{"id":3775,"date":"2020-11-11T10:07:39","date_gmt":"2020-11-11T07:07:39","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/lockdown-und-corona-krise-wo-die-geschafte-trotzdem-laufen-und-wo-ein-ladensterben-droht\/"},"modified":"2020-11-11T10:07:39","modified_gmt":"2020-11-11T07:07:39","slug":"lockdown-und-corona-krise-wo-die-geschafte-trotzdem-laufen-und-wo-ein-ladensterben-droht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/lockdown-und-corona-krise-wo-die-geschafte-trotzdem-laufen-und-wo-ein-ladensterben-droht\/","title":{"rendered":"Lockdown und Corona-Krise: Wo die Gesch\u00e4fte trotzdem laufen &#8211; und wo ein Ladensterben droht"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f7268c93-fc01-4fc7-bf8a-94fda92c6232_w948_r1.77_fpx33.74_fpy44.98.jpg\" title=\"G\u00e4hnende Leere in der Mall of Berlin am Leipziger Platz\" alt=\"G\u00e4hnende Leere in der Mall of Berlin am Leipziger Platz\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">G\u00e4hnende Leere in der Mall of Berlin am Leipziger Platz<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Michael Kr\u00f6ger \/ DER SPIEGEL  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Vom Gedr\u00e4nge normaler Tage ist in der Mall of Berlin wenig zu sp\u00fcren. In den kleineren Boutiquen verlieren sich einzelne Kundinnen, und auch in den gro\u00dfen Filialen von Zara \u00fcber H&amp;M bis Sport Scheck sieht es nicht besser aus. Direkt am Leipziger Platz gelegen, ist das Einkaufscenter mit 76.000 Quadratmetern und rund 300 Gesch\u00e4ften eigentlich eines der gr\u00f6\u00dften der Stadt. Jetzt h\u00e4ngen in auff\u00e4llig vielen Schaufenstern Plakate, die die Gesch\u00e4ftsaufgabe oder die Schlie\u00dfung der Filiale ank\u00fcndigen. &quot;Seit Anfang der Woche ist hier nichts mehr los&quot;, erkl\u00e4rt die Verk\u00e4uferin dort. Noch sei die Mannschaft vollz\u00e4hlig, f\u00fcgt sie hinzu. Aber es sei nur eine Frage der Zeit, bis einige von ihnen wieder nach Hause geschickt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch in der dritten Etage, wo viele kleine Restaurants Spezialit\u00e4ten aus aller Welt anbieten, wirken die wenigen Gr\u00fcppchen an diesem Tag Anfang November verloren auf der gro\u00dfen Fl\u00e4che. Normalerweise herrscht hier um die Mittagszeit Hochbetrieb. Heute ist es anders: Hier sind zwei Chinesinnen mit dem Verk\u00e4ufer ins Gespr\u00e4ch vertieft, dort diskutiert ein P\u00e4rchen, wo man den Burger am besten verzehren solle. Denn St\u00fchle und Tische fehlen \u2013 Pizza, H\u00fchnercurry oder Hamburger d\u00fcrfen nur &quot;au\u00dfer Haus&quot; verkauft werden.<\/p>\n<p>Seit dem 2. November gilt der &quot;Shutdown light&quot; &#8211; Kneipen, Restaurants, Kino, Theater und Fitnessstudios sind geschlossen, der Einzelhandel aber darf weiter \u00f6ffnen. Doch haben die Leute in einer solchen Situation \u00fcberhaupt Lust aufs Shoppen? Oder geben die neuen Einschr\u00e4nkungen den L\u00e4den und Einkaufszentren jetzt den Rest?<\/p>\n<p>Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland (HDE) hat verheerende Zahlen parat: Um 35 Prozent lagen die Ums\u00e4tze der Einzelhandelsgesch\u00e4fte in den Innenstadtlagen laut einer aktuellen HDE-Trendumfrage in der ersten Novemberwoche unter dem Vorjahreswert. Die Frequenz, also die Anzahl der Kunden, sei um 42 Prozent zur\u00fcckgegangen. Bei den Modeh\u00e4ndlern sieht es noch dramatischer aus: minus 43 Prozent beim Umsatz, minus 58 Prozent bei den Frequenzen. &quot;Die Erholung ist mit der Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz abrupt abgerissen&quot;, sagt Genth.<\/p>\n<h3>&quot;Die meisten Gesch\u00e4fte machen jeden Tag Verlust&quot;<\/h3>\n<p>Auf der Konferenz am 28. Oktober hatten Merkel und die Ministerpr\u00e4sidenten den neuen Shutdown beschlossen \u2013 verbunden mit dem Aufruf, zu Hause zu bleiben. Das nehme sich besonders die \u00e4ltere K\u00e4uferschicht zu Herzen, die sonst verst\u00e4rkt Mode- und Kaufh\u00e4user besuchten, so Genth. Dazu kommen die Kontaktbeschr\u00e4nkungen, die Arbeitstermine, Feste und andere Termine aus unserem Kalender l\u00f6schen \u2013 und damit den Grund, neue Kleidung zu kaufen. Das galt so \u00e4hnlich zwar auch schon in den vergangenen Monaten, doch im erneuten Shutdown f\u00e4llt nun auch der spontane Lustkauf weg, der grade langsam wiedergekommen war. &quot;Wir bef\u00fcrchten nat\u00fcrlich, dass sich das in den n\u00e4chsten drei Wochen auch nicht \u00e4ndert.&quot; Bis zu 50.000 Gesch\u00e4fte seien in ihrer Existenz gef\u00e4hrdet, sagt Genth.<\/p>\n<p>Die besonders betroffene Modebranche schl\u00e4gt Alarm. &quot;Aktuell machen die meisten Gesch\u00e4fte jeden Tag Verlust, weil die Ums\u00e4tze nicht mal die anfallenden Kosten decken&quot;, sagt Steffen Jost, Pr\u00e4sident des Handelsverbands Textil (BTE). In etlichen F\u00e4llen k\u00e4men Modeh\u00e4ndler derzeit nicht mal auf die H\u00e4lfte ihrer \u00fcblichen Ums\u00e4tze. Auch der Onlineverkauf sei kein Allheilmittel: Amazon oder Zalando n\u00e4hmen eine Provision von rund 20 Prozent bei station\u00e4ren Modeh\u00e4ndlern, das sei bei einer durchschnittlichen Umsatzrendite von rund drei Prozent einfach zu teuer.<\/p>\n<p>Ein d\u00fcsteres Bild zeichnet auch das GfK Konsumklima, dessen Wert von -1,7 Punkten im Oktober auf prognostizierte -3,1 im November fallen wird. Das Barometer bildet die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ab und gibt einen Ausblick f\u00fcr den Folgemonat. &quot;Die Erholung des Konsums, die wir im Sommer gesehen haben, ist jetzt endg\u00fcltig abgebrochen&quot;, sagt Rolf B\u00fcrkl, GfK-Konsumexperte.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr seien weniger die Angst vor einem wirtschaftlichen Abstieg: &quot;Die Leute haben dank der staatlichen Unterst\u00fctzungsprogramme nicht unbedingt weniger Geld in der Tasche \u2013 die Kaufkraft bleibt stark. Aber sie haben weniger Lust, einkaufen zu gehen, weil sie Angst vor Ansteckung haben. Zudem schr\u00e4nkt die Maskenpflicht das Einkaufserlebnis zus\u00e4tzlich ein&quot;, sagt B\u00fcrkl.<\/p>\n<p>Getroffen vom Shutdown sind neben Mode- und Schuhh\u00e4usern auch B\u00fccherketten oder Elektronikm\u00e4rkte in Innenstadtlagen. Wie sehr, das zeigt die Leere der Mall of Berlin und anderer Gesch\u00e4fte in zentralen Lagen. Auf den Gehsteigen der Hamburger M\u00f6nckebergstra\u00dfe etwa herrscht in diesen Tagen zwar durchaus Betrieb. Doch es sind nur rund zwei Drittel der sonst \u00fcblichen Frequenz, wie das Portal &quot;Hystreet&quot; zeigt, das Frequenzen in Einkaufsstra\u00dfen in Echtzeit misst.<\/p>\n<h3>Superm\u00e4rkte, Baum\u00e4rkte und M\u00f6belh\u00e4user boomen<\/h3>\n<p>Doch l\u00e4ngst nicht bei allen H\u00e4ndlern l\u00e4uft es schlecht. Superm\u00e4rkte, Baum\u00e4rkte oder M\u00f6belh\u00e4user sind bisher immun gegen die Coronakrise: Ihre Ums\u00e4tze haben seit Beginn der Pandemie sogar enorm zugelegt. Zusammen mit dem stark wachsenden Onlinegesch\u00e4ft habe dies den Einzelhandel insgesamt wachsen lassen, er stehe nun sowohl \u00fcber Vorkrisenniveau als auch \u00fcber Vorjahr, sagt B\u00fcrkl.<\/p>\n<p>Auch dort, wo es lokaler und pers\u00f6nlicher zugeht als in den reinen Einkaufsstra\u00dfen der Innenst\u00e4dte, l\u00e4uft es jetzt in der Krise besser. Die Boutique &quot;Steen&quot; im wohlsituierten Hamburger Stadtteil Othmarschen etwa kann nicht klagen. In dem hellen Laden mit ge\u00f6ffneter T\u00fcr gibt es edle Cashmere-T\u00fccher f\u00fcr 199 Euro oder sandfarbene Daunenm\u00e4ntel f\u00fcr 499 Euro. &quot;Ich kann keinen Unterschied zu letzter Woche feststellen&quot;, sagt die Mitarbeiterin bei einem Besuch Anfang November und zeigt auf einen silbriggr\u00fcnen Mantel im Schaufenster. &quot;Den habe ich gerade einer Kundin verkauft, die Tochter hat dann spontan denselben in Silber genommen. Hier hat sich eine Art Corona-Routine eingestellt.&quot;<\/p>\n<p>Auch nebenan im Buchladen &quot;Quotes&quot; hat man kaum eine Ver\u00e4nderung bemerkt. &quot;Uns kleinen Buchhandlungen geht es in der Pandemie relativ gut&quot;, sagt Buchh\u00e4ndlerin Beate Kreidel. &quot;Die Leute haben mehr Zeit zu Hause und kaufen mehr B\u00fccher. Und wir profitieren von unserer sehr engen Kundenbindung.&quot;<\/p>\n<p>Insgesamt h\u00e4tten kleinere St\u00e4dte und Standorte weniger Probleme als die gro\u00dfen innerst\u00e4dtischen Modeh\u00e4user mit 4000 Quadratmeter Fl\u00e4che, meint Verbandsvertreter Genth. &quot;Die Leute bleiben gern in ihrem Viertel, statt in die Innenst\u00e4dte zu fahren.&quot; Und nicht zuletzt spielt der Frischluftfaktor in Pandemiezeiten an Einkaufsstra\u00dfen auch eine Rolle \u2013 gegen\u00fcber geschlossenen Einkaufszentren.<\/p>\n<p>Damit die Innenst\u00e4dte nicht zugrundegehen, fordern die Verb\u00e4nde direkte Hilfen vom Staat. So sollen die sogenannten Novemberhilfen, die bisher f\u00fcr direkt vom Shutdown betroffene Unternehmen wie Restaurants, Kneipen oder Hotels vorgesehen sind, auf den Einzelhandel ausgeweitet werden. &quot;Nicht pauschal mit der Gie\u00dfkanne, aber nach Bedarf&quot;, sagt HDE-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Genth. Und den Bedarf sieht er kommen, besonders in der Vorweihnachtszeit: &quot;Viele Gesch\u00e4fte machen 25 Prozent ihres Jahresumsatzes im Weihnachtsgesch\u00e4ft.&quot;<\/p>\n<h3>Weihnachtsgesch\u00e4ft k\u00f6nnte sogar wachsen<\/h3>\n<p>Das Gesch\u00e4ft mit den Geschenken k\u00f6nnte zwar durchaus positiv ausfallen: Der HDE rechnet dank der guten Kaufkraft in diesem Jahr mit Weihnachtsums\u00e4tzen von rund 104 Milliarden Euro \u2013 das w\u00e4ren 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Und die GfK geht davon aus, dass zum Jahresende Verbraucher noch die M\u00f6glichkeit des Einkaufens mit reduzierter Mehrwertsteuer nutzen werden. Doch davon d\u00fcrften weit weniger als sonst die Innenstadtl\u00e4den profitieren. In einer repr\u00e4sentativen Umfrage gaben 53 Prozent der Befragten an, in diesem Jahr &quot;wegen der Coronakrise seltener f\u00fcr Weihnachten einkaufen gehen&quot; zu wollen, 44 Prozent wollen die &quot;Weihnachtseink\u00e4ufe verst\u00e4rkt online t\u00e4tigen&quot;. F\u00fcr den Onlinehandel erwartet der HDE deshalb im Weihnachtsgesch\u00e4ft 19 Prozent mehr Umsatz.<\/p>\n<p>Aufgeben wollen viele L\u00e4den in den Einkaufszentren deshalb trotzdem nicht. In der Mall of Berlin dekoriert an diesem Novembertag eine junge Verk\u00e4uferin ein Regal mit Geschenkartikeln im Designerladen um. &quot;Jetzt ist ein bisschen Zeit daf\u00fcr&quot;, sagt sie, und man erkennt, wie sie den Mund hinter ihrer Maske zu einem schiefen L\u00e4cheln verzieht. Nach dieser Art von Ruhe sehnt sich hier eigentlich niemand. &quot;In der n\u00e4chsten Woche kommen wieder mehr Kunden&quot;, sagt sie voraus. &quot;Das war schon im M\u00e4rz so, nachdem die ersten Vorschriften des Lockdowns gelockert wurden.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern G\u00e4hnende Leere in der Mall of Berlin am Leipziger Platz Foto:\u2002Michael Kr\u00f6ger \/ DER SPIEGEL Vom Gedr\u00e4nge normaler Tage ist in der Mall of Berlin wenig zu sp\u00fcren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3776,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3775","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3775","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3775"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3775\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3776"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3775"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3775"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3775"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}