{"id":389,"date":"2020-06-10T14:09:04","date_gmt":"2020-06-10T11:09:04","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/mord-an-olof-palme-aufgeklart-ein-einzeltater-keine-verschworung\/"},"modified":"2020-06-10T14:09:04","modified_gmt":"2020-06-10T11:09:04","slug":"mord-an-olof-palme-aufgeklart-ein-einzeltater-keine-verschworung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/mord-an-olof-palme-aufgeklart-ein-einzeltater-keine-verschworung\/","title":{"rendered":"Mord an Olof Palme aufgekl\u00e4rt: ein Einzelt\u00e4ter, keine Verschw\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/6bb8efac-079e-40db-a2ef-072680f0c949_w948_r1.77_fpx39.95_fpy50.jpg\" title=\"Premier Olof Palme\" alt=\"Premier Olof Palme\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Premier Olof Palme<\/p>\n<p> imago stock&amp;people\/ imago images\/Dean Pictures <\/figcaption><\/figure>\n<p>Einer der aufsehenerregendsten Kriminalf\u00e4lle unserer Zeit kann seit heute als gel\u00f6st gelten. Nach ungez\u00e4hlten Fehlschl\u00e4gen und Fahndungspannen gab die Polizei in Stockholm heute um 9.30 Uhr bekannt, wer vor mehr als 34 Jahren den schwedischen Ministerpr\u00e4sidenten Olof Palme erschossen hat: Stig Engstr\u00f6m, ein Einzelt\u00e4ter.<\/p>\n<p>Weil Engstr\u00f6m im Jahr 2000 starb, vermutlich durch Selbstmord, wird der Fall nun zu den Akten gelegt. Das Ergebnis ist nicht nur ein \u00fcberaus sp\u00e4ter Erfolg f\u00fcr die Fahnder, sondern auch f\u00fcr die Journalisten des schwedischen Magazins &quot;Filter&quot;.<\/p>\n<h3>Journalisten haben in akribischer Detailarbeit die L\u00f6sung gefunden<\/h3>\n<p>Vor zwei Jahren gaben sie bekannt, dass sie in akribischer Detailarbeit und in enger Abstimmung mit der Polizei den Fall gel\u00f6st h\u00e4tten. F\u00fcr sie bestand kein Zweifel mehr, dass Engstr\u00f6m der M\u00f6rder war, ein weit rechts stehender Palme-Hasser.<\/p>\n<p>Die &quot;Filter&quot;-Journalisten Thomas Pettersson und Mattias G\u00f6ransson fanden in mehr als zw\u00f6lfj\u00e4hriger Recherchearbeit unter anderem heraus, dass Engstr\u00f6m gut mit einem Waffensammler befreundet war, der mehrere Modelle des Kalibers .357 Magnum besa\u00df. Es war das Kaliber der Tatwaffe. Sie konnten au\u00dferdem nachweisen, dass Engstr\u00f6m ein ge\u00fcbter Sch\u00fctze war.<\/p>\n<p>Allerdings ist es weder den Journalisten noch der Polizei gelungen, die Tatwaffe ausfindig zu machen. Zwar hat die Kripo von 788 Waffen Schussproben genommen, jedoch ohne eindeutiges Ergebnis.<\/p>\n<p>Dass Engstr\u00f6m als T\u00e4ter feststeht, stellt die Polizeiarbeit in der ersten Zeit nach dem Mord weiter blo\u00df. Der damals 52-J\u00e4hrige hatte sich am Morgen nach den Sch\u00fcssen als Zeuge gemeldet, er wurde viermal von Ermittlern befragt und produzierte sich vor laufenden Fernsehkameras am Tatort. In den schwedischen Medien erhielt er den Namen &quot;Skandia-Mann&quot;, weil er in einem Geb\u00e4ude der Skandia-Versicherung als Werbegrafiker arbeitete.<\/p>\n<p>Rund 150 B\u00fccher wurden \u00fcber den Fall Palme ver\u00f6ffentlicht. Mindestens 134 Personen haben bei der Polizei zu Protokoll gegeben, dass sie Palme ermordet h\u00e4tten. Es ist darum unm\u00f6glich, die Geschichte dieses einzigartigen Falles vollst\u00e4ndig zu erz\u00e4hlen. Hier einige der wichtigsten Punkte:<\/p>\n<h3>Was geschah am 28. Februar 1986 in der Stockholmer Innenstadt?<\/h3>\n<p>Palme hatte an diesem Tag seine beiden Leibw\u00e4chter nach Hause geschickt, was er h\u00e4ufiger tat, weil er ein m\u00f6glichst normales Familienleben f\u00fchren wollte. Abends fuhr er mit seiner Frau Lisbet mit der U-Bahn ins Stadtzentrum von Stockholm, um ins Kino zu gehen. Im &quot;Grand&quot; schauten sie sich die schwedische Kom\u00f6die &quot;Die Mozart-Br\u00fcder&quot; an, dann machten sie sich auf den Heimweg.<\/p>\n<p>Um 23.21 Uhr n\u00e4herte sich der T\u00e4ter dem Ehepaar von hinten und feuerte im Abstand von weniger als einem Meter zwei Sch\u00fcsse ab. Laut dem rechtsmedizinischen Bericht trat die erste Kugel am Schulterblatt in Olof Palmes R\u00fccken ein, zerschmetterte die Wirbels\u00e4ule, durchtrennte die Aorta, trat durch die Luftr\u00f6hre und die Brust wieder aus. Die zweite Kugel zielte auf Lisbet Palme, streifte sie aber nur und durchl\u00f6cherte ihren Wildledermantel.<\/p>\n<p>Die Tat ereignete sich auf einer der belebtesten Stra\u00dfen der Hauptstadt, dem Sveav\u00e4gen. Unerkannt entkam der M\u00f6rder in eine Seitenstra\u00dfe und verschwand. Am Tatort befindet sich heute eine bronzene Gedenkplakette im B\u00fcrgersteig.<\/p>\n<h3>Wer war Olof Palme?<\/h3>\n<p>Der 1927 geborene Sozialdemokrat z\u00e4hlte zu den charismatischsten Politikern seiner Generation. Mit seiner Vision einer gerechteren Welt, einem dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus, erregte er international gro\u00dfes Aufsehen.<\/p>\n<p>In einer Zeit, die von atomarem Wettr\u00fcsten, postkolonialem Aufbruch und Kritik an bestehenden Herrschaftsverh\u00e4ltnissen gepr\u00e4gt war, stand er f\u00fcr das Modell einer humanen Gesellschaft. Dass sich Schweden bis heute als eine Art moralische Supermacht versteht, geht wesentlich auf die \u00c4ra Palme zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Zwar war Palme ein Mann, auf den sich viele Hoffnungen richteten, allerdings machte er sich Feinde bei denen, die kein Interesse an Ver\u00e4nderungen hatten. Dass er den Kampf des African National Congress (ANC), der Partei Nelson Mandelas, gegen das Apartheid-Regime in S\u00fcdafrika unterst\u00fctzte, trug ihm den Zorn der Regierung in Pretoria und ihrer Anh\u00e4nger ein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend seiner Jahre als Ministerpr\u00e4sident (von 1969 bis 1976 und von 1982 bis zu seinem Tod) st\u00e4rkte er in Schweden die Gewerkschaften, baute das staatliche Gesundheitssystem aus und steckte viel Geld in Schulen und Universit\u00e4ten. Palmes Regierung schuf die gesetzlichen Grundlagen f\u00fcr die Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern, die in Schweden weiter gediehen ist als in den meisten L\u00e4ndern.<\/p>\n<h3>Warum haben die Ermittlungen so lange gedauert?<\/h3>\n<p>Falsche Spuren, Irrt\u00fcmer und Ermittlungspannen waren drei Jahrzehnte lang das Hauptmerkmal der schwedischen Polizeiarbeit im Mordfall Palme. Bereits die Sicherung des Tatorts war mangelhaft, eine der beiden Pistolenkugeln wurde erst Tage sp\u00e4ter zuf\u00e4llig von einem Passanten gefunden.<\/p>\n<p>Die Fahnder konzentrierten sich mal auf einen Einzelg\u00e4nger, dann wieder waren sie \u00fcberzeugt, dass sie es mit einem politisch motivierten Mordkomplott zu tun hatten. Ins Visier der Ermittler gerieten kurdische Extremisten von der PKK, eine Gruppe von Verschw\u00f6rern unter schwedischen Milit\u00e4rs und Polizisten ebenso wie der s\u00fcdafrikanische Geheimdienst. 1989 verurteilte ein Gericht den vorbestraften Alkoholiker Christer Pettersson als M\u00f6rder, doch wenig sp\u00e4ter kam der Mann wieder frei, weil die Beweise gegen ihn d\u00fcrftig waren.<\/p>\n<p>Die s\u00fcdafrikanische Spur schien lange besonders hei\u00df zu sein. Bekannt ist, dass sich ein Agent der s\u00fcdafrikanischen Polizei am Tag von Palmes Ermordung in Stockholm aufhielt, vermutlich, um eine dort stattfindende Konferenz des ANC auszuspionieren.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz dieses Jahres trafen sich schwedische Ermittler in S\u00fcdafrikas Hauptstadt Pretoria mit Geheimdienstleuten, die ein Dossier \u00fcberreichten, wie der britische &quot;Guardian&quot; diese Woche berichtete. Auch der schwedische Krimiautor und Journalist Stieg Larsson, Verfasser der &quot;Millenium-Trilogie&quot;, hatte vor seinem Tod 2004 jahrelang im Fall Palme recherchiert und vor allem die m\u00f6gliche Verwicklung S\u00fcdafrikas im Auge.<\/p>\n<h3>Was bedeuten der Mord und seine Aufl\u00f6sung f\u00fcr Schweden?<\/h3>\n<p>Der Fall Palme war f\u00fcr das Land traumatisch. Ministerpr\u00e4sident Stefan L\u00f6fven, Sozialdemokrat wie der Ermordete, hat ihn als &quot;eine offene Wunde in der Gesellschaft&quot; empfunden. Es wird dauern, bis sich die Wunde schlie\u00dft.<\/p>\n<p>Denn zu viele konkurrierende Thesen und Spekulationen, von denen jede ihre gl\u00fchenden Verfechter hat, sind im Umlauf. Darum ist es unwahrscheinlich, dass sie nun alle die Darstellung der Polizei f\u00fcr das letzte Wort nehmen.<\/p>\n<p>Eine Weile wird es wohl noch rumoren im Fall Palme. Anna Sundstr\u00f6m, die Generalsekret\u00e4rin des Olof Palme International Center in Stockholm, sagte in den Tagen vor der Pressekonferenz: &quot;Ich erwarte keine Klarheit.&quot; Dennoch sei es wichtig, den Fall abzuschlie\u00dfen. &quot;Man braucht eine Art von Abschluss, auch wenn man keine Antwort hat.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Premier Olof Palme imago stock&amp;people\/ imago images\/Dean Pictures Einer der aufsehenerregendsten Kriminalf\u00e4lle unserer Zeit kann seit heute als gel\u00f6st gelten. 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