{"id":4070,"date":"2020-11-24T18:08:14","date_gmt":"2020-11-24T15:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-leugner-in-der-lehrerschaft-wie-schuler-alleingelassen-werden\/"},"modified":"2020-11-24T18:08:14","modified_gmt":"2020-11-24T15:08:14","slug":"corona-leugner-in-der-lehrerschaft-wie-schuler-alleingelassen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-leugner-in-der-lehrerschaft-wie-schuler-alleingelassen-werden\/","title":{"rendered":"Corona-Leugner in der Lehrerschaft: Wie Sch\u00fcler alleingelassen werden"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f999709a-e2b9-4163-8b10-f3d138b6137b_w948_r1.77_fpx51_fpy52.jpg\" title=\"Streitgegenstand: Mund-Nasen-Schutz im Unterricht (Symbolfoto)\" alt=\"Streitgegenstand: Mund-Nasen-Schutz im Unterricht (Symbolfoto)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Streitgegenstand: Mund-Nasen-Schutz im Unterricht (Symbolfoto)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Matthias Balk \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>In der gro\u00dfen Pause am Vormittag des 14. Oktober eskalierte die Situation: Ein Sch\u00fcler der Waldorfschule Markgr\u00e4flerland im baden-w\u00fcrttembergischen M\u00fcllheim rief die Polizei, \u00bbum Klarheit in diesem Sachverhalt zu schaffen\u00ab, so schildert es sp\u00e4ter die Sch\u00fclermitverwaltung in einem offenen Brief an die Schulgemeinschaft. Der Sachverhalt demnach: Seit Monaten weigere sich ein kleiner Teil des Lehrerkollegiums, Maske zu tragen \u2013 und zwar offenbar nicht aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden, sondern aus \u00dcberzeugung, schreibt die Sch\u00fclermitverwaltung.<\/p>\n<p>Trotz Gespr\u00e4chen \u00e4nderte sich demnach nichts, \u00bbund so breitete sich ein Gef\u00fchl von Missmut in uns aus\u00ab. Schlie\u00dflich habe ein Zw\u00f6lftkl\u00e4ssler angek\u00fcndigt, die \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden zu verst\u00e4ndigen, woraufhin eine der Maske-verweigernden Lehrerinnen ihn \u00bbin \u00fcberheblichem, ironischem Tonfall\u00ab aufgefordert habe, das zu tun. Die Polizei kam und informierte wiederum die zust\u00e4ndige Bu\u00dfgeldbeh\u00f6rde. Der Vorstand der Schule teilte dem SPIEGEL auf Nachfrage mit, das zun\u00e4chst vorgelegte Eigenattest der Lehrerin habe nicht ausgereicht, \u00bbein \u00e4rztliches Attest konnte aber nachgereicht werden und hat den Sachverhalt best\u00e4tigt\u00ab.<\/p>\n<h3>Lehrkr\u00e4fte mit H\u00e4kelmasken<\/h3>\n<p>Das Grundproblem blieb aber offenbar. Ein Insider berichtet von Lehrkr\u00e4ften mit H\u00e4kelmasken und dass sich etwa ein Viertel des Kollegiums der Maskenpflicht entziehe. Der Schulvorstand erkl\u00e4rt, neun von 72 Kollegen seien wegen eines Attests von der Maskenpflicht befreit, \u00bbdarunter sind vor allem KollegInnen mit kleinem Pensum und aus der Verwaltung\u00ab. Die Atteste l\u00e4gen vor und seien gepr\u00fcft worden, \u00bbdie medizinische Plausibilit\u00e4t zu verifizieren, steht aber au\u00dferhalb unserer Kompetenz. Wir gehen davon aus, dass sich approbierte \u00c4rztInnen Ihrer Verantwortung bewusst sind.\u00ab N\u00e4here Angaben zu den Attesten machte die Schule aus Datenschutzgr\u00fcnden nicht.<\/p>\n<p>Bei der staatlichen Schulaufsicht ist der Fall noch nicht bekannt. \u00bbUnsere Schulabteilung wird dazu nun eine Stellungnahme der Schulleitung anfordern\u00ab, teilte das zust\u00e4ndige Regierungspr\u00e4sidium Freiburg auf Anfrage mit. Gegebenenfalls werde dann die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der \u00e4rztlichen Atteste \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>Aus dem Attest m\u00fcsse im Regelfall hervorgehen, auf welcher Grundlage der Arzt zu seiner Einsch\u00e4tzung gelangt sei, schildert die nieders\u00e4chsische Landesschulbeh\u00f6rde den Ablauf einer solchen Pr\u00fcfung exemplarisch. M\u00f6gliche Beeintr\u00e4chtigungen durch die Maske und relevante Vorerkrankungen m\u00fcssten konkret benannt werden.<\/p>\n<p>\u00bbEs kommt hin und wieder vor, dass sich Schulleitungen hinsichtlich der Glaubw\u00fcrdigkeit von vorgelegten Attesten von uns beraten lassen\u00ab, teilte die Beh\u00f6rde weiter mit. Das Thema Maskenverweigerung sei jedoch kein fl\u00e4chendeckendes Problem.<\/p>\n<h3>Lauter Einzelf\u00e4lle<\/h3>\n<p>Es gehe, wenn \u00fcberhaupt, um Einzelf\u00e4lle, teilten auch die anderen Kultusministerien der L\u00e4nder auf Anfrage mit. Aus Baden-W\u00fcrttemberg hie\u00df es, an Waldorfschulen seien ihnen \u00bbj\u00fcngst wenige F\u00e4lle bekannt geworden\u00ab, die zurzeit von den zust\u00e4ndigen Dienstaufsichtsbeh\u00f6rden \u00fcberpr\u00fcft w\u00fcrden. Und auch an staatlichen Schulen \u00bbgibt es einzelne F\u00e4lle unter den Lehrkr\u00e4ften\u00ab. <\/p>\n<p>Auch wenn sich die Vorw\u00fcrfe in M\u00fcllheim vorerst nicht abschlie\u00dfend kl\u00e4ren lassen, zeigen der Ruf nach der Polizei und der offene Brief: Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sind weitgehend auf sich allein gestellt, wenn sie sich f\u00fcr die Maskenpflicht und damit f\u00fcr ihr Recht auf Bildung einsetzen.<\/p>\n<p>So schreibt die Sch\u00fclermitverwaltung, \u00bbnat\u00fcrlich wendeten wir uns auch an andere Lehrer in der Hoffnung, das Thema w\u00fcrde in der Lehrerkonferenz zur Sprache kommen, sodass man zu einer L\u00f6sung h\u00e4tte finden k\u00f6nnen. Es \u00e4nderte sich jedoch nichts am Verhalten besagter Lehrkr\u00e4fte\u00ab.<\/p>\n<h3>Sch\u00fcler unter Druck gesetzt<\/h3>\n<p>Der Sch\u00fcler wiederum, der die Polizei gerufen habe, sei aus dem Unterricht zitiert und vom Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und zwei Mitgliedern aus dem Verwaltungsrat unter Druck gesetzt worden. Ihm sei wegen \u00bbVerrat und Vertrauensbruch\u00ab mit dem Schulausschluss gedroht worden, hei\u00dft es in dem offenen Brief.<\/p>\n<p>Der Druck kam damit von Personen, die in Teilen auch f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung der Vorw\u00fcrfe zust\u00e4ndig sind. Denn bei nicht staatlichen Schulen liegt die Schulaufsicht in der Regel beim Tr\u00e4ger, das ist bei den Waldorfschulen meist ein Verein mit Mitgliedern aus der Eltern- und Lehrerschaft, die sich in unterschiedlichen Gremien wie Verwaltungsrat, Vorstand oder Schulforum selbst verwalten.<\/p>\n<p>Der Vorstand teilte dem SPIEGEL mit, die Schule \u00bbbesitzt wie alle anderen Schulen ein umfassendes Hygienekonzept\u00ab, die Lehrkr\u00e4fte, die von der Maskenpflicht befreit seien, \u00bbunterrichten mit Abstand in gesonderten R\u00e4umen und sind an ihre sogenannten Kohorten gebunden\u00ab. Im offenen Brief der Sch\u00fclermitverwaltung stellt sich das anders dar. Die Sch\u00fcler fordern diese Lehrkr\u00e4fte auf, \u00bbden vom Gesetz vorgegebenen Mindestabstand einzuhalten oder Homeschooling zu betreiben\u00ab.<\/p>\n<p>Erst wenn sich Konflikte vor Ort nicht kl\u00e4ren lie\u00dfen, werde die n\u00e4chste Ebene eingeschaltet, erkl\u00e4rt der Sprecher des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFWS), Henning Kullak-Ublick. Also zun\u00e4chst die jeweilige Landesarbeitsgemeinschaft und dann der BdFWS, bei dem es auch eine Beschwerdestelle gebe. Ihm sei der M\u00fcllheimer Fall bisher nicht bekannt gewesen.<\/p>\n<p>Die staatliche Fachaufsicht wiederum kann sich nur einschalten, wenn sie von den Problemen erf\u00e4hrt, was hier bisher ebenfalls nicht gegeben war. Das kann an staatlichen Schulen genauso zum Problem werden, wie ein Fall aus Berlin zeigt.<\/p>\n<h3>Hilferuf an die Medien<\/h3>\n<p>Mitte November wurde durch einen Bericht des RBB bekannt, dass ein Berufsschullehrer Sch\u00fclern im Unterricht gesagt haben soll, dass sie ihre Masken nicht tragen m\u00fcssten. Auf seinem YouTube-Kanal sprach der Mann demnach von einer \u00bbZensur der Meinungsfreiheit\u00ab und bezeichnete Masken als \u00bbmodernes Hakenkreuz\u00ab.<\/p>\n<p>\u00bbWir dulden nicht, dass Hygienema\u00dfnahmen an Schulen unterlaufen werden\u00ab, erkl\u00e4rte ein Sprecher der Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung daraufhin. Zu Personalangelegenheiten k\u00f6nne sich die Beh\u00f6rde grunds\u00e4tzlich nicht \u00e4u\u00dfern. Wenn die Senatsverwaltung aber von \u00bbproblematischen F\u00e4llen Kenntnis erlangt, l\u00e4sst sie das dienstrechtlich pr\u00fcfen\u00ab.<\/p>\n<p>Bis das Problem bei der Beh\u00f6rde ankam, dauerte es allerdings. Der RBB berichtete, dass der Lehrer seine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bereits seit dem ersten Shutdown im Fr\u00fchjahr indoktriniere. Doch Beschwerden der Sch\u00fcler, auch bei anderen Lehrern, blieben demnach lange folgenlos. Erst im August soll der Schulleiter die Vorw\u00fcrfe dem Bericht zufolge an die Schulaufsicht weitergegeben haben. Es soll Gespr\u00e4che gegeben haben, doch der Lehrer unterrichtete weiter. Schlie\u00dflich drohten die Sch\u00fcler mit Streik und suchten \u00fcber den RBB die \u00d6ffentlichkeit. Ein langj\u00e4hriger Kollege r\u00e4umte laut dem Sender ein, sie h\u00e4tten die Sch\u00fcler in gewisser Weise \u00bbin die Notsituation gebracht, dass sie sich sozusagen nach au\u00dfen wenden mussten, um Geh\u00f6r zu finden\u00ab.<\/p>\n<h3>\u00bbGesamtgesellschaftlich aufgeladene Stimmung\u00ab<\/h3>\n<p>Wie gro\u00df das Problem an Schulen also tats\u00e4chlich ist, l\u00e4sst sich schwer einsch\u00e4tzen, wenn Verst\u00f6\u00dfe gegen die Corona-Schutzverordnung die Kulturministerien erst sp\u00e4ter oder gar nicht erreichen.  <\/p>\n<p>Kullak-Ublick vom Bund der Freien Waldorfschulen sagt, es gebe an vielen Waldorfschulen Konflikte wegen der Maskenpflicht. \u00bbDie gesamtgesellschaftlich aufgeladene Stimmung in der Coronakrise macht auch vor den Toren der Waldorfschulen nicht halt.\u00ab Der Verein bezieht auf seiner Website deutlich Stellung gegen Corona-Leugner und Verschw\u00f6rungsideologien und stellt klar, dass auch Schulen in freier Tr\u00e4gerschaft \u00bbdem Gesundheitsschutz dienenden Ma\u00dfnahmen Folge zu leisten\u00ab h\u00e4tten. \u00bbIch musste in einigen F\u00e4llen, auch auf Wunsch der Schule, scharf intervenieren und werde das auch weiter tun\u00ab, sagt Kullak-Ublick.<\/p>\n<p>Allerdings sei es berechtigt, Ma\u00dfnahmen wie etwa den Einsatz von Masken in den Grundschulklassen auf ihren Sinn abzuklopfen und  wissenschaftliche Belege zu fordern, so Kullak-Ublick. Bei Waldorfschulen komme als zus\u00e4tzliches Konfliktpotenzial bei den Einschr\u00e4nkungen hinzu, dass der Freiheitsbegriff in der P\u00e4dagogik so zentral sei.<\/p>\n<h3>\u00bbErziehung zur Freiheit\u00ab<\/h3>\n<p>In M\u00fcllheim zeigte sich das vor dem Schulgeb\u00e4ude, nur einen Tag nachdem der Sch\u00fcler die Polizei gerufen hatte. Maskengegner schrieben mit Kreide \u00bbErziehung zur Freiheit \u2013 Gesicht zeigen\u00ab auf den Boden. Das dokumentieren Bilder aus einem Gruppenchat. Kullak-Ublick sagt, hier werde das Freiheitsideal instrumentalisiert. Am 9. November hing an der Schule ein Schild mit der Forderung \u00bbMaskenfrei\u00ab im Baum.<\/p>\n<p>Doch mit Blick auf die P\u00e4dagogik ist auch der umgekehrte Schluss denkbar, wie eine diplomatisch formulierte Mail eines Elternpaares zeigt, die dem SPIEGEL ebenfalls vorliegt. Darin loben die Eltern den Mut der Sch\u00fcler, mutma\u00dfliche Maskenverweigerung nicht einfach hinzunehmen. \u00bbVielleicht geb\u00fchrt ja auch der Waldorfschule ein Teil des Lobes: daf\u00fcr, die Sch\u00fcler zu dieser Zivilcourage mit erzogen zu haben\u00ab, hei\u00dft es da.<\/p>\n<p>Und weiter: \u00bbSie als Verwaltungsrat, aber auch die Lehrerschaft, sind hoffentlich stolz darauf, dass eine Klasse sich so f\u00fcr das Gemeinwohl engagiert. Und sich nicht dem Druck der Administration beugt.\u00ab Daraus sollten sich keine Nachteile f\u00fcr die Sch\u00fcler ergeben, so die ausdr\u00fcckliche Forderung. Vom Verwaltungsrat und der Lehrerschaft verlangten sie, eine Vorbildfunktion f\u00fcr die Sch\u00fcler und eine starke Unterst\u00fctzung der gesellschaftlichen Anstrengungen im Kampf gegen Corona zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Streitgegenstand: Mund-Nasen-Schutz im Unterricht (Symbolfoto) Foto:\u2002Matthias Balk \/ dpa In der gro\u00dfen Pause am Vormittag des 14. 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