{"id":3745,"date":"2020-11-10T00:30:10","date_gmt":"2020-11-09T21:30:10","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/boris-johnson-sucht-nach-donald-trumps-abwahl-einen-neuen-freund\/"},"modified":"2020-11-10T00:30:10","modified_gmt":"2020-11-09T21:30:10","slug":"boris-johnson-sucht-nach-donald-trumps-abwahl-einen-neuen-freund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/boris-johnson-sucht-nach-donald-trumps-abwahl-einen-neuen-freund\/","title":{"rendered":"Boris Johnson sucht nach Donald Trumps Abwahl einen neuen Freund"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/6b5f6e53-9fdc-454f-a291-4af5272e9557_w948_r1.77_fpx55_fpy88.jpg\" title=\"Boris Johnson (l.) und Donald Trump w\u00e4hrend der Uno-Vollversammlung 2019\" alt=\"Boris Johnson (l.) und Donald Trump w\u00e4hrend der Uno-Vollversammlung 2019\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Boris Johnson (l.) und Donald Trump w\u00e4hrend der Uno-Vollversammlung 2019<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>Jonathan Ernst\/ REUTERS<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Gratulation aus England stie\u00df nicht \u00fcberall in Amerika auf Wohlgefallen. Kaum hatte der britische Regierungschef Boris Johnson dem k\u00fcnftigen US-Pr\u00e4sidenten Joe Biden am Samstagabend seine Gl\u00fcckw\u00fcnsche zugezwitschert, meldete sich, ebenfalls per Twitter, ein alter Weggef\u00e4hrte Bidens zu Wort. Johnson sei ein &quot;widerlicher Gestaltwandler&quot;, wetterte Tommy Vietor. Und: &quot;Wir werden deine rassistischen Kommentare \u00fcber Obama und deine sklavische Ergebenheit zu Trump niemals vergessen.&quot;<\/p>\n<p>Die gute Nachricht f\u00fcr Gro\u00dfbritannien: Vietor, einst au\u00dfenpolitisches Sprachrohr der Obama\/Biden-Regierung, wird in Washington wohl eher kein Comeback feiern. Die schlechte: Seine Meinung \u00fcber Johnson wird von manchen US-Demokraten durchaus geteilt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit dem Wochenende fragen sich in London daher viele, ob Johnsons gut ge\u00fcbte Praxis, Standpunkte und \u00dcberzeugungen nach Belieben zu revidieren, ausreichen kann, um auch Joe Biden erfolgreich zu charmieren. Ob also die rituell beschworene &quot;besondere Beziehung&quot; zu den Vereinigten Staaten so besonders bleiben wird, wie sie es in den vergangenen vier Jahren war.<\/p>\n<h3>Johnson \u00e4tzte \u00fcber den &quot;teil-kenianischen&quot; Obama<\/h3>\n<p>Es wird ein hartes St\u00fcck Arbeit f\u00fcr den britischen Premierminister. Bereits im Dezember 2019, kurz nach dessen triumphalen Wahlsieg, hatte sich Biden reichlich abf\u00e4llig \u00fcber Johnson ge\u00e4u\u00dfert. Dieser sei &quot;ein physischer und emotionaler Klon&quot; von Trump. Dass der sonst so joviale Demokrat derart undiplomatisch auskeilte, hat seinen Grund offenbar in einer Episode aus dem Jahr 2016.<\/p>\n<p>Damals, kurz vor dem Brexit-Referendum, hatte Johnson \u00f6ffentlich gegen die Entfernung einer B\u00fcste Winston Churchills aus dem Wei\u00dfen Haus protestiert. Diese Entscheidung Obamas, so Johnson, stehe symbolisch f\u00fcr &quot;die Abneigung, welche die Vorfahren des teil-kenianischen Pr\u00e4sidenten gegen das britische Empire empfinden&quot;. Das waren dieselben rassistischen Untert\u00f6ne, mit denen auch Trump in seinem ersten Wahlkampf auf Stimmenfang ging. Biden, ein enger Freund Obamas, hat es nicht vergessen.<\/p>\n<p>Brexit und Trump, das sind f\u00fcr Biden und die US-Demokraten Symptome desselben populistischen und nationalistischen \u00dcbels, das sie gelobt haben zu bek\u00e4mpfen. Trump selbst hatte die Parallelen wiederholt beschworen, indem er den Brexit feierte und dessen Frontmann Johnson als &quot;Britain Trump&quot; adelte. Und auch, wenn sich London zuletzt auff\u00e4llig bem\u00fchte, Distanz zu Trump zu wahren: Das Misstrauen der US-Demokraten ist gro\u00df.<\/p>\n<h3>Downing Street bl\u00e4st zur Charmeoffensive<\/h3>\n<p>Und es gilt nicht nur der Person Johnson. Auch Michael Gove, im britischen Kabinett f\u00fcr die Umsetzung des Brexit verantwortlich, ist in Bidens Team als Rechtsau\u00dfen und Republikaner-Freund verschrieen. Nicht \u00fcberh\u00f6rt wurde in Washington zudem, dass Johnsons Au\u00dfenminister Dominic Raab den knieenden Protest der &quot;Black Lives Matter&quot;-Bewegung als &quot;Unterwerfung und Unterordnung&quot; verh\u00f6hnte. F\u00fcr Biden, der den Kampf gegen systemischen Rassismus zur Priorit\u00e4t erkl\u00e4rt hat, sind das keine Kleinigkeiten.<\/p>\n<p>Es war denn auch Raab, der am Wochenende von Downing Street vorgeschickt wurde, um vers\u00f6hnliche Signale Richtung Washington auszusenden. In der BBC beschwor der Au\u00dfenminister die gedeihlichen Beziehungen und versprach, dass man k\u00fcnftig &quot;sehr sorgf\u00e4ltig unseren amerikanischen Freunden zuh\u00f6ren&quot; werde, insbesondere jenen auf dem Capitol-H\u00fcgel &quot;und in der irischen Lobby&quot;.  <\/p>\n<p>Vor allem letztere Bemerkung ist vielsagend, zielt sie doch auf einen zentralen Streitpunkt ab, der die Brexit-Verhandlungen seit Jahren begleitet: die Frage, ob und wie der Brexit, der am 31. Dezember endg\u00fcltig vollzogen sein soll, den instabilen Frieden in Nordirland gef\u00e4hrden wird.<\/p>\n<h3>Durch Biden wird ein Brexit-Deal wahrscheinlicher<\/h3>\n<p>Im September hatte Johnson die Verhandlungen mit der Europ\u00e4ischen Union \u00fcber die k\u00fcnftigen Beziehungen fast zum Platzen gebracht, als er ein Gesetz vorlegte, das in letzter Konsequenz zu einer harten Grenze zwischen Irland und Nordirland f\u00fchren k\u00f6nnte \u00ad\u00ad &#8211; ein glatter internationaler Rechtsbruch, mit dem London das Wiederaufflammen von Gewalt in der Unruheprovinz in Kauf nehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Auch Joe Biden, dessen Vorfahren aus dem westirischen Ballina stammen und der sich selbst als Ire bezeichnet, geh\u00f6rte seinerzeit zu jenen, die aufschrieen. Johnson m\u00f6ge sich nicht t\u00e4uschen, lie\u00df er damals wissen: Sollte dessen Brexit den Frieden in (Nord)irland gef\u00e4hrden, werde Gro\u00dfbritannien nicht den Handelsvertrag mit den USA bekommen, den es so dringend braucht, um in einer Post-EU-Zukunft bestehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insofern k\u00f6nnte die Wahl Bidens nun erheblichen Einfluss auf die seit Monaten festgefahrenen Brexit-Verhandlungen haben. Johnsons Entschlossenheit, notfalls den vertragslosen Bruch mit der EU zu wagen, d\u00fcrfte mit dem Abgang seines m\u00e4chtigsten Freundes Donald Trump eher abgenommen haben. &quot;Ein Deal ist zum Greifen nah&quot;, sagte Raab am Wochenende. Etwa eine Woche bleibt daf\u00fcr noch.  <\/p>\n<h3>London ist kein Br\u00fcckenkopf in die EU mehr<\/h3>\n<p>Aber selbst wenn ein Durchbruch gelingen sollte \u2013 wof\u00fcr vieles spricht \u2013, ist es bis zu einer Neuauflage der &quot;besonderen&quot; britisch-amerikanischen Beziehung noch ein weiter Weg. Gro\u00dfbritannien war f\u00fcr die USA in den vergangenen Jahrzehnten immer auch deshalb ein wichtiger Verb\u00fcndeter, weil es als machtvolles Mitglied der EU die Politik des Staatenblocks mitbestimmte.<\/p>\n<p>Diese Rolle wird das Land nach dem Brexit nicht mehr spielen. Biden aber will den Einfluss der USA in Europa wieder st\u00e4rken \u2013 seine nat\u00fcrlichen Ansprechpartner daf\u00fcr d\u00fcrften Angela Merkel und Emmanuel Macron sein.<\/p>\n<p>Johnson m\u00fcht sich nach Kr\u00e4ften, im gro\u00dfen Spiel der m\u00e4chtigen Bl\u00f6cke nicht zerrieben zu werden. Am Sonntag gratulierte er Biden erneut und nannte die USA den &quot;engsten und wichtigsten Alliierten&quot; seines Landes. Es gebe jede Menge &quot;entscheidendes Zeug&quot;, an dem man gemeinsam arbeiten k\u00f6nne. Was er meint, ist die traditionell enge Kooperation der Sicherheitsbeh\u00f6rden und Geheimdienste oder auch eine entschlossene Politik gegen\u00fcber Russland und China.<\/p>\n<h3>Johnson setzt aufs Klima<\/h3>\n<p>Vor allem aber dient sich Johnson dem US-Pr\u00e4sidenten nun als gewissenhafter Verb\u00fcndeter im Kampf gegen den Klimawandel an. Im November 2021 wird Gro\u00dfbritannien in Glasgow die n\u00e4chste Uno-Klimakonferenz veranstalten. Nur zu gern w\u00fcrde Johnson dort mit Biden verk\u00fcnden, dass die USA sich wieder dem Pariser \u00dcbereinkommen zum Klimaschutz anschlie\u00dfen \u00ad\u2013 und so wom\u00f6glich auch seine pers\u00f6nlichen Beziehungen zum n\u00e4chsten US-Pr\u00e4sidenten wieder reparieren. &quot;Uns vereint viel mehr als uns trennt&quot;, findet Johnson.<\/p>\n<p>Wie weit Joe Biden bereit ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, wird sich auch an der Frage entscheiden, wen er k\u00fcnftig als US-Botschafter nach London entsendet. Namen kursieren bereits in der britischen Presse, darunter auch einer, den Johnsons Tories eher f\u00fcrchten \u2013 der von Barack Obama.       <\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Boris Johnson (l.) und Donald Trump w\u00e4hrend der Uno-Vollversammlung 2019 Foto:\u2002 Jonathan Ernst\/ REUTERS Die Gratulation aus England stie\u00df nicht \u00fcberall in Amerika auf Wohlgefallen. 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