{"id":384,"date":"2020-06-10T08:43:47","date_gmt":"2020-06-10T05:43:47","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/george-floyd-emotionale-beerdigung-in-houston\/"},"modified":"2020-06-10T08:43:47","modified_gmt":"2020-06-10T05:43:47","slug":"george-floyd-emotionale-beerdigung-in-houston","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/george-floyd-emotionale-beerdigung-in-houston\/","title":{"rendered":"George Floyd: Emotionale Beerdigung in Houston"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/0af82b0f-4eaf-4467-abcc-594b75a01b59_w948_r1.77_fpx50_fpy13.jpg\" title=\"Solidarische Eskorte: Trauernde Polizeibeamte begleiten den Sarg George Floyds zum Friedhof\" alt=\"Solidarische Eskorte: Trauernde Polizeibeamte begleiten den Sarg George Floyds zum Friedhof\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Solidarische Eskorte: Trauernde Polizeibeamte begleiten den Sarg George Floyds zum Friedhof<\/p>\n<p> ADREES LATIF\/ REUTERS <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die letzte Meile des Weges. So nennen sie die Fahrt zum Friedhof hier: Die &quot;<em>last mile<\/em>&quot;, die soll man nicht alleine reisen.<\/p>\n<p>George Floyd reist sie nicht alleine. Tausende s\u00e4umen die Stra\u00dfe, als sein Sarg vorbeirollt, in einem gl\u00e4sernen, von zwei Schimmeln gezogenen Leichenwagen. Sie knien nieder, recken die F\u00e4uste hoch: &quot;George! George!&quot;<\/p>\n<p>Immer mehr Leute schlie\u00dfen sich der Prozession an. Sie laufen nebenher, sie folgen auf Fahrr\u00e4dern. Seit Stunden warten sie in der Hitze, jetzt begleiten sie Floyd bis zum Schluss. Bis der Leichenwagen einbiegt ins Tor des Friedhofs, wo Floyd ruhen wird &#8211; neben seiner 2018 verstorbenen Mutter, nach der er gerufen hat in seinen letzten, f\u00fcr die Welt dokumentierten Minuten: &quot;Mama! Mama!&quot;<\/p>\n<p>Diese Szenen, mit denen Houstons zweit\u00e4giger Abschied von Floyd endet, sind mehr als sentimentale Show. Es sind Szenen f\u00fcr die Geschichtsb\u00fccher: Hier wird nicht nur ein weiteres schwarzes Opfer von US-Polizeigewalt zu Grabe getragen. Hier, so sagen viele, wird Amerikas neue B\u00fcrgerrechtsbewegung geboren.<\/p>\n<p>Floyds Tod habe Houston zum &quot;Epizentrum&quot; dieser Bewegung gemacht, proklamiert Bischof James Dixon: &quot;Wir sind das neue Montgomery.&quot; In der Hauptstadt des S\u00fcdstaats Alabama begannen Martin Luther King und Rosa Parks einst ihren langen Kampf.<\/p>\n<p>Die Bewegung, die der Tod Floyds ausgel\u00f6st hat, ist also nicht wirklich neu. Doch erstmals hat sie wieder die Kraft von Montgomery, gespeist aus Trauer, Trotz und Wut.<\/p>\n<p>Diese Kraft zeigt sich am Dienstag schon vor der Beerdigung, bei einer vierst\u00fcndigen Gedenkfeier, deren Gospelges\u00e4nge und Klagen von einer Megachurch im S\u00fcden von Houston aus ins ganze Land ausgestrahlt wurden. Da b\u00fcndeln sich Privates und Politisches, Tr\u00e4nen und Parolen.<\/p>\n<p>Diese Parolen formuliert Al Sharpton, Amerikas profiliertester B\u00fcrgerrechtler: &quot;Es ist Zeit&quot;, ruft er von der B\u00fchne herab, &quot;dass wir uns in diesem Land die Rechtschaffenheit zur\u00fcckerobern.&quot;<\/p>\n<p>Die Fountain of Praise Church ist fast bis auf den letzten Platz mit VIP-G\u00e4sten gef\u00fcllt. Tags zuvor defilierten hier 6400 Menschen an Floyds Sarg vorbei, nach strengen Pandemie-Vorschriften, nur 500 Personen gleichzeitig in dem Gotteshaus, das sonst 2500 fasst. Doch die Trauer ist gr\u00f6\u00dfer als die Corona-Angst. &quot;Von wegen Abstandsregeln&quot;, sagte Pastor Remus Wright besorgt. Wenigstens tragen die meisten Masken.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen stapeln sich Blumen zu einem Mahnmal, drinnen schwitzen Prominente, darunter die Schauspieler Jamie Foxx und Channing Tatum. Weiter vorne sitzen die Hinterbliebenen fr\u00fcherer Rassismusopfer. Die M\u00fctter von Trayvon Martin und Eric Garner, die V\u00e4ter von Michael Brown und Ahmaud Arbery, Botham Jeans Schwester, Pamela Turners Familie: Diese Trauerfeier ist auch f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>Ihnen d\u00fcrften bald die n\u00e4chsten folgen. Anfang der Woche wurde ein weiterer Fall eines Schwarzen bekannt, der 2019 in Austin, drei Autostunden westlich, im W\u00fcrgegriff eines Cops mit den selben Worten starb wie Floyd: &quot;I can&#039;t breathe.&quot;<\/p>\n<p>Der Sarg ist offen, Floyd liegt im Anzug auf blauem Samt. Mehrere hier erinnern an Emmett Till, den schwarzen Teenager, dessen Lynchmord 1955 zum ersten Fanal der US-B\u00fcrgerrechtsbewegung wurde: Dessen Mutter hatte auf einem offenen Sarg bestanden, um der Welt zu zeigen, &quot;was mit Emmett geschehen ist&quot;.<\/p>\n<p>Sharpton, in wei\u00dfer Robe, f\u00fchrt Floyds Familie nach vorne, auch sie alle in wei\u00df, Symbolfarbe der Wiedergeburt. Nach zweiw\u00f6chigem Medienrummel sind sie nun erstmals direkt mit ihrem finalen Verlust konfrontiert.<\/p>\n<p>Einer nach dem anderen bleiben sie am Sarg stehen. Floyds Bruder Philonise f\u00e4llt Sharpton schluchzend in die Arme, minutenlang. Der streichelt das Samtkissen, als wolle er Floyd posthum besch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Redner beschw\u00f6ren Floyds Jahre in Houston. Seine Kindheit im Armenviertel Third Ward, seine Zeit an der Yates High School, seine Football- und Basketballerfolge, seine Verdienste um Resurrection Houston, eine Schwarzenkirche.<\/p>\n<p>&quot;Er war ein l\u00e4stiger Schelm, aber wir liebten ihn&quot;, schluchzt seine Tante Katheen McGee. Ein &quot;sanfter Riese&quot; sei &quot;Big Floyd&quot; gewesen, voller &quot;G\u00fcte und Hingabe&quot;, sagt Ivy McGregor, eine damalige Klassenkameradin, die jetzt f\u00fcr Beyonc\u00e9 arbeitet. Seine Nichte Brooke Williams nennt ihn &quot;Superman&quot; und ruft dann bebend: &quot;Amerika, es ist Zeit f\u00fcr einen Wandel!&quot;<\/p>\n<p>Joe Biden beteiligt sich, via Video. Der Ex-Vizepr\u00e4sident und Demokraten-Kandidat hat Floyds Familie am Vortag hier in Houston pers\u00f6nlich getr\u00f6stet. Er kennt Trauer und Trag\u00f6dien aus eigener Erfahrung, &quot;das tiefe Loch in eurem Herzen, wenn ihr einen Teil der Seele begrabt&quot;.<\/p>\n<p>Bidens Ansprache ist pr\u00e4sidialer als alles, was Trump an diesem Tag von sich gibt. Der postet verleumderische Tweets gegen einen verletzten 75-J\u00e4hrigen, aber kein Wort \u00fcber Floyds Beerdigung.<\/p>\n<p>Biden wendet sich an &quot;Little Gianna&quot;, Floyds sechsj\u00e4hrige Tochter, die ganz vorne sitzt, einen Teddyb\u00e4r umklammert. &quot;Du bist so tapfer&quot;, sagt er. &quot;Ich wei\u00df, dass du viele Fragen hast, die kein Kind haben sollte, Fragen, die zu viele schwarze Kinder seit Generationen stellen m\u00fcssen.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Amerika kann es besser&quot;, zitiert er Thurgood Marshall, den ersten schwarzen US-Verfassungsrichter. &quot;Amerika hat gar keine andere Wahl.&quot;<\/p>\n<h3>Immer wieder auch klare Worte in Richtung des Wei\u00dfen Hauses<\/h3>\n<p>&quot;George Floyd war nicht entbehrlich&quot;, sagt der Kongressabgeordnete Al Green. &quot;Seine einzige Straftat war, dass er schwarz geboren wurde.&quot; Kollegin Sheila Jackson Lee spricht von Floyds g\u00f6ttlichem Auftrag, Amerika mit sienem Tod zum &quot;Aufstand&quot; zu bewegen.<\/p>\n<p>B\u00fcrgerrechtsikone Bill Lawson erz\u00e4hlt, wie er 1955 nach Houston kam &#8211; als Emmett Till ermordet wurde und Rosa Parks sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus aufzugeben. &quot;Die Hasser werden sich nicht \u00e4ndern&quot;, sagt der 91-J\u00e4hrige im Rollstuhl. &quot;Aber wir.&quot; Unter lautem Jubel wendet auch er sich offen gegen Trump: &quot;Als erstes m\u00fcssen wir das Wei\u00dfe Haus s\u00e4ubern.&quot;<\/p>\n<p>Diesen Gedanken spielt Sharpton weiter. Er predigt, singt, verwebt Bibelverse mit Anekdoten, Trauer mit Schlachtrufen. Er berichtet, dass er direkt von Sklaven abstamme. Er wettert gegen Cops und Trump. &quot;Verruchtheit auf h\u00f6chster Ebene!&quot;, ruft Sharpton &#8211; viermal hintereinander.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich schlie\u00dfen sie den Sarg und bringen ihn nach drau\u00dfen, Schritt f\u00fcr Schritt, im Gospeltakt. Der Friedhof ist 18 Kilometer entfernt, die Fahrt dauert eine Dreiviertelstunde, erst im schwarzen Leichenwagen, dann in einer historischen, wei\u00dfen Kutsche mit Fenstern und goldenen Vorh\u00e4ngen.<\/p>\n<h3>Die Menschen folgen dem Sarg bis zum Friedhof<\/h3>\n<p>Seit dem Morgen warten die Leute am Stra\u00dfenrand. Sie haben Trucks auf Wiesen geparkt, Flaggen gehisst, St\u00fchle aufgebaut, K\u00fchltaschen mit Drinks gef\u00fcllt. Die B\u00e4ume am Cullen Boulevard, der zum Friedhof f\u00fchrt, sind mit purpurfarbenen Schleifen geschm\u00fcckt, eine Aktion benachbarter Familien.<\/p>\n<p>Jemand hat &quot;I can&#039;t breathe&quot; auf seine Windschutzscheibe gepinselt. &quot;Wir alle sind George&quot;, sagt Chant\u00e9 Rose, die mit ihrer Mutter und Schwester da ist. &quot;400 Jahre Sklaverei. Es muss sich etwas \u00e4ndern.&quot; Bis zum Friedhofstor folgen die Menschen dem Sarg. Dann drehen auch der TV-Helikopter und eine Videodrohne ab, um der Familie Diskretion am Grab zu geben.<\/p>\n<p>&quot;Wir legen dich nun zu deiner Mama&quot;, hat Sharpton bei der Feier gerufen. &quot;Ruh dich jetzt aus. Wir werden weiterk\u00e4mpfen. Wir werden weiterk\u00e4mpfen.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Solidarische Eskorte: Trauernde Polizeibeamte begleiten den Sarg George Floyds zum Friedhof ADREES LATIF\/ REUTERS Die letzte Meile des Weges. 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