keinen Bergbau mehr wie noch vor 40 Jahren, somit k\u00f6nnte die Akzeptanz eine andere sein als etwa in L\u00e4ndern, in denen Bergbau einen ma\u00dfgeblichen Wirtschaftszweig darstellt.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Geothermie-Kraftwerk im rheinland-pf\u00e4lzischen Insheim: Liefert bis zu f\u00fcnf Megawatt Strom &#8211; und bald auch Lithium? 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