{"id":4227,"date":"2020-12-01T19:37:01","date_gmt":"2020-12-01T16:37:01","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/change-5-ist-gelandet-china-ist-die-neue-macht-auf-dem-mond\/"},"modified":"2020-12-01T19:37:01","modified_gmt":"2020-12-01T16:37:01","slug":"change-5-ist-gelandet-china-ist-die-neue-macht-auf-dem-mond","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/change-5-ist-gelandet-china-ist-die-neue-macht-auf-dem-mond\/","title":{"rendered":"Chang\u2019e 5 ist gelandet: China ist die neue Macht auf dem Mond"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5b97e816-2047-4443-8984-6c11ee3424fc_w948_r1.77_fpx47_fpy50.jpg\" title=\"Grafische Darstellung von \u00bbChang&#039;e 5\u00ab auf dem Mond: Steine sammeln im Meer der St\u00fcrme\" alt=\"Grafische Darstellung von \u00bbChang&#039;e 5\u00ab auf dem Mond: Steine sammeln im Meer der St\u00fcrme\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Grafische Darstellung von \u00bbChang&#039;e 5\u00ab auf dem Mond: Steine sammeln im Meer der St\u00fcrme<\/p>\n<p>  Foto:\u2002CNSA \/ CLEP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Geboren in Stargard in Mecklenburg, Jobs in Hamburg, dem australischen Bundesstaat New South Wales, London, Lissabon \u2013 Carl R\u00fcmker war schon im 19. Jahrhundert ein echter Kosmopolit. Und ein Experte f\u00fcr den Kosmos. Unter anderem erstellte der Astronom einen Sternkatalog mit vielen tausend Eintr\u00e4gen. Mehr als 70 Jahre nach seinem Tod wurde dem deutschen Forscher eine hohe Ehre zuteil: Im Jahr 1935 wurde ein Vulkanberg auf dem Mond nach ihm benannt. Er liegt in der Ebene Oceanus Procellarum, dem Meer der St\u00fcrme, im Nordwesten der erdzugewandten Seite des Erdtrabanten.<\/p>\n<p>Unweit dieses Mons R\u00fcmker ist nun die chinesische Mondsonde \u00bbChang&#039;e 5\u00ab gelandet, wie Chinas Staatssender CCTV meldete. Das Besondere an der Mission: Der Forschungsroboter soll im Boden nach Mondgestein bohren und das Material bereits in wenigen Tagen wieder zur Erde zur\u00fcckbringen. Es w\u00e4re das erste Mal seit mehr als 40 Jahren, dass Forscher neue Proben von unserem Nachbarn im All bekommen \u2013 und ein weiterer Schritt in Chinas ambitioniertem Mondprogramm, das bereits mit einer Landung auf der erdabgewandten Mondseite und zwei Roboterautos f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt hat.<\/p>\n<p>Sollte die aktuelle Mission erfolgreich verlaufen, w\u00e4re China das dritte Land nach den USA und der Sowjetunion, dem eine R\u00fcckf\u00fchrung von Mondproben zur Erde gelingt. Die Amerikaner brachten mit ihren \u00bbApollo\u00ab-Astronauten insgesamt 382 Kilogramm Mondgestein von sechs verschiedenen Landestellen zur\u00fcck. An den Proben wird bis heute geforscht, nur ein Teil von ihnen wurde bisher \u00fcberhaupt ge\u00f6ffnet. Drei \u00bbLuna\u00ab-Robotersonden der Sowjets sammelten weitere 326 Gramm ein. Au\u00dferdem stehen der Forschung rund 190 Kilogramm Meteoritenmaterial zur Verf\u00fcgung, das bei Einschl\u00e4gen auf dem Mond zur Erde geschleudert wurde.<\/p>\n<p>Die Chinesen wollen nun rund zwei Kilogramm Mondmaterial einsammeln. Dabei soll es sich zum einen um Staub und Ger\u00f6ll von der Oberfl\u00e4che handeln, zum anderen um mindestens einen Gesteinskern, den man mit einem Wolframcarbid-Bohrkopf aus bis zu zwei Metern Tiefe holen will.<\/p>\n<p>Der Forscher Timothy Glotch von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York kennt die Stelle besonders gut, an der \u00bbChang&#039;e 5\u00ab nun aufgesetzt ist. Zusammen mit chinesischen Kollegen hat er einen Fachartikel dazu \u00fcber Geologie des Gebietes ver\u00f6ffentlicht. \u00bbDies ist ein relativ sicherer und ebener Landeplatz\u00ab, erkl\u00e4rt Glotch im Gespr\u00e4ch mit dem SPIEGEL. Das liege daran, dass in dem Gebiet nur vergleichsweise wenige gro\u00dfe Gesteinsbrocken zu finden sind. Au\u00dferdem gebe es eher wenige Krater. Das wiederum habe damit zu tun, dass die Oberfl\u00e4che der Region deutlich l\u00e4nger als andere Teile des Mondes durch vulkanische Aktivit\u00e4ten gepr\u00e4gt war.<\/p>\n<h3>Junge Gesteine<\/h3>\n<p>Heute erscheint uns der Erdtrabant kalt und tot, einst schwappte dort ein Magma-Ozean, spien \u00fcber mehrere Milliarden Jahre teils m\u00e4chtige Vulkane Feuer. Manche Forscher gehen davon aus, dass es in einigen Bereichen noch vor 100 Millionen Jahren vulkanische Aktivit\u00e4t gegeben hat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die bisher auf der Erde untersuchten Mondproben zwischen 3,2 und 4,6 Milliarden Jahre alt sind, k\u00f6nnte es am Mons R\u00fcmker auch Material geben, das h\u00f6chstens zwei Milliarden Jahre alt ist. \u00bbDas geringe Alter dieser Gesteine macht sie interessant. Sie geh\u00f6ren zu den j\u00fcngsten auf dem ganzen Mond\u00ab, erkl\u00e4rt Glotch. Geologen k\u00f6nnten deswegen auf diese Weise etwas \u00fcber den sp\u00e4ten Vulkanismus dort lernen \u2013 und dar\u00fcber, wie der Himmelsk\u00f6rper \u00fcber die Zeit seine W\u00e4rme abgegeben hat. Diese Erkenntnisse lie\u00dfen sich auch auf andere Felsplaneten im inneren Sonnensystem \u00fcbertragen, so Glotch.<\/p>\n<p>Die Gesteine sind aber auch auf einer fundamentalen Ebene sehr spannend: Bisher hat die Wissenschaft die Geschichte des Mondes zu einem guten Teil anhand der Einschl\u00e4ge auf seiner Oberfl\u00e4che beleuchtet. Bereiche mit vielen Kratern sind sehr alt, solche mit weniger Einschlagmarken deutlich j\u00fcnger. Geeicht wurde diese Chronologie mit chemischen Untersuchungen der Mondproben des \u00bbApollo\u00ab- und \u00bbLuna\u00ab-Materials. Wenn dazu nun die deutlich j\u00fcngeren \u00bbChang&#039;e\u00ab-Gesteine kommen, sei es gut m\u00f6glich, dass die Geschichte des Mondes \u00fcber wom\u00f6glich Hunderte Millionen von Jahren neu geschrieben werden muss, so Glotch.<\/p>\n<p>Doch daf\u00fcr m\u00fcssen die Chinesen die Proben erst mal einsammeln. Ob die Man\u00f6ver klappen, wird Chinas Raumfahrtbeh\u00f6rde CNSA wohl schon bald vermelden. Zuerst soll gebohrt werden, dann wird das Oberfl\u00e4chenmaterial mit einer Schaufel eingesammelt. Beide Aktionen d\u00fcrften noch am Dienstag stattfinden. Grund f\u00fcr die Eile ist wohl die Angst der chinesischen Raumfahrtexperten, die mechanischen Teile der Sonde k\u00f6nnten durch die starken Temperaturunterschiede auf dem Mond Schaden nehmen.<\/p>\n<p>Am Donnerstag, so vermuten es Beobachter, soll die Aufstiegstufe von \u00bbChang&#039;e 5\u00ab dann wieder von der Oberfl\u00e4che abheben. In der Mondumlaufbahn werden die Proben dann in eine R\u00fcckkehrkapsel umgeladen, die sie zur\u00fcck zur Erde bringt. Die Landung ist etwa zehn Tage sp\u00e4ter in den Hochebenen der Inneren Mongolei geplant, einer autonomen Region im Nordosten Chinas.<\/p>\n<p>Westliche Experten finden den Ansatz der Chinesen bemerkenswert. \u00bbDiese Mission ist komplizierter, als sie eigentlich sein m\u00fcsste\u00ab, sagt Mark McCaughrean, leitender wissenschaftlicher Berater der Europ\u00e4ischen Weltraumorganisation (Esa) im Gespr\u00e4ch mit dem SPIEGEL. \u00bbSie hat ziemlich viel mit den \u203aApollo\u2039-Missionen gemein und ist eindeutig als ein weiterer Schritt in Richtung einer Mission mit menschlicher Besatzung ausgelegt.\u00ab<\/p>\n<h3>Langfristige Ambitionen<\/h3>\n<p>Die Europ\u00e4er unterst\u00fctzen die chinesische Mondfahrt mit den riesigen Antennen ihres weltweiten Kommunikationsnetzwerks. Sie wollen mit Peking so gut es geht kooperieren. Denn dort hat man auf dem Mond noch viel vor: Neben den USA, die zumindest unter dem scheidenden Pr\u00e4sidenten Donald Trump eine bemannte Mondlandung bis 2024 angestrebt hatten, plant auch China, Menschen zum Mond zu schicken. Und zwar, wie die Amerikaner, nicht nur f\u00fcr einen Kurzausflug.<\/p>\n<p>Angedacht ist eine langfristige Pr\u00e4senz, auch wenn es daf\u00fcr bisher noch kein offizielles Datum gibt. \u00bbWir werden bestimmen, wann eine bemannte Mondlandung durchgef\u00fchrt werden soll, basierend auf den wissenschaftlichen Bed\u00fcrfnissen und den technischen und wirtschaftlichen Bedingungen\u00ab, so Pei Zhaoyu, stellvertretender Direktor des Zentrums f\u00fcr Mondexploration und Weltraumtechnik bei der Nationalen Raumfahrtbeh\u00f6rde Chinas.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Amerikaner wegen eines Kongressbeschlusses nicht direkt mit den Chinesen zusammenarbeiten d\u00fcrfen, hofft man in Europa auf Kooperationen mit beiden Seiten. Bevor eines Tages Menschen fliegen, werden aber erst noch einige Roboter auf dem Mond landen. Als n\u00e4chstes Ziel daf\u00fcr hat man in Peking die S\u00fcdpolregion des Erdtrabanten ins Auge gefasst. \u00bbNiemand ist bis jetzt dort gelandet\u00ab, sagt Esa-Mann McCaughrean.<\/p>\n<p>Dieses Areal des Mondes interessiert Wissenschaftler und Raumfahrtmanager gleicherma\u00dfen. Dort d\u00fcrfte es, tief in schattigen Kratern und im Untergrund verborgen, bis heute gr\u00f6\u00dfere Mengen an Wassereis geben. Diese k\u00f6nnten, in Form von Wasserstoff und Sauerstoff, Raketensprit f\u00fcr weite Reisen ins All liefern \u2013 oder Wasser f\u00fcr menschliche Au\u00dfenposten auf dem Mond.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Grafische Darstellung von \u00bbChang&#039;e 5\u00ab auf dem Mond: Steine sammeln im Meer der St\u00fcrme Foto:\u2002CNSA \/ CLEP Geboren in Stargard in Mecklenburg, Jobs in Hamburg, dem australischen Bundesstaat<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4228,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4227","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4227"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4227\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4228"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}