{"id":4001,"date":"2020-11-21T16:27:55","date_gmt":"2020-11-21T13:27:55","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-warum-die-immunitat-jahre-anhalten-konnte-und-was-das-fur-einen-impfstoff-bedeutet\/"},"modified":"2020-11-21T16:27:55","modified_gmt":"2020-11-21T13:27:55","slug":"corona-warum-die-immunitat-jahre-anhalten-konnte-und-was-das-fur-einen-impfstoff-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-warum-die-immunitat-jahre-anhalten-konnte-und-was-das-fur-einen-impfstoff-bedeutet\/","title":{"rendered":"Corona: Warum die Immunit\u00e4t Jahre anhalten k\u00f6nnte und was das f\u00fcr einen Impfstoff bedeutet"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/eb9075a3-c33d-4679-8c44-ac8404ef49f9_w948_r1.77_fpx50_fpy53.jpg\" title=\"Angriff von allen Seiten: Das Immunsystem attackiert nicht nur das Virus selbst mit Antik\u00f6rpern (in dieser Illustration die Y-f\u00f6rmigen Gebilde), sondern auch die infizierten Zellen\" alt=\"Angriff von allen Seiten: Das Immunsystem attackiert nicht nur das Virus selbst mit Antik\u00f6rpern (in dieser Illustration die Y-f\u00f6rmigen Gebilde), sondern auch die infizierten Zellen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Angriff von allen Seiten: Das Immunsystem attackiert nicht nur das Virus selbst mit Antik\u00f6rpern (in dieser Illustration die Y-f\u00f6rmigen Gebilde), sondern auch die infizierten Zellen<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Design Cells \/ iStockphoto \/ Getty Image  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Blut des idealen Probanden ruhte sicher verwahrt in einer Biodatenbank<em>, <\/em>lange bevor Maike Hofmann \u00fcberhaupt davon wusste. Die Molekularmedizinerin von der Uniklinik Freiburg erforscht gemeinsam mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern das immunologische Ged\u00e4chtnis von ehemaligen Covid-19-Patienten. Ihre neueste Studie, die k\u00fcrzlich im Fachblatt \u00bbNature Medicine\u00ab erschien, zeigt: Selbst wer nur leicht erkrankt, bildet mindestens f\u00fcr Monate eine wirksame Immunabwehr. Der beste Beweis ist die des unbekannten Probanden aus der Biobank.<\/p>\n<p>Der Mann oder die Frau \u2013 die Forscher d\u00fcrfen aus Datenschutzgr\u00fcnden nicht das kleinste Detail verraten, was auf die Identit\u00e4t der Testperson schlie\u00dfen lie\u00dfe \u2013, hatte zuf\u00e4llig Blutproben abgegeben, bevor sie oder er sich mit dem Coronavirus infizierte. Ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr die Wissenschaft, denn die Probe hat den Zustand des Immunsystems vor Sars-CoV-2 konserviert. W\u00fcrden die Forscher nach einer Corona-Infektion andere Immunzellen im Blut des Probanden finden, w\u00e4ren diese sehr wahrscheinlich auf das Coronavirus zur\u00fcckzuf\u00fchren. Und so kam es auch.<\/p>\n<p>Sieben Tage nachdem bei dem Probanden die ersten Symptome aufgetreten waren, wiesen die Freiburger Forscher sogenannte Ged\u00e4chtnis-T-Zellen nach. Diese Killerzellen des Immunsystems hatten sich auf das Coronavirus spezialisiert. Sie erkennen, welche Zelle mit dem Erreger infiziert ist und t\u00f6ten diese ab. Mehr noch: Die T-Zellen bilden offenbar eine dauerhafte Abwehr \u2013 sie waren auch noch mehr als drei Monate nach der Infektion nachweisbar.<\/p>\n<p>Aufgrund von Analysen von T-Zellen im Zusammenhang mit anderen Viruskrankheiten hat das Forschungsteam keinen Grund anzunehmen, dass der Wert dieser Zellen nach kurzer Zeit pl\u00f6tzlich dramatisch sinken wird. \u00bbWir wissen von anderen Infektionskrankheiten, dass solche Zellen eine entscheidende Rolle spielen, erneute Infektionen mit demselben Erreger zu verhindern\u00ab, erz\u00e4hlt Hofmann am Telefon. \u00bbWir sind deshalb zuversichtlich, dass das bei Covid-19 auch der Fall ist.\u00ab Und das sehr wahrscheinlich bei der \u00fcberwiegenden Mehrheit der Patienten, selbst wenn sie nur leichte Symptome hatten. Denn die Ged\u00e4chtniszellen fanden die Forscher nicht nur bei dem einen Probanden, sondern bei fast 90 Prozent der 26 von ihnen untersuchten Testpersonen. Alle waren nur leicht erkrankt.<\/p>\n<p>Wie lange die Immunit\u00e4t genau anhalten wird, kann noch niemand mit absoluter Sicherheit sagen, daf\u00fcr ist das Coronavirus noch nicht lange genug im Umlauf. \u00bbAber wir haben bisher bei den untersuchten T-Zellen nichts gesehen, was uns Sorgen bereiten m\u00fcsste\u00ab, sagt Hofmann. Im Moment spreche nichts dagegen, dass die Immunit\u00e4t Jahre anhalten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Antik\u00f6rper hingegen erwiesen sich in mehreren Studien, auch aus Deutschland, deutlich flatterhafter als die T-Ged\u00e4chtniszellen. Mehrfach lie\u00dfen sich schon wenige Monate nach der Infektion bei Probanden keine spezifischen Antik\u00f6rper gegen das Coronavirus mehr nachweisen. So war es auch bei dem idealen Probanden aus Freiburg. 79 Tage nach Auftreten der Symptome blieben Antik\u00f6rpertests bei ihm negativ. Bei Teilnehmern aus vorherigen Studien schlugen die Tests gar nicht erst an, obwohl sich diese nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hatten.<\/p>\n<h3>Was bedeuten sinkende Antik\u00f6rper-Spiegel?<\/h3>\n<p>Hielt die Immunit\u00e4t nur kurz? Und was w\u00fcrde das f\u00fcr einen Impfstoff bedeuten? M\u00fcsste man sich gar alle paar Monate oder jedes Jahr neu gegen das Virus impfen lassen \u2013 \u00e4hnlich wie bei der Grippe?<\/p>\n<p>\u00bbDass die Zahl der Antik\u00f6rper nach der Infektion sinkt, bedeutet nicht, dass man nicht immun ist\u00ab, erkl\u00e4rt Hofmann. Covid-19 sei l\u00e4ngst nicht die einzige Krankheit, bei der die Zahl der Antik\u00f6rper nach kurzer Zeit so weit abnimmt, dass sie sich nicht mehr nachweisen lassen. \u00bbDas hei\u00dft aber nicht, dass die Immunantwort komplett verschwunden ist\u00ab, sagt Hofmann.<\/p>\n<p>Normalerweise dockt das Coronavirus \u00fcber Eiwei\u00dfe an der Au\u00dfenh\u00fclle an K\u00f6rperzellen an. Sie geben dem Virus sein stacheliges Aussehen. Diese Vorspr\u00fcnge sind gemeint, wenn von Stacheleiwei\u00df oder Spike-Protein die Rede ist. Einmal eingedrungen, bringt der Erreger die Zelle dazu, zahllose Kopien des Virus herzustellen. Die Zelle geht daran zugrunde, die Viren werden frei und suchen sich einen neuen Wirt. Antik\u00f6rper blockieren das Spike-Protein jedoch, das Virus kann nicht mehr in die Zelle eindringen.<\/p>\n<p>Ist die Infektion \u00fcberstanden, haben sie ihre Hauptaufgabe erst mal erledigt. Dass ihre Anzahl dann sinkt, ist also durchaus nachvollziehbar. Wer w\u00fcrde schon st\u00e4ndig ein hoch spezialisiertes Bataillon an der Front verharren lassen, wenn die Schlacht l\u00e4ngst vorbei ist?<\/p>\n<h3>Diesmal gesund<\/h3>\n<p>Da der Feind \u2013 in diesem Fall das Virus \u2013 jederzeit erneut auftauchen k\u00f6nnte, patrouillieren weiterhin sogenannte Ged\u00e4chtniszellen durch den K\u00f6rper, darunter auch die T-Zellen, die Hofmann erforscht. Erkennen die Ged\u00e4chtniszellen das Virus erneut, greifen sie selbst an oder sorgen f\u00fcr Verst\u00e4rkung. Das Virus wird im besten Fall gestoppt, bevor es sich ausbreiten kann. Der Mensch bekommt nichts vom Gefecht in seinem K\u00f6rper mit und bleibt diesmal gesund.<\/p>\n<p>Au\u00dfer den T-Zellen spielen auch sogenannte B-Zellen eine wichtige Rolle bei der langfristigen Immunit\u00e4t. Sie verf\u00fcgen \u00fcber eine Art Fahndungsfoto des Coronavirus, mit dem sie alle Eindringlinge im K\u00f6rper abgleichen, denen sie begegnen. Erkennen sie das Virus, produzieren sie erneut passgenaue Antik\u00f6rper, die den Erreger ausschalten. Laut ersten Studienergebnissen von US-Forschern lassen sich B-Zellen \u00fcber Monate im Blut von ehemaligen Covid-19-Patienten nachweisen. Anders als die Arbeit aus Freiburg ist die Studie der US-Forscher allerdings noch nicht in einem Fachblatt ver\u00f6ffentlicht und nicht von unabh\u00e4ngigen Forschern begutachtet worden. Zun\u00e4chst hatte die \u00bbNew York Times\u00ab \u00fcber die Ergebnisse berichtet.<\/p>\n<p>Das Forschungsteam vom La Jolla Institute of Immunology im US-Bundesstaat Kalifornien hatte im Blut von 38 ehemaligen Covid-19-Patienten \u00fcber Monate hinweg immer wieder Abwehrkr\u00e4fte aufgesp\u00fcrt, die der K\u00f6rper nach der Infektion mit dem Coronavirus gebildet hatte. Das Niveau der Antik\u00f6rper schwankte je nach Proband um das bis zu 200-fache. Vor allem bei schwer Erkrankten lie\u00dfen sich besonders viele Antik\u00f6rper nachweisen. Der Wert der B- und T-Zellen unterschied sich dagegen kaum, egal wie schwer die Betroffenen erkrankt waren. Die auch noch nach acht Monaten nachweisbare Immunabwehr d\u00fcrfte laut den US-Forschern reichen, um eine erneute Infektion abzuwehren. Wahrscheinlich h\u00e4lt der Schutz sogar noch l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Auch erste Studienergebnisse der Oxford University zeigen, dass die Immunit\u00e4t mindestens f\u00fcr sechs Monate anhalten d\u00fcrfte. Das Forschungsteam hatte von April bis November mehr als 12.000 Mitarbeiter im britischen Gesundheitswesen untersucht, die sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Keiner der Studienteilnehmer erkrankte in dieser Zeit erneut.<\/p>\n<p>Noch wissen Forscher nicht, wie hoch der Wert an Antik\u00f6rpern und Ged\u00e4chtniszellen sein muss, um sicher von einer Immunit\u00e4t ausgehen zu k\u00f6nnen. Andere Coronaviren, die Erk\u00e4ltungen ausl\u00f6sen, k\u00f6nnen offenbar schnell erneut zuschlagen. Laut einer Studie aus dem Sommer kann man sich sogar innerhalb weniger Monate erneut anstecken. Allerdings l\u00f6sen diese Erk\u00e4ltungsviren auch deutlich mildere Symptome aus, w\u00e4hrend Covid-19 t\u00f6dlich verlaufen kann.<\/p>\n<h3>Impfung k\u00f6nnte sogar zuverl\u00e4ssiger sch\u00fctzen als echte Infektion<\/h3>\n<p>Forscher vermuten, dass die Immunit\u00e4t gegen schwere Erkrankungen deutlich l\u00e4nger anh\u00e4lt. So bildeten M\u00e4use nach einer Infektion mit einem Coronavirus, das bei den Tieren heftige Symptome verursacht, Abwehrkr\u00e4fte, die sie ihr Leben lang vor einer erneuten Infektion sch\u00fctzten. Auch bei den f\u00fcr Menschen schwerwiegenden Corona-Erkrankungen Sars und Mers lie\u00dfen sich mindestens zwei Jahre lang spezifische Antik\u00f6rper im Blut von \u00dcberlebenden nachweisen. Bei Sars sp\u00fcrten Forscher sogar noch 17 Jahre nach der eigentlichen Infektion spezialisierte T-Zellen im Blut auf.<\/p>\n<p>Wie lange die Immunit\u00e4t gegen Covid-19 anh\u00e4lt, k\u00f6nnen Forscher erst mit Sicherheit sagen, wenn es zu immer mehr Reinfektionen kommt. Es gibt bereits einige Berichte \u00fcber erneute Ansteckungen. Gemessen an den Millionen Menschen weltweit, die sich inzwischen nachweislich mit dem Virus infiziert haben, fallen sie jedoch bislang kaum ins Gewicht.<\/p>\n<p>Eines f\u00e4llt jedoch bei den Studien auf, egal ob aus Freiburg oder Kalifornien: Bei einigen Genesenen finden sich keine Hinweise auf eine lang anhaltende Immunit\u00e4t. \u00bbWarum das so ist, k\u00f6nnen wir noch nicht sagen\u00ab, sagt Hofmann. M\u00f6glicherweise waren die Betroffenen nur wenigen Viren ausgesetzt, die das Immunsystem schnell ausschalten konnte. Die k\u00f6rpereigene Abwehr k\u00f6nnte deshalb auf h\u00e4rtere Gesch\u00fctze verzichtet haben.<\/p>\n<p>Eine Impfung \u2013 so die Hoffnung von Forschern \u2013 k\u00f6nnte dagegen bei allen Geimpften eine \u00e4hnliche Immunantwort ausl\u00f6sen und dadurch in bestimmten F\u00e4llen sogar besser sch\u00fctzen als eine echte Infektion. Mehrere Impfstoffkandidaten konnten in ersten Studien zeigen, dass sie nicht nur die Bildung von Antik\u00f6rpern, sondern auch von T-Zellen anregten. \u00bbAls ich von der hohen Wirksamkeit der ersten Impfstoffkandidaten las, habe ich mich sehr gefreut\u00ab, sagt Hofmann. \u00bbBesser kann es nicht laufen. Wir m\u00fcssen nat\u00fcrlich die weiteren Ergebnisse abwarten, aber es sieht vielversprechend aus.\u00ab<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Angriff von allen Seiten: Das Immunsystem attackiert nicht nur das Virus selbst mit Antik\u00f6rpern (in dieser Illustration die Y-f\u00f6rmigen Gebilde), sondern auch die infizierten Zellen Foto:\u2002Design Cells \/<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4002,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4001","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4001"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4001\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4002"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4001"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4001"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}