{"id":415,"date":"2020-06-11T19:52:57","date_gmt":"2020-06-11T16:52:57","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/zweite-corona-welle-in-iran-gefahrlich-locker\/"},"modified":"2020-06-11T19:52:57","modified_gmt":"2020-06-11T16:52:57","slug":"zweite-corona-welle-in-iran-gefahrlich-locker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/zweite-corona-welle-in-iran-gefahrlich-locker\/","title":{"rendered":"Zweite Corona-Welle in Iran: Gef\u00e4hrlich locker"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/03db1d6f-0001-0004-0000-000001448537_w948_r1.77_fpx33.34_fpy50.jpg\" title=\"Markt in Teheran: Vielen Iranerinnen und Iraner nehmen Corona nicht mehr ernst\" alt=\"Markt in Teheran: Vielen Iranerinnen und Iraner nehmen Corona nicht mehr ernst\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Markt in Teheran: Vielen Iranerinnen und Iraner nehmen Corona nicht mehr ernst<\/p>\n<p> ATTA KENARE \/ AFP <\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist eigentlich eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, und doch hatte Irans Pr\u00e4sident Hassan Rohani offenbar das Gef\u00fchl, seine Landsleute daran erinnern zu m\u00fcssen. &quot;Die Menschen m\u00fcssen erkennen, dass es f\u00fcr diese Pandemie keinen klaren Endpunkt gibt und es sehr lange dauern wird, bis ein Impfstoff entwickelt wird&quot;, sagte er vergangenen Samstag in einer Rede im Staatsfernsehen.<\/p>\n<p>Er bat die Iranerinnen und Iraner zu verstehen, dass H\u00e4nde waschen, Masken tragen und Abstand halten auf absehbare Zeit Teil ihres Lebens blieben, und betonte, wie wichtig dies sei, um das iranische Gesundheitssystem nicht zu \u00fcberlasten.<\/p>\n<p>Die iranische Regierung hat dazugelernt. Noch im Februar, als Iran als eines der ersten L\u00e4nder nach China unter einer massiven Corona-Welle litt, versuchten die Beh\u00f6rden, das Ausma\u00df zu vertuschen. Viele Iranerinnen und Iraner waren emp\u00f6rt \u00fcber die Inkompetenz ihrer Regierung. Rohani steht zudem innenpolitisch unter Druck durch erzkonservative Rivalen.<\/p>\n<h3>&quot;Wir haben keine Wahl&quot;<\/h3>\n<p>Nun, da Teile des Irans eine zweite Welle erleben, bem\u00fcht sich der Pr\u00e4sident um bessere Kommunikation. Regelm\u00e4\u00dfig aktualisiert das Gesundheitsministerium die Fallzahlen: Seit Februar gab es in Iran mehr als 8200 Corona-Tote, rund 170.000 Menschen haben sich infiziert.<\/p>\n<p>Der iranischen Regierung f\u00e4llt es leichter einzugestehen, dass sich das Virus wieder verbreitet, da nun auch so viele andere Staaten betroffen sind. Die weltweit h\u00f6chsten Fallzahlen verzeichnen derzeit die USA und Gro\u00dfbritannien, wie die iranischen Statistiker nicht m\u00fcde werden zu wiederholen. Gleichzeitig gibt es auch in Iran beunruhigende Entwicklungen: Mehrere Provinzen im Norden und Westen des Landes gelten als Kategorie &quot;Rot&quot;: Die Zahl der F\u00e4lle ist dort auf hohem Niveau und nimmt teils weiter zu.<\/p>\n<p>Eine zweite Welle ist im Gange, auch wenn es schwierig ist, ihr Ausma\u00df klar zu benennen: Zwar sind die Infektionszahlen wieder auf einem sehr hohen Niveau von teils \u00fcber 3000 F\u00e4llen pro Tag wie zu Zeiten der ersten Welle. Allerdings hat Iran seitdem seine Testkapazit\u00e4ten deutlich erh\u00f6ht. Die Todeszahlen liegen bisher noch konstant bei ungef\u00e4hr 70 pro Tag, doch das k\u00f6nnte sich in einem guten Monat \u00e4ndern. Schlie\u00dflich dauert es von der Infektion bis zum Tod.<\/p>\n<p>Rohani verfolgt die Entwicklung der Seuche mit Sorge, doch er behauptet gleichzeitig, die Regierung k\u00f6nne nicht viel mehr tun. Aufgrund von Misswirtschaft und harschen amerikanischen Sanktionen war Irans Wirtschaft bereits vor Corona in einem desolaten Zustand. &quot;Unter diesen Umst\u00e4nden haben wir keine Wahl&quot;, sagte Rohani. &quot;Wir m\u00fcssen arbeiten, unsere Fabriken m\u00fcssen in Betrieb sein, unsere L\u00e4den offen. Es muss in diesem Land so viel Bewegung wie n\u00f6tig geben.&quot;<\/p>\n<h3>Die Vorsicht der Iraner l\u00e4sst nach<\/h3>\n<p>Seit April hat die Regierungen viele Beschr\u00e4nkungen wieder aufgehoben. Fast alle Branchen haben die Arbeit wiederaufgenommen. In Teheran herrschen wieder Stau und Gedr\u00e4nge. Auch das Freitagsgebet findet in vielen St\u00e4dten wieder statt. Ende Juni sollen m\u00f6glicherweise auch Kinos, Konzerte und Theater wieder \u00f6ffnen &#8211; ungeachtet der Infektionsentwicklung. Die iranische F\u00fchrung macht die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger jetzt gr\u00f6\u00dftenteils selbst f\u00fcr die Eind\u00e4mmung des Virus verantwortlich. <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich scheint der laxe Umgang mancher Iranerinnen und Iraner mit Corona zur zweiten Welle beigetragen zu haben. So kritisierte Pr\u00e4sident Hassan Rohani, dass eine Hochzeit ein neues Infektionscluster verursacht habe. Wo diese stattfand, verriet er nicht.<\/p>\n<p>Irans Gesundheitsminister Saeed Namaki sagte der iranischen Nachrichtenagentur ISNA, ihn sorge, dass die Menschen sich wieder v\u00f6llig sorglos verhielten. Sein Stellvertreter Iraj Harichi sagte, eine Umfrage des Gesundheitsministeriums lege nahe, dass nur noch 40 Prozent der Iraner an Social Distancing glaubten &#8211; zuvor waren es 90 Prozent. Er nannte dies eine &quot;Katastrophe&quot;. Harichi war im Fr\u00fchjahr selbst an Corona erkrankt.<\/p>\n<p>Auch die iranische Nachrichtenagentur Tasnim legt nahe, dass die Iranerinnen und Iraner selbst f\u00fcr die j\u00fcngsten Anstiege verantwortlich seien. So hei\u00dft es in einem ihrer Berichte, dass in der Provinz Chusestan viele arabische Iranerinnen und Iraner sich zum Zuckerfest Ende Mai massenweise gegenseitig besucht h\u00e4tten. In der Provinz Ost-Aserbaidschan wiederum w\u00fcrden sich viele nicht an die Maskenpflicht in Bussen und Taxis halten.<\/p>\n<h3>Teheran f\u00fcrchtet den Beginn der Sommerferien <\/h3>\n<p>Die iranische Regierung f\u00fcrchtet nun eine Wiederholung des Szenarios wie zu den Zuckerfest-Feiertagen: viele Reisen, Familientreffen und damit weitere Infektionscluster. Denn Mitte Juni beginnen in Iran die Sommerferien, w\u00e4hrend der viele Iranerinnen und Iraner in die nun am st\u00e4rksten betroffenen Regionen fahren: in die Heimat zu ihren Familien, in die k\u00fchlen Bergd\u00f6rfer, ans Kaspische Meer.<\/p>\n<p>Das iranische Gesundheitsministerium bittet Iranerinnen und Iraner, von unn\u00f6tigen Reisen abzusehen und Masken zu tragen. Tats\u00e4chlich geht es ohne das Mitwirken der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht. Doch f\u00fcr manche ist dies leichter gesagt als getan.  <\/p>\n<p>&quot;Wie soll ich duschen oder auch nur mir die H\u00e4nde waschen, wenn ich kein Wasser habe?&quot;, schimpft ein Einwohner der Stadt Ahvaz in der besonders betroffenen Provinz Chusestan in einem Video in sozialen Medien.<\/p>\n<p>In Ahvaz kommt es immer wieder zu Protesten. Viele Menschen dort, darunter einige aus der Minderheit der arabischen Iraner, f\u00fchlen sich von Teheran vernachl\u00e4ssigt. Eigentlich ist ihre Provinz reich: Chusestan hat viel \u00d6l und Erdgas und ist zudem strategisch wichtig durch seine Grenze mit Irak. Doch im Alltag mangelt es an allem, selbst an Wasser.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Markt in Teheran: Vielen Iranerinnen und Iraner nehmen Corona nicht mehr ernst ATTA KENARE \/ AFP Es ist eigentlich eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, und doch hatte Irans Pr\u00e4sident Hassan Rohani offenbar das Gef\u00fchl, seine Landsleute daran erinnern zu m\u00fcssen. &quot;Die Menschen m\u00fcssen erkennen, dass es f\u00fcr diese Pandemie keinen klaren Endpunkt gibt und es sehr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-415","post","type-post","status-publish","format-standard","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/415","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=415"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/415\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=415"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=415"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=415"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}