{"id":4099,"date":"2020-11-25T23:10:27","date_gmt":"2020-11-25T20:10:27","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/diego-maradona-ist-tot-die-grose-und-die-tragik-eines-lebens-ein-nachruf\/"},"modified":"2020-11-25T23:10:27","modified_gmt":"2020-11-25T20:10:27","slug":"diego-maradona-ist-tot-die-grose-und-die-tragik-eines-lebens-ein-nachruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/diego-maradona-ist-tot-die-grose-und-die-tragik-eines-lebens-ein-nachruf\/","title":{"rendered":"Diego Maradona ist tot: Die Gr\u00f6\u00dfe und die Tragik eines Lebens &#8211; ein Nachruf"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/1db434d3-1718-4b02-b2d7-a52990900eee_w948_r1.77_fpx51_fpy38.jpg\" title=\"Das Fu\u00dfballgenie Diego Maradona: Der Himmel ist der Platz, der ihm geb\u00fchrt\" alt=\"Das Fu\u00dfballgenie Diego Maradona: Der Himmel ist der Platz, der ihm geb\u00fchrt\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Das Fu\u00dfballgenie Diego Maradona: Der Himmel ist der Platz, der ihm geb\u00fchrt<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Andy Cantillon \/ eyevine \/ laif  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Diego Armando Maradona war gr\u00f6\u00dfer als der Fu\u00dfball. Viel gr\u00f6\u00dfer. Sicher, er war einer der besten Fu\u00dfballer der Welt, vielleicht war er auch der Beste der Welt, es gibt seit Jahren diese kleinlichen Vergleiche mit Pel\u00e9, mit Lionel Messi, wem denn nun der Ruhm dieses Titels geb\u00fchre. Diego Maradona war von ihnen derjenige, der die Menschen am meisten anger\u00fchrt hat. Ein einziges gro\u00dfes Schicksal: sein Spiel, sein Leben, seine Tragik. Eine Tragik, zu der geh\u00f6rt, dass er schon mit 60 Jahren sterben musste.<\/p>\n<p>Diego Maradona, der auf dem Platz seine Gegner \u00fcberforderte, weil er ihnen in allem \u00fcberlegen war, und der au\u00dferhalb des Platzes vom Leben \u00fcberfordert war. Diego Maradona, der Messias von Neapel, ein Argentinier, der dem S\u00fcden Italiens die W\u00fcrde zur\u00fcckgab und dabei von der Verehrung erdr\u00fcckt wurde. Diego Maradona und die Hand Gottes, die mithalf, Argentinien zum Weltmeister zu machen. Gott, Messias, das sind die Kategorien, in denen sich Maradona bewegte.<\/p>\n<p>Fu\u00dfballerisch war er ein Ereignis, jeder sollte sich froh und gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, der ihn noch hat spielen sehen. Er vernaschte die Gegenspieler reihenweise, seine Solol\u00e4ufe auf dem Feld, bei denen er vier, f\u00fcnf, sechs Verteidiger stehen lie\u00df, als w\u00e4re ihm v\u00f6llig egal, ob sie da sind oder nicht. Alle Welt kennt sein ber\u00fchmtes Handtor gegen England, das 1:0 im Viertelfinale bei der WM 1986, aber sein zweites Tor in dieser Partie, als er von der Mittellinie losrannte und sich von nichts und niemandem auf diesem Planeten aufhalten lie\u00df, bis er den Ball ins Tor geschossen hatte, ist ein \u00d6lgem\u00e4lde des Fu\u00dfballs. Bei einer Versteigerung br\u00e4chte es Millionen ein. Sein Fu\u00dfball war Kunst, es gibt ein ber\u00fchmtes Video von einem Aufw\u00e4rmprogramm Maradonas vor einem Uefa-Cup-Spiel beim FC Bayern in M\u00fcnchen. Maradona tanzt, jongliert, flirtet mit dem Ball. Gab es je eine solche Einheit?<\/p>\n<p>Die Abwehrspieler haben ihn \u00fcber den gesamten Platz gejagt, sie haben ihn versucht umzuhauen, wenn er seine Haken schlug, ihn mit allen Mitteln zu stoppen, meistens vergeblich, weil sie zu langsam waren f\u00fcr ihn. Andoni Goikoetchea von Athletic Bilbao ist es gelungen. Seine brutale Attacke gegen den jungen Maradona im Dress des FC Barcelona war pure K\u00f6rperverletzung, der Jungstar fiel drei Monate lang verletzt aus. Als er wieder spielen konnte, musste Bar\u00e7a im Pokalfinale gleich erneut gegen Bilbao antreten. Die Partie endete in einer Massenschl\u00e4gerei auf dem Platz. Maradona mittendrin, die Emotionen waren zu gro\u00df. Selbst f\u00fcr einen Verein wie den FC Barcelona, der von den gro\u00dfen Emotionen lebt.<\/p>\n<p>Maradona und Barcelona, das war eine Mesalliance, Maradona und Neapel, das war Liebe. F\u00fcr zw\u00f6lf Millionen Euro, das muss man sich heute mal vorstellen, lotste ihn Napolis Pr\u00e4sident Corrado Ferlaino nach Italien. Maradona wurde dort bereits wie ein Erretter empfangen, 75.000 Menschen beim ersten Training. In der Stadt war man Dem\u00fctigungen gewohnt, man lebte mit ihnen, der Norden mit seinen Gro\u00dfvereinen in Mailand und Turin spuckte auf die verachteten Neapolitaner, bei den Ausw\u00e4rtsspielen wurden sie auf \u00fcbelste Weise verspottet, beschimpft, beleidigt.<\/p>\n<p>Maradona hat dieses Gef\u00fchl der Schmach, das die Stadt immer und immer wieder erlitt, verstanden. Er hat das nachgef\u00fchlt, der Arbeitersohn aus Villa Fiorito, dem Armenviertel am Rande von Buenos Aires. Der Trotz, es all jenen zu zeigen, die mit dem Finger auf die Schmuddelkinder weisen, der hat ihn und die Stadt vereint. Maradona f\u00fchlte sich angestachelt, und es folgten seine sportlich gr\u00f6\u00dften Jahre.<\/p>\n<h3>Im Zenit schon der Kern des Absturzes<\/h3>\n<p>Er f\u00fchrte die SSC Neapel zum allerersten Meistertitel in Italien, in der Saison 1986\/1987, und die Stadt explodierte. Sie feierte einen ganzen Sommer lang, mehr noch als Argentinien im Sommer zuvor gefeiert hatte. Maradona machte erst sein Heimatland zum Weltmeister, dann seine zweite Heimat zum Landesmeister. In diesem Jahr war Diego Maradona auf dem Zenit seines K\u00f6nnens, und zu seinem Leben geh\u00f6rt, dass der Keim des Abstiegs darin schon gelegt war. Abstieg ist noch zu schwach, Absturz trifft es eher. Die Begeisterung, die grenzenlose Verehrung, das alles war zu viel, viel zu viel f\u00fcr diesen Spieler, zu viel f\u00fcr diesen Menschen. Es gibt Sportler, \u00fcber die es den Satz gibt: Er will doch nur spielen. Diego Maradona wollte nur spielen.<\/p>\n<p>Er genoss den Ruhm auch, aber genoss ihn im \u00dcberma\u00df. Drogen, die Camorra, all die Speichellecker, die sich um ihn scharrten und Geld mit ihm machen wollten, die ihm einredeten, was das Beste f\u00fcr ihn sei und was doch das Schlechteste war. Dazu kam die medial ausgeschlachtete Vaterschaftsaff\u00e4re um seinen unehelichen Sohn.<\/p>\n<p>Maradona wollte nur noch weg, Ferlaino wollte seinen Goldesel nicht gehen lassen. Die Zeit in Neapel, die die gl\u00fccklichste h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, wurde zum Fiasko. Menschlich, sp\u00e4ter auch sportlich. Der Dokumentarfilmer Asif Kapadia hat dieser Zeit Maradonas in Neapel vor zwei Jahren ein filmisches Denkmal gesetzt, ber\u00fchrend, verst\u00f6rend. Es gibt vor allem eine Emotion, mit der man diesen Film sieht: grenzenloses Mitgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Nach Neapel ging es eigentlich nur noch abw\u00e4rts, und immer wieder gab es die Versuche, Anker zu werfen, irgendwo, zur\u00fcckzufinden in die Bahn, aus der er geworfen war. 1994, alle hatten ihn eigentlich abgeschrieben, feierte er bei der WM noch einmal ein Comeback, nach dem 4:0 \u00fcber Griechenland feierte die Welt die Wiederauferstehung des Diego Armando Maradona. Er schien wieder voll da zu sein, bei seiner vierten Weltmeisterschaft. Ein paar Tage sp\u00e4ter wurde sein positiver Dopingtest bekannt. Der Nationalspieler Diego Maradona kam danach nicht mehr zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Krankenhausaufenthalte und Trainerstationen wechselten sich ab, bei der WM 2010 in S\u00fcdafrika entzauberte die Elf von Joachim L\u00f6w Argentiniens Team, trainiert von Maradona. All seine Bem\u00fchungen, im Trainergesch\u00e4ft Fu\u00df zu fassen, ob in den Emiraten, in Mexiko oder bei unterklassigen argentinischen Vereinen, sie waren meist von kurzer Dauer. Alkohol, Drogen, Entzug \u2013 mal und mal wurde Maradona davon eingeholt. Ein verzweifelter Mensch, mit dem Versuch, sein Leben wieder und wieder in den Griff zu bekommen, wieder und wieder zu scheitern, und die ganze Welt schaute ihm dabei zu.<\/p>\n<p>Seinen 60. Geburtstag hat Maradona Ende Oktober noch begehen k\u00f6nnen, danach wurde er erneut mit schweren gesundheitlichen Problemen ins Krankenhaus eingeliefert. Und diesmal half nichts mehr, auch nicht das Beten seiner Landsleute. Der K\u00f6rper, er wollte nicht mehr. Argentinien verordnet sich eine dreit\u00e4gige Staatstrauer.<\/p>\n<p>Diego Maradona ist jetzt im Himmel. Wie traurig. Aber es ist der Platz, der ihm geb\u00fchrt.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Das Fu\u00dfballgenie Diego Maradona: Der Himmel ist der Platz, der ihm geb\u00fchrt Foto:\u2002Andy Cantillon \/ eyevine \/ laif Diego Armando Maradona war gr\u00f6\u00dfer als der Fu\u00dfball. 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