{"id":3829,"date":"2020-11-13T20:39:53","date_gmt":"2020-11-13T17:39:53","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/lorenz-caffier-sportschutze-frank-t-der-waffenhandler-des-innenministers\/"},"modified":"2020-11-13T20:39:53","modified_gmt":"2020-11-13T17:39:53","slug":"lorenz-caffier-sportschutze-frank-t-der-waffenhandler-des-innenministers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/lorenz-caffier-sportschutze-frank-t-der-waffenhandler-des-innenministers\/","title":{"rendered":"Lorenz Caffier: Sportsch\u00fctze Frank T. &#8211; der Waffenh\u00e4ndler des Innenministers"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d2cba02e-b052-4e50-911c-04f8b9e3d54c_w948_r1.77_fpx53.34_fpy50.jpg\" title=\"Stacheldraht und Deutschlandfahne: Der G\u00fcstrower Schie\u00dfplatz, auf dem Baltic Shooters-Inhaber Frank T. seine Waffentrainings anbietet\" alt=\"Stacheldraht und Deutschlandfahne: Der G\u00fcstrower Schie\u00dfplatz, auf dem Baltic Shooters-Inhaber Frank T. seine Waffentrainings anbietet\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Stacheldraht und Deutschlandfahne: Der G\u00fcstrower Schie\u00dfplatz, auf dem Baltic Shooters-Inhaber Frank T. seine Waffentrainings anbietet<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Gordon Welters \/ laif  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Totensch\u00e4del mit rot gl\u00fchenden Augen, dahinter zwei gekreuzte Maschinenpistolen: Zur zehnten Auflage des &quot;Special Forces Workshop&quot; hatten sich die Veranstalter ein ganz besonderes Logo \u00fcberlegt. Fotos im Netz zeigen T-Shirts mit dem entsprechenden Emblem. Seit 2009 trafen sich auf einem Schie\u00dfplatz im kleinen G\u00fcstrow in Mecklenburg-Vorpommern Spezialkr\u00e4fte aus ganz Deutschland und aller Welt zu den Schie\u00dftrainings mit dem martialisch anmutenden Sch\u00e4del.<\/p>\n<p>Schirmherr des &quot;Special Forces Workshop&quot; war lange Jahre Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Ausrichter dieses Trainings war Frank T., Waffenexperte, mehrfach ausgezeichneter Sportsch\u00fctze \u2013 und m\u00f6glicher Verbindungsmann in die rechtsradikale Gruppe &quot;Nordkreuz&quot;.<\/p>\n<h3>Der J\u00e4ger und der Waffennarr<\/h3>\n<p>Die Verbindung zwischen Caffier und T. besch\u00e4ftigt nun die Republik \u2013 denn Caffier hat vom Waffenexperten T. Anfang 2018 eine Waffe erworben und es bis heute verheimlicht. Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich bei der Waffe um eine Pistole der Waffenschmiede Glock. Als Inhaber eines Jagdscheins darf Caffier eine solche legal erwerben.<\/p>\n<p>Der CDU-Politiker und J\u00e4ger war am Donnerstag bei einer Pressekonferenz von einer Journalistin der &quot;taz&quot; gefragt worden, ob er eine Waffe bei einer Person mit m\u00f6glicher N\u00e4he zur Gruppe &quot;Nordkreuz&quot; gekauft habe. Caffier wich der Frage aus, der Waffenkauf sei &quot;Privatsache&quot;.<\/p>\n<p>Im SPIEGEL-Interview r\u00e4umte Caffier nun den Erwerb ein. Zum Zeitpunkt des Kaufs habe er von den m\u00f6glichen Verbindungen T.s zu &quot;Nordkreuz&quot; nichts gewusst: &quot;Meinen Beh\u00f6rden und mir lagen Anfang 2018 keine Verdachtsmomente zu der Firma vor. Deshalb war ich beim Kauf auch arglos.&quot; Ihm eine N\u00e4he zur Gruppe andichten zu wollen, sei &quot;kompletter Unsinn und ehrverletzend&quot;.<\/p>\n<p>Die Bundesanwaltschaft ermittelt bereits seit August 2017 gegen M\u00e4nner aus dem Netzwerk \u2013 knapp ein halbes Jahr bevor Caffier seine Waffe bei T. gekauft hat.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gilt T. in Sicherheitskreisen als renommiert. Der 53-J\u00e4hrige leitet die Firma Baltic Shooters und betreibt einen Schie\u00dfplatz in G\u00fcstrow, gut 70 Kilometer von Schwerin entfernt. Er hat eine Lizenz zum Waffenverkauf.<\/p>\n<h3>Die &quot;Cr\u00e8me de la Cr\u00e8me der Eliteeinheiten&quot; ausgebildet<\/h3>\n<p>Aber er ist nicht nur Waffenh\u00e4ndler. T. geh\u00f6rt zu den wenigen Zivilisten in Deutschland, die Polizisten und Milit\u00e4rs an der Waffe ausbilden. SEK-Einheiten mehrerer Bundesl\u00e4nder und Elitekommandos aus aller Welt standen schon auf seinem Schie\u00dfplatz. Er habe die &quot;Cr\u00e8me de la Cr\u00e8me der Eliteeinheiten&quot; ausgebildet, schw\u00e4rmt das Branchenmagazin &quot;Caliber&quot;.<\/p>\n<p>Auf Bildern im Netz sieht man einen bulligen Mann mit Pferdeschwanz, t\u00e4towiert, bodenst\u00e4ndig. T. k\u00f6nnte auch gut auf eine Ranch in Texas passen. Auf seinem Facebook-Profil postet er Bilder gegen die &quot;EU-Diktatur&quot; und posiert mit Waffen. In seiner aktiven Zeit als Sportsch\u00fctze holte er 42 Deutsche Meister-Titel, er gilt als Talent im Mehrdistanzschie\u00dfen.<\/p>\n<p>In Polizeikreisen bekannt wurde der Waffenexperte vor allem f\u00fcr seinen allj\u00e4hrlichen &quot;Special Forces Workshop&quot;. Die G\u00fcstrower Schie\u00dfanlage bietet, was vielen staatlichen Ausbildern fehlt: Platz und Abgeschiedenheit. Polizistinnen und Polizisten k\u00f6nnen hier in verwinkelten Landschaften und Autowracks taktisches Schie\u00dfen und Schie\u00dfen aus der Bewegung \u00fcben.<\/p>\n<h3>Stelldichein der Elitekommandos<\/h3>\n<p>Auf Initiative des SEK Sachsen-Anhalt lud T. ab 2011 f\u00fcr drei Tage im Sommer zu dem Stelldichein der Eliteeinheiten: GSG-9-Teams, EKO Cobra aus \u00d6sterreich, SWAT-Teams aus den USA, KSK-Soldaten, Spezialeinsatzkommandos und Bereitschaftspolizisten. Mit vertreten waren regelm\u00e4\u00dfig auch R\u00fcstungsfirmen wie Heckler &amp; Koch, Rheinmetall und Ruag.<\/p>\n<p>Innenminister Caffier war bis September 2018 Schirmherr des &quot;Special Forces Workshop&quot; und schaute regelm\u00e4\u00dfig auch selbst vorbei. \u00dcber den Besuch Caffiers sei T. besonders erfreut, sagte er der Branchenseite Sek-einsatz.de noch 2016.<\/p>\n<p>Das Problem: Sp\u00e4testens seit August 2017 gab es sehr konkrete Hinweise, dass der Schie\u00dfplatz von T. ein Treffpunkt f\u00fcr Rechtsextreme sein k\u00f6nnte. Damals durchsuchten Ermittler im Zuge der Ermittlungen gegen &quot;Nordkreuz&quot; die Wohnung von Marko G., den T. regelm\u00e4\u00dfig als Ausbilder auf seiner Schie\u00dfbahn einsetzte.<\/p>\n<p>G. galt zwar damals nur als Zeuge. Gleichwohl m\u00fcsste die Durchsuchung auch im Innenministerium f\u00fcr Aufmerksamkeit gesorgt haben, schlie\u00dflich arbeitete der fr\u00fchere Bundeswehrsoldat beim Spezialeinsatzkommando in Mecklenburg-Vorpommern. \u200bZudem hatten die Ermittler bei G. schon damals neben legalen auch illegal erworbene Waffen sichergestellt, die Staatsanwaltschaft Schwerin er\u00f6ffnete daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen Versto\u00df gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. <\/p>\n<h3>&quot;Genaue Einblicke in polizeiliche Interna&quot; erlangt<\/h3>\n<p>Im Zuge der Ermittlungen tauchte mit dem Grabower Kriminaloberkommissar Haik J. auch ein weiterer Polizist aus Caffiers Bundesland auf. Auch er war regelm\u00e4\u00dfig mit Gleichgesinnten auf dem Schie\u00dfplatz in G\u00fcstrow. Dass Schie\u00dftrainer T. durch seine Ausbildungst\u00e4tigkeiten \u00fcber Jahre &quot;genaue Einblicke in polizeiliche Interna&quot; erlange, bezeichnete eine Expertenkommission in Mecklenburg-Vorpommern sp\u00e4ter als &quot;besonderes Problem&quot;.<\/p>\n<p>Erst im Juni 2019 wurde im Zuge der Ermittlungen auch sein G\u00fcstrower Schie\u00dfstand durchsucht. Daraufhin beendete das LKA Mecklenburg-Vorpommern seine Zusammenarbeit mit T., auch andere Polizeibeh\u00f6rden wollen dort nicht mehr trainieren. Auch Caffier ist nun nicht l\u00e4nger Schirmherr f\u00fcr den &quot;Special Forces Workshop&quot;.<\/p>\n<p>Die Gruppe &quot;Nordkreuz&quot; war ab Anfang 2016 aktiv. Sie soll sich unter anderem mit dem Anlegen von Waffendepots auf schwere Krisen des Staates vorbereitet haben. Zudem wurden bei Mitgliedern der Prepper-Gruppe Chats mit rechtsradikalem Inhalt entdeckt. Insgesamt soll &quot;Nordkreuz&quot; rund 40 Mitglieder angeh\u00f6rt haben. Die Mitglieder organisierten sich \u00fcber eine Chatgruppe.<\/p>\n<h3>40.000 Schuss f\u00fcr den &quot;Tag X&quot;<\/h3>\n<p>Vor allem &quot;Nordkreuz&quot;-Initiator und T.s Co-Ausbilder, der SEK-Beamte Marko G., war kein Unbekannter: Bereits 2009 waren anderen Polizisten w\u00e4hrend eines Trainings in G\u00fcstrow die Parolen aufgesto\u00dfen, die Marko G. von sich gab. In einem Vermerk an dessen Vorgesetzten hie\u00df es anschlie\u00dfend, G. interessiere sich auff\u00e4llig f\u00fcr den Nationalsozialismus und insbesondere f\u00fcr die SS, &quot;ohne die n\u00f6tige Distanz&quot; erkennen zu lassen.<\/p>\n<p>Die Notiz blieb folgenlos. G. bestreitet, rechtsextrem zu sein.<\/p>\n<h3>T. sieht sich als &quot;Bauernopfer&quot;<\/h3>\n<p>Schie\u00dfplatzbesitzer T. will von all dem nichts bemerkt haben. In einem Interview mit der &quot;Ostsee-Zeitung&quot; bezeichnete er sich 2019 als &quot;Bauernopfer&quot;. Er r\u00e4umt zwar ein, die verd\u00e4chtigten SEK-Polizisten zu kennen \u2013 von einem rechtsextremen Hintergrund will er aber nichts mitbekommen haben. <\/p>\n<p>Nach Angaben eines Zeugen soll T. jedoch zeitweise selbst Mitglied der &quot;Nordkreuz&quot;-Chatgruppe gewesen sein, sich dann aber abgemeldet haben. Au\u00dferdem sollen sich mehrere der &quot;Nordkreuz&quot;-Mitglieder alle paar Wochen zum Schie\u00dfen in G\u00fcstrow getroffen haben. Auf dem Schie\u00dfstand h\u00e4tten sie teils auch ihre Munition gekauft.<\/p>\n<p>Auf eine Anfrage des SPIEGEL reagierte T. nicht. Die Ermittler im Fall &quot;Nordkreuz&quot; f\u00fchren ihn als Zeugen, nicht als Beschuldigten.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Stacheldraht und Deutschlandfahne: Der G\u00fcstrower Schie\u00dfplatz, auf dem Baltic Shooters-Inhaber Frank T. seine Waffentrainings anbietet Foto:\u2002Gordon Welters \/ laif Ein Totensch\u00e4del mit rot gl\u00fchenden Augen, dahinter zwei gekreuzte<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3830,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3829","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3829"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3829\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3830"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}