{"id":4159,"date":"2020-11-28T15:52:30","date_gmt":"2020-11-28T12:52:30","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/stuttgart-die-grunen-haben-bei-der-oberburgermeisterwahl-versagt\/"},"modified":"2020-11-28T15:52:30","modified_gmt":"2020-11-28T12:52:30","slug":"stuttgart-die-grunen-haben-bei-der-oberburgermeisterwahl-versagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/stuttgart-die-grunen-haben-bei-der-oberburgermeisterwahl-versagt\/","title":{"rendered":"Stuttgart: Die Gr\u00fcnen haben bei der Oberb\u00fcrgermeisterwahl versagt"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/4d1c703b-c669-44f0-ae18-c6f82d434953_w948_r1.77_fpx33.34_fpy50.jpg\" title=\"Veronika Kienzle wollte Oberb\u00fcrgermeisterin von Stuttgart werden \u2013 doch sie hat aufgegeben\" alt=\"Veronika Kienzle wollte Oberb\u00fcrgermeisterin von Stuttgart werden \u2013 doch sie hat aufgegeben\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Veronika Kienzle wollte Oberb\u00fcrgermeisterin von Stuttgart werden \u2013 doch sie hat aufgegeben<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Arnulf Hettrich \/ imago images\/Arnulf Hettrich  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor sieben Jahren wurde in Deutschland der erste gr\u00fcne Oberb\u00fcrgermeister einer Landeshauptstadt gew\u00e4hlt. Der Gew\u00e4hlte hie\u00df Fritz Kuhn, die Stadt Stuttgart. Und wiederum zwei Jahre zuvor war der Gr\u00fcne Winfried Kretschmann zum Ministerpr\u00e4sidenten Baden-W\u00fcrttembergs gew\u00e4hlt worden.<\/p>\n<p>Das Land und seine Hauptstadt \u2013 gr\u00fcne Musterbeispiele. In Baden-W\u00fcrttemberg ist die Partei l\u00e4ngst, was sie im Bund schon bald werden will, n\u00e4mlich w\u00e4hlbar f\u00fcr die von Parteichef Robert Habeck vielzitierte &quot;Breite der Gesellschaft&quot;.<\/p>\n<p>Doch ausgerechnet jetzt, mitten im bundesweiten Gr\u00fcnen-Hoch vor dem Superwahljahr 2021, beginnt den Gr\u00fcnen die Macht in ihrem Musterl\u00e4ndle zu entgleiten.<\/p>\n<h3>Gr\u00fcne weit hinter der CDU<\/h3>\n<p>Wenn an diesem Sonntag die Stuttgarterinnen und Stuttgarter aufgerufen sind, ihr neues Stadtoberhaupt zu w\u00e4hlen, dann steht \u2013 nach sieben Jahren gr\u00fcner Regentschaft in Stuttgart \u2013 gar keine Gr\u00fcne mehr auf dem Wahlzettel.<\/p>\n<p>Denn im ersten Wahlgang Anfang November landeten die Gr\u00fcnen mit ihrer Spitzenkandidatin <strong>Veronika Kienzle<\/strong> bei nur rund 17 Prozent der Stimmen. Weit abgeschlagen hinter dem CDU-Kandidaten <strong>Frank Nopper<\/strong>, der fast 32 Prozent holte, nur kurz vor <strong>Marian Schreier<\/strong>, dem 30-j\u00e4hrigen SPD-B\u00fcrgermeister aus dem 5000-Einwohner-St\u00e4dtchen Tengen.<\/p>\n<p>Schreier trat zudem ohne die Unterst\u00fctzung seiner Partei an und kam doch auf 15 Prozent. Und dann ist da noch <strong>Hannes Rockenbauch <\/strong>vom parteifreien B\u00fcndnis S\u00d6S (\u00bbStuttgart \u00d6kologisch Sozial\u00ab), er erhielt 14 Prozent.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gr\u00fcnen im S\u00fcdwesten ist das ein besch\u00e4mendes Ergebnis. Wer den Anspruch hat, die CDU zu schlagen, der sollte nicht ganze 14 Prozentpunkte hinter ihr landen.<\/p>\n<p>Die Geschichte der verlorenen Oberb\u00fcrgermeisterwahl ist auch eine Geschichte \u00fcber ein Versagen der Gr\u00fcnen. W\u00e4hrend sie in Nordrhein-Westfalen kommunalpolitisch erste gro\u00dfe Erfolge feiern konnten, baut die Partei in Baden-W\u00fcrttemberg ab.<\/p>\n<p>Noch immer gilt dort das Amt des Stuttgarter Oberb\u00fcrgermeisters als das zweitwichtigste im Land, nach dem des Ministerpr\u00e4sidenten. Und im n\u00e4chsten M\u00e4rz schon sind in Baden-W\u00fcrttemberg Landtagswahlen. Ein Sieg in Stuttgart w\u00e4re eine sch\u00f6ne Rampe gewesen.<\/p>\n<h3>Was ist geschehen?<\/h3>\n<p>Die Gr\u00fcnen haben viel falsch gemacht bei der Stuttgart-Wahl. Den ersten gro\u00dfen Fehler machten sie im Januar, als Kuhn bekannt gab, nicht noch einmal antreten zu wollen. Die Partei war \u00fcberrascht und \u00fcberrumpelt.<\/p>\n<p>Habeck und Kretschmann hatten beide damit gerechnet, dass Kuhn weitermachen w\u00fcrde. Gedanken \u00fcber m\u00f6gliche Nachfolgekandidaten hat sich offenbar niemand gemacht.<\/p>\n<p>Dann folgte eine wilde Kandidatenjagd. Der Kreisverband holte sich eine Absage nach der anderen ab.<\/p>\n<p>Cem \u00d6zdemir wurde gefragt, er wollte nicht, Gr\u00fcnen-Landtagspr\u00e4sidentin Muhterem Aras auch nicht.<\/p>\n<p>Eine eilig berufene \u00bbFindungskommission\u00ab sollte es richten. Am Ende standen einige Namen auf der Liste, die Gr\u00fcnen entschieden sich f\u00fcr Veronika Kienzle. Eine bis dato unbekannte Frau, die Bezirksvorsteherin des Stuttgarter Stadtteils Mitte ist.<\/p>\n<p>Es wirkte, als sei nur sie \u00fcbrig geblieben, als wolle die Partei sie eigentlich nicht. Aber es habe sich eben niemand sonst gefunden.<\/p>\n<p>Schlechte Voraussetzungen f\u00fcr einen Wahlkampf. Ob Veronika Kienzle die richtige Kandidatin war, dar\u00fcber l\u00e4sst sich streiten. Bei den Gr\u00fcnen m\u00f6chte auch hinter vorgehaltener Hand niemand von einer falschen Wahl sprechen, vielmehr sei Kienzle Opfer der Umst\u00e4nde geworden.<\/p>\n<p>Verantwortlich gemacht wird vor allem Kuhn, der seine Partei vor vollendete Tatsachen gestellt habe. Doch auch der Wahlkampf selbst lief nicht gut. Die Gr\u00fcnen hatten zu wenig Geld eingeplant, wegen der Coronakrise konnten viele geplante Veranstaltungen nicht stattfinden, die Kandidatin machte Fehler.<\/p>\n<h3>Kienzle lachte<\/h3>\n<p>Kienzle hat eine Eurythmie-Ausbildung gemacht. Eurythmie ist ein Tanz, der an Waldorf-Schulen gelehrt wird. Ob sie ihr Wahlprogramm auch tanzen k\u00f6nne, wollte ein Reporter der \u00bbStuttgarter Zeitung\u00ab von ihr wissen. Kienzle lachte und sagte: \u00bbJa, das k\u00f6nnte ich.\u00ab<\/p>\n<p>Selbst im anthroposophisch gepr\u00e4gten Stuttgart wirkte die Antwort albern. Kienzle sagte von sich selbst, sie habe studiert, aber sie war nicht an einer klassischen Universit\u00e4t oder Fachhochschule, sondern einer Berufsfachschule.<\/p>\n<p>In der Berliner Zentrale wuchsen die Sorgen, je n\u00e4her der Wahltermin r\u00fcckte. Parteichefin Annalena Baerbock sollte Kienzle noch unterst\u00fctzen, wegen Corona nat\u00fcrlich virtuell, aber es war zu sp\u00e4t. Kienzle verlor die Wahl deutlich. \u00bbDas Ergebnis war leider deutlich unter dem, was wir uns erhofft haben\u00ab, so \u00d6zdemir zum SPIEGEL.<\/p>\n<p>Kienzle erkl\u00e4rte noch am Wahlabend, sie wolle im zweiten Wahlgang erneut antreten. Das irritierte die anderen progressiven Bewerber Schreier und Rockenbauch.<\/p>\n<p>Kienzles n\u00e4chster Fehler.<\/p>\n<p>Vor den Verhandlungen mit Schreier und Rockenbauch musste sie nach SPIEGEL-Informationen zur\u00fcckrudern. Schlie\u00dflich erkl\u00e4rte allein sie, nicht antreten zu wollen. Die besten Chancen, doch noch gegen den CDU-Mann Nopper zu gewinnen, hat inzwischen Schreier.<\/p>\n<h3>Glaube an Kretschmann ist ungebrochen<\/h3>\n<p>Stuttgart ist eine gr\u00fcn-schwarze Stadt, konservativ, aber mit \u00f6kologischem Bewusstsein. So wie die S\u00fcdwest-Gr\u00fcnen. Doch gute Ausgangsbedingungen reichen nicht, um Wahlen zu gewinnen.<\/p>\n<p>Rezzo Schlauch, fr\u00fcher Fraktionschef der Gr\u00fcnen im Bundestag und gr\u00fcnes Urgestein, kritisierte in der \u00bbStuttgarter Zeitung\u00ab: Die Partei in Baden-W\u00fcrttemberg sei \u00bbsatt und selbstzufrieden\u00ab geworden. Er vermisse die \u00bbProfessionalit\u00e4t der Parteigremien\u00ab.<\/p>\n<p>Stuttgart ist nicht die erste Hochburg, die den Gr\u00fcnen verloren geht. Vor zwei Jahren konnte Dieter Salomon das Oberb\u00fcrgermeisteramt in Freiburg nicht halten.<\/p>\n<p>Trotzdem glauben viele Gr\u00fcne unersch\u00fctterlich daran, dass Kretschmann die Landtagswahlen im M\u00e4rz gewinnen wird. Als seien die Gr\u00fcnen und Baden-W\u00fcrttemberg wie Bayern und die CSU. Die Wahl in Stuttgart aber zeigt, dass sie genau das nicht sind.<\/p>\n<p>F\u00fchrende Gr\u00fcne in Baden-W\u00fcrttemberg hoffen, dass die Oberb\u00fcrgermeisterwahl Warnung genug an die Partei ist, nicht im tr\u00e4gen Habitus der Macht zu verharren. Denn die Landtagswahl m\u00fcssen die Gr\u00fcnen gewinnen.<\/p>\n<p>Auch von dem Ergebnis wird abh\u00e4ngen, ob sie sich trauen, im Bund einen Kanzlerkandidaten oder eine Kanzlerkandidatin aufzustellen.<\/p>\n<p>Doch selbst wenn Kretschmann sein Amt verteidigen kann, steht schon bald die Frage nach der Nachfolgerin oder dem Nachfolger an. Die M\u00f6glichkeiten sind \u00fcberschaubar.<\/p>\n<p>In Berlin gibt es nur einen, dem sie das Amt zutrauen. Das ist Cem \u00d6zdemir. Doch ob er will, ist offen. Will er nicht, k\u00f6nnte es schwer werden f\u00fcr die Gr\u00fcnen im L\u00e4ndle.  <\/p>\n<h3>Nachwuchsprobleme gibt&#039;s auch in Berlin<\/h3>\n<p>Nicht nur in Baden-W\u00fcrttemberg zeichnen sich Erneuerungsprobleme ab. In Berlin haben die Gr\u00fcnen Bettina Jarasch als Spitzenkandidatin f\u00fcr das Amt der Regierenden B\u00fcrgermeisterin aufgestellt.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb der politisch interessierten Stadtgesellschaft kennt sie kaum jemand, sie wird wahrscheinlich gegen Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Klaus Lederer (Linke) antreten m\u00fcssen. Beide sind charismatisch, beliebt, b\u00fcrgernah. Sie zu schlagen, wird schwer, selbst mit dem Momentum, das die Partei derzeit hat.<\/p>\n<p>Die Bundesgr\u00fcnen k\u00f6nnen daraus lernen, wie man es nicht macht. Und sich rechtzeitig um die Baerbock-Habeck-Nachfolge im Vorsitz k\u00fcmmern, im n\u00e4chsten Jahr finden bei den Gr\u00fcnen wieder Personalwahlen statt. Gut m\u00f6glich, dass es an der Spitze einen Wechsel gibt \u2013 vorausgesetzt, die Partei schafft es tats\u00e4chlich in die n\u00e4chste Bundesregierung.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Veronika Kienzle wollte Oberb\u00fcrgermeisterin von Stuttgart werden \u2013 doch sie hat aufgegeben Foto:\u2002Arnulf Hettrich \/ imago images\/Arnulf Hettrich Vor sieben Jahren wurde in Deutschland der erste gr\u00fcne Oberb\u00fcrgermeister<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4160,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4159","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4159"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4159\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}