{"id":3865,"date":"2020-11-15T12:39:19","date_gmt":"2020-11-15T09:39:19","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/barack-obama-auszug-aus-ein-verheisenes-land-donald-trump-war-vollig-hemmungslos\/"},"modified":"2020-11-15T12:39:19","modified_gmt":"2020-11-15T09:39:19","slug":"barack-obama-auszug-aus-ein-verheisenes-land-donald-trump-war-vollig-hemmungslos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/barack-obama-auszug-aus-ein-verheisenes-land-donald-trump-war-vollig-hemmungslos\/","title":{"rendered":"Barack Obama &#8211; Auszug aus &#8220;Ein verhei\u00dfenes Land&#8221;: Donald Trump war v\u00f6llig hemmungslos"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/8a232295-1768-4737-a57a-c58d12a45c94_w948_r1.77_fpx40_fpy36.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>  Foto:\u2002<\/p>\n<p class=\"caps\">Pete Souza \/ The White House<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Im ersten Band seiner Erinnerungen an die Pr\u00e4sidentschaft beschreibt Barack Obama seinen Werdegang, seinen Wahlkampf und seine erste Amtszeit im Wei\u00dfen Haus. Das Buch erscheint am 17. November. In dem hier in Ausz\u00fcgen vorab ver\u00f6ffentlichten Kapitel beschreibt Obama einen Staatsbesuch in Brasilien 2011, auf den er seine Familie mitgenommen hatte \u2013 und wie er von dort aus den amerikanischen Streitkr\u00e4ften befahl, den Libyenfeldzug gegen Muammar al-Gaddafi zu starten. Im zweiten Teil des Kapitels beschreibt Obama sein schwieriges Verh\u00e4ltnis zu den Republikanern \u2013 und erinnert sich daran, wie Donald Trump seine politische Karriere startete: mit L\u00fcgen \u00fcber Obamas Geburtsort.<\/em><\/p>\n<p>In den folgenden zwei Tagen setzten wir den Staatsbesuch weitgehend wie geplant fort, sogar als amerikanische und britische Kriegsschiffe begannen, Tomahawk-Marschflugk\u00f6rper abzufeuern und libysche Luftabwehrstellungen zu zerst\u00f6ren. Ich traf mich mit einer Gruppe amerikanischer und brasilianischer Firmenchefs, um mit ihnen \u00fcber M\u00f6glichkeiten zur Intensivierung der Handelsbeziehungen zu sprechen. Ich nahm an einem Cocktailempfang mit Regierungsvertretern teil und lie\u00df mich mit amerikanischen Botschaftsmitarbeitern und ihren Familien fotografieren.<\/p>\n<p>In Rio de Janeiro hielt ich vor zweitausend prominenten Brasilianern aus Politik, Zivilgesellschaft und Gesch\u00e4ftswelt eine Rede \u00fcber die Herausforderungen und Chancen, denen sich unsere L\u00e4nder als die zwei gr\u00f6\u00dften Demokratien Amerikas gegen\u00fcbersahen. Aber nebenher erkundigte ich mich immer wieder bei Tom (<em>dem Nationalen Sicherheitsberater Thomas Donilon<\/em> \u2013Red.) nach den neuesten Berichten aus Libyen und stellte mir die Szenen vor, die sich fast neuntausend Kilometer entfernt abspielten: das Rauschen von durch die Luft sausenden Raketen, die Kaskade von Explosionen, Tr\u00fcmmer und Rauch, die Gesichter von Gaddafis Gefolgsleuten, die den Himmel nach Gefahren absuchten und ihre \u00dcberlebenschancen einsch\u00e4tzten.<\/p>\n<p>Ich war abgelenkt, aber mir war klar, dass meine Anwesenheit in Brasilien wichtig war. Besondere Bedeutung hatte sie f\u00fcr die Afrobrasilianer, die etwas mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung des Landes stellten und so wie die Schwarzen in den Vereinigten Staaten unter tief verwurzeltem \u2013 und oft geleugnetem \u2013 Rassismus litten und \u00fcberwiegend in Armut lebten.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Michelle und den M\u00e4dchen besuchte ich eine weitl\u00e4ufige Favela im Westen von Rio, wo wir uns in einem Jugendzentrum den Auftritt einer Capoeira-Truppe ansahen. Danach spielte ich mit einer Handvoll Jugendlichen ein wenig Fu\u00dfball. Als wir die Einrichtung verlie\u00dfen, waren drau\u00dfen Hunderte Menschen zusammengestr\u00f6mt.<\/p>\n<p>Die Leute vom Secret Service lie\u00dfen nicht zu, dass ich einen Spaziergang durch das Viertel unternahm, aber ich \u00fcberredete sie, mich durch das Tor hinausgehen zu lassen, damit ich die Menschen begr\u00fc\u00dfen konnte. Ich stand in einer engen Gasse und winkte den schwarzen, braunen und kupferfarbenen Gesichtern zu. Die Menge dr\u00fcckte gegen die Polizeiabsperrung, auf D\u00e4chern und kleinen Balkonen dr\u00e4ngten sich Menschen, darunter viele Kinder.<\/p>\n<p>Als ich ins Geb\u00e4ude zur\u00fcckkehrte, sagte Valerie <em>(Jarrett, eine enge Beraterin und Freundin<\/em> \u2013Red.), die uns auf dieser Reise begleitete, l\u00e4chelnd zu mir: &quot;Ich wette, dass dieses Winken das Leben einiger dieser Kinder f\u00fcr immer ver\u00e4ndert hat.&quot; Ich fragte mich, ob es wirklich so war. Dasselbe hatte ich am Anfang meiner politischen Reise gedacht, und nicht zuletzt mit diesem Wunsch hatte ich Michelle gegen\u00fcber meine Kandidatur f\u00fcr das Pr\u00e4sidentenamt gerechtfertigt: Der Wahlsieg und die Pr\u00e4sidentschaft eines Schwarzen w\u00fcrden die Art und Weise ver\u00e4ndern, wie schwarze Kinder und Jugendliche sich selbst und ihre Welt betrachteten.<\/p>\n<p>Und doch war mir bewusst, dass jegliche Wirkung, die meine fl\u00fcchtige Gegenwart auf diese Kinder in den Favelas haben mochte, selbst wenn sie einige von ihnen veranlasste, selbstbewusster zu sein und gr\u00f6\u00dfere Tr\u00e4ume zu wagen, die zerm\u00fcrbende Armut nicht beheben konnte, die ihr Leben beherrschte \u2013 die schlechten Schulen, die ungesunde Luft, das schmutzige Wasser und das Chaos, in dem viele von ihnen ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen mussten.<\/p>\n<p>Soweit ich es beurteilen konnte, hatte ich das Leben von Kindern und Familien, die in Armut lebten, bisher praktisch nicht verbessert, nicht einmal in meinem eigenen Land. Ich war schon allein davon in Anspruch genommen, dagegen anzugehen, dass sich die Lebensumst\u00e4nde der Armen in den Vereinigten Staaten und weltweit weiter verschlechterten: Sorge zu tragen, dass eine globale Rezession nicht noch mehr Menschen in die Armut abrutschen lie\u00df oder dass sie deren ohnehin schwache Position auf dem Arbeitsmarkt zerst\u00f6rte; einen Klimawandel zu verhindern, der wom\u00f6glich t\u00f6dliche Flut- und Sturmkatastrophen zur Folge h\u00e4tte; und im Fall Libyens die Armee eines Verr\u00fcckten daran zu hindern, die Menschen in den Stra\u00dfen niederzum\u00e4hen. Meine Bem\u00fchungen waren in meinen Augen nicht wertlos gewesen, aber ich durfte mich nicht der Illusion hingeben, dass ich auch nur ann\u00e4hernd genug getan hatte.<\/p>\n<p>Auf dem kurzen R\u00fcckflug zum Hotel im Marine-One-Helikopter schwebten wir an den wundersch\u00f6nen bewaldeten Bergen entlang, die die K\u00fcste s\u00e4umen. Unvermittelt kamen der kegelf\u00f6rmige Gipfel des Corcovado und das Wahrzeichen Rios in Sicht, die drei\u00dfig Meter hohe Statue des Cristo Redentor. Wir hatten f\u00fcr denselben Abend einen Besuch dort oben geplant. Ich lehnte mich zu Sasha und Malia hin\u00fcber und zeigte auf die weltber\u00fchmte Statue: eine in eine Tunika geh\u00fcllte Figur mit weit ausgebreiteten Armen, die sich wei\u00df vom blauen Himmel abhob.<\/p>\n<p>&quot;Schaut &#8230; da fahren wir heute Abend hin.&quot; (&#8230;)<\/p>\n<p>Als wir sp\u00e4ter im Garten unseres Hotels beim Abendessen sa\u00dfen, teilte man uns mit, dass der Corcovado in dichten Nebel geh\u00fcllt sei, weshalb der Ausflug zum Cristo Redentor m\u00f6glicherweise ausfallen werde. Malia und Sasha wirkten nicht allzu entt\u00e4uscht. Ich h\u00f6rte ihnen zu, wie sie sich beim Kellner nach den Desserts erkundigten, und war ein wenig gekr\u00e4nkt durch ihre mangelnde Begeisterung.<\/p>\n<p>Da ich die Entwicklung in Libyen verfolgen musste, bekam ich meine Familie bei dieser Reise noch weniger zu Gesicht als daheim in Washington, und diese Situation verst\u00e4rkte ein Gef\u00fchl, das mich in letzter Zeit allzu oft beschlich: Meine T\u00f6chter wurden schneller erwachsen, als ich erwartet hatte. Malia war drauf und dran, sich in einen Teenager zu verwandeln: In ihrem Mund schimmerte eine Zahnspange, das Haar hatte sie zu einem Zopf geflochten, ihr K\u00f6rper wirkte in die L\u00e4nge gezogen, als w\u00e4re er in ein unsichtbares Gestell gespannt worden, sodass sie \u00fcber Nacht lang und d\u00fcnn und fast so gro\u00df wie ihre Mutter geworden war.<\/p>\n<p>Wenigstens Sasha, mittlerweile neun Jahre alt, sah mit ihrem s\u00fc\u00dfen L\u00e4cheln und ihren Gr\u00fcbchen in den Wangen noch wie ein Kind aus, aber in ihrem Verhalten mir gegen\u00fcber hatte ich eine Ver\u00e4nderung bemerkt: Sie hatte weniger Vergn\u00fcgen daran, von mir gekitzelt zu werden, und wirkte oft ungehalten und ein bisschen peinlich ber\u00fchrt, wenn ich in der \u00d6ffentlichkeit versuchte, sie an die Hand zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>Ich wunderte mich immer wieder dar\u00fcber, <\/strong>wie stabil die beiden waren, wie gut sie sich an die sonderbaren und au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nde angepasst hatten, unter denen sie aufwuchsen, wie nat\u00fcrlich sie blieben, egal, ob sie an einer Audienz beim Papst teilnahmen oder eine Tour durch die Shoppingmall machten. Vor allem hatten sie eine Abneigung gegen jede besondere Behandlung oder \u00fcbertriebene Aufmerksamkeit; sie wollten einfach wie die anderen Kinder in der Schule sein. (Als einer von Sashas Klassenkameraden am ersten Tag des vierten Schuljahrs versucht hatte, sie zu fotografieren, hatte sie ihm eigenh\u00e4ndig die Kamera entrissen und ihn gewarnt, er solle das ja nicht noch mal versuchen.)<\/p>\n<p>Mit ihren Freunden trafen sich beide M\u00e4dchen lieber in deren H\u00e4usern, was sicher zum Teil daran lag, dass in diesen Haushalten weniger strenge Regeln daf\u00fcr galten, welche S\u00fc\u00dfigkeiten man essen und wie viel Zeit man vor dem Fernseher verbringen durfte, haupts\u00e4chlich aber daran, dass sie an diesen Orten eher das Gef\u00fchl hatten, normale Kinder sein zu k\u00f6nnen, selbst wenn vor der T\u00fcr ein Wagen des Secret Service wartete. Ihr Verhalten war nachvollziehbar, doch leider war ihr Leben gerade dann, wenn sie mit mir zusammen waren, besonders unnormal. Ich f\u00fcrchtete, dass ich die kostbare Zeit mit ihnen verpasste, bevor sie das Nest verlie\u00dfen &#8230;<\/p>\n<p>Marvin (<em>Nicholson, der Verantwortliche f\u00fcr alle Reisen des Pr\u00e4sidenten<\/em> \u2013Red.) trat an den Tisch. &quot;Alles klar&quot;, sagte er. &quot;Der Nebel hat sich aufgelockert.&quot; Wir stiegen in den SUV und fuhren kurze Zeit sp\u00e4ter im Dunkeln eine gewundene dreispurige Stra\u00dfe hinauf, bis unser Konvoi pl\u00f6tzlich an einem gro\u00dfen, mit Scheinwerfern ausgeleuchteten Vorplatz zum Stehen kam. Eine massive, schimmernde Gestalt schien uns durch den Dunst zu sich zu winken. Wir gingen die Stufen hinauf und legten die K\u00f6pfe in den Nacken, um sie ganz zu sehen. Sasha griff nach meiner Hand, und Malia legte einen Arm um meine Taille.<\/p>\n<p>&quot;Sollen wir beten oder so was?&quot;, fragte Sasha.<\/p>\n<p>&quot;Warum nicht?&quot;, antwortete ich. Wir standen Arm in Arm schweigend mit gebeugten K\u00f6pfen da, und ich wusste, dass zumindest eines meiner Gebete an diesem Abend schon erh\u00f6rt worden war.<\/p>\n<p>Ob unsere kurze Pilgerfahrt auf diesen Berggipfel in Rio de Janeiro dabei half, dass mein anderes Gebet erh\u00f6rt wurde, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Ich wei\u00df jedoch, dass die ersten Tage des Milit\u00e4reinsatzes in Libyen so gut wie nur m\u00f6glich verliefen. Gaddafis Luftabwehr wurde rasch zerschlagen. Die Europ\u00e4er hatten die versprochenen Kampfflugzeuge entsandt (Sarkozy sorgte daf\u00fcr, dass ein franz\u00f6sisches Flugzeug als erstes in den libyschen Luftraum eindrang), die eine Reihe von Angriffen gegen die auf Bengasi vorr\u00fcckenden Truppen flogen. Nach wenigen Tagen zogen sich Gaddafis Truppen zur\u00fcck; in gro\u00dfen Teilen Ostlibyens hatten wir de facto eine Flugverbotszone durchgesetzt, und auch Truppenbewegungen am Boden waren kaum noch m\u00f6glich. (&#8230;)<\/p>\n<p>An einem ruhigen Sonntag im April war ich allein im Wohnbereich (<em>des Wei\u00dfen Hauses<\/em> \u2013Red.) \u2013 die M\u00e4dchen waren mit Spielkameraden unterwegs, und Michelle hatte sich mit Freunden zum Mittagessen verabredet \u2013, und so beschloss ich, nach unten zu gehen, um etwas zu arbeiten. Es war ein k\u00fchler Tag, die Temperatur lag bei etwa achtzehn Grad, und der Himmel war leicht bew\u00f6lkt. Auf meinem Weg durch den S\u00e4ulengang nahm ich mir ein wenig Zeit, um im Rosengarten den Anblick der \u00fcppigen Tulpenbeete zu genie\u00dfen, die die G\u00e4rtner gepflanzt hatten und die in Gelb, Rot und Rosa leuchteten.<\/p>\n<p>An Wochenenden arbeitete ich selten am Resolute Desk, da an diesen beiden Tagen Touristengruppen durch den West Wing gef\u00fchrt wurden und die Besucher hinter einem Seil aus rotem Samt nur dann einen Blick in das Oval Office werfen konnten, wenn ich nicht dort war.<\/p>\n<p>Stattdessen hielt ich mich normalerweise im Speisezimmer und im Arbeitszimmer auf, die an das Oval Office angrenzten. Es war ein angenehmer, privater Bereich, den ich im Lauf der Jahre mit Erinnerungsst\u00fccken gef\u00fcllt hatte: ein von John Lewis signiertes, gerahmtes Life-Cover \u00fcber den B\u00fcrgerrechtsmarsch in Selma, ein Ziegelstein aus Abraham Lincolns Anwaltsb\u00fcro in Springfield, ein Paar Boxhandschuhe von Muhammad Ali, Ted Kennedys Gem\u00e4lde von der K\u00fcste bei Cape Cod, das er mir nach meinem Besuch in seinem B\u00fcro und meinen bewundernden Worten als Geschenk geschickt hatte.<\/p>\n<p>Aber als die Wolken aufbrachen und Sonnenlicht \u00fcber die Fenster huschte, zog ich auf die stufige Terrasse vor dem Speisezimmer um. Es war ein malerischer, abgeschiedener Ort, der auf einer Seite von Hecken und Blumen und auf der anderen von einem kleinen Brunnen begrenzt wurde.<\/p>\n<p>Ich wollte ein paar Berichte lesen, aber meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Ich hatte gerade bekannt gegeben, dass ich f\u00fcr die Wiederwahl kandidieren w\u00fcrde. Eigentlich war das lediglich eine Formalit\u00e4t, ich hatte die Dokumente ausgef\u00fcllt und eine kurze Erkl\u00e4rung auf Video aufgenommen \u2013 etwas vollkommen anderes als mein Auftritt vor Tausenden \u00fcberschw\u00e4nglichen Menschen an dem eisigen Tag in Springfield, als ich meine Kandidatur verk\u00fcndet und dem Land Hoffnung und Wandel versprochen hatte.<\/p>\n<p><strong>Jener Tag vor vier Jahren <\/strong>schien eine Ewigkeit zur\u00fcckzuliegen; es war eine Zeit der Zuversicht, der jugendlichen Energie und zweifellos der Unschuld gewesen. Mein Wahlkampf f\u00fcr eine zweite Amtszeit w\u00fcrde ein ganz anderes Unterfangen werden. Da sie von meiner Verwundbarkeit wussten, standen die Republikaner bereits Schlange, um die Chance zu nutzen, gegen mich anzutreten. Ich hatte bemerkt, dass meine politischen Berater in Erwartung einer kostspieligen und unerbittlichen Auseinandersetzung begonnen hatten, eine Reihe fr\u00fcher Fundraising-Veranstaltungen in meinem Terminkalender unterzubringen.<\/p>\n<p>Ein Teil von mir str\u00e4ubte sich dagegen, so fr\u00fch mit dem Wahlkampf zu beginnen, denn obwohl meine erste Kandidatur bereits wie eine ferne Erinnerung wirkte, hatte ich das Gef\u00fchl, dass meine eigentliche Arbeit als Pr\u00e4sident gerade erst begonnen hatte. Aber es hatte keinen Sinn, dar\u00fcber zu streiten: Ich konnte die Umfrageergebnisse selber deuten.<\/p>\n<p>Die Ironie war, dass unsere Anstrengungen der vergangenen zwei Jahre endlich Fr\u00fcchte zu tragen begannen. Wenn ich nicht mit au\u00dfenpolitischen Fragen besch\u00e4ftigt war, hatte ich das Land bereist, um die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit auf die Tatsache zu lenken, dass angeschlagene Autowerke den Betrieb wieder aufgenommen hatten, dass Kleinunternehmen gerettet worden waren, dass Windparks und energieeffiziente Fahrzeuge den Weg in eine Zukunft mit sauberer Energie wiesen.<\/p>\n<p>Eine Reihe von Infrastrukturprojekten, die durch den Recovery Act finanziert wurden \u2013 Stra\u00dfen, Gemeindezentren, Stadtbahnlinien \u2013, waren bereits fertiggestellt. Sehr viele Bestimmungen des Affordable Care Act waren schon in Kraft getreten.<\/p>\n<p>Wir hatten die Bundesregierung in vielerlei Hinsicht besser, effizienter und zug\u00e4nglicher gemacht. Aber solange es mit der Wirtschaft nicht wirklich wieder aufw\u00e4rtsging, w\u00fcrden wir von alldem politisch nicht profitieren. Bisher war es uns gelungen, die zweite Talsohle einer Double-Dip-Rezession zu vermeiden, was im Wesentlichen den milliardenschweren Konjunkturma\u00dfnahmen zu verdanken war, die wir an die Verl\u00e4ngerung der Bush-Steuersenkungen in der Lame-Duck-Zeit nach den Midterm-Wahlen gekn\u00fcpft hatten. Aber es war knapp gewesen. Und allem Anschein nach war die neue republikanische Mehrheit im Repr\u00e4sentantenhaus entschlossen, bei der Wirtschaft wieder den R\u00fcckw\u00e4rtsgang einzulegen.<\/p>\n<p>Seit er im Januar zum Sprecher des Repr\u00e4sentantenhauses gew\u00e4hlt worden war, lie\u00df <em>(der Republikaner <\/em>\u2013Red.) John Boehner keinen Zweifel daran, dass die Republikaner entschlossen waren, ihr Wahlkampfversprechen einzul\u00f6sen und meinem &quot;Arbeitspl\u00e4tze vernichtenden Ausgabenrausch der letzten zwei Jahre&quot;, wie er es nannte, ein Ende zu setzen. (&#8230;)<\/p>\n<p>Ich fragte mich, ob sich meine Pr\u00e4sidentschaft k\u00fcnftig auf diese Art von Auseinandersetzungen reduzierte: Musste ich von nun an R\u00fcckzugsgefechte f\u00fchren, um die Republikaner daran zu hindern, die amerikanische Wirtschaft zu sabotieren und alles zu zerst\u00f6ren, was ich erreicht hatte? Konnte ich wirklich hoffen, einen gemeinsamen Nenner mit einer Partei zu finden, die den Kampf gegen meine Person zunehmend als einigendes Prinzip zu betrachten schien, als das gro\u00dfe Ziel, das Vorrang vor allen anderen haben musste? (&#8230;)<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich stellte ich immer \u00f6fter fest, dass die Stimmung, die wir erstmals in der Schlussphase des Wahlkampfs von Sarah Palin und bis in den Tea-Party-Sommer hinein beobachtet hatten, vom Rand der Republikanischen Partei auf ihren Kern \u00fcbergegriffen hatte. Diese emotionale, beinahe instinktive Reaktion auf meine Pr\u00e4sidentschaft hatte nichts mit politischen oder ideologischen Gegens\u00e4tzen zu tun. Es war, als h\u00e4tte meine Gegenwart im Wei\u00dfen Haus eine tief verwurzelte Angst geweckt, als glaubten meine Gegner, die nat\u00fcrliche Ordnung der Dinge l\u00f6se sich auf.<\/p>\n<p>Das war es auch, was Donald Trump genau begriffen hatte, als er die Behauptung verbreitete, ich sei nicht in den Vereinigten Staaten zur Welt gekommen und daher kein rechtm\u00e4\u00dfiger Pr\u00e4sident. Er versprach Millionen Amerikanern, die wegen eines schwarzen Mannes im Wei\u00dfen Haus verschreckt waren, ein Elixier zur Behandlung ihrer ethnischen \u00c4ngste.<\/p>\n<p>Die Behauptung, ich sei nicht auf amerikanischem Boden geboren, war nicht neu. Mindestens ein konservativer Spinner hatte diese Theorie schon w\u00e4hrend meiner Kandidatur f\u00fcr den Senat von Illinois aufgestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Foto:\u2002 Pete Souza \/ The White House Im ersten Band seiner Erinnerungen an die Pr\u00e4sidentschaft beschreibt Barack Obama seinen Werdegang, seinen Wahlkampf und seine erste Amtszeit im Wei\u00dfen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3866,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3865","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3865","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3865"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3865\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3866"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3865"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3865"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3865"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}