{"id":406,"date":"2020-06-11T10:18:38","date_gmt":"2020-06-11T07:18:38","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-pandemie-wurgt-kohlestrom-ab\/"},"modified":"2020-06-11T10:18:38","modified_gmt":"2020-06-11T07:18:38","slug":"corona-pandemie-wurgt-kohlestrom-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-pandemie-wurgt-kohlestrom-ab\/","title":{"rendered":"Corona-Pandemie w\u00fcrgt Kohlestrom ab"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d65ddfef-93d0-4281-81cf-f637a54a1677_w948_r1.77_fpx46_fpy94.jpg\" title=\"Das Eggborough Power Station im englischen Yorkshire musste bereits 2018 schlie\u00dfen: Bis 2024 folgen alle anderen britischen Kohlemeiler\" alt=\"Das Eggborough Power Station im englischen Yorkshire musste bereits 2018 schlie\u00dfen: Bis 2024 folgen alle anderen britischen Kohlemeiler\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Das Eggborough Power Station im englischen Yorkshire musste bereits 2018 schlie\u00dfen: Bis 2024 folgen alle anderen britischen Kohlemeiler<\/p>\n<p> Scott Masterton\/ Westend61\/ imago images <\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor 138 Jahren ging in London das erste Kohlekraftwerk der Welt ans Netz, das Strom f\u00fcr die \u00f6ffentliche Nutzung erzeugte. Entworfen und gebaut vom ber\u00fchmten Ingenieur Thomas Edison, der auch die Gl\u00fchbirne erfand.<\/p>\n<p>Am heutigen Mittwoch hingegen feiert man nicht die Kohle, sondern ihren Abschied: Erstmals kam Gro\u00dfbritannien seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert zwei Monate hintereinander ohne Strom aus Kohlekraftwerken aus, so der britische \u00dcbertragungsnetzbetreiber National Grid.<\/p>\n<p>Vor zehn Jahren trugen Kohlekraftwerke noch bis zu 40 Prozent zur Energieversorgung Gro\u00dfbritanniens bei, wie aus \u00e4lteren Statistiken hervorgeht. Den ersten Tag ohne Kohle gab es im Jahr 2017. Das Land will seine verbleibenden Kohlekraftwerke bis 2024 schlie\u00dfen, um sein Netto-Null-Emissionsziel bis 2050 zu erreichen.<\/p>\n<p>Der Rekord ist teilweise auf die Coronakrise zur\u00fcckzuf\u00fchren, da die Nachfrage nach Strom um durchschnittlich 15 bis 20 Prozent einbrach &#8211; aber die Kohlekrise hat auch andere Gr\u00fcnde. &quot;In ganz Zentraleuropa wird die Kohle derzeit vom Markt gedr\u00e4ngt&quot;, erkl\u00e4rt Frank Peter, stellvertretender Direktor des Thinktanks Agora Energiewende. &quot;Wir haben es hier mit einer sehr ung\u00fcnstigen Marktlage f\u00fcr die Kohle zu tun, die durch Corona beg\u00fcnstigt wird, aber schon lange vor der Pandemie begonnen hat.&quot; In Gro\u00dfbritannien, aber auch in anderen L\u00e4ndern h\u00e4tten die guten Wetterlagen &#8211; viel Wind und sonnige Tage &#8211; die Produktion von erneuerbarem Strom beg\u00fcnstigt. Gleichzeitig h\u00e4tte es den ganzen Winter \u00fcber billiges Erdgas gegeben.<\/p>\n<p>&quot;Da f\u00e4llt die Kohle mit ihren viel h\u00f6heren Grenzkosten ganz schnell raus&quot;, meint Peter. Grund daf\u00fcr sei das sogenannte Merit-Order-Verfahren. Demnach haben Kraftwerke mit hohen Kosten das Nachsehen und rutschen in der Rangfolge an der Stromb\u00f6rse nach hinten. Die Kohle m\u00fcsse mittlerweile mit einem h\u00f6heren CO2-Preis im Emissionshandel kalkulieren, hinzu kommt der teure Einkauf von Steinkohle oder die hohen Betriebskosten der Tagebaue zur F\u00f6rderung der Braunkohle.<\/p>\n<h3>Globale Kohlekrise und der Siegeszug der Erneuerbaren<\/h3>\n<p>Laut dem Klimathinktank Climate Action Tracker \u00fcbersteigen selbst in L\u00e4ndern mit einem enormen Energiebedarf wie China und Indien die Investitionen in Solarenergie und Windkraft den Bau neuer Kohlekraftwerke. Dennoch ist der Zubau mit CO2-intensiver Kohle in diesen L\u00e4ndern extrem hoch: Im vergangenen Jahr waren in Indien Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 200 Gigawatt am Netz, in den kommenden Jahren k\u00f6nnten es mehr als 300 sein. Deutschland hat dagegen bei mehr als 100 Kraftwerken nur rund 38 Gigawatt.<\/p>\n<p>&quot;China baut zwar noch neue Kohlekraftwerke zu &#8211; aber nur um alte, besonders dreckige Meiler schneller vom Netz zu nehmen&quot;, beobachtet Energieexperte Peter.<\/p>\n<p>Das Vorgehen \u00e4hnelt der Argumentation f\u00fcr die Inbetriebnahme des deutschen Kohlemeilers Datteln 4 vor zwei Wochen: Statt alte Dreckschleudern aus dem 20. Jahrhundert weiterlaufen zu lassen, sollten demnach lieber neue Kohlekraftwerke mit besseren Filtern und weniger CO2-Emissionen ans Netz gehen. Diese Rechnung geht allerdings weder klimapolitisch noch aus wirtschaftlicher Sicht auf, wie die aktuellen Entwicklungen zeigen.<\/p>\n<p>Auch in Deutschland ging der Anteil des Kohlestroms seit Anfang des Jahres zur\u00fcck. Die durch konventionelle Energietr\u00e4ger erzeugte Strommenge sank von Januar bis M\u00e4rz deutlich um fast 22 Prozent. Aus Kohle wurde \u00fcber 30 Prozent weniger Strom produziert, sie hatte insgesamt noch einen Anteil von rund 22 Prozent.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal ist damit auch in Deutschland in einem Quartal insgesamt mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt worden als aus den konventionellen Energietr\u00e4gern Kohle, aber auch aus Gas und Atomkraft. In den ersten drei Monaten steig der \u00d6kostromanteil \u00fcber 50 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt laut vorl\u00e4ufigen Ergebnissen mit. Die Werte seien auch weiterhin unver\u00e4ndert hoch, so Frank Peter von Agora Energiewende.<\/p>\n<p>&quot;Wir werden in Deutschland bei der Erzeugung bereits in diesem Jahr fast die Ziele der Kohlekommission f\u00fcr das Jahr 2030 schaffen, so stark ist die Kohle bedingt durch den Markt und die Coronakrise eingebrochen&quot;, so Frank Peter.<\/p>\n<h3>Vergoldeter Kohleausstieg?<\/h3>\n<p>Diese massiven Ver\u00e4nderungen am Strommarkt und der Wertverfall der Kohle k\u00f6nnten auch bei den Entsch\u00e4digungen eine Rolle spielen, die derzeit beim Kohleausstiegsgesetz verhandelt werden. Aus Expertenkreisen hei\u00dft es bereits jetzt, dass beispielsweise in der Lausitz niemand mehr damit rechne, dass die Braunkohle in der Region wirtschaftlich noch bis 2038 &#8211; also bis zum endg\u00fcltigen Kohleausstieg &#8211; durchhalte.<\/p>\n<p>Das deutsche Kohleausstiegsgesetz soll noch bis zur Sommerpause im Bundestag verabschiedet werden. Es sieht einen konkreten Fahrplan f\u00fcr das vorzeitige Abschalten von Kohlekraftwerken vor. Mit dem Ausstiegsgesetz will die Regierung mit den Betreibern von Braunkohlekraftwerken, darunter die Lausitzer Leag und RWE, \u00f6ffentlich-rechtliche Vertr\u00e4ge abschlie\u00dfen. Darin einflie\u00dfen sollen dann auch Entsch\u00e4digungen in H\u00f6he von 2,6 Milliarden Euro f\u00fcr das Rheinland und von 1,75 Milliarden Euro f\u00fcr die Lausitz.<\/p>\n<p>Steinkohle-Betreiber sollen sich bis 2026 darauf bewerben k\u00f6nnen, Kraftwerke gegen eine Entsch\u00e4digung abzuschalten. Danach soll per Ordnungsrecht festgelegt werden, wer wann ohne Entsch\u00e4digung vom Netz geht &#8211; dies st\u00f6\u00dft auf breite Kritik von Betreibern, weil diese sich im Gegensatz zur Braunkohle benachteiligt f\u00fchlen.<\/p>\n<p>In den kommenden Wochen verhandelt die Gro\u00dfe Koalition dar\u00fcber, wie sich die Entsch\u00e4digungen f\u00fcr Stein- und Braunkohle genau berechnen. Spannend wird es angesichts der schlechten Marktlage f\u00fcr die Kohlekraftwerke &#8211; und ob das letztendlich in den Vertr\u00e4gen mit den Betreibern ber\u00fccksichtigt wird. Umweltorganisationen wie die Klima-Allianz fordern schon l\u00e4nger, die Entsch\u00e4digungen zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Das Eggborough Power Station im englischen Yorkshire musste bereits 2018 schlie\u00dfen: Bis 2024 folgen alle anderen britischen Kohlemeiler Scott Masterton\/ Westend61\/ imago images Vor 138 Jahren ging in London das erste Kohlekraftwerk der Welt ans Netz, das Strom f\u00fcr die \u00f6ffentliche Nutzung erzeugte. 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