{"id":4121,"date":"2020-11-27T00:16:18","date_gmt":"2020-11-26T21:16:18","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-wie-deutschland-langfristig-mit-dem-virus-leben-konnte\/"},"modified":"2020-11-27T00:16:18","modified_gmt":"2020-11-26T21:16:18","slug":"corona-wie-deutschland-langfristig-mit-dem-virus-leben-konnte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-wie-deutschland-langfristig-mit-dem-virus-leben-konnte\/","title":{"rendered":"Corona: Wie Deutschland langfristig mit dem Virus leben k\u00f6nnte"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/8a3a827e-4996-4e2a-87b7-c79d188ceb4d_w948_r1.77_fpx30_fpy45.jpg\" title=\"Corona pr\u00e4gt l\u00e4ngst unser Stra\u00dfenbild (hier Passanten in Bonn): \u00bbWenn wir den Grad der Kontaktreduktion wie im aktuellen Teil-Shutdown beibehalten, bleibt die Zahl der t\u00e4glichen Neuinfektionen bei rund 20.000\u00ab\" alt=\"Corona pr\u00e4gt l\u00e4ngst unser Stra\u00dfenbild (hier Passanten in Bonn): \u00bbWenn wir den Grad der Kontaktreduktion wie im aktuellen Teil-Shutdown beibehalten, bleibt die Zahl der t\u00e4glichen Neuinfektionen bei rund 20.000\u00ab\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Corona pr\u00e4gt l\u00e4ngst unser Stra\u00dfenbild (hier Passanten in Bonn): \u00bbWenn wir den Grad der Kontaktreduktion wie im aktuellen Teil-Shutdown beibehalten, bleibt die Zahl der t\u00e4glichen Neuinfektionen bei rund 20.000\u00ab<\/p>\n<p>  Foto:\u2002NurPhoto \/ NurPhoto via Getty Images  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir m\u00fcssen lernen, mit dem Coronavirus zu leben. Der Satz f\u00e4llt in der Sars-CoV-2-Pandemie immer wieder, nur blieb die Frage, wie genau das gelingen k\u00f6nnte, bislang weitgehend unbeantwortet.<\/p>\n<p>Forscher um die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Dynamik und Selbstorganisation haben sich zwei Konzepte genauer angeschaut und durchgerechnet, was sie f\u00fcr jeden Einzelnen und den l\u00e4ngerfristigen Verlauf der Pandemie bedeuten w\u00fcrden.<\/p>\n<h3>Zwei Langzeitoptionen<\/h3>\n<p>Priesemann ist darauf spezialisiert, Ausbreitungsprozesse \u2013 etwa die von Viren \u2013 zu simulieren. \u00bbEs ist noch keine Impfung zugelassen und es wird dauern, den Impfstoff in der Bev\u00f6lkerung zu verteilen\u00ab, sagte sie am Mittwoch in einem Gespr\u00e4ch mit Journalisten. \u00bbWir m\u00fcssen uns also jetzt \u00fcberlegen, welche Strategie f\u00fcr die n\u00e4chsten Monate sinnvoll ist.\u00ab<\/p>\n<p>Diskutiert werden vor allem zwei Konzepte: Denkbar ist, sich darauf zu fokussieren, dass die Infektionszahlen und letztlich die Zahl der Kranken, die auf Intensivstationen behandelt werden m\u00fcssen, unter der Kapazit\u00e4tsgrenze der Kliniken bleibt. Die Alternative w\u00e4re, die Zahlen dauerhaft so weit zu dr\u00fccken, dass eine verl\u00e4ssliche Kontaktverfolgung m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Die Berechnungen des Teams um Priesemann zeigen in eine klare Richtung: Sei es einmal gelungen, die Zahl der Neuinfektionen wieder auf eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von rund tausend am Tag zu senken, m\u00fcssten die Menschen ihre Kontakte nur noch wenig einschr\u00e4nken, um das Virus langfristig einzud\u00e4mmen, berichten die Forscher. Auch Restaurants und Caf\u00e9s k\u00f6nnten dann mit Hygienekonzepten wieder \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Dauerhaft hohe Infektionszahlen bedeuteten dagegen anhaltend gro\u00dfe Einschr\u00e4nkungen, um eine \u00dcberf\u00fcllung der Intensivstationen gerade so zu verhindern. Gleichzeitig g\u00e4be es mehr Kranke und mehr Tote.<\/p>\n<h3>Weniger Kranke, weniger Tote, mehr Freiheiten<\/h3>\n<p>Bei niedrigen Fallzahlen reiche es aus, 40 Prozent der Ansteckungen zu verhindern, um die Ausbreitung des Virus zu stabilisieren und einen weiteren, fl\u00e4chendeckenden Shutdown zu verhindern, schreiben die Forscher in ihrer vorab ver\u00f6ffentlichten Studie.<\/p>\n<p>Da Ansteckungen durch Kontakte entstehen, hei\u00dft das, die Menschen m\u00fcssten auch Begegnungen mit anderen um 40 Prozent gegen\u00fcber der Zeit vor der Pandemie reduzieren. Das lasse sich bereits durch vergleichsweise milde Kontakt-Einschr\u00e4nkungen erreichen, so die Wissenschaftler.<\/p>\n<p>Allein die Zahl der Teilnehmer an Gro\u00dfveranstaltungen auf hundert Personen zu beschr\u00e4nken, f\u00fchre laut einer Studie dazu, dass es in der Bev\u00f6lkerung rund 35 Prozent weniger Ansteckungen g\u00e4be. Reduziere man die Gruppengr\u00f6\u00dfen auf unter zehn, erreiche man rund 45 Prozent Reduktion. H\u00e4ufiges L\u00fcften, Abstand halten und Maske tragen k\u00f6nne das Infektionsrisiko zus\u00e4tzlich verringern, sodass anderweitig mehr Kontakte m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/p>\n<p>\u00bbDie Menschen m\u00fcssten in dem Szenario nur auf vergleichsweise wenige Kontakte verzichten und h\u00e4tten ansonsten gro\u00dfe Freiheiten\u00ab, sagte Priesemann. Gleichzeitig w\u00fcrde die Zahl der Kranken und damit auch der Todesf\u00e4lle deutlich sinken. Auch die wirtschaftlichen Folgen w\u00e4ren geringer, wenn gastronomische Einrichtungen wieder \u00f6ffnen k\u00f6nnten.<\/p>\n<h3>Ein letzter harter Shutdown<\/h3>\n<p>Allerdings w\u00e4re ein letzter harter Shutdown n\u00f6tig, um die Zahlen einmal so weit zu senken, dass das Virus wieder kontrolliert werden kann. \u00bbDerzeit infizieren sich so viele Menschen, dass die Gesundheits\u00e4mter es nicht schaffen, Infizierte zu erkennen und zu isolieren, bevor sie weitere Menschen anstecken\u00ab, sagte Priesemann.<\/p>\n<p>Zudem seien rund zehn Prozent der durchgef\u00fchrten Tests positiv. Dieser hohe Wert sei ein klarer Hinweis, dass die Testkapazit\u00e4ten nicht ausreichten, um alle und damit auch mehr unbegr\u00fcndete Verdachtsf\u00e4lle zu pr\u00fcfen. \u00bbDas hei\u00dft, es gibt eine hohe Dunkelziffer und damit viele Infektionsketten, die \u00fcberhaupt nicht einged\u00e4mmt werden k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p>Ziel m\u00fcsse es daher sein, den R-Wert wieder unter 0,7 zu dr\u00fccken, wie es auch in der ersten Welle gelungen sei, so die Forscherin. Damit k\u00f6nnten die Infektionszahlen jede Woche mindestens halbiert werden. \u00bbGenauso, wie wir bei einem R-Wert \u00fcber eins ein exponentielles Wachstum sehen, sinken die Zahlen bei einem Wert unter eins exponentiell.\u00ab<\/p>\n<p>Verst\u00e4rkt werde der Effekt dadurch, dass bei niedrigeren Infektionszahlen weniger F\u00e4lle \u00fcbersehen w\u00fcrden. Gebe es wenige Neuinfektionen, k\u00f6nnten in der Zukunft auch Schnelltest die Kontrolle \u00fcber das Infektionsgeschehen erleichtern, erkl\u00e4rte Priesemann.<\/p>\n<h3>Schutz vor Superspreading an Weihnachten<\/h3>\n<p>Gel\u00e4nge es mithilfe der nun von den Regierungschefs der L\u00e4nder und Kanzlerin Angela Merkel beschlossenen Ma\u00dfnahmen, die Zahl der Ansteckungen um zus\u00e4tzlich ungef\u00e4hr 30 Prozent zu reduzieren, lie\u00dfe sich die Zahl der Neuinfektionen in der Zeit vom 1. Dezember bis Weihnachten demnach auf ungef\u00e4hr 2500 dr\u00fccken \u2013 und w\u00e4re schon dann relativ gut zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Eine zus\u00e4tzliche Woche k\u00f6nnte den Wert auf rund tausend reduzieren. Um das bis Weihnachten zu schaffen, m\u00fcssten jedoch ab sofort rund ein Drittel der derzeitigen Ansteckungen verhindert werden.<\/p>\n<p>\u00bbWeihnachtsfeiern mit zehn Menschen aus verschiedenen Haushalten und deren Kindern sowie Silvesterfeiern k\u00f6nnte man bei niedrigen Infektionszahlen mit regelm\u00e4\u00dfigem L\u00fcften problemlos verantworten\u00ab, so Priesemann.<\/p>\n<p>Die Wahrscheinlichkeit, einen Infizierten auf einer dieser Veranstaltungen zu treffen, sei unter den genannten Voraussetzungen gering. Zudem k\u00f6nnten an den Festtagen gestartete Infektionsketten leichter wieder einged\u00e4mmt werden (mehr zum Thema lesen Sie hier).<\/p>\n<p>Gerate das Infektionsgeschehen regional doch wieder au\u00dfer Kontrolle, m\u00fcssten kurzfristig auf kleinem Raum Gegenma\u00dfnahmen ergriffen werden. Infektionen, die aus den Nachbarl\u00e4ndern eingetragen w\u00fcrden, k\u00f6nnten bis zu einem gewissen Grad durch Kontaktverfolgung einged\u00e4mmt werden, so Priesemann. \u00bbAm besten w\u00e4re aber eine einheitliche Strategie mit dem klaren Ziel von niedrigen Fallzahlen in ganz Europa.\u00ab<\/p>\n<h3>Kontakte auf Dauer sp\u00fcrbar reduzieren<\/h3>\n<p>Das Alternativkonzept, die Infektionszahlen gerade so weit zu dr\u00fccken, dass die Intensiv-Kapazit\u00e4ten ausreichen, w\u00fcrde laut der Studie dagegen bedeuten, die aktuelle Situation mehr oder weniger dauerhaft beizubehalten. Vereinzelt melden Krankenh\u00e4user bereits \u00dcberlastungen. Es gibt noch M\u00f6glichkeiten auf andere Kliniken auszuweichen, doch der Spielraum wird kleiner.<\/p>\n<p>\u00bbDie Einschr\u00e4nkungen der vergangenen Wochen haben dazu gef\u00fchrt, dass der R-Wert von etwa 1,4 auf rund eins gesunken ist\u00ab, erkl\u00e4rte Priesemann. Das bedeute, dass jeder Infizierte derzeit im Schnitt eine weitere Person anstecke.<\/p>\n<p>\u00bbWenn wir den Grad der Kontaktreduktion wie im aktuellen Teil-Shutdown beibehalten, bleibt die Zahl der t\u00e4glichen Neuinfektionen bei rund 20.000\u00ab, so die Expertin. Durch Lockerungen w\u00fcrden die Zahlen wieder steigen.<\/p>\n<p>Laut der Berechnung der Forscher m\u00fcssen Ansteckungen und damit auch Kontakte bei hoher Inzidenz dauerhaft um rund 60 Prozent gegen\u00fcber der Zeit vor der Pandemie reduziert werden, sonst seien wiederholt landesweite Shutdown-Ma\u00dfnahmen n\u00f6tig.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei niedrigen Infektionszahlen vier von zehn Ansteckungen und damit Kontakte wegfallen m\u00fcssten, sind es hier sechs von zehn.<\/p>\n<p>\u00bbDie 40 Prozent Kontaktreduktion in dem Niedrig-Inzidenz-Szenario lassen sich fast allein \u00fcber den Verzicht auf Gro\u00dfveranstaltungen und gr\u00f6\u00dfere Treffen und durch Hygienema\u00dfnahmen erreichen. Auf zus\u00e4tzlich 20 Prozent der Kontakte zu verzichten, macht es n\u00f6tig, auch deutlich kleinere Treffen abzusagen \u2013 und selbst das reicht dann m\u00f6glicherweise nur knapp\u00ab, erkl\u00e4rte Priesemann.<\/p>\n<h3>Ein Kommunikationsproblem<\/h3>\n<p>Nebeneffekte dieser Strategie w\u00e4ren neben den dauerhaft st\u00e4rkeren Kontakteinschr\u00e4nkungen h\u00f6here Kranken- und Todeszahlen und damit eine h\u00f6here Belastung f\u00fcr das Gesundheitssystem sowie permanent zigtausend Menschen in Quarant\u00e4ne.<\/p>\n<p>\u00bbDas ist auch f\u00fcr die Wirtschaft von Nachteil\u00ab, so Priesemann. Zudem sei die Strategie riskanter, da die Langzeitfolgen einer Sars-CoV-2-Infektion noch weitgehend unbekannt seien.<\/p>\n<p>Eine Schwierigkeit sieht Priesemann jedoch auch noch beim Niedrig-Inzidenz-Szenario: \u00bbEs ist schwieriger, dieses Modell nachvollziehbar zu kommunizieren, weil die Kontaktverfolgung ein abstrakteres Kriterium ist als \u00fcberf\u00fcllte Intensivstationen.\u00ab<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Corona pr\u00e4gt l\u00e4ngst unser Stra\u00dfenbild (hier Passanten in Bonn): \u00bbWenn wir den Grad der Kontaktreduktion wie im aktuellen Teil-Shutdown beibehalten, bleibt die Zahl der t\u00e4glichen Neuinfektionen bei rund<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4122,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4121","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4121"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4121\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}