{"id":3743,"date":"2020-11-09T22:26:07","date_gmt":"2020-11-09T19:26:07","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/biontech-und-corona-hoffnung-fur-milliarden\/"},"modified":"2020-11-09T22:26:07","modified_gmt":"2020-11-09T19:26:07","slug":"biontech-und-corona-hoffnung-fur-milliarden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/biontech-und-corona-hoffnung-fur-milliarden\/","title":{"rendered":"Biontech und Corona: Hoffnung f\u00fcr Milliarden"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/3f6a8104-77aa-4f29-97e2-79fc7bead8a5_w948_r1.77_fpx55.52_fpy49.99.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>  Foto:\u2002Stefan Albrecht\/Biontech \/ DPA  <\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"caps\">Auf diese Nachricht hat die Welt gewartet, auch die Welt des gro\u00dfen Geldes. Montagmittag, 12.45 Uhr: Die Pharma-Unternehmen Biontech und Pfizer verk\u00fcnden, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 bietet. Ruckartig schie\u00dfen die B\u00f6rsenkurse in Frankfurt, London, Paris, Mailand nach oben, vor allem die Aktien mancher Fluggesellschaften heben ab, allein die Lufthansa-Aktie hat zeitweise ein Plus von mehr als 25 Prozent. Auch an den internationalen Roh\u00f6lb\u00f6rsen gehen die Notierungen pl\u00f6tzlich hoch. Im Gegenzug wird die Krisenw\u00e4hrung Gold billiger.<\/p>\n<p>Sehr stark sind auch die Ausschl\u00e4ge bei den Aktien der Impfstoffhersteller. Pfizer: zeitweise plus zw\u00f6lf Prozent. Biontech: sogar plus 26 Prozent. Gegen 13.15 Uhr ist das Mainzer Biotechnolgie-Unternehmen um die 23 Milliarden Euro wert &#8211; mehr als Konzerne wie Beiersdorf oder die Deutsche Bank. Dabei hatte es zum Jahreswechsel noch nicht einmal 1000 Mitarbeiter.<\/p>\n<p>Aber da ahnte auch noch niemand, dass 2020 ein neuartiges Coronavirus das Weltgeschehen bestimmen w\u00fcrde. Jetzt k\u00f6nnte der von Biontech und Pfizer entwickelte Impfstoff BMT162b2 zur wichtigsten Waffe im Kampf gegen die Seuche werden.<\/p>\n<h3><strong>Projekt &quot;Lightspeed&quot; <\/strong><\/h3>\n<p>Schon kommende Woche k\u00f6nnten die beiden Hersteller bei der US-Arzneimittelbeh\u00f6rde FDA seine Zulassung beantragen. Die Unternehmen rechnen damit, bis zum Jahresende weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoff-Dosen bereitstellen zu k\u00f6nnen \u2013 und 2021 bis zu 1,3 Milliarden Dosen. Das macht Hoffnung. Allerdings k\u00f6nnte es gerade in Europa noch l\u00e4nger dauern, bis alle Bed\u00fcrftigen die Impfung bekommen.<\/p>\n<p>Dass Biontech fr\u00fcher dran ist als alle anderen regul\u00e4ren Wettbewerber, liegt an U\u011fur \u015eahin und \u00d6zlem T\u00fcreci. Die Biontech-Gr\u00fcnder, beide Mitte 50, Kinder t\u00fcrkischer Einwanderer und miteinander verheiratet, beschlossen schon Mitte Januar, einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zu entwickeln. Obgleich es damals noch keinen einzigen best\u00e4tigten Covid-19-Fall in Europa gab. Und obwohl sich ihr Unternehmen seit seinem Start im Jahr 2008 vor allem auf den Kampf gegen den Krebs fokussiert hatte.<\/p>\n<p>&quot;Lightspeed&quot;, &quot;Lichtgeschwindigkeit&quot;, nannten \u015eahin und T\u00fcreci das neue Projekt. Rasend schnell entwickelten ihre Forscher potenzielle Impfstoffe. 20 Kandidaten waren es bereits, als die Bundesregierung den ersten Shutdown in Deutschland erwog.<\/p>\n<p>Am 17. M\u00e4rz beschloss Biontech eine Kooperation mit dem US-Pharmariesen Pfizer, das Know-how und die Produktionsanlagen zur Herstellung Hunderter Millionen Vakzinen hat. Es war der Tag, an dem das Robert Koch-Institut erstmals das Risiko f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung durch Sars-CoV-2 als &quot;hoch&quot; einstufte. Am 23. April starteten Biontech und Pfizer die klinischen Studien; bald fokussierten sich die Hersteller auf zwei potenzielle Impfstoffe.<\/p>\n<p>Hoffnung macht jetzt vor allem die von Biontech und Pfizer angegebene Wirksamkeit: mindestens 90 Prozent. Zwar war \u015eahin im Gespr\u00e4ch mit dem SPIEGEL vor wenigen Wochen optimistisch, eine hohe Wirksamkeit zu erreichen. Doch von einem derart hohen Wert gingen wenige Beobachter aus. Die US-Zulassungsbeh\u00f6rde FDA gibt 50 Prozent als Mindestziel f\u00fcr die Wirksamkeit aus \u2013 der Impfstoff muss also die H\u00e4lfte der geimpften Menschen sch\u00fctzen. In Europa wird von Fall zu Fall entschieden.<\/p>\n<p>Die 90 Prozent beziehen sich vermutlich darauf, wie viele schwere Infektionen der Impfstoff verhindert. Inwiefern er eine Ansteckung mit dem Coronavirus verhindern kann, ist bisher \u00f6ffentlich unbekannt. Es gilt als wahrscheinlich, dass BMT162b2 hier schlechter abschneiden wird \u2013 womit Hygiene-, Abstands- und Maskenregeln noch lange erhalten bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u015eahin gibt sich allerdings auch hier zuversichtlich. &quot;Ich glaube, dass Impfstoffe idealerweise zwei Dinge leisten sollten&quot;, sagte er dem SPIEGEL. &quot;Zum einen die Krankheit verhindern oder zumindest zu mildern \u2013 zum anderen aber auch, die \u00dcbertragung des Erregers von Mensch zu Mensch zu verhindern.&quot; Detaillierte Daten zu seinen neuesten Studienergebnissen hat sein Unternehmen bisher nicht vorgelegt, dies soll bald geschehen.<\/p>\n<p>Eine Zulassung in den USA ist nicht gleichbedeutend mit einer Zulassung in Europa. Hier entscheidet die europ\u00e4ische Arzneimittelbeh\u00f6rde EMA. Biontech hat die Genehmigung im sogenannten &quot;Rolling-Review&quot;-Verfahren beantragt. Dabei werden die Studienergebnisse nicht wie meist \u00fcblich auf einmal eingereicht, sondern h\u00e4ppchenweise bei der Zulassungsbeh\u00f6rde.<\/p>\n<p>So kann sich die EMA nach und nach durch die Datenflut arbeiten und schneller entscheiden \u2013 allerdings auch nicht von heute auf morgen. Es kann also gut sein, dass die FDA schon sehr bald eine Zulassung erteilt, die EMA in Europa aber noch nicht.<\/p>\n<h3>Umfangreiche Abnahmevertr\u00e4ge sind schon geschlossen<\/h3>\n<p>Und: Eine Zulassung bedeutet nicht automatisch Verf\u00fcgbarkeit. Anfangs werden die Vakzinen wohl noch nicht mal f\u00fcr eine schnelle Impfung f\u00fcr alle Risikogruppen und medizinisches Fachpersonal reichen. Der Chef des in Deutschland zust\u00e4ndigen Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, sagte dem SPIEGEL, man k\u00f6nne um jeden zugelassenen Impfstoff dankbar sein. &quot;Wir brauchen auch sicher die Herstellungskapazit\u00e4ten mehrerer Zulassungsinhaber. Zudem k\u00f6nnen Impfstoffe f\u00fcr unterschiedliche Alters- oder Risikogruppen indiziert sein.&quot;<\/p>\n<p>F\u00fcr gro\u00dfe Teile der bis Ende 2021 erwarteten 1,5 Milliarden Dosen des Biontech-Pfizer-Impfstoffes gibt es schon Abnahmevertr\u00e4ge \u2013 etwa mit den USA, Japan und Kanada. Die EU steht laut Kommissionschefin Ursula von der Leyen vor dem Abschluss eines Deals \u00fcber 200 Millionen Dosen \u2013 mit einer Option auf weitere 100 Millionen. Die Impfungen sollen dann nach dem Bev\u00f6lkerungsschl\u00fcssel der EU verteilt werden. Je mehr Einwohner, desto mehr bekommt ein Land. Doch die Bundesregierung verhandelt auch direkt mit Biontech und dem T\u00fcbinger Unternehmen Curevac \u00fcber weitere Mengen.<\/p>\n<p>Zwar ist Biontechs BNT162b2 in der Poleposition. Doch andere Impfstoffe m\u00fcssen folgen, wenn breite Teile der Bev\u00f6lkerung geimpft werden sollen. 64 Wirkstoffe, darunter auch Vakzine, werden aktuell von der EMA aufgef\u00fchrt, deren Hersteller Kontakt zur europ\u00e4ischen Zulassungsbeh\u00f6rde aufgenommen haben. Neben dem Impfstoff von Biontech durchl\u00e4uft derzeit noch ChAdOx1-SARS-CoV-2 das &quot;Rolling-Review&quot;-Verfahren: jener Impfstoff, der gemeinsam von AstraZeneca und der University of Oxford entwickelt wird.<\/p>\n<p>Der Deal mit Pfizer bringt Biontech Sicherheit und macht eine Massenproduktion erst m\u00f6glich. Er verhindert aber auch, dass die Deutschen das ganz gro\u00dfe Gesch\u00e4ft machen.<\/p>\n<h3>Schlechtes Gesch\u00e4ft f\u00fcr Biontech?<\/h3>\n<p>Pfizer \u00fcbernimmt die H\u00e4lfte der Entwicklungskosten von BMT162b2 und wird Biontech im Erfolgsfall 748 Millionen Dollar zahlen. Analysten erwarten, dass sich beide Unternehmen dazu die Einnahmen aus der Vermarktung teilen: f\u00fcr 2021 gesch\u00e4tzte 3,5 Milliarden Dollar. Kein guter Deal f\u00fcr Biontech, sagen manche Kritiker, ein erster Covid-Impfstoff k\u00f6nnte noch h\u00f6here Ertr\u00e4ge bringen.<\/p>\n<p>Dennoch wird Biontech im Fall einer Zulassung von BMT162b2 nun viel, viel mehr Geld einnehmen als je zuvor in der Firmengeschichte. Lange Zeit hatten die Mainzer vor allem Grundlagenforschung betrieben. Von den 20 Medikamenten, die das Unternehmen bis zu diesem Jahr entwickelt hatte, war noch nicht ein einziges zugelassen worden.<\/p>\n<p>Entsprechend gering waren die Ums\u00e4tze. Aber Biontech hat geduldige Kapitalgeber: allen voran Thomas und Andreas Str\u00fcngmann. Die beiden Br\u00fcder, die einst Hexal gr\u00fcndeten und den Generika-Hersteller im Jahr 2005 f\u00fcr rund 5,6 Milliarden Euro an den Pharmakonzern Novartis verkauften, stellten \u015eahin zur Gr\u00fcndung von Biontech vor zw\u00f6lf Jahren rund 150 Millionen Euro bereit.<\/p>\n<p>Ihr Investment hat sich bezahlt gemacht. Noch immer sind die Str\u00fcngmanns \u00fcber ihr Family Office Gro\u00dfaktion\u00e4re bei Biontech; ihr Anteil d\u00fcrfte beim aktuellen B\u00f6rsenkurs an die zehn Milliarden Euro wert sein.  \u015eahin und seinem Team sei &quot;innerhalb k\u00fcrzester Zeit&quot; gelungen, &quot;einen Impfstoff aus dem Boden zu stampfen, der zu 90 Prozent wirkt&quot;, erkl\u00e4rte Thomas Str\u00fcngmann am Montag gegen\u00fcber dem SPIEGEL. &quot;Ich rechne damit, dass der Corona-Impfstoff noch Ende dieses oder Anfang n\u00e4chsten Jahres zur Verf\u00fcgung steht.&quot;<\/p>\n<p>Auch U\u011fur \u015eahin, der als Sohn eines Arbeiters der K\u00f6lner Ford-Werke aufwuchs, ist ein reicher Mann geworden. Er h\u00e4lt um die 18 Prozent der Aktien. Aktueller Wert: mehr als 3,5 Milliarden Euro.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Foto:\u2002Stefan Albrecht\/Biontech \/ DPA Auf diese Nachricht hat die Welt gewartet, auch die Welt des gro\u00dfen Geldes. 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