{"id":3908,"date":"2020-11-17T10:36:16","date_gmt":"2020-11-17T07:36:16","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/usa-wagt-joe-biden-den-kampf-gegen-big-oil\/"},"modified":"2020-11-17T10:36:16","modified_gmt":"2020-11-17T07:36:16","slug":"usa-wagt-joe-biden-den-kampf-gegen-big-oil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/usa-wagt-joe-biden-den-kampf-gegen-big-oil\/","title":{"rendered":"USA: Wagt Joe Biden den Kampf gegen Big Oil?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/46c6a4f1-d29a-4c0d-9ed6-12ed57cb2521_w948_r1.77_fpx50.35_fpy49.98.jpg\" title=\"Rohre der Alyeska-\u00d6lpipeline in Alaska\" alt=\"Rohre der Alyeska-\u00d6lpipeline in Alaska\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Rohre der Alyeska-\u00d6lpipeline in Alaska<\/p>\n<p>  Foto:\u2002imago images\/Ardea  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Kurz vor ihrem Rauswurf aus dem Wei\u00dfen Haus versucht die Trump-Regierung Fakten zu schaffen. Das Innenministerium treibt Pl\u00e4ne voran, noch vor der Amtseinf\u00fchrung des neuen Pr\u00e4sidenten \u00d6l- und Gasbohrrechte im Naturschutzgebiet \u00bbArctic National Wildlife Refuge\u00ab in Alaska zu versteigern. Am Montag vollzog die Regierung einen weiteren Schritt in dem Verfahren.<\/p>\n<p>Wahlsieger Joe Biden hat erkl\u00e4rt, mit ihm werde es eine Ausbeutung der Rohstoffvorkommen in der bislang unber\u00fchrten Wildnis nicht geben. Doch wenn die US-Regierung erst mal Vertr\u00e4ge mit den Konzernen geschlossen hat, d\u00fcrfte sich das nicht so einfach umkehren lassen.<\/p>\n<p>Mit Donald Trump verliert die \u00d6lindustrie ihren wichtigsten Verb\u00fcndeten im Wei\u00dfen Haus. Egal, ob es um Bohrrechte in \u00d6ko-Paradiesen oder die Abschaffung von Umweltvorgaben ging, die Regierung stand zu Diensten. Die Demokraten dagegen haben die Energiewende angek\u00fcndigt: Amerika m\u00fcsse sich \u00bbvon der \u00d6lindustrie entfernen\u00ab, sagte Biden in der letzten Debatte vor der Wahl \u2013 sein Gegner \u00fcbersetzte das in ein Schreckensszenario f\u00fcr einen der wichtigsten Wirtschaftssektoren Amerikas: \u00bbIm Prinzip sagt er, er wird die \u00d6lindustrie zerst\u00f6ren\u00ab, wetterte Trump und wandte sich dann direkt an die W\u00e4hler in den Bundesstaaten, in denen die Erfindung des Frackings in den vergangenen Jahrzehnten Hunderttausende Jobs geschaffen hat: \u00bbWirst du dich daran erinnern, Texas? Werdet ihr euch daran erinnern, Pennsylvania, Oklahoma, Ohio?\u00ab<\/p>\n<p>Genutzt hat es ihm am Ende nichts.<\/p>\n<p>Bricht nun also die G\u00f6tterd\u00e4mmerung von Big Oil an?<\/p>\n<p>Bidens Pl\u00e4ne sind ehrgeizig: Bis 2050 sollen die USA klimaneutral werden, Strom soll schon 15 Jahre fr\u00fcher ganz ohne CO\u2082-Emissionen erzeugt werden. Das ist nur zu schaffen, wenn die fossilen Energietr\u00e4ger Kohle und \u00d6l im gro\u00dfen Stil durch Erneuerbare wie Sonne und Wind ersetzt werden. Entscheidend f\u00fcr die \u00d6lindustrie ist jedoch nicht das Ob \u2013 kaum jemand zweifelt an dem Trend \u2013 sondern das Wie: Wie lange wird sich der \u00dcbergang strecken? Und wie radikal wird die neue Regierung vorgehen?<\/p>\n<p>Je nach eigenem politischen Standort hoffen oder f\u00fcrchten Beobachter, dass die Regierungsrealit\u00e4t die Programmatik abschleifen wird. Die Energieindustrie z\u00e4hle darauf, dass der Kongress allzu scharfe Umweltvorgaben verhindern werde, beruhigte Frackingpionier Harold Hamm seine Investoren. \u00bbDas ist das Spiel, das wir wieder spielen werden: sie in Schach zu halten\u00ab, sagte der Unternehmer, den die Schiefer\u00f6lgewinnung zum Milliard\u00e4r gemacht hat.<\/p>\n<p>Der ganz gro\u00dfe Wurf der Klimasch\u00fctzer d\u00fcrfte schon daran scheitern, dass die Demokraten im Senat voraussichtlich die Mehrheit verfehlen werden. Aber selbst in der eigenen Partei gibt es Stimmen, die vor einer Fehde gegen die \u00d6lbarone warnen. Biden hat zwar den Bundesstaat Pennsylvania zur\u00fcckerobert, in vielen Bezirken aber verbuchten republikanische Politiker Erfolge \u2013 auch wegen des Themas Fracking, wie die Bef\u00fcrworter eines moderaten Kurses glauben.<\/p>\n<p>\u00bbDie Biden-Regierung wird eine sehr wacklige Koalition zwischen progressiven Umweltsch\u00fctzern und gewerkschaftlich organisierten Arbeitern managen m\u00fcssen\u00ab, gibt der Energieexperte Benjamin Salisbury von Height Capital Markets zu bedenken. Der neue Pr\u00e4sident werde sich deshalb als ein \u00bbpragmatischer Umweltsch\u00fctzer\u00ab erweisen, sagte Salisbury der Agentur Bloomberg.<\/p>\n<h3>Bidens Energieprogramm<\/h3>\n<p>In der Priorit\u00e4tenliste von Biden und seiner Vizepr\u00e4sidentin in spe Kamala Harris rangiert der Klimaschutz ganz oben \u2013 neben den Mammutaufgaben der Pandemiebek\u00e4mpfung, der Wirtschaftserholung und der Bek\u00e4mpfung des Rassismus. Doch der k\u00fcnftige Hausherr im Regierungssitz an der Pennsylvania Avenue hat auch signalisiert, dass der Abschied von Kohle und \u00d6l m\u00f6glichst niemandem wehtun soll.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Anders als die Parteilinke will Biden das <strong>Fracking<\/strong>, dem Amerika seinen Aufstieg zum Energieexporteur verdankt, nicht verbieten, sondern nur die Vergabe neuer F\u00f6rderrechte auf staatlichem Land stoppen. Das w\u00fcrde zwar viele Unternehmen vor allem in New Mexiko treffen, aber das Gesch\u00e4ftsmodell der Branche generell ungeschoren lassen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>F\u00fcr die Verlierer der Energiewende h\u00e4lt das Programm <strong>Milliardenentsch\u00e4digungen<\/strong> bereit: Zwei Billionen Dollar soll der Staat innerhalb von vier Jahren investieren, um die Umstellung zum Beispiel durch Subventionen f\u00fcr E-Autos zu f\u00f6rdern, um Jobs zu sichern oder neu zu schaffen und betroffenen Kommunen zu helfen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Der <strong>Niedergang der Kohleindustrie<\/strong> d\u00fcrfte sich in der \u00c4ra Biden\/Harris beschleunigen. Aber auch Trump hat nicht verhindert, dass die Versorger zunehmend auf Alternativen setzen. Kohle wird in diesem Jahr nur noch einen Anteil von knapp 20 Prozent an der Stromversorgung in den USA haben, verglichen mit rund 50 Prozent im Jahr 2006.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Bidens st\u00e4rkste Waffe ist die<strong> Versch\u00e4rfung von Klima- und Umweltvorgaben<\/strong>, die sein Amtsvorg\u00e4nger systematisch aufgeweicht hat. Dazu geh\u00f6ren Abgasstandards f\u00fcr Autos und sch\u00e4rfere Grenzwerte f\u00fcr Methanemissionen. \u00bbAber diese Dinge brauchen Zeit\u00ab, warnt der \u00d6lmarkt-Experte Christopher Page von Rystad Energy. Zudem bestehe das Risiko, dass die Erlasse des Pr\u00e4sidenten gerichtlich angefochten werden. Und im Obersten Gericht der USA stellen die konservativen Richter inzwischen eine Mehrheit.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>In der \u00d6lbranche wird wohlwollend vermerkt, dass Biden sich f\u00fcr die Technologie der CO\u2082-Speicherung starkmacht. Von der M\u00f6glichkeit der <strong>Abspaltung und unterirdischen Lagerung von Treibhausgasen<\/strong> erhoffen sich die Konzerne einen Zeitgewinn.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Biden selbst hat gleich nach dem Fernsehauftritt den Amerikanern beruhigend versichert, dass \u00bbwir die fossilen Brennstoffe f\u00fcr lange Zeit nicht loswerden werden\u00ab. Es ist genau das, was auch Big Oil h\u00f6ren m\u00f6chte. Wenn die Politik den \u00dcbergang zu Erneuerbaren unterst\u00fctze, \u00bbist das gut\u00ab, erkl\u00e4rte Total-Chef Patrick Pouyanne. F\u00fcr den franz\u00f6sischen Konzern, der Amerikas gr\u00f6\u00dfter Fl\u00fcssiggas-Exporteur ist und in \u00d6l- wie auch Sonnenenergie investiert ist, schaffe das neue Investmentm\u00f6glichkeiten in den USA. \u00bbWir hei\u00dfen diese Politik willkommen\u00ab, erkl\u00e4rte Poyanne, mahnte aber zugleich: \u00bbDas sind langfristige Trends.\u00ab<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4er bereiten sich anders als die US-Riesen Exxon Mobil und Chevron l\u00e4ngst entschlossen auf die Energiewende vor. So will BP die \u00d6l- und Gasproduktion innerhalb der n\u00e4chsten Dekade um 40 Prozent reduzieren und die Investitionen in Erneuerbare auf j\u00e4hrlich f\u00fcnf Milliarden Dollar verzehnfachen.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele der Multis k\u00f6nnte sich Bidens Amtszeit als \u00bbgeradezu perfektes Szenario\u00ab erweisen, sagt Experte Page voraus. Denn die Konzerne k\u00e4men mit einer sch\u00e4rferen Regulierung eher klar als viele kleinere Konkurrenten. Gleichzeitig w\u00fcrde das von den Demokraten angestrebte neue Billionen-Konjunkturprogramm die Wirtschaft und damit die Nachfrage nach \u00d6l und Gas befeuern.<\/p>\n<p>Trotzdem gebe es einen erheblichen Risikofaktor f\u00fcr die Branche, die auf steigende Energiepreise hofft: Biden hat angek\u00fcndigt, das von Trump aufgek\u00fcndigte Atomabkommen mit Iran neu zu beleben. Hebt Amerika die Sanktionen auf, dann k\u00f6nnte Iran binnen weniger Monate seine Erd\u00f6lexporte massiv erh\u00f6hen. \u00bbIch will nicht das Wort katastrophal verwenden\u00ab, sagt Page: \u00bbAber der Effekt f\u00fcr den Markt w\u00e4re gewaltig.\u00ab<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Rohre der Alyeska-\u00d6lpipeline in Alaska Foto:\u2002imago images\/Ardea Kurz vor ihrem Rauswurf aus dem Wei\u00dfen Haus versucht die Trump-Regierung Fakten zu schaffen. 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