{"id":4105,"date":"2020-11-26T05:27:19","date_gmt":"2020-11-26T02:27:19","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reaktionen-auf-corona-beschlusse-langfristiger-schaden-durch-einschrankung-der-schulen\/"},"modified":"2020-11-26T05:27:19","modified_gmt":"2020-11-26T02:27:19","slug":"reaktionen-auf-corona-beschlusse-langfristiger-schaden-durch-einschrankung-der-schulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reaktionen-auf-corona-beschlusse-langfristiger-schaden-durch-einschrankung-der-schulen\/","title":{"rendered":"Reaktionen auf Corona-Beschl\u00fcsse: \u00bbLangfristiger Schaden durch Einschr\u00e4nkung der Schulen\u00ab"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/809a95a7-0706-498d-a20b-590cc3e5dd03_w948_r1.77_fpx22_fpy31.jpg\" title=\"Gymnasiasten mit Mundschutz in Frankfurt\/Main (Archivbild)\" alt=\"Gymnasiasten mit Mundschutz in Frankfurt\/Main (Archivbild)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Gymnasiasten mit Mundschutz in Frankfurt\/Main (Archivbild)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Arne Dedert \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Mehr Hybridunterricht bei hohen Infektionszahlen, mehr Schulbusse f\u00fcr versetzten Unterrichtsbeginn, \u00f6fter mal Maskenpflicht im Unterricht f\u00fcr Sch\u00fcler ab der 7. Klasse: Die Beschl\u00fcsse von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpr\u00e4sidentinnen und -pr\u00e4sidenten zum Schulunterricht sind nur Empfehlungen, letztlich entscheiden die Bundesl\u00e4nder selbst.<\/p>\n<p>\u00bbEigentlich bleibt also alles wie immer\u00ab, kommentiert <strong>Stephan Wassmuth vom Bundeselternrat <\/strong>die Beschl\u00fcsse: \u00bbMeine Hoffnung, dass die L\u00e4nder aus der Pandemie endlich etwas lernen, hat sich leider nicht erf\u00fcllt.\u00ab Das stimme ihn traurig, sagt Wassmuth. Offenkundig gehe es in der Schulpolitik nur noch darum, sich irgendwie bis zum Einsatz des Corona-Impfstoffs hin\u00fcberzuretten: \u00bbEine Strategie ist das immer noch nicht.\u00ab<\/p>\n<p>Deutlich positiver bewerten die politischen Vertreter der L\u00e4nder die Entscheidungen. \u00bbDie Beschl\u00fcsse sind gut und richtig. Bei konsequenter Umsetzung k\u00f6nnen wir das Schulsystem so stabilisieren und im Grundsatz offen halten\u00ab, erkl\u00e4rte <strong>Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne <\/strong>(SPD) dem SPIEGEL: \u00bbDie gemeinsamen Vorarbeiten innerhalb der Kultusministerkonferenz haben sich gelohnt. F\u00fcr Niedersachsen haben wir das meiste bereits umgesetzt. Bei den Hotspots werden wir ebenso klare und transparente Regelungen in die Verordnung aufnehmen.\u00ab<\/p>\n<h3>Hybridunterricht nur nach lokalen Entscheidungen<\/h3>\n<p>Auch <strong>Nordrhein-Westfalens Ministerpr\u00e4sident Armin Laschet<\/strong> (CDU) verteidigte die Beschl\u00fcsse. Ganz Deutschland sei mittlerweile ein Hotspot, sagte er. Wenn es regional zu einem Inzidenzwert von \u00fcber 200 Infektionen komme, gebe es jetzt klare Handlungsempfehlungen: \u00bbDas ist nicht das Solinger Modell und wir werden nicht eine ganze Stadt in den Hybridunterricht hineinbringen, sondern schulspezifisch entscheiden\u00ab, so der CDU-Politiker.<\/p>\n<p>Seine Landesregierung hatte Anfang November der Stadt Solingen untersagt, fl\u00e4chendeckend an s\u00e4mtlichen \u00f6ffentlichen Schulen ein Wechselschicht-Modell einzuf\u00fchren, obwohl seinerzeit der Inzidenzwert vor Ort \u00fcber 280 gelegen hatte. Das Verbot aus D\u00fcsseldorf hatte f\u00fcr heftige Diskussionen gesorgt, einzelne Schulleiter hatten sich der Anordnung zun\u00e4chst widersetzt.<\/p>\n<p>Von einer \u00bbguten L\u00f6sung\u00ab, mit der er gar nicht gerechnet habe, spricht auch <strong>OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher<\/strong>. \u00bbDer Beschluss l\u00e4sst Entscheidungsspielraum vor Ort. Schulen in Deutschland sind allerdings nicht viel Freiraum gew\u00f6hnt, es kommt nun darauf an, wie sie damit umgehen.\u00ab  Denn auf das Wechselmodell sind nicht alle Schulen gleich gut vorbereitet.<\/p>\n<p>\u00bbIn Deutschland fehlt es an vielen Schulen nicht nur an der digitalen Ausstattung, sondern auch an der Erfahrung\u00ab, sagte Schleicher dem SPIEGEL. \u00bbKinder und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verh\u00e4ltnissen fallen dann wieder zur\u00fcck. F\u00fcr die funktioniert der Hybridunterricht nicht. Die soziale Schere geht so immer weiter auf.\u00ab <\/p>\n<h3>Kein Plan, keine Verl\u00e4sslichkeit<\/h3>\n<p>\u00bbFrustriert\u00ab \u00e4u\u00dferte sich am Donnerstagabend dagegen <strong>Dario Schramm von der Bundessch\u00fclerkonferenz<\/strong> zu den Beschl\u00fcssen der Regierungschefs. \u00bbEs h\u00e4tte klare Ansagen und Konzepte f\u00fcr die ohnehin \u00fcberforderten Schulen gebraucht, so bleibt alles beim Alten \u2013 ohne einen wirklich sicheren Blick in die Zukunft\u00ab, so der Sch\u00fclervertreter. Er habe den Eindruck, die Politik hangele sich von Woche zu Woche, \u00bbohne endlich mal langfristig zu planen\u00ab. Das planlose Handeln in der Bildung brauche endlich ein Ende.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sieht das auch <strong>Gudrun Wolters-Vogeler, Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbandes Deutschland<\/strong>: \u00bbDie Beschl\u00fcsse sind wenig konsequent. Diese Regelung bringt keine neue Verl\u00e4sslichkeit.\u00ab Viele Sch\u00fcler, Eltern und Lehrkr\u00e4fte seien derzeit massiv verunsichert und wollten wissen, welche Spielregeln gelten, um die Corona-Pandemie einzud\u00e4mmen. \u00bbDie Politik m\u00fcsste hier Klarheit schaffen, aber das passiert leider wieder nicht.\u00ab <\/p>\n<p>Wenn der Wechselunterricht ab Klasse 8, aber nicht f\u00fcr Abschlussklassen gelten solle, seien nur wenige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u00fcberhaupt davon betroffen. Die Jahrg\u00e4nge 9, 10, 12 und 13 seien an den verschiedenen Schulformen Abschlussklassen. Wolters-Vogeler r\u00e4umt jedoch ein: \u00bbEs gibt in dieser Situation keine L\u00f6sung, die keine Nachteile hat.\u00ab Wenn Nachverfolgbarkeit m\u00f6glich und die Zahl der Kinder in Quarant\u00e4ne reduzieren werden solle, sei das Wechselmodell eine gute L\u00f6sung, zumindest f\u00fcr \u00e4ltere Sch\u00fcler.<\/p>\n<h3>Forschende loben Wechselklassen-Modell<\/h3>\n<p>Am Mittwoch hatten Forscherinnen und Forscher des ifo-Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung eine Prognose ver\u00f6ffentlicht, wie sich verschiedene Shutdown-Varianten auf die Infektionszahlen auswirken w\u00fcrden. Dabei hatten sie insbesondere auch eine Schlie\u00dfung oder Teil-Schlie\u00dfung der Schulen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>\u00bbVersch\u00e4rfungen bei Bildungseinrichtungen oder im Einzelhandel oder beides, bis hin zu weitgehenden Kontakt- und Ausgangsbeschr\u00e4nkungen wie im harten Lockdown\u00ab, seien wirkungsvolle Ma\u00dfnahmen, um die Ansteckungszahlen zu verringern, sagt <strong>Andreas Peichl, Leiter des ifo-Zentrums f\u00fcr Makro\u00f6konomik und Befragungen<\/strong>.<\/p>\n<p>Um bundesweit wieder auf einen Inzidenzwert von 50 Ansteckungen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner zu kommen, k\u00f6nne die Einf\u00fchrung von Wechselklassen und digitalem Fernunterricht ausreichen, sagt Peichl. Voraussetzung daf\u00fcr sei allerdings, dass die notwendige technische Infrastruktur und die entsprechenden didaktischen Konzepte vorhanden w\u00e4ren: \u00bbAnsonsten drohen gro\u00dfe Kosten im Bildungssektor, die Deutschland langfristig schaden k\u00f6nnten.\u00ab<\/p>\n<h3>\u00bbGrobe Vers\u00e4umnisse\u00ab<\/h3>\n<p>Der niedrige Inzidenzwert k\u00f6nne jedoch auch mit regul\u00e4r ge\u00f6ffneten Schulen erreicht werden, so die Forscherinnen und Forscher: \u00bbDie Schlie\u00dfung und Einschr\u00e4nkung weiterer Wirtschafts- und Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeiten mit gleichzeitig offenen Schulen h\u00e4tte die gleiche Wirkung wie ein leichter Lockdown, aber mit Schulschlie\u00dfungen.\u00ab Letztlich, sagt Andreas Peichl, sei das eine politische Entscheidung dar\u00fcber, was als eher akzeptabel eingesch\u00e4tzt werde: \u00bbDer langfristige Schaden durch die Einschr\u00e4nkung der Schulen oder der kurzfristige Schaden durch die Einschr\u00e4nkung weiterer Wirtschaftszweige.\u00ab<\/p>\n<p>Bei vielen Jugendlichen kommt das Festhalten der Schulministerien am Pr\u00e4senzunterricht f\u00fcr alle nicht gut an. Mit Verweis auf den Inzidenzwert von \u00fcber 200 in Frankfurt am Main warf etwa der <strong>Stadtsch\u00fclerInnenrat der hessischen Landesregierung<\/strong> in einer Stellungnahme \u00bbteils grobe Vers\u00e4umnisse\u00ab vor und forderte, sofort \u00bbein System zwischen Pr\u00e4senzunterricht und digital unterst\u00fctztem Distanzunterricht zu etablieren\u00ab. Jugendliche mehrerer Schulen in Frankfurt wollen deshalb am kommenden Montag mit einem Schulstreik ihren Forderungen nach fl\u00e4chendeckendem Hybridunterricht Nachdruck verleihen.<\/p>\n<p>Auch in <strong>Hamburg <\/strong>fordern mehrere <strong>Kreissch\u00fclerr\u00e4te <\/strong>in einer Stellungnahme, die dem SPIEGEL vorliegt, die \u00bbsofortige Umstellung des Schulalltags auf Hybridbeschulung\u00ab. Die Auflagen der Beh\u00f6rden legten richtigerweise fest, dass sich h\u00f6chstens zwei Haushalte privat treffen d\u00fcrfen, schreiben die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler: \u00bbIn der Schule jedoch begegnen wir hunderten und sitzen durch das Kurssystem immer wieder mit anderen Mitsch\u00fclern zusammen.\u00ab Die eigentlich sichere und ruhige Atmosph\u00e4re des Lernens innerhalb des Klassenraums werde dadurch enorm beeintr\u00e4chtigt \u2013 und reduziere daher auch den Lernerfolg.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Gymnasiasten mit Mundschutz in Frankfurt\/Main (Archivbild) Foto:\u2002Arne Dedert \/ dpa Mehr Hybridunterricht bei hohen Infektionszahlen, mehr Schulbusse f\u00fcr versetzten Unterrichtsbeginn, \u00f6fter mal Maskenpflicht im Unterricht f\u00fcr Sch\u00fcler ab<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4106,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4105","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4105"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4105\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4106"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}