{"id":4010,"date":"2020-11-22T03:07:21","date_gmt":"2020-11-22T00:07:21","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/frauenquote-fur-vorstande-kann-die-das\/"},"modified":"2020-11-22T03:07:21","modified_gmt":"2020-11-22T00:07:21","slug":"frauenquote-fur-vorstande-kann-die-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/frauenquote-fur-vorstande-kann-die-das\/","title":{"rendered":"Frauenquote f\u00fcr Vorst\u00e4nde: Kann die das?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/825661a3-def4-494d-8eb2-5500163c0ada_w948_r1.77_fpx57.14_fpy50.jpg\" title=\"Reicht eine Quote, um die m\u00e4nnliche Dominanz in vielen Unternehmensvorst\u00e4nden zu brechen?\" alt=\"Reicht eine Quote, um die m\u00e4nnliche Dominanz in vielen Unternehmensvorst\u00e4nden zu brechen?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Reicht eine Quote, um die m\u00e4nnliche Dominanz in vielen Unternehmensvorst\u00e4nden zu brechen?<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Oliver Berg \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Man h\u00f6rt f\u00f6rmlich das St\u00f6hnen in den schwarzbeanzugten Pinguin-Etagen der Gro\u00dfunternehmen: Warum um Himmels Willen muss das nun auch noch sein? Die schwarz-rote Koalition hat das Unvorstellbare getan und sich auf eine verbindliche Frauenquote in Vorst\u00e4nden geeinigt.<\/p>\n<p>In den Leitungsgremien b\u00f6rsennotierter und parit\u00e4tisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern muss k\u00fcnftig ein Mitglied weiblich sein. Kommende Woche soll der in einer Arbeitsgruppe errungene Durchbruch den Koalitionsspitzen zur Entscheidung vorgelegt werden.<\/p>\n<p>Ist Corona nicht Plage genug? Braucht es ausgerechnet jetzt ein Gesetz, das Firmen zwingen soll, Frauen ins Allerheiligste, die Vorstandsetagen, einzulassen?<\/p>\n<p>Ja, das braucht es. Leider. 2011 verhinderte die Wirtschaft ein Gleichstellungsgesetz, indem sie gelobte und beteuerte, den Anteil der Frauen in den F\u00fchrungsetagen freiwillig zu erh\u00f6hen. Was, wie so oft bei Selbstverpflichtungen, nicht geschah.<\/p>\n<p>Bis heute gilt vorwiegend und nicht nur im Dax: Sie m\u00fcssen leider drau\u00dfen bleiben. Im Vergleich mit britischen, amerikanischen oder skandinavischen Konzernen wirken deutsche Unternehmen in dieser Hinsicht zum Mitsch\u00e4men bieder, spie\u00dfig, vorgestrig.<\/p>\n<p>Nach wie vor liegt der Mehltau des Patriarchats auf den Unternehmen wie die Schuppen auf den Anzugschultern. Dabei ist es egal, ob die Zweireiher durch hippe Hoodies ersetzt werden; in den K\u00f6pfen der Rekrutierer und Aufseher \u00e4ndert sich wenig. Auch in den jungen IT-Firmen haben bisher vorwiegend M\u00e4nner das Sagen. Business as usual, seit Jahrhunderten. <\/p>\n<p>Nichts scheint zu helfen. Nicht, dass Frauen mittlerweile oft die besseren Uniabschl\u00fcsse vorweisen. Keine Studien, die das gro\u00dfe, ungenutzte Potential kompetenter Frauen und die hohe Leistungsf\u00e4higkeit gemischter Teams belegen.<\/p>\n<h3>Elf der 30 Dax-Konzerne haben keine Frau im Vorstand<\/h3>\n<p>Keine Diversifikationspredigt. Keine Managerinnen, die sich wie M\u00e4nner benehmen. Nicht einmal die Vorbilder aus den USA und Schweden geben den deutschen Bossen zu denken, wo 97 Prozent der b\u00f6rsennotierten Unternehmen gleich mehrere Frauen im Vorstand haben \u2013 und trotz dieser ungeheuren B\u00fcrde r\u00e4tselhafterweise nicht Pleite gehen.<\/p>\n<p>In Deutschland haben elf der 30 Dax-Konzerne keine einzige weibliche F\u00fchrungskraft im Vorstand. Der Frauenanteil ist sogar auf den Stand von 2017 gefallen und betr\u00e4gt aktuell nur 12,8 Prozent. Was daran liegt, dass eine ganze Reihe von Frauen, die es nach oben geschafft hatten, wieder abserviert wurden oder das Handtuch warfen.<\/p>\n<p>Unvergessen, wie das Softwarehaus SAP gefeiert wurde, als Jennifer Morgan im Oktober 2019 zur ersten Frau an die Spitze des DAX-Konzerns bef\u00f6rdert wurde, auch noch des wertvollsten. Ein halbes Jahr sp\u00e4ter war das Fest vorbei, die 49-J\u00e4hrige, die 16 Jahre lang bei SAP gearbeitet hatte, musste wegen un\u00fcberbr\u00fcckbarer strategischer Differenzen mit ihrem 38-j\u00e4hrigen Co-CEO Klein gehen.<\/p>\n<p>Im gleichen Jahr trennte sich Siemens von seiner gefeierten Personalchefin Janina Kugel. Bei der Allianz war es nach nur 17 Monaten mit Personalvorst\u00e4ndin Ana-Christina Grohnert vorbei, bei der Deutschen Bank musste Compliance-Chefin Sylvie Matherat gehen, und bei der Lufthansa r\u00e4umte Arbeitsdirektorin Bettina Volkens ihren Posten.<\/p>\n<p>Bei der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit verlor Vorst\u00e4ndin Valerie Holsboer einen h\u00e4sslichen Machtkampf. Wiebke K\u00f6hler, bis Oktober 2018 Ex-Personalvorst\u00e4ndin bei Axa-Versicherung, \u00fcberlebte kein Jahr in der Position, Christine Hohmann-Dennhardt hielt sich 13 Monate als Ethik-Vorstand bei Volkswagen. Undsoweiterundsofort.<\/p>\n<p>Hinter vorgehaltener Hand h\u00f6rt man ihn dann, den beliebten Killersatz: Die k\u00f6nnen es halt nicht. Tats\u00e4chlich scheinen es die M\u00e4nner zu sein, die nicht k\u00f6nnen. Die Unternehmen versagen eklatant darin, ihre Kultur so zu ver\u00e4ndern, dass Frauen dort erfolgreich agieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Neuzug\u00e4nge scheitern an m\u00e4chtigen Netzwerken, gut ge\u00f6lten M\u00e4nnerfreundschaften, auch an einzelnen Provokateuren, die zur Belustigung der Gorillaherde jovial geduldet werden. Wer das nicht witzig findet, hat halt keinen Humor.<\/p>\n<p>Damit nicht herauskommt, woran so viele Frauen in F\u00fchrungspositionen scheitern, zahlen die Firmen den abgeschossenen Managerinnen hohe Abfindungen, die mit einem Schweigegel\u00fcbde einhergehen. Keine darf \u00fcber ihre Erfahrungen, \u00fcber die Untiefen, auch nicht \u00fcber die fremden und eigenen Fehler reden.<\/p>\n<p>Dieser Maulkorb ist Mitschuld an der Misere. Denn so tappt eine m\u00f6gliche Nachfolgerin unversehens in die gleichen Fallen. Und scheitert ebenfalls, wie durch ein Wunder. Was wiederum beweist: Die Frauen k\u00f6nnen es halt nicht.<\/p>\n<p>Gegen diesen Mechanismus hilft nicht alleine das \u00fcberf\u00e4llige Gleichstellungsgesetz. Es hilft nur: Reden. Offenlegen. Auspacken. Gemeinsam, \u00f6ffentlich und schonungslos. Eine Art MeToo-Bewegung der F\u00fchrungsfrauen k\u00f6nnte eine gesellschaftliche Diskussion ausl\u00f6sen und endlich ans Licht bringen, warum deutsche Unternehmen in Sachen Diversit\u00e4t so peinlich hinterherhinken. <\/p>\n<p>Noch h\u00e4lt das Mantra, wonach es unprofessionell und eine Schw\u00e4chung des Marktwerts sei, offen \u00fcber seine Erfahrungen zu berichten. Noch gelingt die Vereinzelung. Obwohl sich die F\u00e4lle \u00e4hneln, h\u00e4ufen, wiederholen. Wenn sich das einmal \u00e4ndert, k\u00f6nnte das Kartenhaus, auf dem die deutsche Unternehmenskultur steht, einst\u00fcrzen. Und Frauen h\u00e4tten endlich gleiche Chancen auf Erfolg.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Reicht eine Quote, um die m\u00e4nnliche Dominanz in vielen Unternehmensvorst\u00e4nden zu brechen? 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